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Aus gegebenem Anlass des Massakers in einer Schule in Peshawar am 16. Dezember dieses Jahres: Dieser Text über die pakistanischen Taleban wurde 2009 geschrieben, hat aber seine Aktualität nicht eingebüßt, vor allem was deren Entstehungsgeschichte sowie ihr Verhältnis zu den afghanischen Taleban betrifft. Natürlich enthält er nicht die jüngste Geschichte der TTP, mit den US-Drohnenschlägen, die mehrere ihrer militärischen Oberkommandanten töteten und schließlich zur Spaltung sowie zur weiteren Radikalisierung mancher ihrer Splittergruppen führten.

Frühere Beiträge zu dem Anschlag in Peshawar finden sich hier und hier.

 

Taleban(?) in der Abenddämmerung, Nimruz. Foto: AAN

Taleban(?) in der Abenddämmerung, Nimruz. Foto: AAN

 

Vorspiel in Malakand

Als im Mai 1994 in der nordwestpakistanischen Division Malakand[1] ein gewisser Sufi Muhammad – an der Spitze der Tehrik-i-Nifaz-i-Shariat-i-Muhammadi (TNSM/Bewegung zur Einführung der Mohammedanischen Sharia)[2] – auf einer Stammesversammlung in Temergara (heutiges Lower Dir) die Einführung eine islamische Rechtsordnung in diesem Gebiet verlangte, rief das zunächst nur lokales Interesse hervor. In Pakistan jedoch schlug das Ereignis hohe Wellen. Denn ein paar Monate später forderte seine lokale Bewegung bewaffneter islamischer Militanter erstmals die pakistanische Armee – die mit Abstand stärkste Institution des Landes – heraus.

Zehn Tage lang im November kontrollierte die TNSM einen Teil pakistanischen Staatsgebiets, besetzte Regierungseinrichtungen und den örtlichen Flughafen und blockierte den Karakorum Highway. Die Regierung gab nach und kündigte an, die Scharia für Malakand einzuführen, verzögerte aber die Umsetzung der Vereinbarung – in der Hoffnung, die Bewegung werde in sich zusammenbrechen. Das Gegenteil trat ein: „Bereits vorher ein konservatives Gebiet, schlug der Extremismus [in Malakand nun] tiefe Wurzeln.“[3]

Ein aufmerksamer Blick über die Westgrenze nach Afghanistan hätte schon damals zeigen können, dass es sich bei diesen radikalen bewaffneten Islamisten um ein transnationales Phänomen handelte: Im selben Jahr machte auch dort erstmals eine neue Bewegung von sich reden, die sich Taleban nannte. Unter Führung eines Dorfmullas aus der Gegend von Kandahar, Muhammad Omar, nahm sie im August 1994 Kandahar ein und begann von dort aus ihren Siegeszug gegen die demoralisierten Mudschahedin, der im September zur Eroberung Kabuls führte. Die Taleban riefen ein Islamisches Emirat mit Mulla Omar als amir ul-mo’menin an der Spitze aus, das sich ausschliesslich auf die Scharia stützte. Die Mudschaedin bezichtigten sie, durch die von ihnen nach dem Abzug der Sowjets 1989 und dem Fall des Najibullah-Regimes 2002 ausgelöste zweite Bürgerkriegsrunde „den Islam verraten“ zu haben.

Bereits während des ersten Auftretens der TNSM 1994 sollen „erfahrene afghanische Kämpfer aus Peshawar und Bajaur“ zur TNSM gestossen sein.[4] Wie Mulla Omars afghanische Taleban stammen sie aus dem selben sozio-kulturellen Milieu: den konservativen Koranschulen der Deobandi-Bewegung, in denen schon zahlreiche afghanische Mudschahedin für den Jihad gegen die sowjetischen Besatzung Afghanistans (1979-89) rekrutiert wurden.

Die TNSM machte nach 9/11 wieder von sich reden, als die US-geführte Intervention im benachbarten Afghanistan begann. Sufi Muhammad schickte 7000 bis 8000 Anhänger zur Verteidigung des Taleban-Regimes über die Grenze. Sie waren allerdings so schlecht ausgebildet, dass viele von ihnen getötet oder zu Gefangenen wurden.[5]

Auch danach war die TNSM nicht am Ende. Nach dem grossen Erdbeben im Oktober 2005 und besonders ab 2007 weitete sich ihr Einfluss wieder aus, vor allem im Distrikt Swat. Im Januar 2009 versuchte die neue pakistanische Zivilregierung unter Präsident Asif Zardari, die Situation erneut durch ein Abkommen zu entschärfen, das im Gegenzug zu einem Waffenstillstand die Umsetzung der 1994 und nochmals 1999 versprochenen Einführung der Scharia vorsah (sog. Sharia Nizam-i-Adl Regulation). Als die Taleban trotzdem weiter in den Distrikt Buner vorrückten, schrillten die Alarmglocken: Die Hauptstadt Islamabad und viele pakistanische Nukleareinrichtungen liegen keine hundert Kilometer entfernt. US-Außenministerin Hillary Clinton sprach von einer „existenziellen Bedrohung“ Pakistans, die US-Regierung verlangte von Islamabad ultimativ, militärisch einzugreifen. Die TNSM wurde zurückgedrängt und ihre neue, radikalere Führung unter Sufi Muhammads Schwiegersohn Maulana Fazlullah ging zum Guerillakampf über; Sufi Muhammad selbst war zu diesem Zeitpunkt in Haft und hatte von dort aus das Kompromiss-Abkommen ausgehandelt. Am 17.11.2009 erklärte Fazlullah, er sei seinen Verfolgern entkommen und halte sich nun in Afghanistan auf.[6]

Neben der TNSM traten in weiteren Gebieten Pakistans Gruppen auf, die sich an den afghanischen Taleban orientierten. So veranstaltete im April 2000 eine “Bewegung zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters” (Amr bil-Ma’ruf wa Nahw-an-Munkir) unter Maulawi Abduljabbar in einem von afghanischen Paschtunen bewohnten, armen Stadtteil Karatschis öffentliche Verbrennungen „satanischer“ Fernsehgeräte und Videorecorder.[7]

Gleichzeitig entwickelte sich aus der Infrastruktur zur Unterstützung der Mudschahedin, die Pakistans Regierungen während der sowjetischen Besatzung Afghanistans mit westlicher Hilfe aufgebaut hatte, ein logistisches Netzwerk, das nun den afghanischen Taleban diente. In den 1980er-Jahren hatte sich die Zahl der Madrassas in Pakistan auf fast 4000 verdoppelt, unter den nachfolgenden Zivilregierungen sowie unter Musharraf kamen jeweils noch über 3000 Madrassas hinzu.[8]

Nach dem Zusammenbruch des Taleban-Regimes Ende 2001 halfen Stammesangehörige der Wazir und Massud (manchmal: Mehsut) in Nord- und Süd-Waziristan den Kämpfern Jalaluddin Haqqanis sowie von al-Qaida und anderer Taleban-Netzwerke, über die Grenze nach Pakistan zu entkommen.

Haqqani, vom Stamm der Dzadran, der auf beiden Seiten der afghanisch-pakistanischen Grenze, der Durand Line, siedelt, ist einer der erste Islamisten Afghanistans. Als erster Mudschehdin-Kommandeur hatte er arabische Freiwillige in seine antisowjetischen Kampfverbände integriert. Zu diesem Zeitpunkt beschreibt Steve Coll ihn als einen der “weniger publizierten CIA-Favoriten […] im Zentrum […] der miteinander verwobenen Netzwerke aus pakistanischen Geheimdienstoffizieren, arabischen Freiwilligen und wahhabitischer Koranschulen“.[9] Mitte der 1990er-Jahre trat Haqqani zu den Taleban über, wurde Minister und blieb auch nach dem Ende ihres Regimes 2001 auf ihrer Seite. Seine in die 1980er-Jahre zurückreichenden Direktkontakte zu Geldgebern auf der arabischen Halbinsel und zu al-Qaeda sichern ihm eine autonome Position in der gegenwärtigen Taleban-geführten Aufstandsbewegung in Afghanistan.[10] Gleichzeitig ist die Verbindung zwischen dem Haqqani-Netzwerk und den pakistanischen Taleban von Waziristan die stärkste grenzüberschreitende Brücke zwischen beiden nationalen Talebanbewegungen.

 

Marschrichtung Constitution Avenue

Aufgebracht vom US-geführten Eingreifen gegen die afghanischen Taleban Ende 2001 und der erzwungenen Kehrtwende Musharrafs hin zu einer Zusammenarbeit mit den USA im sogenannten „Krieg gegen den Terror“ – die seit 2002 Militäraktionen in den FATA sowie seit Frühjahr 2004 massive Truppenstationierungen in Waziristan umfässt – gingen zunächst Gruppen der Wazir, Massud und anderer Stämme in Waziristan zum bewaffneten Kampf gegen die eigene Regierung über. Bald griff diese Bewegung auf Kurram und Bajaur und schliesslich auf alle anderen Tribal Agencies über. Die pakistanischen Taleban orientierten sich ideologisch zunächst an ihren afghanischen Brüdern. Mulla Omar erkennen sie als ihren geistlichen Führer an.

Im September 2006 wurde der Druck dieser Gruppen so groß, dass Musharraf mit den Taleban in Nord-Waziristan ein Friedensabkommen schließen musste – sehr zum Entsetzen Washingtons. Ähnlichen Vereinbarungen in Bajaur und Süd-Waziristan konnten die USA nur mit Drohnenangriffen auf Madrassas verhindern, die Dutzende Zivilisten das Leben kosteten und die Taleban alle Verhandlungen aufkündigen ließen.

Eine weitere Zäsur bildete die Besetzung der Lal Masjid (Rote Moschee) in Islamabad – keinen Kilometer von der Constitution Avenue, an der sich die Büros des Präsidenten und des Premierministers, das Parlament, das Oberste Gericht sowie die hermetisch abgeschottene Diplomatic Enclave befinden – durch radikalisierte Koran-Studenten und das brutale Eingreifen des pakistanischen Militärs im Juli 2007. Die Besetzer erhielten Verstärkung aus den autonomen paschtunischen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan.

Diese Vorgänge führten zu einer drastischen Intensivierung der militärischen Aktivitäten der Taleban und gaben den Impuls für ihren Zusammenschluss. Am 14. September 2007 traten die meisten Taleban-Gruppen unter Führung Baitullah Massuds der Dachorganisation Tehrik-i-Taleban-i-Pakistan (TTP/Bewegung der Taleban Pakistans) bei. Darin sind allen sieben FATAs sowie die settled areas der NWFP vertreten. Die TNSM bildet seither den lokalen TTP-Zweig im Süden der ehemaligen Malakand-Division. Am 22. Februar 2009 fusionierte die TTP mit zwei weiteren Gruppen, die vorher – zum Teil unter ISI-Einfluss – andere pakistanische Taleban bekämpft hatten: denen des Taleban-Amir von Nord-Waziristan, Hafiz Gul Bahadur, einem Wazir, sowie der Jihadi Shura von Wana, dem Hauptort Süd-Waziristans, unter Maulawi Nazir, einem aus Afghanistan stammenden Dzadran, der in Konkurrenz zum Haqqani-Netzwerk agiert. Zusammen bilden sie die Shura Ittihad-ul-Mujahideen (SIM/Einheitsrat der Mudschahedin), der allerdings bisher kaum unter diesem Namen aufgetreten ist.[11]

Eine Ursache dafür dürfte in den nach wie vor starken Stammesgegensätzen innerhalb der pakistanischen Taleban liegen. Unter den Waziristan-Taleban operieren die Massud- und die Wazir/Dawar-Gruppen deutlich voneinander getrennt und zuweilen gegeneinander.[12] Zudem gibt es eine Massud/Wazir-Rivalität um die Führung in der Gesantbewegung. Die einzelnen Gruppen blieben praktisch autonom; TTP und SIM sind eher Föderationen und weniger stark zentralisiert als die afghanischen Taleban. Damit verfügen die pakistanischen Taleban auch noch nicht über eine integrierte Kommandostruktur.

Allerdings erkennen sie ein Oberhaupt der Gesamtbewegung, den Amir, an. Dies war bis zu seinem Tod durch einen Drohnenangriff am 5. August 2009 in Süd-Waziristan Baitullah Massud, dem auf Beschluss der TTP-Shura einer seiner bisherigen Stellvertreter, Hakimullah Massud, nachfolgte. Schon vor Gründung der TTP verloren die pakistanischen Taleban mehrere namhafte Anführer. Dies hat ihre Aktivitäten bisher aber nicht erheblich schwächen können.

Mitte 2008 bildete TTP-Führer Baitullah Mehsud in Dara Adam Khel, einem für seinen riesigen Waffenbazar berühmtem Städtchen in der Orakzai Agency, eine Art Gegenregierung. Diese schickt Patrouillen bis nach Peschawar, die auf den Märkten unter anderem dafür sorgen, dass keine „unislamischen“ Dinge wie CDs oder DVDs verkauft werden, staatliche Richter unter Druck setzen und Stammesälteste ermorden, die mit der Regierung kooperieren. Zudem greifen die Taleban die LKW-Konvois an, die vom pakistanischen Hafen Karatschi Nachschub für die ISAF- und US-Basen in Afghanistan über den Khyber-Pass befördern. Dies hat die NATO bereits bewogen, alternative Routen über Russland und die zentralasiatischen Republiken zu erschließen.

Ähnlich wie die afghanischen Taleban haben sie bisher kein detalliertes politisches Programm vorgelegt. Das erschließt sich nur aus ihren Handlungen. Im Mittelpunkt steht die Einführung der islamischen Rechtssprechung in ganz Pakistan. Die pakistanische Regierung soll gezwungen werden, ihre Kooperation mit dem Westen zu beenden und amerikanische Ausbilder und Special Forces aus dem Land zu weisen. Nichtregierungsorganisationen, traditionelle Stammestrukturen und nationalistische Paschtunen-Parteien gehören zu den Hauptangriffszielen. In der Praxis werden in den von ihnen kontrollierten Gebieten die staatliche Gerichtsbarkeit und Verwaltung durch Scharia-Gerichtshöfe ersetzt.

Die pakistanischen Taleban kontrollieren mittlerweile weite Teile der FATA und weiten ihren Einfluss auch darüber hinaus aus. Sie machen ihren Einfluss in den settled areas der NWFP, einschließlich Peshawars[13], sowie punktuell auch im Punjab spürbar und verüben dort immer wieder Anschläge. Zudem existieren Enklaven in Karatschi, der Stadt mit der weltweit größten paschtunischen Bevölkerung (noch vor Kandahar und Kabul) sowie wohl auch in anderen Großstädten Pakistans.

Unter dem Strich sind die TNSM und die späteren pakistanischen Taleban Produkte des Afghanistan-Krieges, die nun auf ihr Entstehungsgebiet zurückwirken.

 

Das FATA-Dreieck: al-Qaeda, Afghanistans und Pakistans Taleban

Für den Koordinator des Al-Qaeda/Taleban Monitoring Teams des UN-Sicherheitsrates sind die FATA „jene geografische Region, in der al-Qaeda in den letzten drei Jahren Einfluss zurückgewonnen oder sich sogar konsolidiert“ hat.[14] Al-Qaedas Infrastruktur dort beschreibt er als “robust”, mit “zwei [voneinander unabhängigen] Operationsstrukturen”, einer in Waziristan und einer in der Bajaur Agency, in den Stammesgebieten der Wazir und Dawar bzw. der Mamond.[15]

Sowohl in Pakistan als auch in Afghanistan versucht al-Qaeda, lokale Gegebenheiten auszubeuten, örtliche militante Gruppen mit Kampferfahrung zu kooptieren und so “auf dem Rücken der wieder erstarkten Taleban-Bewegung zu reiten“.[16] (Osama bin Laden hat Mulla Omar Gefolgschaft geschworen, nicht umgekehrt.[17]) Während Afghanistans Taleban einen Sicherheitsabstand zu den ungeliebten arabischen Verbündeten bewahren und nicht deren internationalistisch-jihadistische Agenda teilen, vertieft sich die Allianz zwischen al-Qaida und den pakistanischen Taleban. Al-Qaeda transferiert technisches Knowhow, Ausrüstungen für und Training an improvisierten Sprengkörpern (sog. Improvised Explosive Devices), Auto- und Selbstmordbomben sowie was einige Beobachter “strategisches Funding“ nennen.

Pakistans Taleban sind ein Beweis für die viel debattierte These, dass al-Qaeda sich in einen reinen Markennamen ode rein ideologisches Franchise-Unternehmen verwandelt hat.[18] Dabei sehen autonome lokale Gruppen auf al-Qaida für Inspiration, “kaufen” sich in deren Ideen ein und werden so Teil eines imaginierten weltweiten al-Qaeda-Netzes. Im Falle der Taleban in Pakistan spielen die sogenannten Punjabi Taleban die Rolle eines Transmissionsriemen. Sie sind ein loses Konglomerat militanter nichtpaschtunischer Gruppen aus dem pakistanischen Kernland, oft mit religiös-sektiererischen Charakter (d.h. anti-schiitisch), die teilweise von Basen in den FATA aus operieren und „starke Verbindungen“ mit der TTP entwickelt haben. Dazu gehören Lashkar-e Jhangvi, Jaish-e Muhammad, Sipah-e Sahaba Pakistan sowie kaschmirische Gruppen wie Harkat-ul-Mujahedin,[19] die in den 1990er-Jahren bis (mindestens) 2001 über den ISI “direkte staatliche Patronage genossen”.[20] Vor allem für die Taleban außerhalb Waziristans war der Kontakt zum ISI und zu al-Qaida über die Punjabi Taleban entscheidend, da sie wegen der kriminellen Geschichte vieler ihrer Führer kaum über eine Verankerung in den örtlichen Stämmen verfügten.

Diese Entwicklung unter der pakistanischen Taleban stellt ihre afghanischen Brüder vor ein Dilemma. Stark von ihrem pakistanischen Hinterland abhängig und daran interessiert, von den pakistanischen Taleban Unterstützung für ihren Kampf gegen die westlichen Truppen zu erhalten, können sie nicht auf deren Gegenforderungen eingehen, sich ihrerseits am Vorgehen gegen die pakistanische Armee zu beteiligen – sie können nicht die Hand beißen, die sie bisher gefüttert hat. Im März 2009 appellierte Mulla Omar gar an die Taleban in Pakistan, dass der wirkliche Jihad in Afghanistan gekämpft werde. Schon vorher hatten Afghanistans Taleban sowohl in Kämpfen zwischen pakistanischen Taleban und usbekischen Islamisten als auch zwischen pakistanischen Taleban und pakistanischem Militär interveniert und einige der Friedensverträge in den FATA zwischen 2006 und 2008 vermittelt.[21] Dahinter darf man den Einfluss des ISI vermuten.

 

Dieser Text erschien in abgewandelter Form in: Bernhard Chiari und Conrad Schetter (Hg.), Pakistan: Wegweiser zur Geschichte, Ferdinand Schöningh 2010.

 

[1] Die Division Malakand zählte zu den sogenannten Provincially Administered Tribal Agencies (PATA), die Teil der Nordwest-Grenzprovinz sind – im Gegensatz zu den sieben Federally Administered Tribal Agencies (FATA). Sie wurde 2002 aufgelöst und u.a. in die Distrikte Malakand, Swat, Upper Dir, Lower Dir und Chitral aufgeteilt.

[2] Als Gründungsjahr wird in unterschiedlichen Quellen 1989 und 2002 angegeben, meist jedoch letzteres. Gründer Sufi Muhammad soll in den frühen 1980er Jahren (damals noch als Mitglied der Jamiat-i-Islami) in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft haben. Vgl.: Manzoor Ali, Swat: Pakistan’s lost paradise.

[3] Hassan Abbas, The Black-Turbaned Brigade: The Rise of TNSM in Pakistan, Jamestown Foundation Terrorism Monitor, Vol. IV, Issue 23, 30.11.2006, S. 2-3.

[4] Ebd., S. 2.

[5] Viele von ihnen starben Ende 2001 beim Aufstand in der Festung Qala-ye Jangi bei Mazar-e Sharif und einem anschließenden Massaker in der Wüste Dasht-e Laila durch CIA-unterstützte Einheiten des nordafghanischen Warlords General Abdurraschid Dostum.

[6] Hai Kakar, Taliban leader ‚flees Pakistan‘, BBC 17.11.2009.

[7] Jan Heller, Satanische Fernseher und Malz”bier”, Afghanistans Taleban-Religionspolizei findet Nachahmer in Pakistan, Neues Deutschland (Berlin), 4.4.2000.

[8] International Crisis Group, The State of Sectarianism in Pakistan, Asia Report no. 95, 18.4.2005, S. 6ff.

[9] Steve Coll, Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan, and Bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001, New York: Penguin Press, 2004, S. 157, 167, 202.

[10] Vgl.: Thomas Ruttig, Loya Paktia’s Insurgency: The Haqqani Network as an Autonomous Entity in the Taliban Universe, in: Antonio Giustozzi (Hg.), Decoding the New Taliban: Insights from the Afghan Field, Colombia: Hurst, 2009; Thomas Ruttig, The Other Side: Dimensions of the Afghan Insurgency. Causes, Actors and Approaches to Talks, Afghanistan Analysts Network, Thematic Report 01/2009, July 2009.

[11] Janullah Hashimzada, Militant leaders name new alliance in Waziristan, Pajhwok News Agency (Kabul), 22.2.2009.

[12] Die TNSM rekrutiert sich vor allem aus den Yusufzai.

[13] Laut einem langjährigen Beobachter der Region verfügten die pakistanischen Taleban Anfang 2009 in 15 der 25 settled disticts über ‚moderaten bis ernsthaften Einfluss‘. Persönliche Kommunikation des Autors, Kabul, Feb. 2009.

[14] Richard Barrett, Seven Years After 9/11: Al-Qaida’s Strengths and Vulnerabilities, London: International Center for the Study of Radicalisation and Political Violence, The Future Action Series, Sept. 2008, S. 2.

[15] Rohan Gunaratna/Syed Adnan Ali Shah Bukhari, Militant Organisations and Their Driving Forces, in: Kristina Zetterlund (Hg.), Pakistan – Consequences of Deteriorating Security in Afghanistan, Stockholm: FOI (Swedish Defence Research Agency) 2009, S. 36ff.

[16] Ebd., S. 36, 39.

[17] Jason Burke, Al-Qaida: Wurzeln, Geschichte, Organisation, Düsseldorf/Zürich: Patmos 2004, S. 233f.

[18] Als erster scheint Olivier Roy diesen Ausdruck verwandt zu haben. Zit. in: Sebastian Rotella/Richard C. Paddock, Experts See Major Shift in Al Qaeda’s Strategy, Los Angeles Times, 19.11.2003.

[19] Vgl. u.a.: Gunaratna/Bukhari, s.o., S. 35, 39; Hassan Abbas, Defining the Punjabi Taliban Network, CTC Sentinel, West Point: Combating Terrorism Center April 2009, S. 1f. Die am Mumbai-Anschlag beteiligte Gruppe Lashkar-e Taiba soll über separate Befehlsstrukturen verfügen.

[20] Abbas, Defining the Punjabi Taliban Network, s.o., S. 4.

[21] Vgl u.a.: Ahmadzai Wazir Tribesmen Negotiate Return of Taliban Commanders, The Jamestown Foundation: Terrorism Focus, Vol. 5, Issue 14, 9.4.2008.

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