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Zwei Wochen nach der Entführung zweier Mitglieder ihres Lehrkörpers ist am Abend des 24.8.16 die „Amerikanische Universität in Afghanistan“ (AUAF) im Kabuler Stadtteil Darulaman von Bewaffneten angegriffen worden. Sie drangen gegen 19 Uhr Ortszeit auf das Gelände der aus mehreren Gebäuden bestehenden, aber eigentlich – unter anderem mit Wachtürmen – gut gesicherten Einrichtung vor und setzten Sprengstoffgürtel, Schusswaffen und Handgranaten ein. Augenzeugen sagten, der Angriff habe mit einer grellen Explosion begonnen, eventuell einer Autobombe; dann seien Schüsse gefallen. In den letzten etwa drei Stunden seien keine Schüsse mehr zu hören gewesen.

Offizielle afghanische Quellen sprachen von mindestens einem Toten – einem afghanischen Wachmann – sowie 26 Verletzten. Drei davon seien laut Angaben des Kabuler Emergency-Krankenhauses schwer verletzt. Die Lage war kurz vor Mitternacht weiter unklar.

[Inzwischen ist laut BBC die Zahl der bei der Attacke Getöteten auf 13 Menschen angestiegen, davon sieben Studenten, drei Wachmänner und drei Angehörige der Sicherheitskräfte. Einer der Toten wurde als Naqib Ahmad Khpelwak identifiziert, ein junger afghanischer Dozent.

Auch die beiden Angreifer seien in der Nacht erschossen worden, nach heftiger Gegenwehr, bei der sie auch wieder Hansdgranaten einsetzten. 35 Studfenten und 35 Polizisten seien verletzt worden. Der Angriff endete gegen 5 Uhr früh Ortszeit, meldete ToloNews. dabei sei auch einer der Kommandeure der Anti-Terror-Sondereinheit CRU der afghanischen Polizei getötet worden, Muhammad Akbar Daras. Zum Zeitpunkt des Angriffs ollen sich 700 Studenten und Lehrkräfte auf dem Campus befunden haben, wo auch Abendkurse stattfinden.]

Besorgte Familienangehörige sammelten sich an den Absperrungen der Sicherheitskräfte in den umliegenden Straßen (hier und hier).

Mehr Einzelheiten aus den Medien auf deutsch hier und von der afghanischen Nachrichtenagentur Pajhwok hier.

Grundsteinlegung für das Frauenwohnheim an der Universität Anfang 2016. Foto: AUAF.

Grundsteinlegung für das Frauenwohnheim an der Universität Anfang 2016. Foto: AUAF.

 

Einigen Studenten, die sich zur Zeit des Angriffs (die Universität richtet auch abendliche Kurse aus) in Vorlesungsräumen und der Bibliothek aufgehalten hatten, gelang die Flucht; andere verschanzten sich in der Universität. Es war nicht klar, ob einige von ihnen als Geiseln gehalten werden; nach einigen Berichten sollen sich zwei Angreifer noch in der Universität aufgehalten haben. (Kurz vor Mitternacht hieß es, einer der Angreifer sei von der Polizei überwältigt (getötet?) worden.) Die Zahl der Angreifer war unklar. Eine Spezialeinheit der afghanischen Polizei war auf dem Gelände im Einsatz und auch NATO-Berater präsent.

Ein Student (und bekannter Fotograf) berichtete, wie er aus dem Fenster einen der Angreifer gesehen habe, der daraufhin auf ihn geschossen habe. Auch seien Handgranaten in Räume geworfen haben. Dabei gab es offensichtlich Verletzte; eine so verletzte Studentin soll ihren Verletzungen erlegen sein, tweeteten Studenten aus der Uni, die ebenfalls sagten, sie seien noch immer eingeschlossen. (Mehrere andere Quellen hatten offenbar fälschlicherweise berichtet, alle Studenten und Lehrkräfte seien bereits gerettet worden; Krankenwagen brachten ebenfalls Verletzte vom Uni-Gelände.)

Bisher hat sich niemand zu dem Angriff auf die 2006 als Non-Profit-Organisation gegründete Universität mit 1700 Voll- und teilzeit-Studenten bekannt.

Die Gründung der Universität geht auf eine Idee des früheren afghanischen Hochschulministers Scharif Fajez 2003 zurück, der auch zum Lehrkörper gehört. Präsident ist gegenwärtig Dr. Mark A. English. Funding kommt u.a. von der afghanischen Regierung, USAID und der Weltbank. Seit 2014 hat die AUAF auch einen Ableger in Masar-e Scharif. Die Webseite des australischen Radios gab die Reisewarnung der US-Botschaft in Kabul wieder –allerdings finanziert die US-Regierung ja die AUAF mit, an der auch Amerikaner lehren.

Die afghanische Regierung hat den Angriff auf eine Lehreinrichtung als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Im Zusammenhang mit der Entführung der beiden AUAF-Professoren schrieb AFP:

Die afghanische Hauptstadt ist durchsetzt mit Banden des organisierten Verbrechens, die Entführungen gegen Lösegeld durchführen, die sich oft gegen Ausländer und reiche Afghanen richten, die sie manchmal an aufständische Gruppen weitergeben.

 

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