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Die EU hat am Freitag länderspezifische Zahlen über Asylbewerber aus dem zweiten Quartal 2015 veröffentlicht. Demnach waren von den insgesamt 213.200 Asylsuchenden in diesem Zeitraum – nach den Syrern (43.995 = 21%) – die Afghanen die zweitstärkste Gruppe mit 13% (26.995). Über die Hälfte der Afghanen (13.600) beantragte in Ungarn Asyl. In Deutschland waren sie nicht unter den drei größten „nationalen“ Gruppen von Antragstellern. In Österreich waren es 4040, in Schweden 1360, in Bulgarien 775 in Norwegen 460 und in Griechenland 440 Afghanen.

Pro Asyl legte unterdessen Zahlen für Deutschland und August vor, die auf Statistiken der Bundesregierung beruhen. Demzufolge stammen mehr als 70 % der im August nach Deutschland Eingereisten aus Kriegs- und Krisengebieten. Flüchtlinge aus Syrien (44,5%), Afghanistan (8,9%) und dem Irak (2,9%) machen zwei Drittel aller Schutzsuchenden in Deutschland aus. Die Organisation stellt fest:

Die Zahl der Asylsuchenden aus Albanien ist mit 8,1 % stark rückläufig, Asylsuchende aus Serbien (2,1 %) und Mazedonien (1,3 %) spielen im August praktisch keine Rolle mehr. Die vor allem von der CSU, aber auch dem Bundesinnenminister, forcierte Debatte um angebliche sichere Herkunftsländer wie  Kosovo, Bosnien oder Montenegro erweist sich als Phantomdebatte: Diese drei Länder tauchen in den Top 10 der Herkunftsländer aller Asylsuchenden nicht einmal mehr auf.

Aus Afghanistan kamen im August 2015 aus Afghanistan 11.522 Menschen (11%) in die Bundesrepublik. Im Juli waren es noch 7.928 (9,6%) und im Februar 2015 1.305 (3,4%). In Berlin stellten im Juni 2015 484 Afghanen Antrag auf Asyl. Das waren ca. 6 Prozent aller Anträge. (Berl Ztg 1-2/8/15).

Aktuelle Zahlen (vom August 2015) zum Thema Asyl des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge findet man hier. Demzufolge gab es im August 2015 aus Afghanistan 2.270 Erstanträge (im Vormonat Rang 3 mit 2.104 Erstanträgen, +7,9%, im Vorjahr Rang 4 mit 690 Erstanträgen; +229,0 %). Von Januar bis einschl. August beantragten 12.796 Afghanen (=5,5%) in Deutschland Asyl.

Die ARD-Tagesschau berichtete am 19. August, dass Asylbewerber hier nicht selten über ein Jahr warten müssen, bis sie wissen, ob sie in Deutschland bleiben dürfen. Entscheidend für die Wartezeit ist oft die Herkunft.

Besonders hart trifft es derzeit etwa Antragsteller aus Afghanistan: Zwar ist die Anerkennungsquote für afghanische Asylantragsteller relativ hoch [2014]: 78,4 Prozent dieser Flüchtlinge haben im zweiten Quartal dieses Jahres Asyl bekommen. Und dennoch mussten sie ungewöhnlich lange warten, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen war: Mehr als zwölf Monate.

Pro Asyl zufolge bedeutete das aber auch, dass 2014 21,5% aller Anträge abgelehnt wurden (2013 sogar 36,8%), trotz der Besorgnis erregenden Sicherheitslage über die Sicherheitslage – hieß es am 3.6.2015.

15.950 Afghaninnen und Afghanen befanden sich Ende 2014 in Deutschland im Asylverfahren. 3.982 abgelehnte afghanische Flüchtlinge lebten zu diesem Stichtag in Angst vor der Abschiebung.  Bisher finden zwar nur vereinzelt Rückführungen statt und es ist damit zu rechnen, dass viele von ihnen über Jahre bleiben werden – die Betroffenen werden jedoch nur geduldet. Für viele Betroffene bedeutet dies, dass sie in Flüchtlingslagern leben müssen und unter Arbeitsverboten sowie der Angst vor einer Rückführung leiden. Jungen Afghanen wird nach der Schule zudem immer wieder die Ausbildung verboten. PRO ASYL fordert die Innenministerkonferenz dringend dazu auf, einen Abschiebungsstopp zu erlassen und afghanischen Flüchtlingen Aufenthaltserlaubnisse zu erteilen, um ihre Integration zu ermöglichen. 

Pro Asyl schildert einen Fall als Beispiel:

„Ich hatte einen Ausbildungsvertrag von einer Fliesenlege-Firma, aber die Ausländerbehörde hat nicht erlaubt, dass ich die Ausbildung mache, weil ich eine Duldung habe.“, erzählt Zarbi. Er ist einer von mehr als 4.000 Flüchtlingen aus Afghanistan, die als Ausreisepflichtige in Deutschland leben. Es ist ein Leben in Unsicherheit: Die Duldung gilt meist nur für bis zu drei Monaten, wie es danach weitergeht – Abschiebung oder erneuter Aufschub – wissen die Betroffenen nicht. Dabei lebt ein Drittel aller Geduldeten bereits seit über sechs Jahren in Deutschland. Die Arbeitssuche und die Ausbildungsaufnahme ist für sie erheblich erschwert oder wird wie in Zarbis Fall ganz verboten, einen Sprachkursanspruch gibt es nicht.

Abgelehnte Asylbewerber müssen eigentlich abgeschoben werden, und dafür sind die Länder zuständig. „Wenn unter keinem Gesichtspunkt – auch nicht humanitär“ ein Aufenthaltsrecht in Betracht komme, so müssten die Länder die Ausreisepflicht „zeitnah vollziehen“ heißt es im BMI.

In Großbritannien wurde Ende August die Abschiebung von über 60 abgelehnten afghanischen Asylbewerbern im letzten Augenblick verhindert, aber andere an Bord eines vom Londoner Innenministerium gechartertes Privatflugzeugs wurden ausgeflogen. Ihre Zahl ist unbekannt. Der britische Lord Justice Clarke hatte entschieden, dass es für abgeschobene afghanische Asylbewerber nur in drei Provinzen sicher sei – Kabul, Bamian und Pandschir. Und selbst darüber könnte mal streiten…

 

 

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