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Vor ein paar Tagen bat mich die Berliner taz, für ihre „Fluchthilfe“-Sonderseiten – wie das auch schon für andere Hauptflüchtlingssprachen – ein paar einfache Floskeln (Guten Tag! Wie geht es ihnen? Wo ist ihre Familie?…) auf Pashto aufzuschreiben. Das erschien auch in der Ausgabe vom 9. September. So weit, so gut. Allerdings hat die Redaktion inkorrekter Weise – mit Hinweis auf Wikipedia und den Duden (siehe unten) – die Schreibweise von Pashto zu Paschtu verändert.

Warum das falsch ist möchte ich hier erläutern:

Pashto Schriftzug

 

  • die Sprache heißt Pas(c)hto

Die Sprache besitzt wie, das Deutsche, alle fünf Vokale a, e, i, o, u; das liegt daran, dass beide indoeuropäische Sprachen und also miteinander verwandt sind. In beiden kann man Vokale nicht einfach austauschen. („Tot“ und „tut“ hat ja auch nicht dieselbe Bedeutung.) Da Pashto allerdings mit arabischen Buchstaben geschrieben wird (was nicht besonders gut zu einer indoeuropäischen Sprache passt), steht für o und u ein und derselbe Buchstabe, der „wow“ (و) genannt wird. Er kann auch ein Konsonant sein, nämlich „w“. Man muss also wissen, wie das jeweilige „wow“ ausgesprochen wird.

(Siehe zum Beispiel auch hier: Das „Lehrbuch des Pashto“ meiner Lehrers an der Humboldt-Universität, Prof. Manfred Lorenz, immer noch das Standardwerk, wenn man vom Deutschen aus diese Sprache lerne möchte (Bezug hier) oder die Internet-Ressourcenseite zu dieser Sprache, Pashto Language Resources.

Pashto-Lehrbuch Lorenz

 

  • ein Sprecher dieser Sprache heißt Pas(c)htune (mit „u“; Pashtun im Pashto: پښتون)

Das „c“ setzte ich deshalb in Klammern, weil es dabei nicht um unterschiedliche Transkribierungen handelt – wie etwa bei Ashraf Ghani (englische Transkribierung) versus Aschraf Ghani (deutsche Transkribierung) –, sondern um einen Laut, den es nur im Pashto gibt und in der Aussprache zwischen unserem „sch“ und dem „ich“-Laut bewegt.

  • im Pashto ist der Plural für Pashtun „Pashtāne“ پښتانه‎ (möglicherweise kommt daher das im Englischen gebräuchliche „Pathans“/Pathanen)

 

Was den Duden und Wikipedia betrifft:

Der Duden lässt beide Schreibweisen zu, jeweils mit „sch“ (weil ein „sh“ in Deutschen ungewöhnlich wäre, siehe hier und hier). Das englische Wikipedia scheibt richtig „Pashto“, die deutsche Variante weicht auf „Paschtunische Sprache“ aus.

Im Englischen wird (bzw wurde) in einigen Ausnahmefällen Pukhto oder Pushtu geschrieben, aber meist handelt es sich dabei um alte Quellen (siehe z.B. hier). Im Russischen ist Puschtu gebräuchlich.

 

Interessante Artikel zu Pashto auf deutsch hier:

  • Von Manfred Lorenz (1990), „Die Entwicklung des Paschto als moderne Literatursprache“, in: Istvān Fodor, Claude Hagège (Hg.), Language Reform: History and Future. Hamburg: Buske, 105-125 (nicht online).
  • von Matthias Weinreich, „Pashto im Karakorum“ (nur zum lesen, nicht zum herunterladen)

 

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