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This was first published in English on the AAN website on 2 September 2009, here. (Alle Fotos – außer die Taube aud dem Draht – von mir.)

 

Blauer Himmel über den Spinghar-Bergen durchs Flugzeugfenster. Kleine grüne Felder entlang des grauen Kabul-Flusses. Die Blechdächer von Pul-e Tscharchi reflektieren die Sonne.

Am Indira-Gandhi-Hospital der erste Stau.
Eine Schiebekarren, mit Bergen von Auberginen beladen, steckt zwischen Taxis und weißen UN-Fahrzeugen fest.
Ein Fahrradfahrer waghalsig im Gegenverkehr. Landcruiser mit getönten Scheiben und ohne Nummernschild nehmen die Gegenfahrbahn.
Das drohende Zeichen an der Rückfront des letzten Humvees eines US-Konvoys: Keep away!

 

"Keep away!"

„Keep away!“

 

Zargai-Apotheke.
Ghulam Nabi Eisenwaren.
Suraya Beauty Salon.
Hashemi-Grundstücksmakler.
Hajizada-Restaurant.
Fat Man’s Forest.
Ghazanfar-Bank.
Zirak ‘Plastics and Almonium’.
Kinder spielen Kricket im Staub auf dem seit 20 Jahren unbebauten Gelände der Emirati-Botschaft.

Der Geruch frischen Nans.

Der Geruch von frischem Nan...

Der Geruch von frischem Nan…

 

Kabul City Restaurant – mit Original Kentucky Steak Bar, Eröffnung 9.Juli.
Iranische Süßigkeiten in einem Konditorladen.
Ein Geldautomat beim Finest-Supermarkt.
Ein Hazara-Karrenschieber schläft im Schatten auf seinem Vehicle.

Hazara-Karrenzieher

Hazara-Karrenzieher

 

Abends um 9 sitze ich auf dem Chahrpai im Garten.
Der Vollmond hinter der dunklen Silhouette einer Zeder.
Ramadan-Koranlesung dringt aus übersteuerten Lautsprechern einer nahen Moschee.
Über dem Viertel kreisen Hubschrauber.
Streunende Hunde bellen die ganze Nacht gegen den Fluglärm an.

Geräusche aus der Küche um 3 Uhr morgens.
Es sind Tauben, die beim ersten Licht auf dem Fensterkreuz sitzen und gegen die Scheibe picken.
Sittiche, wie grüne Blitze, schieen durch den Garten von Gästehaus 26.
Drei Männer schaufeln Müll auf einen Lastwagen.

Taube in Kabuler Landschaft

Taube in Kabuler Landschaft

 

Ein Polizeiposten hört Transistorradio, während ein Mann mit Goldknöpfen am Anzug auf ein Taxi wartet.
Zwei Frauen in langen öcken überqueren die Straße wie in Zeitlupe.
Beturbante Paschtunen mit schwarzen Augen bündeln Lauch für den Verkauf.
Ein einsamer Arbeiter gießt Beton in der Auffahrt der Gulbahar-Einkaufsmall.
Ein Taxi hält mitten auf der Straße, und sein Fahrer macht ein Schätzchen mit dem Polizisten.
Die Tauben an der Du Shamshira-Moschee. 
Das handgemalte Schild mit den übertriebenen Muskelmännern am Fitnessklub.
Ein Janet-Jackson-Poster im Schaufenster des Friseuers: ‘islahat-e mui’ (Haarüberholung).
Der Junge im roten T-Shirt mit dem Ghettoblaster. Die Bettler an den Speedbreakern, die auf Almosen hoffen.
– Das Büro des Bürgermeisters hat im Ramadan eine Anti-Bettel-Kampagne gestartet.

Plakat vorm Fitnessklub

Plakat vorm Fitnessklub

 

Die Haji-Abdurrahman-der-Reifenverkäufer-Moschee soll bald öffnen.
Neu verlegte Steine auf dem Bürgersteig. (Fast) 24-stündige Stromversorgung – endlich, nach sieben Jahren, und fast niemand nimmt mehr davon Notiz.

Die Haji-Abdurrahman-Moschee soll bald öffnen...

Die Haji-Abdurrahman-Moschee soll bald öffnen…

 

Kam Air gibt bekannt, dass man jetzt Visa- und Masters-Karten akzeptiert.
Ein Banner mit schönen jungen Mädchen macht Reklame für islamisches Banking.
Jungen wedeln mit Banknotenbündeln für den Umtausch und Streifen von Telefonkarten.
Ein paar öffentliche Telefone in Taimani, die niemand benutzt.
Am Straßenrand alle Sorten von Melonen aus Mazar, Kunduz und Kandahar.
Eine Reklametafel verkündet: „Poppy is poison“.
Eine andere, auf dem Kulula-Puschta-Hügel kündigt ein Wahlkonzert mit Farhad Darya an (das niemals stattfand).

Stählernde Schlagbäume an fast jeder Einfahrt nach Wazir Akbar Khan.
Hesco-Containers wachsen wie Krebs, die Anti-Blast-Mauern vor den Häusern höher und höher.
Die Wachen mit ihren kugelsicheren Westen und AK-47, die aus dem Nachbartor herausstürzen, wenn ich am Büroeingang klingele.

Kabuls neue Mauern

Kabuls neue Mauern

 

Die Bücherläden an der Sedarat-Kreuzung weg.
Green Door Bazaar abgerissen, ersetzt durch „Plazas“ im Peschawari-Stil.
 Die Ersatzteil- und Reifengeschäfte in der ‘Generatoren-Straße’ verschwunden.
Der Kabul-Fluss wieder eine Müllhalde aus Plastikflaschen und Müll.

Dann Scherpur mit seinen schrecklichen Villas und ungepflasterten Straßen.
Stacheldraht vor billigen Säulen, vom Kapitol kopiert.
Sham-e Paris Hochzeitshalle.
Ein weiteres blau-befenstertes Monstrum wächst nahe dem Mikrorayon, daneben dessen von Granaten durchlöcherten Balkonbrüstungen und Wasserdruck gerade bis zum vorletzten Stockwerk.
Ein weißer Beobachtungszeppelin des Militärs schwebt an seinem Tau über allem.

Bauboom, hier an der Haji-Yaqub-Kreuzung

Bauboom, hier an der Haji-Yaqub-Kreuzung

 

Ariana-Kreuzung blockiert. Außenministeriumsstraße blockiert.
Generalstaatsanwalt-Straße blockiert. Die Straße vor der deutschen Botschaft blockiert, dicke Metallplatten vor ihre Fenster geschraubt.
Dahan-e Nal blockiert.
‘No pictures of US Embassy’-Schild am Massud-Kreisverkehr.

Tunnelgleiche Betonmauern entlang der Innenministeriumsstraße.
 Tunnelgleiche Betonmauern zwischen UNAMA B und Camp Eggers.
Die Erleichterung, wenn man über den Campus der Kabuler Universität läuft, zwischen Mädchen in schwarzglitzernden Kopftüchern und gegelten Jungs in geblichenen Jeans.
Studenten, die Drachen steigen lassen oder auf dem Rasen sitzen und lesen.

Auf dem Kabuler Uni-Campus

Auf dem Kabuler Uni-Campus

 

Der Müllsammler in der Nacht, der, die Taschenlampe zwischen den Zähnen eine gefundene Zeitung liest.
Der alte Mann, der gegenüber dem ausgebombten Barikot-Kino unter einem Baum seinen Tee schlürft.
Ein Fahrradfahrer verteilt ein paar Minuten vor Iftar Datteln an Passanten.
Ein Junge gibt einer älteren Bettlerin in zerschlissener Burka ein Nan – er lächelt, als ich ihm ein Thumbs up gebe.

Es sind über 30 Grad im Schatten. Dann plötzlich ein Hagelschauer.
 Am Salang erster Schnee.

 

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