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Dies ist die kurze Version eines im Original viel längeren Interviews (und nicht außergewöhnlich). Zu der Feststellung, “in Afghanistan wird nicht ständig und an allen Ecken geschossen und gebombt”, stehe ich nach wie vor – trotz der neuen Taleban-Anschlagsserie in Kabul seit November, insbesondere dem Anschlag in der Isteqlal-Schule gestern, bei dem wohl doch ein Deutscher ums Leben gekommen ist, sowie der anhaltenden Kämpfe in vielen Gebieten Afghanistans. 

Immerhin ist auch meine – im Original ausführlichere – Kritik an der Operation Halmazag mit Bundeswehr-Beteiligung dringeblieben, die nicht nur wegen ihrer Benennung (die womöglich nicht von der Bundeswehr stammt – Halmazag bedeutet „Blitz“, siehe „Blitzkrieg“…) und ihrer offiziellen Einordnung, sondern wegen der damit wahrscheinlich verbundenen zivilen Opfer – deren Existenz abgestritten wird („…gab es auch nach explizitem Nachfragen keine Erkenntnisse über zivile Opfer oder sonstige Schäden“, hier) – höchst problematisch ist.

In dieser Fassung habe ich ein paar aus meiner Sicht wichtiger Passagen aus dem langen Interview eingefügt und durch kursive Schrift kenntlich gemacht. Ansonsten habe ich mich bemüht, in der gebotenen Kürze und wie vom Interviewer erbeten, Afghanistan kurz für Leser zu beschreiben, die Afghanistan nicht kennen.

Link zum Original hier.

Ein englischsprachige Kommentar zum „deutschen“ Bombardement in Kunduz, den ich 2009 unmittelbar danach für eine afghanische Zeitschrift schrieb, habe ich in den Anhang gestellt.

In Kunduz. Foto: Thomas Ruttig

In Kunduz. Foto: Thomas Ruttig

 

“In Afghanistan wird nicht ständig und an allen Ecken geschossen und gebombt”“, meint Thomas Ruttig. Der Ko-Direktor des „Afghanistan Analysts Network“ (AAN) berichtet über den Alltag in Afghanistan und erläutert seine eigene kritische Sicht auf die ISAF-Mission. Außerdem spricht er darüber, wie es in Afghanistan weitergehen könnte.

Herr Ruttig, für den Beginn eine knappe, aber umfassende Frage: Was ist Afghanistan?

Zunächst einmal ist Afghanistan eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Das ist es vor dem aktuellen Militäreinsatz gewesen und es wird auch danach nicht grundsätzlich anders sein. Das bedeutet aber nicht, dass alle Afghanen arm sind. Es gibt eine tiefe soziale Kluft, die viel tiefer ist als das, was wir aus Europa kennen. Es gibt eine reiche Oberschicht, die sehr viel von dem Geld, das eigentlich für den Wiederaufbau ihres Landes hätte verwendet werden sollen, außer Landes gebracht hat und sich dafür Appartements in New York oder Villen in Dubai gekauft hat.

Afghanistan wird heute vielfach mit Krieg assoziiert, das war nicht immer so. Bis in die 1970er-Jahre herrschte ein gewisser innerer Frieden im Land. Der Krieg ist erst wieder eine relativ neue Erscheinung, beginnend mit zwei Militärputschen in den 1970er Jahren und dann mit dem sowjetischen Einmarsch Ende 1979. Diese 35 Jahre greifen zwar über zwei Generationen, aber Geschichte rechnet in längeren Zeiträumen.

Afghanistan ist ein islamisches Land – 99 Prozent der Menschen sind Muslime und viele davon sehr konservativ. Aber die derzeit herrschende konservative Spielart des Islams ist auch ein Ergebnis der Auseinandersetzung, in der Afghanistan eine Arena des Kalten Krieges wurde: Als die Sowjets das Land besetzten, begann der Westen, die anti-sowjetischen Mudschahedin in ihrem Kampf zu unterstützen. Im Ergebnis erstarkte der islamische Klerus. Auch dessen unterste Ebene, die Mullahs, spielen jetzt eine politische Führungsrolle, die sie früher so nie hatten.

Kennzeichnend für Afghanistan sind auch seine über 30 Ethnien mit unterschiedlichen Sprachen, von denen sich einige wiederum in zahlreiche Stämme unterteilen, darunter die größte, die Paschtunen. Durch sie gibt es ganz unterschiedliche Traditionen, Kulturen und Strukturen, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Sie auszutarieren ist eine schwierige politische Aufgabe. Doch zu sagen, die Konflikte in Afghanistan seien ethnischer oder religiöser Natur, ist mir zu engführend, weil dahinter soziale oder politische Konflikte stehen. Für die Kämpfe, die daraus resultieren, wird dann auf ethnischer Basis mobilisiert. Das kennt man aus anderen Ländern auch. Wichtig und positiv ist, dass Afghanistan bisher von innerislamischen Konflikten – Schiiten gegen Sunniten – verschont geblieben ist.

Aber: Die Stammesstrukturen werden meiner Meinung nach in der Berichterstattung überbewertet – im Übrigen auch von den Afghanen selbst. Stammesstrukturen sind vor allem eine Art Selbstverortungssystem: Wo komme ich her, zu welcher Gemeinschaft gehöre ich? Aber politisch institutionell spielen sie heute nicht mehr die Rolle, die sie vielleicht vor Jahrzehnten gespielt haben. Der Krieg hat den inneren Zusammenhalt stark untergraben. Die Stämme sind zum Mythos geworden und im Grunde durch Gewaltstrukturen – Warlords und deren Unterkommandeure – ersetzt worden. Nicht der Stammesälteste mit dem längsten Bart und der größten Erfahrung hat mehr das Sagen, sondern der, der am meisten Kalaschnikows ins Feld führt.

Wirtschaftlich ist Afghanistan seit etwa 150 Jahren etwas, was man als „Rentierstaat“ bezeichnet. Die eigene Wirtschaft ist relativ schwach, aber der Staat wird von anderen Staaten dafür bezahlt, dass er im geopolitischen Kontext bestimmte Funktionen wahrnimmt: im 19. Jahrhundert zunächst die Funktion eines Pufferstaates zwischen den Kolonialreichen Russlands und Großbritannien; das hat auch Afghanistans gegenwärtige Grenzen bestimmt. Später hat Afghanistan dieselbe Funktion im Kalten Krieg erfüllt, als selbsterklärtes nichtpaktgebundenes Land, und ist dafür von Ost und West mit Entwicklungshilfe bezahlt worden. Davon konnte es einigermaßen ordentlich leben. Ähnlich funktioniert es heute: Afghanistans Staatsausgaben werden zu 80-90 Prozent extern getragen, und es besteht auch keine Aussicht, dass sich das mittelfristig grundsätzlich ändert – weil es ein Frontstaat im „Krieg gegen den Terror“ ist, den ja auch Obama nicht beendet hat. Der Westen bezahlt die afghanischen Regierungen dafür, dass es sein Territorium von Terroristen freihält, die unsere Länder bedrohen könnten – ob das nun ein realistisches Szenarium ist oder nicht. Hinter dieser Funktion können sich Regierungen von Rentierstaaten gut verstecken und zum Beispiel – wie unter Karzai – Reformen mit dem Hinweis auf die schwierige Sicherheitslage verschleppen. Manche Regierungen von Geberländern – in Afghanistan konkret die der USA – sehen Korruption letztendlich als das geringere Übel an und nutzen sie stiilschweigend als „Honorar“ für Kooperation im Anti-Terror-Kampf. (Das gleiche könnte man über den Drogenhandel sagen.)

Sie haben selbst zehn Jahre lang in Afghanistan gelebt. Wie kann sich jemand, der keine Berührungspunkte mit dem Land hat, den Alltag dort vorstellen?

Man sollte sich natürlich nicht vorstellen, dass alles so ist wie zu Hause. Auf der anderen Seite ist auch nicht alles ganz anders. Die kulturellen Unterschiede werden meiner Meinung nach viel zu stark betont. Afghanen sind letztlich Menschen wie wir, die zwar in einer anderen Kultur und Umgebung groß geworden sind, aber trotzdem Wünsche und Lebensvorstellungen haben, die sich von den unseren gar nicht so sehr unterscheiden. Auch sie möchten in Frieden leben, ein bisschen Geld verdienen, respektiert werden und die Aussicht darauf haben, dass ihre Kinder eine gute Bildung erhalten und später einen ordentlichen Beruf. Auch wenn der Alltag natürlich vom Krieg und Armut geprägt ist, sollte man das Land nicht darauf und auf Terrorismus und Taliban reduzieren. Es ist mitnichten so, dass dort ständig und an allen Ecken geschossen und gebombt wird. Es gibt auch ein Alltagsleben.

Ich habe dort fast nur für zivile Organisationen gearbeitet und hatte das Glück, viele Jahre gemeinsam mit meiner Frau in Afghanistan zu leben. So konnte ich mein Leben recht normal gestalten. Ich habe dabei erfahren, dass die Afghanen sehr neugierig und aufgeschlossen sind, hatte immer sehr viele Kontakte und Gesprächspartner und habe viele Freunde gefunden.

In letzter Zeit ist es aber für alle schwieriger geworden. Wenn ausländische Diplomaten, Entwicklungshelfer oder Soldaten ohne ihre Familien in dieses Land kommen, unterliegen sie als Reaktion auf die unsichere Lage restriktiven, meiner Meinung nach aber trotzdem häufig übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen und können kaum Normalität erleben. Da sollte man sich keine Illusionen machen.

Von Soldaten habe ich oft gehört, dass sie alle Afghanen als potenzielle Feinde betrachten müssten. Das ist einerseits irgendwie verständlich, aber konterkariert andererseits völlig den Ansatz des Einsatzes, der ja ursprünglich die Afghanen dabei schützen sollte, ihr eigenes Land wieder aufzubauen. Das Leben ist durch den anhaltenden Krieg, in dem die Afghanen sich häufig zwischen den Stühlen sitzend finden, natürlich vor allem für sie schwieriger geworden, und das im eigenen Land. Da hat sich auch viel Unmut entwickelt.

Sie haben die Sicherheitslage angesprochen. Wie hat sich diesbezüglich und darüber hinaus Afghanistan durch den Einsatz verändert?

Unterm Strich muss ich sagen, dass sich Afghanistan sehr tiefgreifend verändert hat, leider nicht nur zum Besseren. Ich würde sogar sagen, dass sich durch die Überbetonung des militärischen Einsatzes vieles sogar zum Schlechteren entwickelt hat. Die Bilanz ist also ambivalent. Natürlich hat sich die Infrastruktur verbessert, es sind Straßen und Krankenhäuser gebaut worden, aber da ist die offizielle Darstellung sehr viel schöner als sich das in der Realität darbietet. Was nutzt eine Straße, wenn man sie wegen Taliban-Angriffen nicht befahren kann?

Ein weiteres Beispiel ist die oft zitierte Anzahl der Kinder, die heute wieder zur Schule gehen können. Das Berichtswesen in Afghanistan zeichnet sich dadurch aus, dass oft nach oben aufgerundet wird und das hat häufig ganz handfeste Ursachen. Örtliche Verwaltungen geben oft Schüler- oder Lehrerzahlen an, die überhöht sind und stecken sich die draufgeschlagenen Unterhaltskosten und Gehälter in die eigene Tasche. Das ist eine Nachahmung der Korruption auf höchster Ebene. Das gibt es auch in vielen anderen Bereichen.

Afghanistan hat durchgehend über die letzten zehn Jahre ein sehr starkes Wirtschaftswachstum, aber das ist nicht allen Leuten zugute gekommen. Die Hälfte der Bevölkerung lebt weiter unter der Armutsgrenze, ein Viertel leidet unter akutem Nahrungsmangel. 60 Prozent der Kinder leiden unter Mangelernährung. Immer noch gehen 68 Prozent aller Schüler – und 82 Prozent aller Schülerinnen – vor Abschluss der 6. Klasse ab und nach letzten Angaben fehlt der Hälfte aller Schulen ein Dach.

Aber das Wichtigste für die Afghanen ist: Es ist kein Frieden in ihrem Land hergestellt worden. Sie leben jetzt schon fast zwei Generationen lang unter Kriegsbedingungen, und der starke Westen mit all seinem Geld und seinen Soldaten hat es nicht vermocht, die Situation zu stabilisieren und die Taliban zu besiegen.

Wie sehen Sie das deutsche Engagement vor Ort? Was hat Deutschland zu der Entwicklung beigetragen und was kann es in Zukunft tun?

Deutschland hat natürlich seinen prozentualen Anteil an den Erfolgen, wie auch an den Misserfolgen, als drittgrößter Geber an Entwicklungsgeldern und drittgrößter Truppensteller. Aber der Abstand zu Amerikanern und Briten, die letztlich vorgegeben haben, wohin es in Afghanistan ging, ist sehr groß. Deutschland hat natürlich Infrastruktur verbessert, vor allem wo die Bundeswehr stationiert war, im Straßenbau und der Trinkwasserversorgung zum Beispiel. Aber die Konzentration in den Medien auf den deutschen Anteil lässt ihn größer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist.

Das gilt auch für den militärischen Bereich: Die Operation Halmazag 2010 in Kundus, als größte Offensive deutscher Truppen seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet – schon das eine problematische Einordnung – hatte eine Größenordnung, die Amerikaner, Briten und Kanadier in Süd-Afghanistan fast täglich erlebten.

Der internationale Einsatz in Afghanistan ist nicht mit ISAF gleichzusetzen – obwohl das immer wieder getan wird – weil da natürlich die deutschen Soldaten als Teil von ISAF im Mittelpunkt standen. Die deutschen Entwicklungshelfer, Diplomaten und andere zivile Akteure hingegen sind kaum im Bewusstsein einer breiteren, deutschen Öffentlichkeit. Das Militär hat sich dadurch als Hauptbestandteil der Afghanistan-Mission in unserer Aufmerksamkeit, in unserem Bild von Afghanistan festgesetzt. Aber der Afghanistan-Einsatz ist in seinem Wesen ein internationaler politischer Einsatz gewesen, der aus bestimmten Ursachen heraus – den Ereignissen des 11. September 2001 – eine wesentliche militärische Komponente hatte, die sich im Laufe der Jahre, immer mehr in den Vordergrund gespielt hat, weil der höchst komplexe Konflikt immer mehr auf seine militärische Komponente reduziert wurde. Dabei sind die Taleban, gegen die ja Krieg geführt wurde (während al-Qaeda nach 2001 nur eine minimale Präsenz in Afghanistan hatte), eher eine Folge als Ursache der militärischen Eskalation, die in Afghanistan stattgefunden hat. Ein großer Teil des militärischen Einsatzes ist zudem durch eine parallele Mission bestimmt worden, Operation Enduring Freedom, die inzwischen offiziell nicht mehr existiert, sondern vor einigen Jahren mit ISAF verschmolzen wurde.

Ich warte immer noch auf die offiziellen Zahlen, wie vielen Menschen und Familien damit wirklich geholfen wurde. Zumindest die BMZ-Webseite informiert in ihrem Überblick aktuell nur über den Input (die aufgewendeten Mittel), nicht über den Gesamt-Output. In bestimmten Feldern, z.B. Trinkwasserversorgung wird festgestellt, dass Deutschland „in Afghanistan der führende internationale Geber im Bereich der städtischen Wasserversorgung“ ist und „allein in Kabul rund dreieinhalb Millionen Menschen von diesem Engagement profitieren“ werden, dazu „in den Provinzhauptstädten Herat und Kunduz weitere rund 450.000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser“ erhalten. „In den Provinz- und Distrikthauptstädten Faizabad, Imam Saheb und Balkh im Norden Afghanistans unterstützt Deutschland seit Ende 2008 den Neubau und die Erweiterung der Wasserversorgungssysteme. Diese Maßnahmen werden 135.000 Menschen zugutekommen.“ Aber es ist nicht klar, ob es sich dabei ausschließlich um deutsche Mittel handelt.

Wir wissen auch nicht, wie lange das alles halten wird – also wie es um die Nachhaltigkeit bestellt ist. (Dass dort Zweifel bestehen, steht nun auch im jüngsten Fortschrittsbericht der Bundesregierung zu Afghanistan vom November diesen Jahres.)

Vor allem stellt sich die Frage, ob die Afghanen in die Lage versetzt wurden, das Aufgebaute zu erhalten. Wir haben ja in Somalia erlebt, wie schnell der Sand wieder über die gebohrten Brunnen wehte. Der afghanischen Regierung geht ja bereits auch das Geld aus, vor allem in den zivilen Bereichen. Das Land wird auf Jahrzehnte nicht ohne große Entwicklungstransfers leben können.

Deutschland kann dabei eine gute Rolle spielen, denn es genießt immer noch hohes Ansehen unter den Afghanen. Es muss dafür seinen Fokus auf seine Kompetenzen wie Entwicklungszusammenarbeit und Hilfe beim institutionellen Aufbau legen.

Zum deutschen Afghanistan-Auftritt gehört auch der vom deutschen (damaligen) Oberst Georg Klein angeordnete Luftschlag gegen zwei von Taleban gekaperte Tanklaster in Kunduz 2009. Ich war vom Urteil des Landgerichtes Bonn in diesem Fall erschüttert, dass Klein “kein schuldhafter Verstoß gegen Amtsverpflichtungen“ nachgewiesen werden konnte und die Opfer der Operation deshalb keinen Anspruch auf Schadenersatz haben.

Einer der Anhörungen des Gerichts habe ich als neutraler – also nicht von einer der Seiten bestellter – Sachverständiger beigewohnt.) Erschüttert hat mich die vor allem teilweise Ahnungslosigkeit im Detail (von Landeskenntnis ganz abgesehen), die sowohl auf Seiten der Richter zutage getreten ist, aber auch teilweise der Verteidigung. Das hat es dem Beklagten, dem Bundesverteidigungsministerium, leicht gemacht, seine Sichtweise der Dinge darzustellen – z.B. wie darüber entschieden wurde, ob die am Angriffsort sich aufhaltenden Personen Taleban oder Zivilisten waren: anhand von Luftbildern, die nur bewegliche Punkte zu sehen waren, bei denen ein Bundeswehr-Luftbildauswerter strukturierte Bewegungen herauslas, obwohl es sich um ganz normale Bewegungen handelte, zwischen den beiden Lastwagen sowie, durch eine Furt im Fluss, in dem die Fahrzeuge festsaßen, zwischen Flussufer und der Sandbank. Damit hat sich die Bundesregierung meines Erachtens nach den Opfern gegenüber aus der Verantwortung gestohlen.

Afghanistan in zehn Jahren ist…

… immer noch ein schwieriges Land, vor allem für Menschen die dort leben. Ich hoffe aber, etwas friedlicher als heute.

 

Annex: Kommentar zum Kunduz-Angriff

aus Killid (Kabul), 8 September 2009

 

Hollow Excuses

How often have I heard these sentences after operations of NATO troops had caused – what a horrible trivialisation – “collateral damage”. Killed civilians after airstrikes in Azizabad in Herat, Ganjabad and Granay in Farah. Police mistakenly killed in Zabul and construction workers mistakenly killed in Khost. A mistakenly bombed wedding in Deh Bala, Nangrahar. A mistakenly killed wuluswal in Chora, Uruzgan…

“We apologize. It was a mistake. We regret the loss of innocent life.”

How often have I been sitting with Afghan friends in Kabul, Khost or Tirinkot and shared their grief. And their anger about this shoot-first, apologise-later-and-compensate approach. 1,500 US dollar for an Afghan life. How often have NATO and US spokespersons vehemently, even angrily denied any wrongdoing? How often has it turned out that these denials were premature and that sometimes the truth simply had not been told?

Now, for the first time on this scale, a German has ordered such a fateful airstrike. Scores of people have been burnt alive in Aliabad district after two fuel tankers abducted by Taleban were bombed by NATO planes early Friday night, 4 September. Angela Merkel, the head of government of my country, echoed these often-heard sentences quoted above by saying in the German Bundestag on Tuesday 8 September, four days after the incident: “Any innocent person killed or hurt, including through German actions, I deeply regret. (…) It is important to me as German chancellor to express this today, and to the Afghan people (…). I will ensure that we will not put a gloss on“ any investigation.

At the same time, she insisted that no premature judgment should be made. Fair enough. But is there still any doubt that civilians were harmed? There is at least that ten-year old boy who went to gawk – against his father’s advice – and now is in hospital in Kunduz. We saw him on Afghan TV. He can be visited, asked. And there are those who – in the words of the Kunduz governor – were charred beyond recognition by the fireball caused by the bomb dropped on the tankers. All of them Taleban terrorists? Was the boy the only gawker?

And let’s look at the rules, the directives issued to all NATO troops, designed to avoid the killing of innocent civilians. They are very clear: withdraw when civilians could be harmed. A spokesman of the German Ministry of Defence confirmed this; he was quoted as saying on the day of this blunder: “You can assume that an attack was ordered because no noninvolved civilians could have been harmed by the attack.” And: “If civilians had been present, the attack would not have been allowed to happen.”

But it happened. No one doubts that there were Taleban around the tankers. No one even doubts that most of the people around were Taleban. Most, not all of them.

Imagine an Afghan village during the holy month of Ramazan. It is after midnight, around 2 in the morning. People are asleep. Then two fuel tankers roll in, with fuel for free. People would get up soon anyway, to cook and eat before sunrise. And fuel isn’t cheap. So why not go and get some?

Under these circumstances, the justifications given by German politicians – with general elections in less than three weeks’ time and 70 percent of the voters demanding an immediate withdrawal of the German troops – ring hollow. The decision to call in the airstrike was „hard but according to the situation“, says Defence Minister Franz-Josef Jung. The tankers could have been driven to the German PRT and blown up, “with terrible consequences for our soldiers”. But they were moving in another direction, away from the PRT, and even got stuck. Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier commented that „the Taliban apparently do not refrain from anything in order to destabilise the security [of Afghanistan] and to prevent reconstruction from happening”. Absolutely. They burn down schools, cut throats of people, use car bombs and kill more civilians than the NATO troops. But the Taleban are not representing a democratic country.

 

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