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Allen Leser_innen von Afghanistan Zhaghdablai möchte ich hiermit besinnliche und auch nachdenkliche Weihnachtstage wünschen – angesichts der anhaltenden Kämpfe in Afghanistan und der damit verbundenen Flucht von hunderttausend(en). Bitte bleiben sie bei Afghanistan Zhaghdablai dran – und senden sie mir gern Kommentare per Email (die direkte Kommentarfunktion auf der Seite habe ich nicht geöffnet, weil sich dort nach den Erfahrungen anderer Medien zu viel anonymer Hass ansammelt, was ich hier gern vermeiden möchte).

Meine bisherige Lieblingsweihnachtsgeschichte des Jahres steht in der taz vom 23.12.2015 von Hilal Sezgin:

Die dritte Unterhose seit Kabul

Uelzen ist nichts Besonderes. Bloß eine niedersächsische Kleinstadt mit einem von Friedensreich Hundertwasser entworfenen Bahnhof, auf den die Stadt stolz ist, so wie jede Kleinstadt auf ihre Sehenswürdigkeit stolz ist. (…) seit Monaten: Geflüchtete. Mal drei, mal dreißig Menschen pro Nacht. Verzweifelte Zugbegleiterinnen sprachen von bis zu 50 Geflüchteten, die sie nächtens auf den unwirtlichen Bahnsteig entlassen mussten. Sie streiften hilflos um das Gebäude, legten sich in die Gänge der Unterführung. Säuglinge schliefen auf nacktem Stein.

Durch Zufall haben ein Mensch, den ich bis dato überhaupt nicht kannte, und ich vor einem Monat über Facebook davon erfahren. Wir warfen Decken und Isomatten in unsere Autos und fuhren hin. (…)

Wir ernteten Dankesworte, -umarmungen und -küsse. Wir sahen herzschmelzendes Lächeln in schüchternen jungen Gesichtern. Wir ließen Botschaften auf Farsi vom Smartphone ansagen und machten Witze mit Händen und Füßen.

Übrigens haben wir auch eine uralte Dusche, nur schaffte es nicht mal der Hausmeister, sie zum Laufen zu bringen … Eines Nachts quoll uns heißer Nebel aus dem Raum entgegen: Drei afghanische Männer hatten nicht gewusst, dass die Dusche offiziell nicht funktioniert, und endlich mal wieder ausgiebig geduscht. Einem anderen durften wir „die dritte Unterhose seit Kabul“ schenken, wie er sagte.

Zum Weiterlesen hier entlang.

(Die beste Lieblingsweihnachtsgeschichte aller Zeiten stammt für mich immer noch von Wolfgang Borchert: „Draußen vor der Tür“ (mit der Aufführung der Studiobühne des Deutschen Theaters in den 1980er Jahren dort, wo jetzt das Berliner Filmtheater Friedrichshain ist – es gibt auch den DEFA-Film von 1960, Regie: Fritz Bornemann, bei Amazon, wenn man es woanders nicht finden kann).

Solange empfehle ich, als Überblick meinen Blog vom Dienstag, den 22.12. d.J. zu lesen.

 

Zum Schluss noch was weniges ernstes:

aus der taz

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