Schlagwörter

, , , , , ,

Zwei von der afghanischen Botschaft in den USA gepostete Fotos (hier) haben mich zu diesem Fotoblog inspiriert: Er enthält Fotos der Hadschi-Pijada-Moschee, etwa 12 km südlich des Distriktzentrums Balkh in der gleichnamigen Provinz. Sie ist auch als Masjed-e Noh Gumbad, d.h. Neun-Kuppel-Moschee bekannt. Ich besuchte sie im April 2005.

Balch liegt 18 km nordwestlich von Masar-e Scharif und war über zwei Jahrtausende das kulturelle Zentrum der Region, auch als Umm al-Bilad, Mutter der Städte bekannt. Im 5. Jh. v.u.Z. war hier ein Tempel der Göttin des Amu-Flusses, Anahita; Alexander der Große machte Balch 329-27 v.u.Z. zu seiner Basis; unter den Kuschan im 1./2. Jh. war es ein buddhistisches Zentrum und blieb es bis zur Ankunft des Islam (Quelle: Nancy Dupree, A Historical Guide to Afghanistan, 1977). Die Stadt wurde 1220 von Dschingis Chan und noch einmal im folgenden Jahrhundert von Timur (Tamerlan) zerstört.

2008 entdeckten französische Archäologen bei Tscheshme-e Schefa (Gesunde Quelle) bei Balch die Ruinen einer weiteren alten Stadt.

Die Neun-Kuppel-Moschee wurde wohl in der zweiten Hälfte des 9. Jh. im samanidischen Stil errichtet und gilt als ältestes islamisches Monument Afghanistans. Sie ist nicht groß, nut etwa 10×10 Meter. Die floralen Motive im Stuck an den Säulenkapitellen und -basen – Weinranken, Palmetten, Lotusblüten, Granatäpfel – weisen sogar auf vorislamische Einflüsse hin, möglicherweise indobaktrisch oder zarathustrisch. Möglicherweise handelt es sich sogar um einen erst zoroastrischen Feuertempel, der dann durch die Kuppeln zur Moschee umgebaut worden ist. Die neun Dome – ungewöhnlich bei Moscheen – könnten ihr Vorbild in neundomigen säkularen Bauten in Zentralasien haben.

Haji Pijada verweist auf den Richter Junus, der zu Fuß nach Mekka gepilgert sei – „Pijada“ heißt zu Fuß. Sein Grab befindet sich in der Moschee. Im Vorhof der Moschee finden sich weitere Gräber aus dem 7.-17. Jh, darunter das von Ka’b, einem Einwohner der Stadt, der vom Judentum zum Islam konvertiert sei.

Auf den beiden ersten Fotos sieht man das Schutzdach, das die damalige tschechoslowakische Regierung dort in den 1980ern errichten ließ. Das Bauwerk wurde unter den 100 meistgefährdeten Baudenkmälern eingestuft. (Der gegenwärtige Zustand ist mir nicht bekannt. Allerdings zeigen Fotos in einem BBC-Bericht von 2013 weiterhin das Schutzdach sowie – neu – eine Reihe von Querstreben, die den weiteren Einsturz von Säulen und Bögen verhindern sollen.)

 

Mehr Detailfotos, darunter auch der Moschee ohne Schutzdach, hier, und mehr kulturhistorischer Hintergrund hier.

Eine sehr ausführliche Beschreibung, von Lisa Golombek (1969), findet sich hier.

Advertisements