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Am Montag wurde in Paris die 21. der jährlich stattfindenden „Konferenz der Parteien“ (COP21) der UN-Klimarahmenkonvention mit den Reden von über 150 Staats- und Regierungschefs eröffnet. Auch Afghanistans Präsident Aschraf Ghani war angereist und sprach am Nachmittag. Ein Manuskipt der dreiminütigen Rede liegt bisher nicht vor; es gibt bisher nur eine Presseerklärung auf der Webseite des Präsidenten (auf Dari, hier).

Präsident Ghani bei seiner Rede zur Klimakonferenz in Paris. Foto: Webseite des Präsidenten.

Präsident Ghani bei seiner Rede zur Klimakonferenz in Paris. Foto: Webseite des Präsidenten.

 

Gemeldet wurde außerdem, dass er sich mit Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif getroffen habe, um eine eventuelle Wiederaufnahme von Kontakten mit den Taleban zu diskutieren; der britische Premier David Cameron war ebenfalls zugegen (Foto hier).

Für die Pariser Konferenz mussten alle Teilnehmerstaaten – darunter also auch Afghanistan – zwei Dokumente vorlegen: eine sogenannte „Erste Kommunikation“ (Initial Communication), in der der Zustand der Klima- und Umweltsituation in dem jeweiligen Land dargestellt wird; und ein sogenanntes „Nationales Beitragspapier“, in der ein nationaler Maßnahmeplan zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen vorgelegt wird.

Die Pariser Konferenz konzentriert sich auf das Thema Treibhausgase; es geht unter anderem darum, ein verbindliches Ziel (2 Grad Celsius maximale Erderwärmung) festzulegen und Entwicklungsländern wie Afghanistan aus dem vor vier Jahren bei COP 17 in Durban geschaffenen Green Climate Fund zu finanzieren. Das bezieht sich auf einen „Projektzeitraum“ von 2020 bis 2030. Afghanistan hat für seine Treibhausgas-Reduktionsziele die Summe von 17,405 Milliarden US-Dollar veranschlagt (siehe hier, S. 1).

Beide afghanische Dokumente sind äußerst aufschlussreich und enthalten eine Reihe erschreckender Details – mensch kann sie (hier und hier) auf Englisch lesen.

Ein paar Zitate daraus:

Afghanistan gehört zu den anfälligsten Ländern in der Welt, was negative Auswirkungen des Klimawandels betrifft. . . . Im Ergebnis des Klimawandels wird erwartet, dass die Häufigkeit extremer Wettererscheinungen, darunter Hitzewellen, Überflutungen und Dürre wahrscheinlich zunehmen wird. . . . Zwischen 1990 und 2000, hat Afghanistan jährlich im Durchschnitt 29400 Hektar an Wald verloren, dass entspricht einer jährlichen Entwaldungsquote von 2,25 Prozent, die sich zwischen 2000 und 2005 auf jährlich 2.92% erhöht hat. Wald bedeckt jetzt weniger als 2% der Gesamtfläche des Landes. . . . Mit diesen Klimaveränderungen verändern sich die Grundlagen der Wirtschaft des Landes; Stabilität und Ernährungssicherheit sind in Gefahr.” (Das sind sie allerdings schon jetzt, siehe auch hier.)

Karte der Entwaldung in Ost-Afghanistan 1977-2002. Quelle: afgh. Regierung.

Karte der Entwaldung in Ost-Afghanistan 1977-2002. Quelle: afgh. Regierung.

 

Afghanistans “Durchschnittsjahrestemperatur wird laut unterschiedlichen Projektionen bis zu den 2060er Jahren um 1,4 bis 4,0°C und bis zu den 2090er Jahren um 2,0 bis 6,2 Grad anstiegen.” Im Ergebnis werden bis 2060 “ohne signifikante Investitionen in das Wassermanagement und Bewässerung große Teil der Landwirtschaft des Landes marginalisiert werden.”

Dem UN-Umweltprogramm (UNEP) zufolge sind seit 1998 “mehr als 6,7 Millionen Afghanen durch Naturkatastrophen und extreme Wettererscheinungen wie Dürre, Erdbeben, Epidemien, Sandstürme und harte Winter” betroffen worden.

2009 sagte das Stockholmer Umweltinstitut voraus:

Klimamodelle deuten darauf hin, dass Afghanistan mit einer ganzen Reihe neuer und verschärfter Klimagefahren konfrontiert werden wird. Die wahrscheinlichsten negativen Folgen des Klimawandels in Afghanistan werden mit Dürren zu tun haben, einschließlich Dynamiken von Desertifikation und Landdegradation. Dürre wird um 2030 wahrscheinlich zur Norm werden, nicht mehr nur eine zeitweilige oder zyklische Erscheinung.

Auch die afghanische Regierung hat in ihren Berichten für Paris Dürren zum Problem Nummer 1 erklärt.

Mit anderen Worten: Selbst wenn sich morgen in Afghanistan Frieden und eine hocheffektive Regierung einstellen sollten, stünde das Land immer noch existenziellen Problemen gegenüber: den Folgen des weltweiten Klimawandels.

 

Mehr Einzelheiten finden sich in meinem gemeinsam mit Ryskeldi Satke aus Bischkek verfasste Analyse für AAN (hier, auf Englisch).

In den Dokumenten findet sich die derzeitige Treibhausgas-Bilanz Afghanistans – eine der niedrigsten weltweit. Bisher.

Denn, wie die afghanische Regierung schreibt: „Das gegenwärtige Wachstum des Transportsektors, sowohl im Straßen- wie im Luftverkehr, wird die Nachfrage nach Diesel und Benzin von 1,2 Millionen (2010) auf 12 Millionen Tonnen (2030) erhöhen, und von Flugbenzin von 1,0 Millionen in 2010 auf 22 Million Tonnen in 2030. Parallel zur Wirtschaftsentwicklung und des sich verändernden Lebensstils der Menschen wird erwartet, dass das Abfallaufkommen in den Städten auf 3,1 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2030 stiegen wird, verglichen mit 1,4 Millionen Tonnen in 2010.

Das Thema wird demnächst fortgesetzt.

 

 

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