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(Von der SRF-Webseite) „Afghanistan hat mit den radikal-islamischen Taliban Verhandlungen aufgenommen. Diese Woche fanden in Pakistan erstmals offizielle Friedensgespräche statt. Das Resultat: Die Gespräche werden [voraussichtlich] im August weitergeführt.

Akbar Agha, vom Entführer zum Möchtegern-Vermittler. Foto: Pajhwok.

Akbar Agha, vom Entführer zum Möchtegern-Vermittler. Foto: Pajhwok.

 

Der Gastgeber, der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif, sprach von einem Durchbruch, es könne der Anfang eines Friedensprozesses in Afghanistan sein.
Thomas Ruttig beschäftigt sich seit Jahren mit Afghanistan – er ist Ko-Direktor des Afghanistan Analysts Network in Kabul und Berlin. Er spricht nicht von einem Durchbruch“ [ab hier meine aktuelle Ergänzung] … sondern vermutet, dass Pakistan versucht, die Friedensgespräche in ihm genehme Bahnen zu lenken und die Taleban – die sich mit der Etablierung ihres Qatar-Büros zumindest aus der räumlichen Abhängigkeit von Pakistan zu befreien versuchten – wieder unter Kontrolle zu nehmen. Die afghanische Regierung, die bisher erfolglos versucht hat, auf eigene Faust Direktgespräche mit den Taleban anzubahnen, scheint das pakistanische Angebot geschluckt zu haben und voll auf den „pakistanischen Kanal“ zu setzen.

Gestern setzte der Hohe Friedensrat (HPC) Afghanistans, der im Namen der Regierung in Kabul handelt, hohe Erwartungen an die „nächsten Gesprächsrunden“. Die nächste soll „in der nächsten Woche … in einem benachbarten Land“ (also nicht unbedingt wieder in Pakistan; vielleicht wieder in China? – siehe hier) stattfinden. Er gab bekannt, dass die Grundlagen für eine Waffenruhe sowie eine Integration der Taleban in das politische System des Landes besprochen werden sollen.

Dabei scheint es sich um die Agenda der Regierung handeln. Ich bezweifle, dass die Taleban schon so weit sind, das zu akzeptieren. Sie haben ja bei anderen Gesprächen in diesem Jahr in Qatar erklärt, erst müsse eine neue Verfassung erarbeitet werden (siehe hier) – die ja die Grundlage des politischen Systems bildet. (Oder hat sich der HPC, respektive die Regierung, darauf schon im Prinzip eingelassen? Bisher hat sie ja immer darauf bestanden, dass die Taleban als Bedingung für Gespräche die bestehende Verfassung anerkannen solle.) Wahrscheinlich ist der HPC nur zweckoptimistisch.

Der HPC sagte ferner, die Taleban würden auch mit einer größeren und repräsentativeren Delegation anreisen. Beim ersten Mal gab es ja Streit auf Taleban-Webseiten, ob die Teilnehmer überhaupt autorisiert worden seien, da sie – mit einer Ausnahme – nicht vom Qatar-Büro kamen, das die Taleban (zum Ärger Pakistans) offiziell zur allein verhandlungsführenden Instanz erklärt und damit aus der Autorität des Taleban-Führungsrates (der sog. Quetta-Schura, mit Sitz in Pakistan) herausgelöst hatten. Das Team des Qatar-Büros unter Mulla Omar-Intimus Tayyeb Agha, den Pakistan schon mehrmals versuchte auszuschalten, da er zu abhängig ist, ist mit der Politischen Kommission der Quetta-Schura identisch, die bisher dieser untergeordnet war, aber nun aufgewertet wurde. (Dazu, wie gesagt, demnächst Genaueres bei AAN.)

Ein führender Ex-Taleb, der nach ein paar Jahren Haft (u.a. wegen der Entführung von drei UN-Mitarbeitern) von Karzai amnestiert worden war und sich seitdem mit einem eigenen Rat (namens Rah-e Nedschat, Weg zur Rettung) als Vermittler zu profilieren versucht, Maulawi Sayyed Akbar Agha, haute in die pakistanische Kerbe und sagte gestern ebenfalls, die Taleban-Unterhändler beim letzten Mal in Murree (Pakistan) seien „reale und autorisierte Individuen der Taleban“.

Die Regierung werden die gleichen Unterhändler entsenden wie beim letzten Mal, d.h. geleitet von Vizeaußenminister Hekmat Khalil Karzai (ein Cousin des Ex-Präsidenten).

 

Das Audio meines Interviews, dessen Annahmen sich inzwischen tendenziell bestätigt haben (mehr dazu demnächst zuerst auf der AAN-Webseite) und dem aus heutiger Sicht nicht viel hinzuzufügen ist, kann man hier anhören (bitte anklicken) (erste Ausstrahlung: Donnerstag, 9. Juli 2015, 7:47 Uhr, Radio SRF 4 News).

 

Meine früheren Berichte zu diesem Thema hier auf Afghanistan Zhaghdablai findet sich hier und hier.

 

 

 

 

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