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Amanullahs Besuch in Berlin war solch ein Ereignis, dass selbst die Berliner Schnauze eigene Afghanismen bildete. Der König wurde kurzerhand „Ullemulle“ getauft. „Wat amanullahste denn da rum?“, war laut Spiegel jahrelang eines der geflügelten Berliner Worte, und Maritta Tkalec erinnerte sich in der Berliner Zeitung eines Gassenhauers, der „durch mündliche Weitergabe von enthusiasmierten Müttern auf Töchter im Volksgedächtnis gespeichert geblieben“ ist: „Das geht Dich afghanischt an, das nehm ich mit nach Hause und Belutsch-es-dan.“

Zeitgenössische Amanullah-Karikatur.

Zeitgenössische Amanullah-Karikatur.

 

Schlager wie –„Beim kleinen Amanullah“ (was sich völlig sinnfrei auf „lutscht alles noch am Schnuller“ reimte; aufgeführt vom Paul Godwin Tanzorchester) oder „Der verliebte Bimbambullah, der ruft immer Amanullah“ wurden gesungen.

Auch in Paul O’Montis‘ Song „Ramona Zündloch – eine Ballade aus dem Großstadtsumpf“ (Audio hier)“ kommt der afghanische König vor:

Ramona Zündloch war nicht anders als die andern Frau’n,
sie liebte Alfred Braun, das Funkgenie.
Sie fand den Richard Tauber süß und musikalisch auch,
und Emil Jannings Bauch umschwärmte sie.
Sie hat bei Charly Chaplin nicht ein einziges Mal gelacht,
doch Amanullah hat sie Blumen ans Coupé gebracht.

(In diesem Katalog finden sich insgesamt fünf Schallplatten mit Aufnahmen mit Afghanistan-Bezug aus dieser Zeit, darunter der One-Step „In Afghanistan/ there’s a caravan/by the fair oasis waiting for you…)

Sven Hansen in der taz (2001) weiß sogar von einem Karnevalsschlager auf Amanullah. Textprobe: „Die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Dorschd“.

Maritta Tkalec schrieb weiter:

Rund eine halbe Million Mark haben die Feste und Geschenke des Reiches an den König gekostet, nicht gerechnet die offenen Rechnungen, die König nebst Frauen in diversen Berliner Geschäften hinterließen. Doch selbst die Schulden haben die deutsche Liedkultur dauerhaft bereichert. Nur Tage nach der Abreise stand Trude Hesters im Soraya-Kostüm neben Kurt Gerron als Amanullah auf der Kabarett-Bühne und sang: „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?“

Das war im Kabarett „Tütü“ – das nach diesem „politischen Paukenschlag“ im März 1928 schließen musste. „Soviel populäre Kritik vertrug die Demokratie nicht.“

 

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