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Das folgende Interview erschien – unter einer etwas kryptischen Überschrift – in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Rundschau. Es wurde vor drei Tagen geführt. Andere Themen: mögliche Friedensgespräche, Kampfkraft der afghanischen Streitkräfte, wirtschaftliche Situation, Spielraum von Hilfsorganisationen. Ergänzungen wie immer [in eckigen Klammern].

 

Afghanistan-Experte Thomas Ruttig erklärt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, wie die radikal-islamischen Taliban-Milizen zurück an die Macht wollen.

Herr Ruttig, die Taliban haben auf das afghanische Parlament einen Anschlag verübt. Zudem haben die radikalen Islamisten Distrikte erobert. Versuchen sich die Taliban mit der Frühjahrsoffensive nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen an die Macht zu bomben?
Die Wiedererlangung der Macht ist grundsätzlich ihr Ziel. Ob sie das mit der Frühjahrsoffensive erreichen wollen und können, glaube ich eher nicht. Die Situation ist nicht am Kippen, es wird aber intensiver gekämpft. Es ist nicht so, dass permanent die Taliban die Regierungskräfte zurückdrängen [oder die Regierungstruppen permanent zurückweichen], es ist eher ein hin und her. Zwei der drei Distrikte, die die Taliban in den vergangenen Wochen eingenommen haben, eroberten Soldaten bereits wieder zurück.

[Das Hin und Her ging inzwischen weiter. Einer der von den Regierungstruppen zurückeroberten Distrikte – Tschahrdara in Kunduz – soll inzwischen wieder an die Taleban gefallen sein. Dazu wurde heute auch der Fall des Distrikts Waigal in Nuristan gemeldet. Auch Waigal hat in den vergangenen Jahren bereits mehrmals den Besitzer gewechselt, siehe z.B. dieser AAN-Bericht.]

Besteht noch Hoffnung, dass die Taliban politisch eingebunden werden? Die USA haben es versucht, die neue Regierung in Kabul strebt dieses Ziel auch.
Versuche gab und gibt es. Aber das ist bisher nicht über Vorgespräche hinausgekommen. Die Taliban lehnen nach wie vor direkte Kontakte mit der Regierung ab. Gleichzeitig versuchen sie wie viele bewaffnete Gruppen während solcher Gespräche, militärisch in die Vorhand zu kommen, um aus einer Position der Stärke zu verhandeln. So lassen sich die derzeitigen Kämpfe auch verstehen. Dazu kommt, dass der Fastenmonat Ramadan begonnen hat. Aus diesem Anlass haben die Taliban immer versucht, ein Zeichen zu setzen. Der Angriff auf das Parlament bringt zwar viel Aufmerksamkeit, aber keinen strategischen Vorteil.

Sind die Taliban eine organisierte Gruppe oder sind sie eine unkoordinierte Aufstandsbewegung mit unterschiedlichen Führern in verschiedenen Gebieten?
Die Taliban-Bewegung bestehen aus vielen lokalen Fronten, die im taktischen Bereich weitgehend autonom agieren. Aber sie hat eine einheitliche Kommando-Struktur. Sie ist kein amorpher Haufen, wie es oft dargestellt wird. Das ist für mich Teil der psychologischen Kriegführung. Damit versuchen einige westliche Geheimdienste, die Bewegung zu spalten. Das ist ihnen aber nicht gelungen. Die Taliban sind eine islamische Bewegung, die sich über Religion legitimiert, mit einem Anführer, Mullah Omar, Oberhaupt der Gläubigen genannt. Das sorgt für Zusammenhalt. Für Friedensgespräche ist es auch besser, wenn es eine Führung gibt, mit der verhandelt werden kann.

Der Islamische Staat (IS) hat in Afghanistan Fuß gefasst. Wie stark sind die radikalislamistischen Terroristen in dem Land ?

(…)

Bitte hier den Rest des Interviews weiterlesen…

 

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