Schlagwörter

, , , ,

Freitag in Kabul. Die meisten Läden sind geschlossen.

 

Das Leben ist etwas langsamer, die Stadt etwas weniger laut.

 

Nur die Hubschrauber rattern wie immer regelmäßig im Tiefflug über die Dächer durch den strahlend blauen Himmel. Auf den Bergen um die Stadt, nur schwach durch den Staubschleier zu erkennen, liegt erster Schnee.

 

Die Männer, und auch ein paar Frauen, die sich schnell ihren Schleier vors Gesichts ziehen, gehen zum Freitagsgebet in die Moschee.

 

Aus einem Hinterhof dringt Stimmengewirr und der Duft nach Hühnersuppe. Speisung für die Armen, sagt ein Passant. In der nahen Moschee, fügt er hinzu, würde mittellose Paare in Gruppenhochzeiten getraut, mit Geld, das aus Iran komme. Die Kinder der Paare würden in der Moschee späten für den Wohltäter beten, und die Gebete würden ihm am Tag der Aufrstehung zu Gute gehalten.

 

In der Nachbarschaft, in Qala-ye Fathullah, wehen immer noch viele Flaggen in Gedenken an die schiitischen Märtyrer, auch wenn die 13 Tage und der Feiertag Aschura schon vorbei sind. 46 Tage lang, erklärt ein Mann, der gerade Brot kauft, würden die Flaggen wehen.

 

Auch moderner Märtyrer wird gedacht. Hier Seyyed Mustafa Kazemis, als khomeinistischer Mujahedin-Kommandant in den 1980ern aktiv am inner-schiitischen Fraktionskrieg im Hazarajat beteiligt, nach 2001 Parlamentsabgeordneter und Handelsminister, 2007 bei einem Selbstmordanschlag in der Zuckerfabrik Baghlan mit fünf anderen Kollegen sowie zahlreichen Zivilisten umgebracht. Gerade hat die neue Regierung beschlossen, die Untersuchung des Anschlags wieder aufzunehmen (ein Zeichen dafür, dass doch nicht die Taleban dahinter vermutet werden?)

 

Der Kabuler Bauboom…

 

… , leider oft mit der Zerstörung traditioneller Häuser sowie Neubauten schauderhaften Geschmacks verbunden, wie bei diesem neuen Hochzeitspalast in Shahr-e Nau…

 

… sowie mit dem Verbarrikadieren bestimmter Straßen, in denen die Mächtigen wohnen (eher im Stadtzentrum)…

 

… geht auch an Qala-ye Fathullah und Taimani nicht vorbei.

Neubau Taimani P1120267

 

Um die Ecke, in unserer immer noch nicht asphaltierten Straße, spielen die Jungs im Straßenstaub Fußball.

 

Von den Dächern einiger Nachbarhäuser hört man Pfiffe: Die Taubenzüchter halten damit ihre Tauben in der Luft, die mit Einbruch der Dämmerung über dem Viertel kreisen…

 

… wie der Beobachtungszeppelin der ISAF-Truppen, der über allem wacht.

 

Dann geht die Sonne hinter Kabuls Bergen unter.

 

Alle Fotos: Thomas Ruttig (copy left, please attribute when using)

 

 

 

Advertisements