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Wer wegen der unten kurz dargestellten Situation Afghanistan verlässt, wird von manchen in Europa wahrscheinlich als Wirtschaftsflüchtling dargestellt.

Bettlerinnen in Kabul. Foto: Tolo.

Bettlerinnen in Kabul. Foto: Tolo.

 

Afghanistan sieht sich nach drei Jahrzehnten Krieg, bürgerkriegsähnlichen Unruhen und Naturkatastrophen enormen humanitären Herausforderungen gegenüber. Gerade vor einer Woche erschütterte ein Erdbeben die nördlichen Regionen des Landes, tötete hunderte und verursachte umfangreiche Schäden in den bergigen Gebieten. Hier sind zehn Fakten, die Ihnen helfen sollen zu verstehen, wie die Ernährungssituation in diesem Land aussieht.

1) Afghanistan ist eines der ärmsten Länder der Welt, auf Rang 169 von 187 Ländern auf dem Human Development Index [der UNO] (2012).

2) Über 1,5 Millionen Menschen in Afghanistan leiden unter schwerer Ernährungsunsicherheit [früher hätte man wohl gesagt: „Hunger“ oder „Gefahr einer Hungersnot“] – ein Anstieg von über 317.000 seit dem letzten Jahr. Weitere 7,3 Millionen Menschen – mehr als einer unter vier Afghanen – leiden unter moderater Nahrungsmittelunsicherheit.

3) In von Frauen geführten Haushalten ist die Wahrscheinlichkeit, von Ernährungsunsicherheit betroffen zu werden, um fast 50 Prozent höher als in anderen Haushalten in Afghanistan. Bei Frauen, die ihren eigenen Haushalt führen, ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu sogenannten emergency coping strategies [Bewältigungsstrategien in Ausnahmesituation], wie Betteln, Zuflucht nehmen, ebenfalls um 50 Prozent

4) Über 60 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind zu klein für ihr Alter – ein Zustand, der als stunting [Zurückgebliebenheit] bekannt ist und durch chronische Mangelernährung verursacht wird.

5) Über ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren sowie 21 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter sind untergewichtig. 5,3 Millionen Menschen haben ein Proteindefizit.

6) Ernährungsunsicherheit wird durch politische Instabilität, Konflikte und sich wiederholende [Natur-]Katastrophen verstärkt. Etwa 400.000 Menschen werden jährlich ernsthaft von Naturkatastrophen wie Dürre und Überflutungen betroffen. Vor kurzen haben Gewaltausbrüche in der Region Kunduz Tausende Menschen [aus ihren Wohnungen] vertrieben.

Die anderen vier Fakten beziehen sich auf die Arbeit des WFP in Afghanistan und können hier gelesen werden.

Quelle: UN-Welternährungsprogramm (WFP) (meine Übersetzung)

 

PS/
Die Weltbank und die afghanische Regierung berichteten vor kurzem, in ihrem gemeinsam im Oktober 2015 veröffentlichten „Poverty Status Update“ fpr Afghanistan, dass – nach den letzten erhobenen Werten – zwischen 2007/08 und 2011/12 „trotz massiv verstärkter internationaler Ausgaben“ die Armutsrate von 36 Prozent der Bevölkerung „substanziell unverändert“ blieb.
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