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Ein Nachtrag zu meinem Kommentar „Afghanistan liegt nicht an der Außenalster“ vom 24.4.16:

Beliebt war über Jahre der Spruch, „Afghanistan ist (ja) nicht (wie) die Schweiz.“ Nein, die Schweiz ist ja die Schweiz. Auch wenn – wahlweise – Kaschmir, Kirgisstan und (viel zu selten genannt) Nuristan „die Schweiz Zentralasiens“ genannt werden. (Wir haben ja eine knappe Autostunde nördlich von hier eine Mecklenburgische Schweiz, die zwar wirklich auch sehr schön ist, aber eben nicht die – oder eine – Schweiz.)

Nein, das ist nicht die Schweiz.

Nein, das ist nicht die Schweiz.

 

Der Schweiz-Afghanistan-(Nicht-)Vergleich, so sieht es aus, wurde zuerst vom damaligen NATO-Sprecher James Appathurai im Februar 2006 verwandt, in einer Antwort auf die Frage, ob es nach gewalttätigen Demonstrationen nach dem Abdruck von Muhammad-Karikaturen durch eine norwegische Zeitung eine Neubewertung der Sicherheitslage gäbe:

Afghanistan ist nicht die Schweiz, so dass wir natürlich die Sicherheitsumgebung in Betracht ziehen müssen.

(Was ja auch ansonsten eine Nicht-Aussage war.)

 

Dann kam John Bolton, der die UNO hassende US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, zitiert auf Fox News am 4. März 2010:

Dass ist es, worüber sich manche Leute beschweren, dass manche dieser Warlords auf die Regierungsseite gebracht(!) worden sind. Und alles, was ich darauf sage ist, dass Afghanistan nicht die Schweiz ist. Die amerikanische strategische Ziel ist es, die Taleban zu schlagen. Und für mich heißt das, wenn das bedeutet, dass zusammen mit einigen Leuten zu tun, mit denen man kein blind date vereinbaren würde, werden wir damit leben müssen.

… und dann der damalige UN-Sondergesandte Stefan de Mistura:

Lassen sie uns offen sein, wr sind nicht in der Schweiz, wir sind in Afghanistan. (auf einer Pressekonferenz am 23. März 2010) – wow, das war wirklich beispiellose Offenheit!

Das werden keine Schweizer Wahlen, es werden afghanische Wahlen werden (1. Juli 2010, zitiert hier).

‘Wir wissen, es ist nicht die Schweiz.’ (12 August 2010, zitiert hier: http://www.nytimes.com/2010/08/12/world/asia/12karzai.html?_r=1)

‘Lassen sie uns daran erinnern, dass wir nicht in der Schweiz sind, wir sind in Afghanistan.’ (14. September 2010, UNAMA-Webseite, nicht mehr auffindbar)

(Das war nur eine kleine Auswahl.)

Am 15. September folgte der (inzwischen verstorbene) damalige deutsche Außenminister Guido Westerwelle im Bundestag in Berlin und vier Tage später auf n-tv:

Wir sollten nicht die Illusion verbreiten, dass wir dort [in Afghanistan] Wahlen nach einem mitteleuropäischen Standard erwarten können.

(Man beachte die doppelte Unterstellung: Wer ist wir?)

Genauso der damalige US/NATO-Befehlshaber in Afghanistan, General David Petraeus, und spätere CIA-Chef (hier am 16. August 2010):

Das heißt nicht, dass es irgendeine Art von Ziel gäbe, Afghanistan innerhalb von drei bis fünf Jahren in eine zweite Schweiz zu verwandeln.

Also plante die CIA doch, wenn auch langfristiger, Afghanistan in eine Art Schweiz zu verwandeln? Only kidding…

 

Lustig, zumindest im linguistischen Sinne, war die Bemerkung des damaligen US-Verteidigungsministers Robert Gates (eines Bush-Mannes unter Obama und ebenfalls ein früherer CIA-Chef), zitiert hier:

Afghanistan ist das viert- oder fünftärmste Land der Welt [Erde], und wenn wir uns das Ziel setzten, dort drüben(!) eine Art zentralasiatischen Walhallas zu schaffen, werden wir verlieren.

Mal abgesehen davon, dass Gates offenbar Walhalla mit Schangrila, oder irgendeiner anderen Art von Paradies, durcheinander gebracht hat, ist Teil zwei seiner Aussage politisch viel interessanter und ernüchternder:

Niemand in der Welt hat so viel Zeit, Geduld oder Geld, um ehrlich zu sein.

Ich glaube, auf so etwas ähnliches wollten uns die Herren Ministeriumssprecher mit ihem Außenalster-Vergleich auf ihrer Pressekonferenz hinweisen.

 

Teil 1 der Quellenarbeit („Deutschlands Freiheit wird auch am Hindukusch verteidigt“) findet sich hier.