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Bagram closing: Lawyers worried about ‘ghost detainees’ (Bagram schließt: Sorgen über mögliche Geister-Gefangene, von Kate Clark, 14. Oktober 2014)

Freilassung von Häftlingen aus Bagram. Foto: ToloNews

Freilassung von Häftlingen aus Bagram. Foto: ToloNews

 

Pakistanische Anwälte haben AAN mitgeteilt, dass sie befürchten, dass nach der Schließung des Gefängnisses auf ihrer Basis Bagram nördlich von Kabul zu Ende des Jahres sogenannten Geister-Gefangene zurückbleiben könnten, deren Namen, Identität – und Schicksal – der Außenwelt unbekannt bleiben könnte. Die USA haben über das letzte Jahr 39 Pakistani aus Bagram repatriiert, denn mit dem Ende der ISAF-Kampfmission am 31. Dezember 2014 endet auch ihre legale Autorität unter dem Kriegsvölkerrecht, gegnerische Kämpfer zu internieren. Die endgültige Schließung des Gefängnisses in Bagram wird mit dem kürzlich unterschriebenen US-afghanischen bilateralen Sicherheitsabkommen geregelt.

Das Pakistan Justice Project hat sich jetzt an die Gerichte gewandt mit der Forderung, die pakistanische Regierung zur vollständigen Veröffentlichung der Identitäten jener Pakistani zu bringen, die immer noch in Bagram festgehalten werden, und dies auch für jene 23 zu tun, die im August und September repatriiert wurden – sowie Zugang zu ihnen zu gewähren.

Unter den Gefangenen, die immer noch in Bagram festgehalten werden, gehören – neben mindestens vier oder fünf Pakistani – möglicherweise der Deutsch-Marokkaner Muhammad Abdulawi und der Ägypter Abu Ikhlas al-Masri, die 2011 bzw 2012 gefangen genommen worden waren, sowie der Russe Irek Hamidullan (so in den US-Listen) oder eher Khamidullin , der 2009 nach einem Angriff verwundet an einem afghanischen Grenzposten festgenommen worden war. Ein US-Militärsprecher sagte AAN, dass in Bagram noch 13 Gefangene verschiedener Nationalität festgehalten würden, von „weniger als 70“ früher in diesem Jahr.

Mit Link zu vollständigen Namenslisten, zusammengestellt von AAN.

Das ist ein Update eines früheren (und ausführlicheren) Dispatches “Bagram prison to close with BSA: 13 foreign detainees left – what to do with the rest?” vom 2. Oktober 2014.

Englische Originalversion hier.

 

The Start into the Better Governance Marathon: Ghani’s first days (Der Start zum Marathon für bessere Regierungsführung, von Thomas Ruttig, 11. Oktober 2014)

Deutsche Kurzfassung auf meiner Webseite hier:

 

To Syria, not Afghanistan: Central Asian jihadis ‘neglect’ their neighbour (Nach Syrien, und nicht nach Afghanistan: Zentralasiatische Dschihadis „vernachlässigen“ ihr Nachbarland, Christian Bleuer, 8. Oktober 2014)

Seit dem Sturz des Taleban-Regimes, und mit ihm der verbündeten Islamischen Bewegung Usbekistans (IMU) 2001, sind – entgegen übertriebener Berichte – nur sehr wenige Dschihadis aus den früheren Sowjetrepubliken in Zentralasien nach Afghanistan gekommen. Hingegen gibt es vergleichsweise eine Flut von Zentralasiaten ins viel weiter entfernte Syrien, vor allem in die Reihen des „Islamischen Staates“ (IS). Noch muss das Phänomen besser untersucht werden, aber dass dieser generelle Trend besteht ist bereits klar. Der Autor listet zehn mögliche Faktoren auf:

  1. IS und andere islamistische Rebellengruppen in Syrien und Irak scheinen zu gewinnen, während im 20 Jahre langen Kampf der Taleban in Afghanistan keine Ende in Sicht zu sein scheint. Der Kampf in Afghanistan scheint von den meisten internationalen Dschihadis, ausgenommen Pakistani, ignoriert zu werden.
  2. Zentralasiaten finden es prestigeträchtiger, in arabischen Ländern anstatt in Afghanistan zu kämpfen. In Tadschikistan oder Uzbekistan, zum Beispiel, hört man selten Sympathien für die Afghanen. Araber werden als die mehr authentischen Moslems angesehen.
  3. Der IS ist eine neue Marke, während die Taleban in Zentralasien durch mehrere Jahrzehnte kritischer Berichterstattung und offizieller Darstellung einen schlechten Ruf als „rückständig“, „fanatisch“ usw haben.
  4. Die Rekrutierung und Anreise nach Syrien ist leichter für Zentralasiaten: durch die Türkei. Zudem werden viele in Russland arbeitende Zentralasiaten für Syrien rekrutiert, die dort aus Familien-, Dorf-, Moschee- oder anderen sozialen Zusammenhängen herausgerissen sind. Hingegen sind Zentralasiens Grenzen mit Afghanistan stark militarisiert und kontrolliert.
  5. Der Krieg in Syrien und Irak wird als sunnitisch-schiitischer Konflikt dargestellt. Obwohl negative Einstellungen gegenüber Schiiten in Zentralasien nicht weit verbreitet sind, schließt sich eine zunehmende Zahl junger religiöser Menschen dieser Auffassung unter dem Einfluss der salafistischen Ideologie an. Die Taleban haben ihre radikale Haltung zu den Schiiten seit den späten 1990er Jahren gemäßigt.
  6. Soziale Medien sind ein wichtiger Rekrutierungsfaktor für den IS. Zentralasiaten, besonders in Russland, sind enthusiastische Nutzer, aber verwenden überwiegend russisch-sprachige Dienste. Die Taleban, IMU und al-Qaeda sind dort fast unsichtbar.
  7. Der Lebensstandard für Dschihadisten in Syrien ist – trotz aller Zerstörungen – höher als in Afghanistan. Sie können sogar ihre Familien mitbringen. Das wurde in Internet auch propagiert.
  8. Die (negativen) Erinnerungen an den sowjetischen Krieg in Afghanistan sind Zentralasien noch sehr lebendig. Die arabische Welt ist durch ähnliche Erinnerungen unbelastet.
  9. Fast alle Zentralasiaten sprechen weder Urdu noch Pashto, was einen Aufenthalt in Pakistan oder Afghanistan schwierig macht. Die meisten sprechen hingegen Russisch, viele auch Türkisch. Das erleichtert es, den Rekrutierungsnetzwerken aus Russlaand in die Türkei und von dort nach Syrien zu folgen. In Syrien findet sich leichter Anschluss an die bedeutende Zahl von Muslimen aus der Russischen Föderation oder Zentralasien. Die linguistische Nähe von Turkmenen, Uzbeken und Tadschiken aus Zentralasiaten mit ihren koethnischen Gemeinschaften in Nord-Afghanistan ist kein Faktor, wegen der o.g. Faktoren.
  10. Der vom IS in Syria und Irak proklamierte Dschihad ist international, das IS-Kalifat nicht an nationale Grenzen gebunden borders, seinem Kalifen sollen alle Muslime folgen. Im Gegensatz dazu ist sind die afghanischen Taleban auf ihren Kampf im nationalen Rahmen konzentriert. Für internationalistische Dschihadisten übt der IS deshalb mehr Anziehungkraft als die Taleban aus.

Vollständiger Text in Englisch hier.

 

Three Birds with One Stone: Signing the BSA and NATO SOFA to project reliability (von Thomas Ruttig und Kate Clark, 6. Oktober 2014)

Eine deutsche Version dieses Text erschien schon früher auf meiner Webseite hier.

Englischer Originaltext hier. 

 

Bagram prison to close with BSA: 13 foreign detainees left – what to do with the rest? (Bagram-Gefängnis muss mit BSA schließen: 13 ausländische Häftlinge übrig – was mit ihnen tun? von Kate Clark, 2. Oktober 2014)

Eine ausführliche Fassung in Englisch hier; ein späteres Update findet sich hier.

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