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Im folgenden ein Interview, das der ORF mit mir am 26.7.16 aufzeichnete und am 27.716 sendete.

(ORF-Text) Europa als Ziel von IS-Terroristen – dieses Bild hat sich zuletzt bei vielen Menschen verfestigt. Das beinahe tägliche Wüten von Terroristen in Afghanistan findet in den europäischen Medien kaum Beachtung. Die 80 Toten bei einem Selbstmordanschlag in Kabul am Wochenende waren meist nur eine Randnotiz.

Dabei sind die Menschen in Afghanistan besonders geplagt, der IS und die Taliban kämpfen um Einfluss. Der IS-Anschlag vom Wochenende hat sich gegen Mitglieder der schiitischen Hazará-Minderheit gerichtet. Warum sind sie die Opfer? Thomas Ruttig vom Afghanistan Analysts Network hält es für eine Art Befreiungsschlag des immer mehr unter Druck geratenen IS in Afghanistan.

Hier entlang, um das Audio des Interviews zu hören.

IS-Kämpfer verteilt Propaganda-Material im Distrikt Kot, provinz Nangrahar (Juni 2016). Quelle: IS-Webseite.

IS-Kämpfer verteilt Propaganda-Material im Distrikt Kot, provinz Nangrahar (Juni 2016). Quelle: IS-Webseite.

 

Nach afghanischen Medienberichten haben afghanische Truppen in den letzten Tagen große Teile des Distrikts Atschin in Nangrahar – eine von zwei IS-Hochburgen im Land – erobert (hier) und auch das IS-Hauoptquartier in Kot, der zweiten Hochburg (hier).

Das eroberte IS-Hauptquartier in Kot. Foto: ANSF.

Das eroberte IS-Hauptquartier in Kot. Foto: ANSF.

 

Dabei sei auch eine IS-Kommandeur, Saad Emarati, getötet worden (hier und hier kurz auf deutsch). (Seine genaue Funktion ist nicht bekannt; manchmal wird er als Vize-Militärchef des IS für Afghanistan und Pakistan  bzw „Khorassan“ und manchmal als Kommandeur für den Distrikt Kot oder die gesamte Provinz Nangrahar bezeichnet.)  Dafür gibt es bisher aber noch keine Bestätigung des IS.

Der angeblich getötete Saad Emarati. Foto: Khaama.

Der angeblich getötete Saad Emarati. Foto: Khaama.

 

Zudem haben die USA zusätzliche Truppen nach Nangrahar geschickt, um die afghanischen Truppen zu unterstützen (hier).

Der US-und Mission RS-Befehlshaber in Afghanistan, General John Nicholson, sagte zudem in einem Interview, er betrachte IS „Khorassan“ und die pakistanische Taleban-Bewegung TTP als „fast gegenseitig austauschbar“, was darauf hindeutet, dass die meisten der Kämpfer – wie von mir vermutet – ehemalige (oder noch aktive) pakistanische Taleban sind, weniger afghanische.

Eine Delegation des Kabuler Verteidigungsministeriums, die zu Gesprächen in Pakistan war, hat Berichten zufolge mittlerweile den Gründer der pakistanischen sektiererischen (anti-schiitischen) Terrorgruppe Laschkar-e Taiba Hafiz Sa’id – nicht zu verwechseln mit dem angeblichen IS-„Khorassan“-Chef Hafiz Sa’id (oder Saeed) Khan – für die Koordinierung der IS-Terroranschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht (hier). Was aber offenbar Quatsch ist, wie mein Kollegen Borhan Osman auf Twitter schrieb, denn der IS habe Hafiz Sa’id zum Ungläubigen erklärt (takfir).

 

Weitere aktuelle Analyse zu IS in Afghanistan hier:

Borhan Osman auf AAN: „The Islamic State in ‘Khorasan’: How it began and where it stands now in Nangrahar“

Thomas Ruttig auf Oxford Analytica (Nov. 2015): „Afghan Taliban Contain Islamic States’ Regional Reach”

Meine vorherige Analyse hier auf Afghanustan Zhaghdablai: „IS-Anschlag auf friedliche Demo in Kabul“ und ein Interview mit dem Schweizer Rundfunk.

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