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Nach UN-Angaben ist die Zahl der Afghanen, die als registrierte Flüchtlinge bzw. Migranten in Pakistan lebten und nach Afghanistan zurückgeschoben wurden, seit Mitte Juli 2016 sprunghaft in die Höhe geschnellt. Im UN-Afghanistan Flash Appeal  ist von mehr als 200.000 Menschen in den vergangenen sechs Wochen die Rede. Bis Ende des Jahres wird die „Rückkehr“ von über 600.000 Afghanen prognostiziert. Hinzu kommen noch ca. 400.000 neue Binnenvertriebene im eigenen Land. Ob das krisengeschüttelte Afghanistan die Zurückkehrenden angemessen unterstützen und versorgen kann, ist unklar. Die entsprechenden Hilfsbudgets der humanitären Organisationen sind bereits jetzt fast aufgebraucht. Dem Land droht eine humanitäre Notlage.

Auslöser der neuen Migrationswelle ist laut der VN vor allem ein Richtungswechsel in der Flüchtlingspolitik Pakistans. Jahrzehntelang beherbergte Pakistan eine der größten Flüchtlingsgemeinschaften der Welt. Bis heute leben dort ungefähr 1,5 Millionen registrierte Flüchtlinge und ein bis zwei Millionen undokumentierte Migranten aus Afghanistan. Nur registrierte Flüchtlinge genießen bestimmte, vom pakistanischen Staat und der Völkergemeinschaft gewährte Rechte und haben Zugang zu entsprechenden Unterstützungsstrukturen.

Afghanische Flüchtlinge, aus Pakistan abgeschoben. Foto: Pajhwok.

Afghanische Flüchtlinge, aus Pakistan abgeschoben. Foto: Pajhwok.

 

Jetzt hat die FES eine neue Studie mit dem Titel „Vom Ende der Geduld: Afghanische Flüchtlinge in Pakistan“ vorgelegt, in der die pakistanische Forscherin Dr. Sanaa Alimia die Flüchtlingspolitik Pakistans von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart analysiert. Das Papier, das im Frühsommer entstand, erklärt die prekäre Lage der Geflüchteten sowie die Hintergründe des Stimmungs- und Richtungswechsels in Pakistan und greift so bereits den Entwicklungen voraus, die sich aktuell derart dramatisch an der afghanisch-pakistanischen Grenze manifestieren. Darin heißt es u.a.:

Registrierte afghanische Flüchtlinge haben über das UNHCR sie Zugang zu Rechtshilfe, und seit 2007 stellen ihnen die pakistanischen Behörden individuelle, computergestützte Personalausweise aus, »Proof of Registration« oder kurz POR-Ausweis genannt Inhaber dieser Ausweise dürfen ein Bankkonto eröffnen, SIM-Karten für Mobiltelefone kaufen und einen Führerschein besitzen Die POR-Ausweise gelten aber nur für einen befristeten Zeitraum Die 2007 ausgestellten Ausweise verloren im Dezember 2009 ihre Gültigkeit, wurden jedoch von der Regierung vier Mal auf Ad-hoc-Basis verlängert und laufen nach der jüngsten, im Sommer 2016 verabschiedeten Verlängerung noch bis Ende des Jahres.

Bereits seit geraumer Zeit sehen sich Afghanen in Pakistan – insbesondere die Flüchtlinge aus den unteren Einkommensklassen – verstärkten Diskriminierungen, Gewalt und Behördenwillkür ausgesetzt. Sie sind von Jobs im informellen Wirtschaftssektor abhängig, der durch ein hohes Maß an Ausbeutung geprägt ist.

Zudem sind bestimmte Minderheiten innerhalb der afghanischen Diaspora, insbesondere die Hazara, steigender konfessionell motivierter Gewalt von militanten Islamisten in Pakistan ausgesetzt. Viele Afghan_innen, die nicht in der Lage bzw. nicht bereit sind, nach Afghanistan »zurückzukehren«, entscheiden sich, über irreguläre Wege in Drittländer auszuwandern. Der Umstand, dass der Fokus der Politik bisher einseitig auf der Rückführung der Flüchtlinge nach Afghanistan liegt, verhindert die Diskussion anderer dauerhafter Lösungsansätze in dieser Frage.

Einige Afghan_innen haben auch die pakistanische Staatsbürgerschaft erlangt, sei es auf legale Weise oder über informelle Kanäle Die Anzahl der in diese Kategorie fallenden Afghan_innen ist unbekannt Der (legale) Zugang zur Staatsbürgerschaft ist jedoch sehr begrenzt, und Afghan_innen, die die pakistanische Staatsbürgerschaft erlangt haben, stammen überwiegend aus den oberen mittleren Einkommensgruppen und dürften die Gunst politischer Akteure in Pakistan genießen Nach dem pakistanischen Gesetz ist es Afghan_innen nicht gestattet, die pakistanische Staatsbürgerschaft anzunehmen, selbst wenn sie im Land geboren wurden. Gemäß dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1951 können nur Frauen, die einen pakistanischen Mann heiraten, eine Staatsbürgerschaft erlangen.

Hier der Link, um die gesamte Studie zu lesen:

20160919fes-studie-afgh-fluechtlinge-in-pak

 

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