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Am 30. Dezember veröffentlichte die taz unter der Überschrift „Liste der Schande“ auf zwei Seiten mit kleiner Schrift eine Liste von 154 Fällen fremdenfeindlicher Verbrechen aus dem Jahre 2015 – Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und Gebäude, die zu Flüchtlingsheimen werden sollten, sowie direkte Attacken auf Asylbewerber und Schüler von Willkommensklassen. Die Liste wird in interaktiver Form weitergeführt und findet sich hier.

T-Shirt, das im Online-Shop der Piratenpartei angeboten wird. Quelle: dort.

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Nun müssen die tazler_innen einen neuen, besonders infamen, aber auch „sprechenden“ Fall dieser Liste hinzufügen.

Wie der MDR und – etwas präziser zum Tathergang – die Rheinische Post meldeten, griff bereits am Sonntag im sächsischen Altenberg ein Mann mit Nazistahlhelm und Hitlerbärtchen auf einem Rodelhang zwei afghanische Flüchtlinge an und verletzte einen von ihnen. Der Mann sei „gezielt auf die beiden 21 und 26 Jahre alten Männer zugegangen und habe sie beleidigt, teilte die Polizei am Montag in Dresden mit. Anschließend habe er dem Jüngeren den Stahlhelm gegen den Kopf geschlagen.“ Selbst als der Verletzte „schon am Boden lag, traktierte ihn der Täter weiter. Erst durch das Eingreifen von Passanten entfernte er sich von dem Opfer und flüchtete. Dabei soll er den Hitlergruß gezeigt haben.“ Der verletzte Mann musste medizinisch versorgt werden.

Der Staatsschutz der Dresdner Kriminalpolizei hat Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen. Zudem sucht die Polizei Zeugen, die die Tat beobachtet haben. Der Täter wird wie folgt beschrieben: 25 bis 30 Jahre alt, etwa 1,75 Meter groß, kräftige Statur, Glatze, sogenanntes „Hitlerbärtchen“. Er trug eine hellblaue Jeans und eine khakifarbene Jacke. Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter 0351 4832233 entgegen.

Auch afghanische Medien berichteten bereits, hier und hier.

Zudem wurde in der Nacht zum Montag in Dresden das Büro des Sächsischen Flüchtlingsrats mit Hundekot beschmiert. Zudem wurde ein Aufkleber mit der Aufschrift „Refugees not welcome“ an eine Scheibe geklebt. Eine Mitarbeiterin berichtete, dass dies nicht der erste Angriff dieser Art auf die Einrichtung war. Das Neue Deutschland berichtete im Juli 2015 über einen ähnlichen Fall.

Die heutige taz enthält auch eine Reportage über Edriss Barekzai, einen schon länger in Dresden lebenden Afghanen, der als Flüchtlingssozialarbeiter für die Caritas arbeitet (Juliane Hanka, „Zum Fürchten“, noch nicht online), und was er in dieser Zeit erlebt bzw erduldet hat.

Während in der Politik über Grenzschließungen und weitere Restriktionen für bereits in Deutschland eingetroffene Flüchtlinge diskutiert wird, sollte wohl auch über vermehrte Polizeipatrouillen an viel besuchten öffentlichen Orten gesprochen werden – um sowohl Flüchtlinge vor ausländerfeindlichen als auch Frauen vor sexuellen Übergriffen zu schützen – und zwar zunächst in den Bundesländen Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bayern (die nach Zahl der Vorfälle führenden auf der taz-Liste der Schande). Wenn das Personal nicht ausreicht, könnten UN-Blauhelme angefordert oder eine Friedenstruppe aus afghanischen Soldaten, der demokratischen Opposition Syriens oder irakischen oder syrischen Peschmerga aufgestellt werden.

#NieWieDa

 

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