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Der folgende Text stammt von meiner ehemaligen AAN-Kollegin Christine-Felice Röhrs, die jetzt dpa-Korrespondentin für Pakistan und Afghanistan ist. Der Text wurde auch über dpa verbreitet. Er erschien u.a. im Greenpeace-Magazin (15.4.2016), sowie kürzer im Focus und bei der Süddeutschen Zeitung.

 

Plakat zur Kampagne zur Abschreckung weiterer Flüchtlinge nahe der deutschen Botschaft in Kabul (hängt inzwischen nicht mehr). Foto: ToloNews.

Plakat zur Kampagne zur Abschreckung weiterer Flüchtlinge nahe der deutschen Botschaft in Kabul (hängt inzwischen nicht mehr). Foto: ToloNews.

 

Ticket nach Kabul – die Geschichte zweier gescheiterter Flüchtlinge Von Christine-Felice Röhrs, dpa

Gedemütigt, ängstlich, wütend: Nesar und Saki, zwei junge afghanische Flüchtlinge erzählen, wieso sie wieder in Afghanistan sind. Und was nun aus ihrem Leben werden soll.

Kabul (dpa) – Vor seiner Flucht nach Deutschland war Khodai Nesar Polizist. Er hat in Baghlan gearbeitet, einer Nordprovinz von Afghanistan. Dort hat er auch die Deutschen kennengelernt – in einem fünfmonatigen Trainingskurs des Polizeiaufbau-Projekts. Die Trainer waren nett zu ihm, sagt er. Respektvoll. Nesar hatte gedacht, dass das in Deutschland auch so sein würde. Alle Verwandten hatten ihm gesagt: Komm her, es ist friedlich und ruhig hier.

Nesar, 24 Jahre alt, wurde damals in Baghlan gegen die Taliban eingesetzt. Die sind dort seit Monaten auf dem Vormarsch; erst am Mittwoch haben sie weitere Teile der Provinz eingenommen. Polizisten gehören zu den Lieblingszielen der Taliban. Ruhe und Frieden, das klang wunderbar in Nesars Ohren.

Heute ist Khodai Nesar zurück in Afghanistan und böse auf sich selbst. Dass er «es» – die Flucht, das neue Leben – nicht geschafft hat. Dass er so viel Geld verschwendet hat. Alle anderen sind auch sauer auf ihn. Die Brüder, ebenfalls Polizisten, müssen nun helfen, einen Fluchtkredit von 6000 Dollar zurückzuzahlen. Wieso hast du nicht ausgehalten?, fragen sie. Aber Khodai Nesar konnte nicht. Es war einfach zu demütigend. Respekt, das Wort taucht immer wieder auf im Gespräch mit ihm. Nur fünf Monate nach seiner Ankunft hat er sich von Freunden im Flüchtlingsheim in Berlin Geld geborgt und ein Ticket nach Kabul gekauft.

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