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Unter diesem Link können sie mein Interview mit Deutschlandradio-Kultur von heute morgen über die gestrige Anschlagsserie in Kabul nachhören. Das folgende ist die DLR-Kultur-Zusammenfassung auf der Webseite des Senders.

Zerstörungen durch den Anschlag in Kabul, Schah Schahid. Foto: Pajhwok.

Zerstörungen durch den Anschlag in Kabul, Schah Schahid. Foto: Pajhwok.

„Schwerste Anschläge seit 2011“

Thomas Ruttig im Gespräch mit Ute Welty

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Die Anschlagserie mit 40 Toten und Hunderten Verletzten allein in Kabul in den letzten 24 Stunden sei Teil der Sommeroffensive der radikalislamischen Taliban. Ihre Intensität könnte auf einen internen Machtkampf zurückgeführt werden, mutmaßt der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig.

Der Co-Direktor des Think-Tanks Afghanistan Analysts Networks (ANN), Thomas Ruttig, sieht die Anschlagserie in der afghanischen Hauptstadt Kabul als Teil der Sommeroffensive der radikalislamischen Taliban, die sich vor dem Hintergrund interner Machtkämpfe in der Talibanführung abspielt.

„Es waren wirklich große Explosionen, wahrscheinlich die schwersten Anschläge seit 2011“,berichtete der Co-Direktor des Think-Tanks Afghanistan Analysts Networks (ANN), im Deutschlandradio Kultur über die Ereignisse gestern in Kabul mit 40 Toten und Hunderten Verletzten innerhalb von 24 Stunden. Die diesjährige Taliban-Sommeroffensive sei stärker als in den vergangenen Jahren und spiele sich bereits seit einiger Zeit vor allem in den Provinzen ab.

Machtkampf innerhalb der Taliban

Der Machtkampf innerhalb der Taliban und der Streit über die im Juli begonnen Friedensgespräche zwischen Taliban und Regierung spiele möglicherweise eine Rolle. Darauf verweise der Zeitpunkt der Anschläge, jetzt kurz nach Bekanntgabe des Todes von Mullah Omar und dem internen Streit über die Legitimation des neuen Führers Mullah Achtar Mansur. Allerdings müsse dies noch genauer analysiert werden, sagte Ruttig angesichts Anschlagserie in Afghanistan.

Taliban-Hardliner gegen Friedensgespräche – IS lediglich Randerscheinung

„Man könnte möglicherweise von strategisch platzierten Anschlägen sprechen“, so Ruttig weiter. Ob es sich dabei um Aktionen der Taliban-Hardliner gegen Friedensgespräche handle, sei aber noch offen. Die Gefahr des Zusammenschlusses von Taliban und der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), die sich auch in Afghanistan etablieren will, sieht Ruttig aktuell nicht. Der IS in Afghanistan sei bisher lediglich eine Randerscheinung, die von den Taliban selbst oder Drohnenschlägen der US-Armee bereits wieder vernichtet seien.

Eine künftige Spaltung der Taliban hält Ruttig für möglich. Im Kampf um die Vorherrschaft unter den Taliban könne es dem neuen Führer Mullah Achtar Mansur aber auch gelingen, die Bewegung zusammenzuhalten. Dann könnten sich Abspaltungen dem IS zuwenden, erklärte der Mitbegründer des „Afghanistan Analysts Networks ANN, einer unabhängigen Rechercheorganisation mit Sitz in Berlin und Kabul.

 

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