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Gerade hat die International Crisis Group in einem ausführlichen Bericht vor den Folgen des Afghan Local Police (ALP)-Programms gewarnt – und bei mir stand dazu gerade ein Gastbeitrag von Autor Graeme Smith (hier der Link) – schon gibt es ein paar Berichte, die belegen, wie angebracht diese Warnung ist.

Noch zu ISA-Zeiten: Kampfhubschrauber über Wardak. Foto: Thomas Ruttig.

Noch zu ISAF-Zeiten: Kampfhubschrauber über Wardak. Foto: Thomas Ruttig.

 

Zunächst berichtete die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok am Mittwoch unter Berufung auf den dortigen Polizeisprecher, dass im Distrikt Bala Buluk in der Provinz Farah Dienstag nacht – an der Grenze zu Iran – 13 ALP-Mitglieder zusammen mit ihrem Kommandeur zu den Taleban übergelaufen seien. Der Chef des Provinzrats sprach sogar von 15 und fügte hinzu, sie hätten auch ihre Waffen mitgenommen. Die Taleban legten och eins drauf und sagten, die Überläufer hätten auch zwei Pick-ups und zwei Motorräder mitgebracht.

Mitte Juni war im selben Distrikt, aber einem anderen Dorf, eine ALP-Einheit wegen Pflichtvernachlässigung aufgelöst und entwaffnet worden. Auch sie hätten geplant, ihre Waffen an die Taleban weiterzugeben. Anschließend hättem die Taleban die Kontrolle über dieses Dorf übernommen.

Gründe für das Überlaufen könnte es mehrere geben. Erstens: Die ALP wird von der Regierung nicht regelmäßig bezahlt; manchmal geht das Geld auch auf dem Weg an die vorgesehenen Empfänger „verloren“. Das untergräbt natürlich die Kampfmoral. Zum zweiten ist überlaufen oft der einzige Ausweg, wenn man sich von einer Taleban-Übermacht angegriffen fühlt. Diesmal war aus Farah aber nicht von Kämpfen die Rede. Drittens kann es sich auch um Infiltranten der Taleban handeln; entgegen der ursprünglichen Absicht nimmt die afghanische Regierung auch Taleban-Überläufer (echte und vorgetäuschte) in die Reihen der ALP auf.

Ein weiteres Problem mit der ALP kommt in einem Pajhwok-Bericht von heute zum Ausdruck – Überschrift: „ALP-Kommandeur in Wardak betriebt Privatgefängnis mit Folterzellen“. Dem Bericht zufolge beschuldigt ein Mitglied des Wardaker Provinzrats den ALP-Kommandanten Karim, im Distrikt Dschalrez, lokale Einwohner in seinem Privatgefängnis festzuhalten und zu foltern. Deshalb wären viele Familien geflohen. Der letzte Fall habe sich vor einer Woche ereignet, als Karim und seine Kämpfer einen Bauern namens Habibullah aus einem Auto holten, als dieser gerade aus Kabul zurückkam. “Nach seiner Festnahme durch Karim wurde Habibullah gnadenlos geschlagen und war drei Stunden bewusstlos. Danach haben ihm Karims Kämpfer eine glühende Stange in die Nase eingeführt und an die Genitalien gehalten”, so der Provinzratsabgeordnete. Es müsse eine Untersuchung geben, und Karim müsse vor Gericht gestellt werden.

Am gleichen Tag sollen, ebenfalls Pajhwok zufolge, „hunderte Taleban“ sechs ALP-Posten in Dschalrez angegriffen, diese eingenommen und die Hauptstraßen zwischen Kabul und Bamian sowie Maidenschahr und Bamian blockiert haben. Zwei ALP-Männer seien getötet worden, drei weitere gefangen genommen worden. Es war unklar, ob diese ALP-Leute zu Kommandeur Karim gehörten. Die Provinzregierung habe Verstärkung angefordert.

 

 

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