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Eine kräftige „grüne“ Ader hatten die Taleban schon immer. Grün ist ja die Farbe des Islam, und ursprünglich traten sie Mitte der 1990er Jahre als Islamische Bewegung der Taleban an. Es handelt sich in meinem unten stehenden Text (der heute in der taz erschien) also eigentlich um eine „ökologische Ader“, und so stand es auch in meinem Entwurf. Und was sich so kurios anhört, liegt halt daran, dass die Taleban in der Regel mit bewaffneten und oft sogar terroristischen Aktivitäten Schlagzeilen machen. Aber sie haben halt auch andere Facetten, und was sie in ihrer Botschaft vom Sonntag sagen, gehört dazu und sollte ernst genommen werden. Das ist auch notwendig, wenn man eine politische Lösung in Afghanistan anstrebt, die ohne die Taleban so gut wie unmöglich ist.

Religiöse Argumente für den Umweltschutz aus islamischer Richtung hört man ja auch zu selten. Und der Text aus der pakistanischen Zeitung Express Tribune, den ich unten verlinke, enthält da noch mehr als in diesem kurzen Beitrag für die taz möglich war.

Das heißt nicht, dass man all die Greueltaten vergessen darf, die die Taleban anrichten – und das tun wir hier auf dieser Seite ja auch nicht (siehe z.B. hier und hier).

Noch etwas zum Namen: die taz hat Hebatullah wieder zu Haibatullah gemacht – beide Namen existieren, schreiben sich im Persischen und Paschto und im Arabischen fast gleich, werden aber anders ausgesprochen und haben v.a. auch extrem unterschiedliche Bedeutungen: Haibatullah heißt „Gottesfurcht“ (mein Porträt in der taz trug den Titel „Fürchtegott“), während Hebatullah „Gabe Gottes“ bedeutet. Auch wir bei AAN hatten uns anfangs beim „Lesen“ des Namens geirrt. (Ich korrigiere im folgenden.)

Blühende Mandelbäume im Distrikt Anardara, Provinz Farah. Foto: Thomas Ruttig (2006)

Blühende Mandelbäume im Distrikt Anardara, Provinz Farah. Foto: Thomas Ruttig (2006)

 

Kurioses aus Afghanistan: Die Taleban entdecken ihre grüne Ader

Von Thomas Ruttig, Kabul

Der Oberkommandierende der Taleban, Hebatullah Achundsada, will mehr Obstbäume im Land. Das entspreche den Taten des Propheten.

KABUL taz | In einer „Sonderbotschaft“ zur bevorstehenden Frühjahrspflanzsaison hat der Chef der afghanischen Taleban, Hebatullah Achundsada, alle Afghanen aufgefordert, Obst- oder andere Bäume zu pflanzen.

In dem bemerkenswerten Text, der am Sonntag auf der offiziellen Taliban-Webseite erschien, erklärte er, solche Maßnahmen seien Beiträge zur „Erweiterung der Wirtschaft und zur Begrünung der Erde“. Damit folge man den Taten des Propheten Mohammed, der das Pflanzen von Bäumen und die Entwicklung von Ackerland als „nachhaltig gute Taten“ bezeichnet hatte.

Während das Islamische Emirat von Afghanistan – die offizielle Eigenbezeichnung der Taleban – „gegen die ausländischen Invasoren und ihre einheimischen Söldlinge“ kämpfe, arbeite es „in den Grenzen der vorhandenen Ressourcen“ auch für wirtschaftlichen Wohlstand, die Entwicklung und Eigenständigkeit der afghanischen Bevölkerung. Afghanistan leidet infolge von Dürren und illegaler Abholzung unter starker Entwaldung.

Die Botschaft Achundsadas, der erst vor einem knappen Jahr im Mai 2016 Mullah Muhammad Mansur als Taleban-Chef nachfolgte, der zuvor bei einem US-Drohnenangriff in Pakistan umgekommen war, ist ein Tonwechsel. Sie kommt vor der Verkündung der jährlichen Taleban-Frühjahrsoffensive.

Achundsada gilt als ultraorthodoxer Geistlicher. Er zeigte aber schon vorher überraschende Nuancen. So gilt er als Architekt einer neuen Taleban-Bildungspolitik, die 2012 in Kraft trat und anstelle von Angriffen auf staatliche Schulen die Kontrolle darüber stellt. Dazu trafen die Taleban schon unter Ex-Präsident Hamed Karsai (2001–14) inoffizielle Abmachungen mit dem Bildungsministerium in Kabul. Auch Mädchenschulen sind prinzipiell erlaubt, allerdings meist nur bis Klasse 6. Im Ergebnis ging die Zahl von Taleban-Angriffen auf Schulen und Lehrpersonal stark zurück.

[Ergänzung für dies Webseite: Im letzten UNAMA-Bericht zu den Zivilopfern in Afghanistan für 2016 steht, dass 2016 94 Angriffe auf Bildungseinrichtungen mit 24 Toten und 67 Verletzten registriert wurden – ein Rückgang um 20 Prozent gegenüber 2015. 81 der Angriffe gingen auf das Konto regierungsfeindlicher Aufständischer, davon auch einige, die auf das Konto des afghanischen Ablegers des Islamischen Staates (Daesch) gehen. 2006 bzw 2007 wurden aus Afghanistan noch 241 bzw 242 Angriffe auf Bildungseinrichtungen berichtet. Diese Zahl erhöhte sich 2008 auf 670.]

Hier zum oben erwähnten Beitrag aus der Express Tribune.

 

Eine der wenigen übriggebliebenen, ausgewachsenen Zedern in Paktia. Foto: Thomas Ruttig (2005)

Eine der wenigen übriggebliebenen, ausgewachsenen Zedern in Paktia. Foto: Thomas Ruttig (2005)

... und hier ist der Rest: Holzverkauf in Paktia. Foto: Thomas Ruttig (2004)

… und hier ist der Rest: Holzverkauf in Paktia. Foto: Thomas Ruttig (2004)

 

 

 

 

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