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English summary:

Op-ed (in German) on the track II meetings organised by the non-governmental Pugwash Conference between Taleban members and politicians and civil society members from Kabul and whether this is a possible opening for regular peace talks. I argue that the ‚Kabul side‘ was much less well prepared for the talks than the Taleban, the result of the blockade of any meaningful inner-societal discussion and consensus-building by the previous Karzai government. There is an urgent need to better coordinate and prepare – particularly on the civil society side – which should be supported by the withdrawing international community.

Tee trinken und den Dialog führen. Foto: Thomas Ruttig.

Tee trinken und den Dialog führen. Foto: Thomas Ruttig.

 

Hier der Text, wie er auf der taz-Webseite steht:

Dialog mit den Taliban
Zukunft für Afghanistan
Ohne die Taliban geht nichts im Land. Im Streit der Ideen scheinen sie besser gerüstet zu sein als die Regierung in Kabul.

Trotz aller gegenteiligen Rhetorik hat es einen wirklichen Friedensprozess in Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes nicht gegeben. Internationale Hybris und afghanisches Elitenversagen haben das verhindert. Zuerst lehnten die Amerikaner es in acht Jahren Bush-Regierung ab, überhaupt mit den Taliban zu reden.

Dann blockierte der damalige Präsident Hamid Karsai alle Versuche von außen angebahnter Gespräche. Die seit 2014 amtierende neue Regierung seines Nachfolgers Aschraf Ghani versuchte dann einen Befreiungsschlag: Sie wollte den Taliban-Unterstützer Pakistan über dessen Hauptverbündeten China unter Druck zu setzen, die Aufständischen endlich an den Verhandlungstisch zu zwingen. Ein Durchbruch blieb bisher aus.

Das liegt aber auch den Taliban. Zum einen lehnen sie einen Dialog mit der als „Marionetten“ geschmähten Regierung in Kabul – ob unter Karsai oder Ghani – bisher strikt ab. Erst sollen alle ausländischen Truppen abziehen. Ghani aber hat die Amerikaner eben erst gebeten, noch über den vereinbarten Abzugstermin Ende 2016 hinaus Truppen im Land zu lassen; auch die Nato wird in Afghanistan weiter mit einer „zivil geführten“ Mission präsent sein. Zweitens tun die Taliban alles dafür, sich als Verhandlungspartner zu desavouieren, indem sie nach jüngsten Anschlägen in Kabul andeuteten, dass sie nun offenbar auch humanitäre Helfer aus „Invasorenländern“ als legitime Anschlagsziele betrachten. Damit gefährden sie alle von westlichen Gebern finanzierte Entwicklungsprogramme und damit eine Hauptüberlebensgrundlage der Zivilbevölkerung.

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen versucht nun die Pugwash-Konferenz, ein auch in Friedensfragen aktives, nichtstaatliches, internationales Netzwerk von Wissenschaftlern, das 1995 den Friedensnobelpreis erhielt. Anfang Mai luden sie etwa zwei Dutzend Afghanen verschiedener politischer Lager zu zweitägigen „inoffiziellen Gesprächen“ in einen Badeort im Emirat Katar ein. Darunter waren acht Taliban-Mitglieder, aber keine Regierungsvertreter aus Kabul. Immerhin legte Kabul dem Treffen keine Steine in den Weg, so wie Karsai es in ähnlichen Fällen getan hatte.

 

Fragwürdiger Konsens

Alle Teilnehmer waren als Individuen eingeladen, nicht als Vertreter ihrer Organisationen. Das sollte ihnen ermöglichen, ohne Fraktionszwänge zu sprechen – gleichzeitig hoffte man so einen Eindruck davon zu bekommen, wie in den jeweiligen Organisationen gedacht wird, sowie Ideen dort einspeisen zu können. Es war auch nicht das erste von Pugwash organisierte Afghanistan-Treffen – aber erstmals gab es ein Abschlusskommuniqué.

Der Kernsatz des Abschlussdokuments lautet: „Die Vorstellung, Afghanistan Frieden zu bringen und den Konflikt zu beenden, wurde von allen Teilnehmern aus vollem Herzen unterstützt.“ Gemeinsam wurde auch der Korruption, dem Drogenanbau und -handel und dem Islamischen Staat der Kampf angesagt. Für Pugwash war das offenbar Fortschritt genug, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber ist das schon der Durchbruch, zumindest zu Gesprächen über einen möglichen Frieden? Wie tragfähig ist der Konsens wirklich angesichts der kurz zuvor gestarteten alljährlichen Frühjahrsoffensive der Taliban?

Pugwashs Ansatz war, zunächst Konsens und Dissens zu kartieren. Der tiefste Graben, das wurde klar, verläuft zwischen den Positionen über die künftige „Struktur des politischen Systems und der Verfassung Afghanistans“, wie es im Kommuniqué heißt. Die Regierung in Kabul verlangt, dass die Taliban die geltende Verfassung anerkennen. Diese hingegen beharren darauf, dass eine neue Verfassung ausgearbeitet werden muss, da die gegenwärtige „im Schatten von B-52-Bombern“ entstanden sei.

Zum weiterlesen des vollständigen Artikels hier entlang.

 

PS/ Für jene, die das schon gesehen hatten: In der Druckausgabe war der Redaktion die Unterzeile missglückt. Dort lautete sie „Ohne die Taliban geht nichts im Land. Und anders als die Karsai-Leute sind sie gut vorbereitet“. „Karsai-Leute “ ist natürlich Quatsch, weil die nicht mehr an der Regierung sind. Es hätte besser heißen sollen: „Ohne die Taliban geht Frieden nicht – und anders als die Kabuler Regierung und Zivilgesellschaft sind sie auf den Streit der Ideen gut vorbereitet“.

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