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Die Taleban haben heute nach (etwa 1.30 Uhr Ortszeit) einen sogenannten „komplexen Angriff“ eine Unterkunft von Ausländern durchgeführt, die die BBC als „Gästehaus für ausländische Kontraktoren“ und „schwer bewacht“ beschreibt. Es soll sich um das sogenannte North Gate ‚Hotel‘ (eigentlich ein – wie die BBC sagt – schwer gesichertes Camp) handeln – dieses liegt nahe dem militärischen Teil des Kabuler Flughafens. Das Wall Street Journal spricht von eines „Basis von zivilen Kontraktoren“.

Die Taleban haben laut CNN die Verantwortung für den Angriff übernommen.

Straßensperre nach dem Anschlag in Kabul heute nacht, Foto: Tolo.

Straßensperre nach dem Anschlag in Kabul heute nacht, Foto: Tolo.

 

Kontraktoren können zivile Hilfskräfte aus Ländern wie Nepal sein (obwohl viele davon nach einem früheren Angriff – im Juni, als 14 nepalesische Sicherheitskräfte, die bei den kanadischen Botschaft angestellt waren, bei einem Anschlag ums Leben kamen –, aber auch Ex-Militärs, die für Armeen und Geheimdienste arbeiten und immer mehr die regulären Soldaten ersetzt haben und damit such den berichteten Truppenabzug konterkarieren (hier ein Bericht zum Thema).

Dieselbe Unterkunft wurde wahrscheinlich bereits im November 2013 angegriffen (das ist unklar, weil sich in der Gegend mehrere ähnlich geartete Einrichtungen befinden), erinnert die afghanische Webseite Tolonews. Damals waren insgesamt mindestens 16 Menschen getötet worden, darunter sechs zivile US-Kontraktoren, die für die Sicherheitsfirma Dyncorps arbeiteten, sechs internationale und afghanische Wachleute sowie vier weitere Afghanen getötet worden (Bericht hier). Gerüchten zufolge lag die Opferzahl aber noch weit höher, weil bestimmte Kategorien von Kontraktoren offiziell gar nicht in Afghanistan seien – und deshalb auch Verluste nicht gemeldet werden.

Heute morgen zündeten die Angreifer zuerst eine mächtige LKW-Bombe, dann lieferten sich drei oder vier Angreifer eine stundenlange Schießerei mit Sicherheitskräften. Die am Morgen unserer Zeit zuende und die bzw die meisten der zwei bis vier Angreifer tot, entweder erschossen oder weil sie sich selbst in die Luft gesprengt haben.

Ein Ohrenzeuge (siehe BBC-Bericht) und auch meine AAN-Kollegen sagen, die Explosion sei noch stärker gewesen als jene während des Angriffs in Kabul im April auf eine Spezialeinheit nahe des Nationalstadions. Sie sei buchstäblich quer durch die Stadt zu hören gewesen, bis hinter die Universität.

Von Opfern ist bisher nicht viel bekannt. CNN meldete, ein oder zwei Polizisten (oder Wachkräfte) seien getötet worden, vier verletzt. Erste Fotos auf Facebook und Twitter zeigen einiges an Zerstörung.

Das Hotel soll relativ leer gewesen sein, berichtet ein afghanischer Journalist mit guten Verbindungen zu westlichen Quellen, aber immerhin elf Menschen sollen dort gewohnt haben. Sie seien aber in Sicherheit gebracht worden und hätten nur geringe Verletzungen erlitten. (Das kann wegen der o.g. Umstände aber auch eine cover story sein.)

Zivilisten waren wohl nicht betroffen, weil sich in der Gegend keine Wohngebiete befinden. Aber auch das ist bisher nicht ganz sicher.

Tolonews berichtet unter Berufung auf die afghanische Industrie- und Handelskammer auf Schäden von 8 Millionen US-Dollar an acht Firmen, deren Gelände sich nahe des Anschlagsortes befinden.

Jedenfalls betonten auch die Taleban in ihrer Begründung des Anschlags diese Tatsache. Bei ihrem letzten Anschlag im April waren viele Zivilisten ums Leben gekommen, weil viele Zivilisten getötet worden waren, die auf einen Bus und vor einer Bäckerei gewartet hatten.

 

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