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Irgendwann im vergangenen Monat hat CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erklärt, was viele rechtsgerichtete deutsche Politiker wahrscheinlich wirklich denken, wenn sie Flüchtlinge auffordern sich zu integrieren, aber gleichzeitig die Hürden dafür – und besonders auch für Afghanen – erhöhen:

Entschuldigen’s die Sprache. Aber das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst du nie wieder abschieben. Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht, sondern der ist Wirtschaftsflüchtling.

Das Babelsberger Flüchtlingsfußballteam von Welcome United 03 Babelsberg. Foto: SV Babelsberg 03.

Das Babelsberger Flüchtlingsfußballteam von Welcome United 03 Babelsberg. Foto: SV Babelsberg 03.

 

TSV Mindelheim (Allgäu)

Zum Glück gibt es in der Praxis mehr Menschlichkeit. Darüber berichtete heute die Wochenend-taz aus dem Unterallgäu. Hier Auszüge aus dem Artikel von Manuel Stark:

Im Frühjahr 2015 hat der TSV Mindelheim eine Abteilung für Flüchtlinge gegründet und in seine Fußballabteilung integriert, die Mindelkicker. Ihr Logo ist auf die Rückseite ihrer roten und neongelben Trainingsleibchen gedruckt, eine Weltkugel und ein Fußball, umrahmt vom Leitspruch der Mannschaft: „Mindelkicker – Football Unites“. Fußball vereint. (…)

Auf dem Fußballplatz warten schon die Spieler. Die meisten der Männer tragen Polohemden und T-Shirts, einige wenige haben Trikots berühmter europäischer Clubs übergezogen. Viele Stücke stammen aus regionalen Kleiderspenden. Manche der Spieler tragen kurze, andere lange Sporthosen, manche tragen eine Jeans. Fußballschuhe haben alle. 10 Euro pro Paar mussten sie dafür bezahlen, ein Mindelheimer Sportgeschäft und der TSV übernahmen den Rest.

Die Spieler: Da sind Afrikaner aus Eritrea, Europäer aus Bosnien, Asiaten aus Syrien, Afghanistan und Iran. Es sind 16-jährige Jugendliche und 35-jährige Erwachsene dabei. Sie teilen vor allem einen politischen Status, es sind Flüchtlinge. (…)

[Tarik Yurtseven, der Trainer] sei [anfänglich] beschimpft worden, wenn er Syrer und Afghanen zusammen in gemischte Mannschaften gesteckt habe. Über die ersten Trainingseinheiten sagt er: „Das war kein Spiel mehr, das war Krieg.“

Viele der syrischen Flüchtlinge auf dem Platz sind Gegner der Assad-Regierung. Assads Armee aber rekrutiert den Großteil ihrer Söldner von der ethnischen Gruppe der Hasara aus Afghanistan. Dass kein Afghane in Mindelheim als Söldner in Syrien gekämpft hat, noch nicht einmal einer den Hasara angehört, egal. Das Spielfeld wurde zum symbolischen Schauplatz des politischen Konflikts. Es gab wüste Beschimpfungen, Blutgrätschen und Bodychecks.

Heute bietet sich in Mindelheim ein anderes Bild. Als ein Afghane, in Rot spielend, durch das gestreckte Bein eines Syrers in Neongelb zu Fall gebracht wird, bleibt der Syrer stehen, streckt dem am Boden liegenden Afghanen die Hand entgegen und sagt: „Sorry, man.“ (…)

Beim Training bläst Trainer Tarik Yurtseven in seine Trillerpfeife. [Der Afghane] Ali Khoshamadi hat den Ausgleich für Team Rot erzielt. Mitspieler bestürmen ihn, wuseln ihm mit den Händen durchs Haar, einer hebt das rote Leibchen etwas an, unter dem der Torschütze ein abgetragenes Trikot der italienischen Nationalmannschaft trägt. „Maestro! Gute Tor!“ (…)

Der 38 Jahre alte Afghane ist seit den Anfängen bei den Mindelkickern dabei und hat in zwei Jahren kaum ein Training verpasst. Seit einigen Monaten trainiert er auch gemeinsam mit den „Alten Herren“, der Mannschaft des TSV Mindelheim für die Männer jenseits des besten Fußballalters. Er spielt dort im defensiven Mittelfeld, auf der Position, auf der er schon in seiner Freizeitmannschaft im Iran spielte.

Obwohl gebürtiger Afghane, hat Ali Khoshmadi fast sein gesamtes Leben im Iran verbracht, die meiste Zeit davon als Feldarbeiter. In freien Stunden spielte er Fußball, er erzählt, dass sein Vater ihn dafür verprügelt habe: Als Sohn hatte er hart arbeiten sollen, statt Zeit damit zu verschwenden, einem Ball hinterherzujagen. Aber er habe geträumt, sagt er: vom FC Bayern München, auf dessen Rasen er sich mit Spielern wie Klose, Lahm und Schweinsteiger trainieren sah.

Die Entscheidung, sich tatsächlich auf den Weg zu machen, fiel im Spätsommer 2012. Ein halbes Jahr lang schuftete Ali Khoshmadi für einen iranischen Großbauern. Zwölf Stunden Feldarbeit am Tag. Den Lohn dafür erhielt er nie, für einen Anwalt fehlte ihm das Geld. Es blieb die Flucht. Gemeinsam mit seiner Frau machte er sich auf den Weg, über das Taurusgebirge in die Türkei und das Mittelmeer nach Griechenland.

Ali Khoshmadi und seine Frau kamen an in Europa, in Deutschland und schließlich auch in Mindelheim. Während seine Frau sich auf ihren Deutschunterricht konzentrierte, wurde Ali Khoshmadi von einem anderen Flüchtling dazu gedrängt, ihn zum Training bei den Mindelkickern zu begleiten. Neben dem Fußball half er bald auch bei Papier- und Altkleidersammlungen und kam zu den Vereinsfesten, obwohl er sich damals kaum besser als mit Händen und Füßen statt Worten verständigen konnte.

Warum Deutschland?, sei er von den Mindelheimern gefragt worden, sagt er. Seine Antwort: „Ronaldo und die anderen Stars sind mir egal, ich finde die Bundesliga toll.“ Das, glaubt er, habe ihm Sympathien eingebracht.

Heute hat Ali Khoshmadi einen Job als Maurer in der Firma eines Vereinskollegen vom TSV und lebt, nur zehn Gehminuten vom Fußballplatz entfernt, zur Miete in einer Wohnung, die dem Schwager seines Trainers gehört. Nach jedem Training der „Alten Herren“, wenn die deutschen Mannschaftskollegen ihr kühles Bier trinken und Ali sein Wasser, ist Zeit zu reden; über Alis Fortschritte im Fußball, über das Leben als Afghane im Allgäu, darüber, wie es seiner Frau gehe und ob er noch immer nach einer Arbeit oder einer Wohnung suche. Sobald ein Problem auftaucht, gebe es jemanden, der hilft, sagt Ali Khoshmadi. Bald möchte er eine Ausbildung zum Fliesenleger beginnen, ein Bekannter von den „Alten Herren“ hat seine Hilfe zugesichert.

Er revanchiert sich mit Einladungen zum Abendessen oder zum Tee.

Den ganzen Artikel kann man hier lesen.

 

Angesichts der oben zitierten Worte Scheuers sowie der „schlechten Bleibechancen“, die die Bundesregierung den generell Afghanen bescheinigt, sollte man aber bald einmal in Mindelheim nachfragen, wie sich das Schicksal Khosh(a)madis gestaltet hat. Aus dem Artikel geht nämlich nicht hervor, welche Status er bisher genießt und ob ihm nicht auch – trotz aller Integration – eine Abschiebung drohen könnte. Eine entsprechende Vereinbarung mit Afghanistan besteht ja und soll laut einem Brief Bundesinnenminister Thomas de Maizières an seine Amtskollegen in den Ländern nun „unverzüglich in die Praxis“ umgesetzt werden.

 

SpVgg Hellas Nordwest 04 (Berlin)

Das beweist auch die Situation beim Charlottenburger Verein SpVgg Hellas Nordwest 04 in der Berliner Kreisliga-A, wo in der zweiten Mannschaft ausschließlich afghanische Flüchtlinge kicken, weshalb man das Team auch den FC Afghanistan Berlin nennen könnte, berichtete schon im April die Berliner BZ. Aber nur vier der insgesamt 22 Spieler „haben Aufenthalt“, wie sie es nennen. Spielertrainer Soltan Akbari (23)

ist schon seit fünf Jahren in Deutschland und arbeitet als Dolmetscher am Landesamt für Gesundheit und Soziales. „Das regelmäßige Training und die Spiele am Wochenende sind für viele die einzige Ablenkung“, sagt er. „90 Prozent von den Spielern bekommen nicht mal Deutschkurse, weil sie Afghanen sind und keine sichere Bleibeperspektive haben.“

Akbari selbst hat nach vier Jahren eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. (…) „Ich habe mit Merkel und Gauck gesprochen, viele Interviews gegeben“, sagt Akbari. So hat er auf seine Situation aufmerksam gemacht. Er gehört wie viele der afghanischen Flüchtlinge der Minderheit der Hazara an. Sie (…) sind als Schiiten besonders von den sunnitischen Taliban bedroht, die versuchen, Afghanistan wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Hinter der Mannschaft steht Vereinschef Metin Yilmaz (55). Er kam mit acht Jahren aus der Türkei nach Berlin. „Uns wurde damals auch geholfen, jetzt wollen wir denen helfen“, sagt er. „Dabei haben die es noch viel schwieriger als wir.“

Die afghanischen Spieler müssen keine Beiträge zahlen, das übernimmt der Verein. Trainingsanzüge hat der Deutsche Fußballbund gespendet. Auch wenn es „nur“ welche von der Frauen-Nationalmannschaft sind mit zwei Sternen für gewonnene Weltmeister-Titel auf der Brust. Gut sehen sie aus.

Der „FC Afghanistan“ spielt in der Kreisliga C, ist Vorletzter in der Tabelle. Da ist also noch Raum nach oben. (….)

Zum Weiterlesen hier entlang.

 

SV West-Eimsbüttel (Hamburg)

Ähnlich geht es dem aus Kabul geflüchteten afghanischen Jugendlichen und Fußballfan Nazim, der nach zweimonatiger Flucht über den Iran, Mazedonien, Österreich und München im Oktober 2015 in Hamburg ankam und dessen Schicksal seither der NDR in der Reihe „Zwischen Alltag und Ungewissheit“ verfolgt. Sein Asylverfahren hat allerdings noch nicht einmal begonnen:

„Ich hätte so gerne endlich einen Termin für den Asylantrag. Aber es kommt kein Brief, keine Nachricht, gar nichts“, erzählt er. „Ich mache mir große Sorgen darüber, wie es weitergeht.“ Das Rückführungsabkommen zwischen Deutschland und Afghanistan macht den jungen Afghanen traurig. (…) 

Immerhin hat ihm die Behörde kürzlich mitgeteilt, dass sie seinen Pass geprüft hat, für echt hält und ihn somit als minderjährigen Flüchtling anerkennt – fünf Monate, nachdem der Pass eingezogen wurde und drei Wochen vor seinem 18. Geburtstag. (…)

Um etwas gegen die Langeweile zu tun, werden einige Flüchtlinge aktiv: Sie fragen beim SV West-Eimsbüttel, ob sie den Fußballplatz des Vereins nutzen dürfen. Der Vereinsvorstand hat nichts dagegen. (…) Endlich wieder Fußball spielen – Nazim trainiert jetzt dreimal die Woche mit anderen Flüchtlingen auf dem Fußballplatz des SV West-Eimsbüttel.

Hier die ganze Serie lesen.

 

TSV Tröglitz (Sachsen-Anhalt)

Auch im wegen seiner angeblich besonderen Fremdenfeindlichkeit arg gescholtenen Osten gibt es Beispiele – etwa beim TSV Tröglitz im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Von dort berichtete im August der Deutschlandfunk:

Tröglitz in Sachsen-Anhalt sorgte wegen eines Brandanschlags auf ein geplantes Flüchtlingsheim im Frühjahr weltweit für Schlagzeilen. Der TSV Tröglitz reagierte prompt: (…) sofort nachdem bekannt wurde, dass Flüchtlinge in die Gemeinde in Sachsen-Anhalt kommen sollen, [hat der Verein] seine Bereitschaft formuliert, dass man die Flüchtlinge gerne im Verein begrüßen würde. (…) Aus der Ankündigung ist nun Wirklichkeit geworden. Seit August gehört der erste afghanische Flüchtling mit zum Team.

„Technisch gut“ [sei der 30-jährige], sagt Jörg Heinold. Er ist Sektionsleiter Fußball beim TSV. Noch sei der afghanische Flüchtling – dessen Name nicht genannt werden soll – zwar nur Ersatz (…). „Der könnte auch mehr in der ersten Mannschaft mitspielen. Aber man kann ihm keine taktischen Anweisungen geben. Das ist eben das Schwierige. Aber, das wird sich, denke ich, über die Zeit verbessern.“ Weil der afghanische Neuzugang weder Deutsch noch Englisch kann. (…) Lediglich mit Händen und Füßen kann man sich verständigen. Und mittels einer Übersetzungs-App, verrät Mittelstürmer Heinold. „Hier merkt man auch ganz deutlich, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist.“

 

Welcome United 03/SV Babelsberg 03 (Potsdam)

Der SV Babelsberg 03 hat sogar als erster Verein Deutschlands im Sommer 2014 eine Mannschaft in seine Vereinsstrukturen integriert, die ausschließlich aus Flüchtlingen besteht (mit Spielern aus Somalia, Nigeria, Tschad, Kenia, Kamerun und Ghana, Serbien, Mazedonien, Albanien, Afghanistan, Tschetschenien und Syrien ): Welcome United 03. Die Spieler wurden Mitglieder des Vereins und erhielten damit die gleichen Rechte und Pflichten, wie auch alle anderen Teams des Vereins. Dazu gehört eine Versicherung, Ausstattung, Trainingszeiten unter sportlicher Anleitung, Betreuung usw. In kürzester Zeit meldeten sich über 60 Flüchtlinge an und es begann ein geordneter Trainingsbetrieb. Die Fans des Vereins sammelten Geld, bezahlten die Spielertrikots und wurden „Trikotsponsor“. Das Team wurde im Sommer 2015 über den SV Babelsberg 03 für den regulären Spielbetrieb angemeldet. In ihrem ersten Jahr im Punktspielbetrieb belegte Welcome United 03 überzeugend den zweiten Tabellenplatz der 2. Kreisklasse C und stieg damit zur neuen Saison in der 1. Kreisklasse auf. Dort stehen sie im Moment auf Platz 5.

Darüber hinaus trainieren und spielen seit Jahren in mehr als 30 Brandenburger Sportvereinen Flüchtlinge aus Krisenregionen. „Fortuna Babelsberg macht das seit zehn Jahren“, berichteten die Potsdamer Neuesten Nachrichten.

 

ESV Neuaubing (München)

Beim Eisenbahnersportverein (ESV) Sportfreunde München-Neuaubing retteten Flüchtlinge sogar den Fußballbetrieb, berichtete die Welt im April:

Mangels Spielern „war die Abteilung eigentlich tot“, sagt ESV-Vizepräsident Christian Brey. Dann traf er [Olaf] Butterbrod,

der eine Flüchtlingsmannschaft trainierte, die sich regelmäßig, aber außerhalb des offiziellen Spielbetriebs im Münchner Englischen Garten traf. Seit der Saison 2015/16 tritt mit dem ESV Neuaubing die erste bayerische Flüchtlingsmannschaft im Ligabetrieb an, C-Klasse im Kreis München.

Die meisten Spieler stammen aus Afghanistan. (…) Dass die Mannschaft bereits einen Preis als die fairste auf dem Platz bekommen habe, macht den Trainer stolz. Inzwischen unterrichten einige Spieler selbst den Fußballnachwuchs – und coachen eine Mannschaft aus Grundschülerinnen. (…)

Mehreren Spielern drohten bereits Abschiebeverfahren, doch bislang sind Butterbrod alle Spieler erhalten geblieben. Dramatische Momente gab es dennoch, wie er erzählt: „Einer hat sich im Flugzeug die Pulsadern aufgeschnitten.“ Inzwischen bediene der betroffene Afghane an einer Supermarkttheke in München.

 

Schiri Ahmadi

Schließlich wurde ein afghanischer Flüchtling auch bereits Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), berichtete schon vor einem Jahr das Fachmagazin 11 Freunde.

Omeed Ahmadi pfiff acht Jahre lang professionell in Afghanistan, bis er vor drei Jahren nach Deutschland fliehen musste. Nun bestand er als erster Flüchtling die Schiedsrichter-Prüfung.

Omeed Ahmadi, Sie waren in Herat, der drittgrößten Stadt Afghanistans, acht Jahre lang als als Schiedsrichter tätig. Wie professionell ist der afghanische Fußball?

Man kann ihn natürlich nicht mit Deutschland vergleichen. In Herat sind die Plätze tagsüber so verstaubt, dass wir noch nicht mal richtig den Ball sehen konnten. Das war schrecklich. Ich war oft beim Arzt, hatte Probleme mit den Augen. Manchmal wusste ich nicht, ob ein Ball aus war oder nicht. Es kam oft zu handfesten Streitigkeiten. Viele Schiedsrichter wurden nach dem Spiel verprügelt und mussten ins Krankenhaus. Ich kannte sogar zwei Schiedsrichter, die nach vermeintlichen Fehlentscheidungen umgebracht wurden. Die Angst war groß.

Wurden Sie auch angegriffen?

Zum Glück nicht. Ich habe selbst auch keine Angst, das ist mein großer Vorteil. Ich pfeife nicht so, wie andere es wollen. Vor den Spielen habe ich oft einen kleinen Zettel bekommen, wie das Spiel auszugehen hat. Den habe ich zerrissen und weggeschmissen. Irgendwann setzte der Verband mich immer öfter bei wichtigen Spielen ein, weil er sich auf mich verlassen konnte.

Wieso mussten Sie Ihr Land verlassen?

Ich habe in Afghanistan für verschiedene amerikanische NGOs gearbeitet, zum Beispiel »Shelter vor life«. Wir haben dort über 1000 Wohnungen für Flüchtlinge gebaut, die aus ärmeren Regionen nach Herat gekommen sind – aus Hunger und Wassermangel. Die Wohnungen waren provisorisch. Aber wir haben vielen Leuten geholfen. Und ich war zufrieden. Ab 2001 wurde das Klima im Land immer ungemütlicher. Wer mit den Amerikanern kollaborierte, geriet ins Visier der Taliban. Spätestens da sagten meine Frau und meine Mutter zu mir, dass es auch für mich zu gefährlich sei. Und so flüchtete ich vor drei Jahren mit meiner Frau und den fünf Kindern nach Deutschland.

Wie sind Sie in Deutschland wieder zum Pfeifen gekommen?


Erst nahm ein Freund aus dem Deutschkurs mich mit zum Fußballtraining des Projekts »Champions ohne Grenzen« bei Hansa 07 in Kreuzberg. Dort trainierte ich mit vielen anderen Flüchtlingen und irgendwann bin ich auch als Schiedsrichter eingesprungen. So zum Beispiel bei einem Spiel gegen einen örtlichen Sechstligisten. Dessen Trainer kam nach dem Spiel zu mir und sagte, ich hätte perfekt gepfiffen. Das solle ich ausbauen. Ich sagte, das sei nur mein Hobby und ich spräche kaum Deutsch. Aber er ließ nicht locker. Meiner Trainer hat mich dann dazu gebracht, die Dokumente für den Schiedsrichter-Lehrgang auszufüllen.

Zum Weiterlesen hier.

Mansur Faqiryar, Ex-VfB Oldenburg/afghanische Nationalmannschaft.

Mansur Faqiryar, Ex-VfB Oldenburg/afghanische Nationalmannschaft.

 

VfB Oldenburg/Mansur-Faqiryar-Stiftung

Wie widersprüchlich auch die Politik der Bundesregierung ist, zeigt diese gemeinsam mit dem Deutschen Fußballbund herausgegebene Broschüre „Willkommen im Verein! Fußball mit Flüchtlingen“ – die Integration fördert, auch wenn die politischen Rahmenbedingungen dafür verschärft wurden.

Sie wirbt mit einem Zitat von Mansur Faqiryar, afghanischer Ex-Nationaltorwart und Südasienmeister 2013, der 10987 im Alter von einem Jahr mit seinen afghanischen Eltern und Geschwistern, die vor dem Bürgerkrieg in Afghanistan flüchteten, nach Deutschland kam, in Bremen Stadtteil aufwuchs und beim VfB Oldenburg in der Oberliga und der Regionalliga spielte, wo er in der Saison 2013/14 sogar Mannschaftskapitän wurde, dann aber wegen Verletzung seine Karriere beenden musste.

Als Kind musste ich aus Afghanistan fliehen. Ich hatte Glück, in Deutschland schnell Förderer und Freunde zu finden. Fußball hat eine große Rolle gespielt, um Krisen in positive Energie umzu- wandeln und mein Selbstbewusstsein zu stärken. Heute unterstütze ich Fußballprojekte mit Flüchtlingen in Deutschland und Afghanistan. Als Nationalspieler sehe ich mich in der Verantwortung, Menschen in Not zu helfen.

Inzwischen hat er mit Unterstützung seines ehemaligen Vereins die Mansur-Faqiryar-Stiftung ins Leben gerufen, um In Kabul eine Fußball-Akademie zu gründen (mehr hier und hier). Dazu gehört Oldenburgs ehemaliger, iranisch-stämmiger Trainer Alexander Nouri, der inzwischen Werder Bremen in der 1. Bundesliga trainiert.

 

 

 

 

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