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Ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling ist am 3. Dezember als Tatverdächtiger des gewaltsamen Todes, nach vorangegangener Vergewaltigung, an einer 19-jährigen Medizinstudentin in Freiburg festgenommen worden. Der Vorwurf laute auf Vergewaltigung und Mord, sagte Staatsanwalt Dieter Inhofer am 3.12. bei einer Pressekonferenz in Freiburg, berichtete der SWR. Klar sei, dass sie junge Frau vergewaltigt worden sei und anschließend ertrank, so der Soko-Leiter David Müller. Allerdings sei noch unklar, ob sie ertränkt wurde.

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Das Verbrechen hatte sich schon Mitte Oktober ereignet. Der Verdächtige, so verschiedene Medien, war im Jahr 2015 nach Deutschland eingereist, lebte danach als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling bei einer Pflegefamilie, besuchte eine Schule und sprach recht gut deutsch. Er sei bisher nicht polizeibekannt gewesen, werde anwaltlich vertreten (http://www.badische-zeitung.de/fall-maria-l-der-festgenommene-17-jaehrige-schweigt-alter-wird-ueberprueft) und habe sich noch nicht zu dem Fall geäußert.

Hier ein weiterer, ausführlicherer Bericht des SWR über den Verlauf der Ermittlungen und Teile des bisher nicht vollständig rekonstruierten Tathergangs. Darin geht es auch um einen weiteren Mord- und Vergewaltigungsfall in derselben Region; allerdings ist bisher nicht klar, ob es einen Zusammenhang gibt.

Staatsanwalt Inhofer bestätigte auch, dass das Alter des Angeklagten unstrittig sei und er deshalb nach Jugendstrafrecht angeklagt werde. Dann würde der Strafprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden und es dürfen auch nicht alle Informationen aus Verhandlung an die Öffentlichkeit gegeben werden.

Besonders bedrückend: Freiburgs Sozialbürgermeister bestätigte ebenfalls, dass das Opfer in der bei der „Flüchtlingshilfe Freiburg“ aktiv gewesen war. „Ihre Familie rief auf der Trauerfeier zu Spenden für einen Studentenverein auf, der unter anderem auch Asylbewerbern hilft,“ schreibt die taz.

Die örtliche AfD bezeichnete die tote Studentin als „Opfer der Willkommenskultur“ der Kanzlerin. Zu einer von ihr organisierten Demo kamen aber nur 15 Teilnehmer. Allerdings, so berichtete die Badische Zeitung weiter, sei auf ihrer Facebook-Seite „eine Flut von Hasskommentaren“ losgebrochen, inklusive „Aufrufe zu brutaler Gewalt und Forderungen nach Lynchjustiz“ und viele unter mutmaßlich echtem Vor- und Nachnamen. Die Zeitung dokumentiert einen „Querschnitt, der fassungslos macht“.

Von den Rechtsnationalisten abgesehen, äußerte sich die Politik einhellig, dass der Fall nicht zur Hetze gegen Flüchtlinge missbraucht werden solle. Kanzlerin Angela Merkel sagte in den ARD-Tagesthemen (beginnt bei 00:22:15):

Wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein afghanischer Flüchtling war, dann ist das absolut zu verurteilen, genauso wie bei jedem anderen Mörder, und (…) ganz deutlich zu benennen. Dann sage ich, dass damit aber nicht die Ablehnung einer ganzen Gruppe verbunden sein kann, so wie wir auch sonst nicht von einem auf eine ganze Gruppe schließen können…

Die Zeit zitiert den Freiburger SPD-Kommunalpolitiker und Unternehmer Ismael Hares, der in Kabul geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam:

Der Fall ist tragisch unabhängig von der Herkunft des Täters. Wenn man einen afghanischen Background hat, nimmt einen das noch mal stärker mit. Man fragt sich, wie es sein kann, dass jemand dieses Land im Kriegszustand verlässt und dann so eine Tat begeht.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte laut ARD-Tagesschau:

So bitter es ist: Solche abscheulichen Morde gab es schon, bevor der erste Flüchtling aus Afghanistan oder Syrien zu uns gekommen ist. Wir werden nach solchen Gewaltverbrechen – egal, wer sie begeht – keine Volksverhetzung zulassen. Es geht darum, die Täter zu ermitteln, vor Gericht zu stellen und hart zu bestrafen.

Der Kölner Stadtanzeiger zitierte den Direktor des Tübinger Instituts für Kriminologie, Jörg Kinzig: Dass junge Flüchtlinge gewaltbereiter seien, lasse sich aus den Zahlen des Bundeskriminalamtes nicht ableiten. „Die Gewaltkriminalität insgesamt ist zurückgegangen, obwohl so viele Flüchtlinge gekommen sind.“

In dem Fall der jungen Freiburgerin hilft uns diese Erkenntnis nicht, aber wohl bei der Einordnung und der Abwehr rechtspopulistischer Verunglimpfung. Es bleibt die Trauer: um die getötete junge Frau, aber auch – gerade bei Menschen, die aus Afghanistan kommen oder sich mit Afghanistan beschäftigen – die Scham ob des „Landmannes“, der aus seiner Kultur weiß (die dabei nicht so unterschiedlich von unserer ist), dass man bestimmte Verpflichtungen übernimmt, wenn man im Hause eines anderen um Zuflucht oder Schutz (pana akhistel) nachsucht, übrigens genauso wie man sich dann auf den bedingungslosen Schutz des Gastgebers verlassen kann.

 

In Afghanistan ist die Nachricht von dem Tötungsdelikt und der Vergewaltigung in Freiburg noch nicht wirklich angekommen. Als einziges afghanisches Medium berichtete der private Fernsehsender 1TV; außerdem gibt es beim Pashto-Dienst der Voice of America einen Beitrag. Auch in den sozialen Medien gab es Kommentare (z.B. hier), die besorgt sind, dass das Verbrechen  auf alle Afghanen zurückfallen könnte.

Hier ein anderes Beispiel, in dem ein Afghane seine pure Abscheu ausdrückt:

This was a horrible incident made me sick to my stomach, so sorry for the innocent girl.

 

 

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