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Markus Potzel, seit August 2014 deutscher Botschafter in Kabul und erster landessprachlicher seit lange vor dem 2. Weltkrieg, hat Ariana TV sein erstes Interview in Dari gegeben; Gesamtlänge: über 20 Minuten. Es kann hier angesehen werden, hat aber keine Untertitel. Darin kündigt Potzel u.a. einen Afghanistan-Besuch von Außenminister Steinmeyer aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der bilateralen Beziehungen an – die er mit dem Eintreffen der kaiserlichen Niedermayer-Hentig-Expedition während des Ersten Weltkriegs im Spätsommer 1915 ansetzt.

Botschafter Potzel auf Ariana TV. Screenshot, 13.8.2015

Botschafter Potzel auf Ariana TV. Screenshot, 13.8.2015

 

Der erste deutsch-afghanische Vertrag, der diplomatische Beziehungen vereinbarte, wurde allerdings erst im Januar 1916 unterzeichnet.

Deutschland hat seit Juli auch eine neue Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Botschafterin Sabine Sparwasser, die Leiterin der Politischen Abteilung 3 (Afrika, Asien, Lateinamerika, Nah- und Mittelost) des Auswärtigen Amtes. Ihre breite Zuständigkeit symbolisiert auch, dass Afghanistan, was die Aufmerksamkeit in der deutschen Außenpolitik betrifft, nun in eine Reihe mit den anderen Entwicklungsländern rückt. Bisher war der Sonderbeauftragte – bis Juli Michael Koch – gleichzeitig auch der Leiter einer eigenständigen Verwaltungseinheit für beide Länder, vorher als „Sonderstab Afghanistan“ bekannt. Koch ist jetzt Völkerrechtsberater der Bundesregierung und Leiter der Rechtsabteilung im Auswärtigen Amt. Die Sondergesandte scheint auch nicht mehr über eigene Webseite zu verfügen; die bisherige ist jedenfalls nicht mehr erreichbar. Dafür kann man ihren Vorgänger noch auf der Webseite des Bundesverteidigungsministeriums bewundern.

Sparwasser war übrigens während der Afghanistan-Konferenz 2001 auf dem Petersberg Sprecherin des Auswärtigen Amtes (siehe auch hier).

Sondergesandte Sparwasser. Foto: AA.

Sondergesandte Sparwasser. Foto: AA.

 

Allerdings gibt es im AA seit März 2015 nun auch eine Querschnittsabteilung – die sogenannte „Abteilung S“, die sich u.a. mit fragile Staaten (also auch Afghanistan), Krisenprävention, Stabilisierung, Friedenskonsolidierung, Mediation, Frühwarnung und Szenarienplanung sowie humanitärer Hilfe befasst und zu der auch das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) gehört. Die Abteilung S wird von einem Diplomaten mit Afghanistan-Erfahrung geleitet, dem früheren Botschafter in Kabul (2010-13) Rüdiger König . Zuvor war er Afghanistan-Referent an der Botschaft in Islamabad (1997-99) und gehörte 2001 der deutschen Delegation auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz zu Afghanistan an. Von 2008 bis 2010 war er Leiter des Sonderstabes Afghanistan-Pakistan. König ist (wie dieser Autor) Träger des afghanischen Mir-Masjidi-Ordens, der nach einem Truppenführer im ersten anglo-afghanischen Krieg 1839 benannt ist und in schöner Ironie ausländischen Diplomaten verliehen wird.

Das ZIF wird seit mehreren Jahren von der früheren Leiterin des Kabuler Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung, Almut Wieland-Karimi, geleitet.

Botschafterin Sparwasser bereiste in den letzten Tagen bereits Pakistan und Afghanistan. In Pakistan traf sie am 10. August u.a. Armeechef Raheel Sharif, den Sicherheitsberater von Premierminister Nawaz Sharif, Sartaj Aziz und den Vorsitzender der Nationalversammlung Ayaz Sadiq. Ein Tag später traf sie in Kabul den afghanischen Außenminister Salahuddin Rabbani (hier mit Foto), der seit heute als Leiter einer afghanischen Delegation zu Gesprächen in Pakistan ist – nach den Taleban-Anschlägen vom 7. August – sowie den Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Hanif Atmar (ebenfalls mit Foto).

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