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Elections 2014 (54): Provincial council results creaking under the weight of manipulation (Wahlen 2014 [54]: Provinzratswahlergebnisse ächzen unter dem Gewicht von Manipulationen, von Martine van Bijlert, 29. Oktober 2014)

Längere Zusammenfassung auf deutsch bereits am 31. Oktober 2014 veröffentlicht, hier.

 

Ghani in China, mit seinem chinesischen Amtskollegen. Foto: ToloNews

Ghani in China, mit seinem chinesischen Amtskollegen. Foto: ToloNews

On the Road through Beijing (and Kathmandu): The new Afghan leadership’s attempts to engage with Asia (Auf der Straße durch Peking [und Katmandu]: Versuche der neuen afghanischen Führung zum Engagement mit Asien, von S. Reza Kazemi, 29. Oktober 2014)

Eine Vorausschau auf die beiden ersten offiziellen Auslandsreisendes neuen afghanischen Staatspräsidenten Muhammad Ashraf Ghani, nach Peking, zur Teilnahme an der Ministerkonferenz des sogenannten Herz-von-Asien/Istanbul-Prozesses, und zum Gipfel der südasiatischen Regionalvereinigung SAARC in der Hauptstadt Nepals. Diese Reisen sind Ausdruck des Zwangs für die neue afghanische Regierung – angesichts sich ausweitender wirtschaftlicher und anderer Herausforderungen, unter anderem dem mit dem Abzug der NATO-Truppen verbundenen ökonomischen Abschwung sowie eine akute fiskalische Krise – seine Außenbeziehungen zu diversifizieren und stärkere wirtschaftliche und politische Verbindungen mit den Ländern in der Region zu knüpfen. Zudem steht das Land unter Druck, zunehmend mehr Verantwortung auch während der Transformationsdekade (2015-2024) bei der Finanzierung des eigenen Staates zu übernehmen, ein Thema das auch auf der bevorstehenden internationalen Afghanistan-Konferenz in London auf der Agenda stehen wird. Die Konferenz wurde wegen der Ghani-Reisen von Ende November auf den 3./4. Dezember 2014 verschoben.

Zwei „Karten“ kann Afghanistan dabei spielen: seine geografische Position als Korridor für regionalen Handel sowie seine Bodenschätze. Vieles scheint sich dabei auf China, in etwas in geringerem Maße auf Indien zu konzentrieren. Das ganze sei ein „neues Konzept der afghanischen Außenpolitik“. China hat allerdings klar gemacht, dass sein Interesse an Afghanistan eher kommerziell ist und keine Bereitschaft besteht, die Rolle der USA und anderer gegenwärtiger Geberstaaten zu übernehmen, other current donors’ of channelling resources it Afghanistan. Neben der Hoffnung auf China besteht also auch die Gefahr einer Enttäuschung.

Auswertung des China-Besuchs Ghanis demnächst auf der AAN-Webseite.

 

Die (unsicheren) Straßen von Khanabad. Foto: Verteidigungsministerium der Niederlande

Die (unsicheren) Straßen von Khanabad. Foto: Verteidigungsministerium der Niederlande

Security in Kunduz Worsening Further: The case of Khanabad (Sicherheitssituation in Kunduz verschlechtert sich weiter: Der Fall Khanabad, von Christian Bleuer und Obaid Ali, mit Beiträgen von Lola Cecchinel)

Im Distrikt Khanabad rivalisieren Regierungstruppen, nominal regierungsnahe Milizen, illegale bewaffnete Gruppen (Milizen, die nicht einmal nominal der Regierung unterstehen) und die Taleban um Macht und Kontrolle, auf Kosten der Zivilbevölkerung. Viele Bewohner Khanabads betrachten nicht die Taleban als Hauptbedrohung, sondern beschweren sich über die sogenannten „verantwortungslosen“ bewaffneten Gruppen, die distriktweit agieren, meist zwischen 5 und 20 Mann stark sind und Bauern und Ladenbesitzern Geld abpressen und bei Widerstand mit Entführung und Mord drohen. Oft würden sie nacheinander Opfer der „Steuerforderungen“ unterschiedlicher Kommandeure aus verschiedenen, sowie zum Teil der gleichen Fraktion, sowie der Taleban. Viele Geschäftsleute aus Khanabad haben sich in die nahen Provinzhauptstädte Kunduz und Taloqan zurückgezogen.

Hayatullah Amiri, der Distriktgouverneur, berichtete AAN, dass er nur über 170 Polizisten verfüge, die 1500 „illegal Bewaffneten“ gegenüberstünden. 20 der Polizisten schützten lokale Regierungsmitglieder sowie die Mitglieder des Provinzrates, die übrigen müssten an 28 Kontrollpunkten die Sicherheit der zwei wichtigsten Straßen gewährleisten – zwischen Khanabad und Aliabad sowie den Provinzhauptstädten von Kunduz und Takhar. Kürzlich habe das Innenministerium angeordnet, die Distriktbehörden sollten die „unverantwortlichen Gruppen’ binnen zehn Tagen entwaffnen, was Ameri für undurchführbar hält. Er verwies auch auf das Dilemma, dass einige dieser Gruppen bestimmte Gebiete gegen ein Vordringen der Taleban verteidigen; wenn die Regierung sie entwaffne, könnten die restlichen Sicherheitskräfte den Taleban nicht widerstehen.

Als Resultat dieser Situation bewaffnet sich die lokale Bevölkerung selbst. Lokalen Quellen zufolge verfügt inzwischen jedes Haus im Distrikt über Waffen. Die illegalen Gruppen bekämpften sich zudem untereinander; es sei schwierig, die große Zahl an Morden überhaupt zu registrieren. Dabei werden auch IEDs, Sprengfallen, eingesetzt (ein Mittel, das auch die Taleban verwenden, so dass solche Anschläge den Taleban in die Schuhe geschoben werden können). Ein örtlicher Mullah berichtete AAN, er habe allein in den vergangenen drei Monaten Begräbnisgebete für 173 Männer ausgeführt. Einer der letzte Fälle sei der eines Provinzbeamten für Bildung gewesen, der in seinem eigenen Haus von 20 Bewaffneten attackiert wurde, nachdem er die Forderung eines seiner Schüler zurückgewiesen habe, ihm bessere Noten zu geben. Der Mann sei vor den Augen seiner Familie erst enthauptet, dann zerstückelt worden.

Zudem werden Rekrutierungsmuster berichtet, die an afrikanische Bürgerkriege erinnern: Oft zwingen lokale Kommandeure junge Rekruten zu Morden an Verwandten, Familienmitgliedern von Rivalen oder Angehörigen anderer ethnischer Gruppen, was ihnen die Rückkehr in ihre Familien oder (oft gemischt-ethnischen) Ursprungsgebiete unmöglich macht. Unterdessen erfreut sich die Taleban-Justiz weiter großer Beliebtheit.

Die Problems Khanabads und anderer Distrikte in Kunduz sind eine ernsthafte frühe Herausforderung für den Präsidenten Ghani. Die afghanische Refierung könnte sich bald in einer Position sehen, in der Teile der Provinz Kunduz sich komplett außerhalb jeglichen Regierungseinflusses befinden, on in der Form von Taleban-Dominanz oder Kontrolle durch ein Patchwork lokaler Kommandeure und Fraktionen.

 

Zu diesen aktuellen Berichten kamen in der zweiten Oktober-Hälfte zwei äußerst interessante, eher soziologische bzw. ethnografische Berichte:

The New Gangs of Herat: How young Afghans turn away from their community (Die neuen Gangs von Herat: Wie junge Afghanen sich von ihren Gemeinschaften abwenden, von S. Reza Kazemi)

From ‘Slavers’ to ‘Warlords’: Descriptions of Afghanistan’s Uzbeks in western writing (Von „Sklaventreibern“ zu „Warlords“: Beschreibungen der Usbeken Afghanistans in westlichen Schriften, von Christian Bleuer)

 

Der uzbekische Emissär Mirza Faiz (l.) aus Nord-Afghanistan, 1840. Lithographie von James Rattray, aus der British Library

Der uzbekische Emissär Mirza Faiz (l.) aus Nord-Afghanistan, 1840. Lithographie von James Rattray, aus der British Library

 

 

 

 

 

 

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