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Heute genau vor 14 Jahren, am 19 März 2001, wurde es Gewissheit: Die Taleban haben die beiden großen Buddhas von Bamian (und den kleinen dazwischen und den in Kakrak im Bamianer Seitental von Ahangaran und den liegenden Buddha von Tapa-ye Sardar bei Ghazni sowie mit Vorschlaghämmern viele Statuen im Nationalmuseum von Kabul) zerstört. Ein Video, aufgenommen von einem Journalisten der von den Taleban weitergeführten Zeitung Kabul Times und für ganze 50 US-Dollar an den Sender al-Jazeera verkauft, lief weltweit in den Nachrichten.

Ich war an diesem Tag, gerade rechtzeitig zu den 20-Uhr-Nachrichten, zu einem kurzen Urlaub zu Hause in Deutschland eingetroffen. Das Video lief auch in der Tagesschau, und als der Bildschirm aufleuchtete, schlug mir eine Explosion entgegen, untermalt von „Allahu Akbar“-Rufen Bewaffneter. Unmöglich zu sagen, ob das Afghanen oder, wie später von den Taleban behauptet, Kämpfer pakistanischer Gruppen oder al-Qaeda-Leute waren.

Zu diesem Zeitpunkt war zwar schon bekannt, dass die Zerstörung schon vorgenommen worden war – die Taleban brauchten 25 Tage dafür. Aber so recht mochte das niemand glauben. Die Bilder waren wohl einer der größten Schocks meines Lebens.

Die Fotos in diesem Blog habe ich während zweier Bamian-Trips 2004 und 2005 gemacht.

 

Die BBC veröffentlichte vor wenigen Tagen einen Beitrag über einen Einwohner Bamians, Mirza Hussain, der von den Taleban dazu gepresst wurde, sich an der Zerstörung der Kunstwerke zu beteiligen (auf Englisch hier: http://www.bbc.com/news/world-asia-31813681):

„Zuerst feuerten sie mit Panzern und Artillerie auf die Buddhas. Aber als das nicht genügte, verwendeten sie Sprengstoff, um sie zu zerstören.“

„Sie brachten den Sprengstoff mit Lastwagen“, sagt er. „Dann trugen wir ihn auf unseren Rücken oder auf den Armen zu den Statuen, oder wir banden große Bomben an lange Stangen, um sie tragen zu können.“

Hussain zufolge brauchten die Männer drei Tage, um den Sprengstoff an den Statuen anzubringen. Dann wurden Drähte zu einer nahen Moschee verlegt, von der aus der Sprengstoff unter „Allahu Akbar“-Rufen gezündet wurde.

In diesem Artikel finden sich weitere Fotos (davor/danach) sowie das Video der Zerstörung.

Auch Radio Free Europe/Radio Liberty hat heute einen Bamian-Beitrag, mit einem Foto Fußball spielender Jugendlicher vor der eingerüsteten Nische.

 

Hier auch noch einmal die Links zu meinen beiden vorhergehenden Artikeln, einer Reportage über eine Fahrt nach Bamian im Jahr 2000 und einem Artikel, der die Vorgänge um die Sprengung sowie Bemühungen zur Rettung der Statuen schildert sowie die kulturgeschichtliche Bedeutung der Kunstwerke beleuchtet:

Damoklesschwert über einem Weltwunder (2000)

und

Der Tod der Buddhas von Bamian (2001)

Und hier mein erster Fotoblog „Auf dem Weg nach Bamian“

https://thruttig.wordpress.com/2015/03/10/fotoblog-auf-dem-weg-nach-bamian-2004/

 

 

 

 

 

 

 

 

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