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Im Schatten anderer Ereignisse – den in Kundus und anderswo wieder zunehmenden Kämpfen sowie dem Überfall auf die Amerikanische Universität in Kabul – sind einige kleinere, aber nicht unwichtige Veränderungen bei den afghanischen Taleban untergegangen. Die will ich hier nachtragen.

Am 14. August hatte das Wall Street Journal berichtet, dass führende Mitglieder einer Taleban-Abspaltung, die sich nach der im Juli 2015 unfreiwillig zutage getretenen Nachricht vom schon weiter zurückliegenden Tod des Talebangründers Mulla Muhammad Omar (siehe hier) gebildet hatte, in den Taleban-Mainstream zurückgekehrt seien. Dazu gehören ihr politischer Vizechef Mulla Bas Muhammad Haris sowie Mulla Achtar Muhammad, ein Feldkommandeur aus Tschora in Urusgan. Die Zeitung wertete das zurecht als Stärkung der Omar-Nach-Nachfolgers Hibatullah Achundsada (zu diesem mehr hier; dessen Vorgänger Mansur war in diesem Jahr von einer US-Drohne getötet worden, siehe hier) und einen Rückschlag für die afghanische Regierung, die diese Spaltung für sich auszunutzen trachtete.

Eine Woche später, am 20. August, wurde dann bekannt, dass die geschwächte Dissidentenfraktion einen neuen Chef gewählt habe. Laut dem Sprecher der Fraktion, Mulla Abdul Rahman Niasi, habe der 13-köpfige Exekutivrat Mullah Abdul Rauf Aref (oder Arefi) aus Spin Boldak in der Provinz Kandahar – der unter den Taleban auch Provinzgouverneur von Chost gewesen sei – zum Nachfolger von Mulla Muhammad Rassul gewählt, der seit einigen Monaten „verschwunden“ sei. Es hatte Berichte gegeben, er sei in Pakistan festgenommen worden; die dortige Regierung hatte sich dazu aber nicht geäußert. (Eine solche Festsetzung Rasuls könnte naheliegen, da die afghanische Regierung diese Fraktion gegen die von Pakistan geförderten Mainstream-Taleban instrumentalisieren wollte.)

Der neue Talebanchef Hibatullah Achundsada

Der neue Talebanchef Hibatullah Achundsada

 

Die Meldung vom 30. August, hingegen, wonach der Taleban-Mainstream Mulla Ibrahim Sadr zum neuen Militärchef gewählt hätten, entbehrt Neuigkeitswert: Sadr bekleidet diese Funktion schon seit zwei Jahren.

Neues und nicht weniger Widersprüchliches auch von einer weiteren Taleban-Splittergruppe, der Dadullah-Front. Sie soll sich der Nachrichtenagentur AP zufolge am vom 15. August 2016 in Zabul unter dem neuen Anführer Mulla Emdadullah Mansur neu konstituiert haben, der der Neffe Mansur Dadullahs sei – der bisherige Anführer der Gruppe, der zu Anfang dieses Jahres von den Taleban getötet und dessen  Gruppe erheblich dezimiert worden war, nachdem sie sich 2015 in der Provinz Zabul mit Kämpfern der Islamischen Bewegung Usbekistans zusammengetan (die wiederum ihre Anhängerschaft zum IS erklärten, wovon sich Mansur Dadullah allerdings distanzierte) und gemeinsame Sache bei der Entführung und Ermordung von Angehörigen der Hasara-Minderheit gemacht hatten. Emdadullah habe wegen der Todes seines Bruders Rache an dem neuen Chef der Mainstream-Taleban Hibatullah Achundsada angekündigt. Mulla Nematullah Samin wurde als Sprecher der Gruppe benannt. Samim habe dementiert, dass die Gruppe mit dem IS zusammenginge.

Die Front ist nach einem frühen Taleban-Dissidenten, Mullah Dadullah, benannt, der von Mulla Omar aus der Bewegung ausgeschlossen und 2007 (mehr hier, auf Englisch und hier auf Deutsch: 20070610SWP-aktuell zu Taleban nach Dadullah) ums Leben gekommen war.

Inzwischen hat die pakistanische Express Tribune aber Zweifel an diesem Bericht geschürt. Sie zitierte einen Sprecher der Gruppe namens Rahbarmal, dass er keine Emdadullah kenne. Eine andere Talebanquelle habe dem Blatt gesagt, Emdadullah sei auch nicht der Neffe Mansur Dadullahs. Außerdem, so Rahbarmal, hätten Mansur Dadullahs Bruder Ehsan und dessen Vater Hadschi Abdullah ebenfalls der Mainstream-Fraktion der Taleban inzwischen die Gefolgschaft geschworen und unterstützten Hibatullah.

 

 

 

 

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