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Ich kann es nicht besser sagen als Gary Owen in seinem sarkastischen Kabuler The Weather Report:

Je mehr sich Islamabad ändert, desto mehr bleibt der ISI derselbe – und sponsert weiter Taleban-Angriffe nach Afghanistan hinein. Das ist die Story, wenn man afghanischen Sicherheitsverantwortlichen glaubt, die die Verantwortung für jüngste Kämpfe in Paktia Kabuls beliebtesten Prügelknaben anlasten. Sie berichten, dass hohe ISI-Führer die Kämpfe in der Provinz leiten, zusammen mit etwa 600 pakistanischen Milizmitgliedern. [Manchmal in Zusammenarbeit mit dem Haqqani-Netzwerk – siehe hier. Oder einfach nur mit Taleban, hier etwa. Macht wohl keinen großen Unterscheid für die Urheber dieser „Berichte“.]

Speichern Sie das unter „Es muss ja nicht wahr sein, es muss sich nur wahr anhören“, denn es ist nicht wichtig, ob der ISI dort ist oder nicht. Was zählt, ist dass afghanische Offizielle sich schneller zitieren lassen als [für mich unübersetzbar, irgendwas mit Lance Armstrong]. Ghani will sich mit Pakistan gutstellen, und er sollte das auch. Wenn der ISI aber weiter die Taleban auf solche Weise unterstützt (und es gibt keinen Grund, etwas anders anzunehmen), wird da allerdings die diplomatischen Beziehungen und den Friedensprozess [hier merkwürdigerweise ohne Anfphrungszeichen] verkomplizieren.

[Owens Originaltext unten, zum Vergleich]

Kutschi-Familie in Paktia, zu friedlicheren Zeiten. Foto: Thomas Ruttig (etwa 2004).

Kutschi-Familie in Paktia, zu friedlicheren Zeiten. Foto: Thomas Ruttig (etwa 2004).

 

Mittlerweile wird die IS/ISIS/Daesh-Gefahr (jetzt mal nicht ISI) weiter (um einen deutschen Fußballprofi zu zitieren) „hochsterilisiert“. Präsident Ghani hat dem aktuellen US-Kommandeur der NATO-Mission, General John Campbell, vorgeschlagen, Afghanistan zur Basis für die regionale Terrorismusbekämpfung zu machen. Es geht gegen IS/ISIS/ISIL/Daesh.

Gen. Campbell hat auch schon eine neue Einschätzung parat [siehe Text ganz unten, von der Pentagon-Webseite], mit vielen Wenns und Abers, damit niemand später sagen kann, man habe es nicht geahnt:

“Ende letzten Jahres begannen wir, von ISIL zu hören, und in den letzten sechs Monaten gibt es ein Getrommle [was auch immer das heißen soll], das weiter angewachsen ist. Die betreffenden Gebiete sind Nangahar [„r“ vergessen], Farah und Nord-Helmand.“ Campbell sagt, ISIL-Anhänger kämpften gegen Taleban in Nangahar.

“Wir sagten, dass die ISIL-Gefahr im Entstehen begriffen sei, aber jetzt würde ich sagen, sie ist möglicherweise operationell aufstrebend”, sagte Campbell und fügte hinzu, Ghani glaube, dass dies eine potenzielle Gefahr für Afghanistan sei.

Der afghanische Präsident habe gesagt, wenn al-Qaida Windows 1.0 gewesen sei, dann ist ISIL Windows 7.0, sagte der General. “Er weiß, dass [ISIL] die Fähigkeit hat, sich sehr schnell zu entwickeln, und er will sicherstellen, dass er Systeme und Prozesse in Gang bekommt, um seine eigenen Fähigkeiten auszubauen.

Campbell sagte, er glaube, dass etwa 60 bis 70 Prozent jener, die Taleban-Gruppen anhängen, sich möglicherweise mit der afghanischen Regierung versöhnen werden. “30 bis 40 Prozent sind unversöhnlich, einschließlich des Haqqani-Netzwerks [das allerdings neulich in Pakistan mit afghanischen, US und chinesischen Diplomaten an einem Tisch gesessen hat]”, sagte er. “So, was passiert, wenn die Taleban anfangen sich zu versöhnen? Gehen die anderen Kerle zu [ISIL] über? Das ist die Frage.”

Die Taliban werden Afghanistan nicht übernehmen, sagte Campbell, und auch nicht ISIL. “Sie [ISIL/ISIS/Daesh wahrscheinlich] sind keine existentielle Bedrohung für Afghanistan zu diesem Zeitpunkt,” sagte er. “Können sie das irgendwann werden? Ich weiß es nicht.”

 

Während General Campbell offenbar eine aufsteigende Gefahrenkurve sieht und darin von Ghani bestärkt wird, ist unser (AAN-) Eindruck etwas anders, siehe das auch hier veröffentlichte Interview meines Kabuler Kollegen Borhan Osman:

Frage: Erst kürzlich haben die Taliban den IS davor gewarnt, eine “parallele Aufstandsbewegung in Afghanistan” zu führen. Wird es vermehrt zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen kommen?

Antwort: Bisher gibt es keine Hinweise auf größere Kämpfe zwischen beiden Gruppen. Die größten Auseinandersetzungen fanden in den vergangenen Wochen in der ostafghanischen Provinz Nangarhar statt. Die Taliban konnten jedoch ihre Kontrolle über diese Bezirke behaupten. Der IS hat im Gegenteil sogar bei Kämpfen den Kürzeren gezogen und Terrain verloren, wo er angegriffen hatte. Die Aussichten, dass der IS die Dominanz der Taliban erschüttern könnte, sind gering.

(Mein Kommentar: In Farah und Nord-Helmand scheint sich IS/Daesh nicht festgesetzt zu haben. Von dort gibt es jedenfalls schon lange keine Berichte über IS-Aktivitäten mehr.)

 

Wenn Ghanis Einschätzung der ISIS-Gefahr auf qualitativ ähnlichen Berichten wie die über ISI und pakistanische Milizen beruht, eignen sie sich jedoch vorzüglich, Afghanistan noch mehr zu militarisieren und US-Truppen auch nach 2016 im Land zu halten. Gerade hat Vizepräsident Dostum den Taleban in Nord-Afghanistan ein einwöchiges Ultimatum gestellt, die Waffen niederzulegen, während Abdullahs Viza Mohaqqeq die Regierung aufgefordert hat, Waffen nach Zentralafghanistan zur Selbstverteidigung zu liefern – sonst wüsste er schon, woher er sie bekäme.

Das ist ganz leicht. Aus Kunduz. Von dort berichtete Radio Free Europe gerade, dass sich die Bevölkerung – “die zwischen den beiden sich bekriegenden Fraktionen [d.h. Taleban und neuen Milizen] eingeklemmt sind“– gerade selbst bewaffne, bei steigenden Preisen, obwohl Waffenhändler keine Probleme hätten, Nachschub zu beschaffen. Zitat: „Waffenlieferanten berichteten, dass, anstatt wie zuvor Waffen zu importieren [woher eigentlich?], würden sie einfach von Kämpfern auf allen Seiten kaufen.“

Was bei dem ganzen Getöse unter den Berichtstisch fiel: Über die Eid-Feiertage herrschte in Kunduz für etwa zehn Tage Waffenruhe. Es ist nicht klar, ob das offiziell verhandelt worden war, oder eine spontane Übereinkunft. Leider war laut der Quelle, die auch für AAN berichtet (siehe hier, auf Twitter), heute schon wieder Schluss und „Artilleriefeuer zu hören“. Auch in Kabul gab es über Eid keine Anschläge – eine Neuigkeit.

Vogelhändler im Basar von Kunduz. Foto: Thomas Ruttig (2007).

Vogelhändler im Basar von Kunduz – ebnfalls zu friedlicheren Zeiten. Foto: Thomas Ruttig (2007).

 

Die Quellen:

 

Gary Owen, aus The Weather Report:

The more Islamabad changes, the more the ISI stays the same and the Pakistani intel agency is still sponsoring Taliban incursions into Afghanistan. That’s the story if you believe Afghan security officials, who lay the blame for ongoing fighting in Afghanistan’s Paktia province at the feet of Kabul’s favorite whipping boy. They’re reporting that senior ISIS [sic! Ist wohl ein Druckfehler und sollte ISI heißen] leadership is leading the fighting in the province, along with around 600 Pakistani militia.

File this under “it doesn’t have to be true, it just has to feel true,” since it doesn’t matter if the ISI are there or not. What matters is that Afghan officials are going on the record faster than Lance Armstrong’s Dorito connection to throw a would-be ally under the insurgency bus. Ghani wants to make nice with Pakistan, and he should. If the ISI is still supporting the Taliban like this (and there’s no reason to believe otherwise), that’s going to complicate diplomatic relations and the peace process.

 

Campbell: Afghan President Seeks Partnership in Counterterror Fight

By Jim Garamone, 
D[epartment] o[f] D[efence] News

KABUL, Afghanistan, July 19, 2015 – The commander of NATO’s Resolute Support mission and U.S. forces in Afghanistan said Afghan President Ashraf Ghani wants to be partner with the United States in a regional counterterrorism aspect, here today.

Army Gen. John F. Campbell said Ghani has suggested Afghanistan host a regional counterterrorism effort. Afghan counterterrorism forces are among the best in the region, the general said, but they still need training and equipment.

“He wants to continue to build that capability and knows that he needs our help to do that,” Campbell said in an interview with reporters traveling with Chairman of the Joint Chiefs of Staff Army Gen. Martin E. Dempsey.

Ghani also is reaching out to other regional players including China, Russia, Iran, Pakistan, India, “the ‘Stans” and the United States, Campbell said. His message is that terrorism is a regional threat and it needs to be fought on a regional basis. “He is saying to them, ‘Afghanistan is fighting your fight,’” the general said.

Afghanistan is about halfway through the 2015 fighting season, and Campbell said he is weighing his best military advice to U.S. leaders at the conclusion of this campaign.

Reassessment in Progress

About 9,800 U.S. service members are in Afghanistan today. Plans originally called for a reduction to 5,500 earlier this year, but Ghani appealed to President Barack Obama to maintain the level of troops through the fighting season – the first with Afghan national security forces totally in the lead. Obama agreed, and he asked Campbell to reassess the situation at the end of the fighting season.

“We’re looking at the state of the national unity government and the state of the Afghan security forces,” the general said. He will also look at the set and basing of American forces in the country, he said, and “then I have to look at the state of the insurgency.”

His recommendation will go through U.S. Central Command to the Joint Staff, the Office of the Secretary of Defense and the National Security Council before reaching the president. “I think it is still too early to make a recommendation,” Campbell said.

ISIL Affects Deliberations

The appearance in Afghanistan of the Islamic State of Iraq and the Levant is worrisome and puts a new wrinkle of his deliberations, the general said, noting that the terror group has attracted some violent and vicious adherents since it first appeared last year. “Late last year, we first started hearing about ISIL, and in the last six or seven months, there is a drumbeat that has continued to grow,” Campbell told reporters.

The areas of concern are in Nangahar, Farah, and northern Helmand. Campbell said ISIL adherents are battling the Taliban in Nangahar.

ISIL ‘Probably Operationally Emergent’

“We said the ISIL threat was nascent, but now I would say it is probably operationally emergent,” Campbell said, adding that Ghani believes it is a potential threat to Afghanistan.

The Afghan president said if al-Qaida was Windows 1.0, then ISIL is Windows 7.0, the general said. “He knows [ISIL] has the ability to move very quickly, and he wants to make sure he’s putting systems and processes in place to build his capability,” he said.

Looking ahead, Campbell said, he believes that about 60 to 70 percent of those who adhere to Taliban groups probably will reconcile with the Afghan government. “Thirty to 40 percent are not reconcilable, including the Haqqani network,” he said. “So what happens if the Taliban starts reconciling? Do these other guys go over to [ISIL]? That’s an issue.”

The Taliban are not going to take over Afghanistan, Campbell said, nor will ISIL. “They are not an existential threat to Afghanistan at this point,” he said. “Could they become that down the road? I don’t know.”

 

 

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