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14 Prozent aller Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, sind Afghanen, berichtet das UNHCR. Die meisten davon scheinen über Griechenland zu kommen, denn bei den Ankömmlingen in Italien sind die Afghanen nicht unter den zehn größten Nationen.

In den letzten fünf Jahren kamen 36808 afghanische Bootsflüchtlinge nach Europa.

2014 suchten etwa 9673 Afghanen Asyl in Deutschland. Davon wurden 1939 (26,6%) als Flüchtlinge anerkannt. 1569 Anträge (21,5%) wurden abgelehnt. Für 1022 Afghanen (14%) wurde für ein Abschiebeverbot entschieden. 12.299 Anträge waren noch anhängig.

Aufenthaltsländer afghanischer Flüchtlinge, weltweit. Quelle: UNHCR.

Aufenthaltsländer afghanischer Flüchtlinge, weltweit. Quelle: UNHCR.

 

Pro Asyl schreibt zu Afghanistan:

Im Jahr des deutschen Truppenrückzugs ist die aktuelle Zahl der aus Afghanistan nach Deutschland Geflüchteten ein Indiz für die erschreckende Tatsache, dass Terror und Gewalt im Land schlimmer wüten denn je. Seit Erhebung der relevanten Zahlen durch die UN-Unterstützungsmission hat es nicht so viele zivile Opfer gegeben wie 2014: Über 6.800 Menschen wurden demnach im vergangenen Jahr verletzt, fast 3.700 getötet. Die Zahl der nach Deutschland Flüchtenden steigt und mit ihnen die „Dublin-Fälle“: Rund 32 Prozent der Antragsteller wurden insgesamt „formell“ abgefertigt.  Beschäftigt sich das BAMF mit den individuellen Fluchtgründen, ist die Anerkennungsquote hoch: Mehr als zwei Drittel (68%) der afghanischen Asylsuchenden erhalten dann Schutz.

Landesinformationen zu Afghanistan vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge findet man hier. Hier die Variante des Schweizer Flüchtlingsrates.

Und hier ein interessanter Bericht der UN-Unterorganisation IOM von 2014 unter dem Titel „Transition, Crisis and Mobility in Afghanistan: Rhetoric and Reality„.

 

Jetzt einige Berichte über die Fluchtwege und was afghanische Flüchtlinge unterwegs durchmachen.

Viele Afghanen gehen zuerst nach Iran. Das berichtete das Iran-Journal am 5. Mai 2015:

 

Zu Fuß über die Grenze

Viele afghanische Flüchtlinge kommen über den Iran nach Europa. Doch für einen Teil von ihnen endet die Flucht bereits an der iranischen Grenze. Sie werden erschossen oder zurückgeschickt. Betroffen sind vor allem Frauen und Kinder.

Sie zahlen horrende Summen an die Schlepper. Oft sind die Fluchtfahrzeuge überladen: Autos, die für fünf Personen zugelassen sind, transportieren bis zu 17 Personen. Auch technisch lassen die Fluchtwagen vieles zu wünschen übrig. Zum schlechten Zustand der Straßen kommen Räuberbanden. Im März hielten Maskierte einen Bus an und beraubten 30 afghanische Flüchtlinge auf dem Weg in den Iran um ihr Hab und Gut.
Gefahr lauert auf die afghanischen Asylsuchenden auch direkt an der Grenze. Sie werden von gewalttätigen Grenzsoldaten misshandelt. Manchmal fallen sogar Schüsse. Afghanische Medien berichten immer wieder von Toten und Verletzten an der afghanisch-iranischen Grenze. Die iranische Regierung dementiert dies.
Das betrifft diejenigen, die es bis zur Grenze schaffen. Doch viele kommen gar nicht so weit. Allein in den letzten zwei Tagen des März sollen nach einem Bericht der iranischen Zeitung Shahrvand 61 afghanische Flüchtlinge unterwegs durch Autounfälle ums Leben gekommen sein. 62 kamen mit Verletzungen davon.

Der 16-jährige Javad kam vor zwei Monaten über den Iran nach Europa. Neun Monate hat er im Iran verbracht. An den schrecklichen Fluchtweg erinnert sich der Afghane gut: „Mit meinen beiden Cousins hatten wir die Flucht unternommen. Ich saß im Wagen auf dem Boden, eingequetscht zwischen 14 weiteren Flüchtlingen, darunter Frauen und Kleinkinder. Das Atmen fiel uns schwer, aus Platzmangel. Nach ein paar Stunden stiegen wir aus und gingen zu Fuß weiter. Nach etwa 20 Tagen Fußmarsch erreichten wir den Iran, mit Wunden an den Füßen und ausgehungert. Unterwegs schlugen die Schlepper uns, damit wir schneller liefen, Frauen und Kinder ließen sie zurück, denn sie konnten nicht mit uns Schritt halten. Einer meiner Cousins erkrankte und starb später. Pro Kopf haben wir 100 US Dollar bezahlt. Das war für uns eine Menge.“

 

Viele afghanische Flüchtlinge sind auch in der Türkei, viele waren vorher in Syrien. Laut UNHCR stieg deren Zahl zwischen 2010 und 2015 (bisher) von 3447 auf 39493. „Der Bürgerkrieg in Syrien hat jeden ruiniert; erstens die Syrer selbst, und auch uns, die afghanischen Flüchtlinge“, zitierte eine türkische Zeitung einen 27-jährigen Afghanen namens Sohrab Barati. „Man sagt uns, Syrer hätten Priorität. Die UN, Europa und die USA sehen uns nun anders.“ Viele der Afghanen leben im Stadtteil Zeytinburnu von Istanbul.

 

Von dort aus gehen viele nach Griechenland weiter. Von dort berichtete im April die Deutsche Welle:

 

Endstation Athen für afghanische Flüchtlinge

Jedes Jahr flüchten mehrere Tausend Afghanen aus ihrem Land, um in der EU ein besseres Leben zu finden. Die meisten Asylanträge werden abgelehnt. Für viele ist Griechenland Wartestation als Dauerzustand.

Um Mitternacht irgendwo im Ägäischen Meer zwischen der Türkei und Griechenland. Fünf junge Afghanen sitzen in einem einfachen Schlauchboot und paddeln um ihr Leben. Nach sechs Stunden, so hatte ihnen der Schlepper versichert, würden die illegal Reisenden im Paradies, also in Griechenland und damit in der EU, ankommen. Doch als das kleine Boot die griechische Küste erreicht, werden sie von Schüssen empfangen. Ahmad Karim (Name geändert – Red.) erinnert sich: „Die Grenzpolizisten verhafteten uns und setzten uns in ein Schiff. Wenige Zeit später warfen sie uns in der Nähe einer kleinen unbewohnten türkischen Insel ins Wasser zurück.“

Karim, damals 23 Jahre alt, und seine Weggefährten werden von einem türkischen Fischer gerettet. Sie dürfen zurück nach Istanbul, um sich nach wenigen Wochen wieder auf den Weg nach Westen zu machen.

 

In einem weiteren DW-Bericht heißt es, „nur wenige [Afghanen] schaffen es, ein neues Leben zu beginnen. Manche sterben auf der Flucht, viele andere stranden unterwegs, wie die Familie von Abdullah.“

Abdullah, mittlerweile Ende 20, kommt aus der zentralafghanischen Unruheprovinz Daikundi. Vor zehn Jahren hatte er Afghanistan mit seinen Eltern und Geschwistern wegen einer Familienfehde verlassen, über deren Details er gegenüber der Deutschen Welle nicht sprechen will. Nur soviel, dass sie für ihn und seine Familie noch bedrohlicher war als die Anschläge der Extremisten. Die erste Station ihrer Suche nach einem neuen, sicheren Zuhause war der Iran. Dort seien sie fast täglich Schikanen ausgesetzt gewesen, sagt Abdullah, inzwischen Vater zweier Töchter, es habe dort keine Zukunft für sie gegeben.

Schließlich zieht die neunköpfige Familie weiter und reist illegal in die Türkei ein. Hier wenden sie sich an das Büro des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen und bitten um Asyl in einem westlichen Land. Drei Jahre lang warten sie vergeblich auf eine Antwort. In der Zwischenzeit arbeitet Abdullah schwarz auf Baustellen, um Geld für die Weiterfahrt nach Westeuropa zu sparen.

Mit Hilfe eines Schleusers machte sich die Familie von Abdullah vor einigen Wochen zusammen mit anderen Flüchtlingen auf nach Griechenland. Fahrpreis pro Person: 1300 US-Dollar. Woher er das Geld für die alle hatte, erzählt Abdullah nicht. Vermutlich musste er sich in Afghanistan viel Geld leihen.

„Wir waren 25 Personen im Boot. Es war eine stürmische Nacht“, erzählt Abdullah. „Sobald uns der Schleuser ins Boot gesetzt hatte, sagte er uns, wir sollten weiter auf diesem Kurs fahren und wir würden in Europa ankommen. Aber während der Fahrt setzte der Motor aus.“

Die griechische Küstenwache entdeckt das Boot und schleppt es an Land. Die Polizei in Athen gibt den Flüchtlingen Dokumente für einen einmonatigen Aufenthalt. Übernachten müssen sie in einem Gebäude, das bereits mit anderen Flüchtlingen überfüllt ist. (…)

 

Schließlich hier noch ein hilfreicher Artikel aus der Zeit: „10 Mythen über Flüchtlinge“.

 

Afghanische Flüchtlinge in Europa, 2014. Quelle: Frontex, Eurostat.

Afghanische Flüchtlinge in Europa, 2014. Quelle: Frontex, Eurostat.

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