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Einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat er noch nicht (ein Platz ist schon reserviert), und auch sonst scheint nicht viel von dem deutschen Ingenieur Walter Harten bekannt zu sein – außer dass er zu einem Team von 22 deutschen Ingenieuren gehörte, das im Auftrag des afghanischen Königs Amanullah (1919-29; verstorben 1960 in der Schweiz) 70 moderne Gebäude in der afghanischen Hauptstadt Kabul errichtete. Dazu gehört auch der berühmte Dar-ul-Aman-Palast, oft fälschlich als „Königspalast“ bezeichnet, aber eigentlich für das afghanischen Parlament gedacht. (Der Name bedeutet Haus der Friedens, nimmt aber auch den Namen des Königs auf.)

Neben ihrer Arbeit bildete das Team, das zuletzt (wohl ab 1928) von dem ehemaligen Berliner Geheimen Regierungsrat Josef Brix (nach dem in Berlin ein Platz benannt ist) geleitet wurde, beim Bau des Palastes ca. 700 einheimische Fachkräfte aus. Vorher scheint, der Inschrift auf der Brücke zufolge (siehe letztes Foto der Serie), Harten Chef-Ingenieur für Dar-ul-Aman gewesen zu sein.

Zum Einzug des Parlaments kam es nicht mehr, denn Amanullah wurde 1929 gestützt, der Bau dann für andere Zwecke genutzt. Bis zum sowjetischen Einmarsch 1979 diente er tatsächlich als Präsidentenpalast. Danach beherbergte er das Verteidigungsministerium, bevor das Gebäude während der Fraktionskriege (1992-96) nachhaltig zerstört wurde.

(siehe auch kurz in der NZZ dazu)

Zu den weiteren vom Team errichteten Bauwerken gehört die Harten-Brücke (in Kabul als Pul-e (H)arten oder Pul-e Artal bekannt). Sie überquert westlich der alten Waffenfabrik (Maschinkhana), kurz vor dem Kabuler Zoo und dem Stadtteil Deh Mazang linkerhand den Kabul-Fluss in Richtung Guzargah und „Kanonenberg“ (Westen) sowie zum Ibn-Sina-Hospital (östlich).

Inzwischen wurde die Brücke, wohl wegen Reparaturbedarfs, für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Nur noch Fußgänger und – wie beim meinem Abstecher vor einigen Tagen – Schafherden dürfen sie überqueren. Mit ihrer wohl über zehn Meter betragenden Breite eignet sie sich auch gut zum Fußballspielen.

 

Unten ein paar Gesamtansichten sowie ein Details der Harten-Brücke. Als Auftakt verwende ich mit freundlicher Genehmigung von Herrn Werner Müller (Köln), –dessen Urgroßvater Wilhelm Rieck ebenfalls Teil des „Dar-ul-Aman“-Teams war – ein Foto der deutschen Ingenieure aus dem Jahr 1926, Harten sitzend links.

Auf seiner Webseite „Wilhelm Rieck: Darulaman“ finden sich weitere faszinierende zeitgenössischen Fotos sowie damals/heute-Vergleiche – sowie die ebenfalls mit vielen Fotos illustrierte Geschichte des Afghanistan-Aufenthaltes seines Vorfahren.

 

 

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