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Hier ein erschütternder Bericht über (fehlende) Mädchenbildung in der südostafghanischen Provinz Paktika der afghanischen Webseite TOLOnews, den ich (ohne viele zusätzliche Kommentare) übersetzt habe.

 

Im ländlichen Paktika. Foto: Thomas Ruttig (2005)

Im ländlichen Paktika. Foto: Thomas Ruttig (2005)

 

Paktikas Mädchen wird die Bildung vorenthalten

 Abdul Haq Omeri

TOLOnews,
18. November 2016



Offizielle der Bildungsabteilung von Paktika sagen, dass in den vergangenen 15 Jahren nur 20 Mädchen die [12-klassige] Schule in der Provinz abgeschlossen haben.‎ Sie sagen, dass einige so-genannte traditionellen Werte der Hauptgrund dafür seien, dass Mädchen in der Provinz keine Bildung erwerben. Die Offiziellen erklärten, dass die Mehrheit der Familien ihren Mädchen nicht erlauben, die Schule über die 6. Klasse hinaus zu besuchen.

„In diesem Jahr werden bis 50 oder 60 Mädchen die 12. Klasse abschließen, was sehr selten in Paktika ist“, sagte Nasim Wajid, Leiter der Bildungsabteilung von Paktika.

Zivilgesellschaftsaktivisten jedoch sagen, dass die Bildungssituation für Mädchen in Paktika noch schlimmer ist, als von den Regierungsoffiziellen dargestellt. Diesen Aktivisten zufolge haben Mädchen, die Abschlusszeugnisse erhalten haben, überhaupt keine Schule besucht.

„Wir nicht einmal eine einzige Schule in ganz Paktika finden, wo ein Mädchen die Sekundärstufe besuchte,“ sagte Zivilgesellschaftsaktivist Sajjed Anwar Schah Sadat.

Außerdem sagten einige Schülerinnen in der Provinz, dass die meisten Mädchen in Paktika unter schwerem Druck ihrer Eltern die Schule nach Klasse 7 verlassen.

„Ich bin in der ersten Klasse und glücklich darüber,“ sagte eine Schülerin in Paktika. „Ich möchte Ärztin werden und den Menschen Paktikas dienen,“ sagte eine andere.

Einige religiöse Gelehrte haben unterdessen gesagt, dass zu lernen eine islamische Pflicht ist, sowohl für Jungen als auch Mädchen, und niemand das Recht habe, den Mädchen Bildung zu verweigern. Sie kritisierten auch die Regierung dafür, dass sie nichts gegen einige ungünstige kulturelle Faktoren im Land unternähme, die Mädchen davon abhalten, sich zu bilden.

„Nach Wissen zu streben ist obligatorisch für Männer/Jungen und Frauen/Mädchen, aber niemand hat die Misere in der Frauen/Mädchenbildung in dieser Provinz geachtet,“ sagte der religiöse Gelehrte Maulawi Momin.

[Staatliche] Statistiken zeigen, dass es in Paktika 347 Schulen gibt, 333 davon ohne ordentliche Schulgebäude. Gegenwärtig gingen dort 156.000 Schüler zur Schule, davon 30.000 Mädchen.

Hier zur englischen Originalversion.

 

Provisorische Zeltschule für Mädchen, Provinz Kunduz, 2006. Foto: Thomas Ruttig.

Provisorische Zeltschule für Mädchen im ländlichen Kunduz, 2006. Foto: Thomas Ruttig. 

Schulgebäude im ländlichen Kundus (Distrikt Qala-je Sal). Foto: Thomas Ruttig (2007).

Schulgebäude im ländlichen Kundus (Distrikt Qala-je Sal). Foto: Thomas Ruttig (2007).

 

Zusätzliche Informationen:

Im vergangenen Jahr (also 2015) hatte der Leiter der Bildungsabteilung im benachbarten Paktia mitgeteilt, dass dort von 365 Schulen 208 über kein ordentliches Gebäude verfügten.

Schon 2013 hatten viele Lehrer in Paktika gestreikt, weil sie über sechs Monate lang nicht bezahlt worden seien.

Bildungsminister Muhammad Hanif Balkhi teilte Anfang Dezember 2016 mit (http://ariananews.af/latest-news/1006-schools-remain-closed-in-entire-afghanistan-balkhi/), dass landesweit 1006 Schulen kriegsbedingt geschlossen sind.

Hier eine ausführliche AAN-Analyse (auf Englisch) über landesweite Lehrerstreiks in Afghanistan, unerfüllte Wahlversprechen an die Lehrer und deren Reaktion nach langem Warten sowie den Zustand des afghanischen Bildungswesens.

Es gibt aber natürlich auch Beispiele für gelungene Mädchenbildung, oft von afghanischen oder ausländischen NGOs unterstützt.

Zeugnisausgabe in einer Mädchenschule in Jaghori, unterstützt vom Freundeskreis Afghanistan. Foto: FKA 2011.

Zeugnisausgabe in einer Mädchenschule in Jaghori (Prov. Ghasni), unterstützt vom Freundeskreis Afghanistan. Foto: FKA 2011.

Schülerinnen in Kundus auf dem Heimweg. Foto: Thomas Ruttig (2004).

Schülerinnen in Kundus auf dem Heimweg. Foto: Thomas Ruttig (2004).

 

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