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Folgender Hilferuf erreichte mich vor ein paar Tagen per Rundbrief von Peter Schwittek, der mit der kleinen, ehrenamtlichen deutschen Organisation OFARIN seit Taleban-Zeiten – und ähnlich wie das bekanntere Swedish Afghanistan Committee – Schulen für Mädchen und Jungen in Moscheen in Afghanistan unterstützt: rund 450 Klassen mit 9000 SchülerInnen.

Detaillierte Darstellungen dieser Arbeit finden sich in Peters Buch „In Afghanistan“ (2011, siehe hier):

 

Vielleicht finde sich ja zusätzliche Spender oder Antworten auf Peters Erkundigungen:

 

Unser Hauptgeldgeber Misereor hat uns mitgeteilt, dass er unser Moschee-Schulprogramm nicht weiter unterstützen wird. Wenn jetzt nicht schnell etwas geschieht, muss unsere Arbeit in Afghanistan aufgegeben werden.

Es ist aber sehr wichtig, dass das Programm von OFARIN nicht untergeht. Es wird dringend benötigt. Das hier ist ein Hilferuf. Bitte, überlegen Sie, was Sie für uns tun können!

  •     Kennen Sie eine Stiftung oder einen Verein, der Unterrichtsprogramme in Entwicklungsländern unterstützen kann? 
  •    Haben Sie Verbindungen zu Medien, die unser Tun ins rechte Licht rücken können? 
  •    Können Sie uns helfen, in ihrer Region eine Veranstaltung durchzuführen, in der wir über unser Schulprogramm informieren? 
  •    Haben Sie Vorschläge, wie wir durch eine bessere Öffentlichkeitsarbeit Menschen besser ansprechen können? 
  •    Ja, und schamhaft sei angemerkt, dass Geld in dieser Situation wichtig ist. (*)

OFARINs Moschee-Schulprogramm wurde bisher von Misereor unterstützt. Das Programm wurde durch „Projekte“ finanziert, die in der Regel auf drei Jahre ausgelegt waren. Diese hatten inzwischen ein Finanzvolumen von zwei Millionen Euro erreicht. Eine solche Größenordnung stößt an die Grenzen der Möglichkeiten von Misereor. Mit diesem Geld haben wir rund 450 Klassen betrieben, die von 9000 Schülern besucht wurden.

Im Dezember teilte uns Misereor mit, dass man unseren Antrag abgelehnt habe, das Moschee-Schulprogramm durch ein weiteres Dreijahresprojekt weiter zu fördern. Das hätte jetzt im Mai 2017 beginnen sollen. Uns traf dieser Schlag unvorbereitet.

Wir haben keinen Rechtsanspruch darauf, dass Misereor OFARINs Arbeit bis ans Ende aller Tage unterstützt. Misereor begründete die Entscheidung damit, dass Entwicklungsarbeit in Afghanistan auf Grund der Sicherheitslage immer schwieriger werde. Programme, die zur Entwicklung eines Landes beitragen können, brauchen ein friedliches Umfeld. Es muss z.B. für Misereor möglich sein, eigenes Personal problemlos in das Projektgebiet zu schicken. Außerdem muss Misereor einer steigenden Anzahl von Wünschen nach Unterstützung aus der ganzen Welt gerecht werden. Aus diesem Grund habe man z.B. vor kurzem die gesamte Unterstützung in den zentralasiatischen Staaten nördlich von Afghanistan aufgegeben.

2015 und 2016 hatten Mitarbeiter von OFARIN einen höheren Geldbetrag veruntreut. Die Täter wurden entlassen, der Geldgeber Misereor wurde zeitnah informiert. Der Schaden für die Projekte und damit auch für die Geldgeber konnte von OFARIN vollständig bereinigt werden. Mit dem Geldgeber wurden Maßnahmen vereinbart, die ähnliche Vorkommnisse unwahrscheinlich machen sollten. Alle diese Vereinbarungen haben wir ausgeführt. Auch die afghanischen Behörden haben wir frühzeitig informiert und darum gebeten, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Bisher ist aber nichts geschehen. So etwas meint Misereor mit dem Umfeld, das Entwicklungsprojekte benötigen. Es muss z.B. eine minimale Rechtssicherheit gegeben sein, die den Projekten Schutz gewährt.

Bisher konnte sich OFARIN dank der Unterstützung durch Misereor auf die Arbeit in Afghanistan konzentrieren. Das hat seine Früchte getragen. Wir brauchten uns keine zu großen Mühen machen, um in Deutschland und Europa an weiteres Geld zu kommen. Wir informierten etwas über die Homepage. Sie haben uns Geld gespendet. Das war immer sehr hilfreich. Wir konnten auch einmal etwas tun oder beschaffen, was nicht in der Planung für Misereor stand. Aber wir mussten selber kaum Veranstaltungen organisieren. Wir mussten uns nicht den Medien andienen, damit sie etwas über uns brachten. Wir mussten keine Flyer und keine Hefte herstellen. Dergleichen ist ohnehin nach wenigen Wochen überholt.

Doch jetzt ist unsere Lage dramatisch. Misereor ist bereit, uns noch ein „Abschiedsgeld“ von 150 000 € zu zahlen, das wir bis Ende dieses Jahres verwenden dürfen. Damit können wir Bruchstücke unseres bisherigen Programmes weiterführen. Spätestens Ende des Jahres wird es dann ganz finster.

Wir hatten bis jetzt ein wunderbares Programm. Bei uns lernten die Schüler nach einem guten Jahr ihre Muttersprache lesen und schreiben. Sie verstanden danach, was in längeren Texten steht. Schüler, die zwölf Jahre lang die staatliche Schule besucht haben, können das in der Regel nicht. OFARINs Schüler lernen rechnen. Wenn sich bei uns ein Oberschüler um eine Beschäftigung als Lehrer bewarb, war meine Standardfrage: „Was ist 16 – 9 = ?“. Diese Frage wurde fast nie richtig beantwortet. Wir stellten den Kandidaten meist dennoch ein. Bessere fanden wir kaum. Und wir hofften, dass der Neulehrer in unseren Seminaren sogar für noch schwierigere Aufgaben fit gemacht werden könne.

Einen Teil unserer Mitarbeiter, vor allem Lehrer, müssen wir jetzt entlassen. Allen anderen droht in ein paar Monaten das gleiche Schicksal.

Jedem, dem wir von unserem Unterricht erzählen, findet unsere Arbeit gut, jeder der mit uns einige Klassen besucht hat, findet sie toll. „Ja, die Bildung ist das wichtigste für ein Land wie Afghanistan. Ohne Bildung wird es keine Entwicklung geben.“ Das sagen uns Afghanen wie Deutsche. Es gibt aber in Afghanistan fast keine schulische Bildung mit vorzeigbaren Ergebnissen. Eine Schule, die die Menschen dazu anleitet, sich den Unterrichtsstoff aktiv anzueignen und das Gelernte auf das Leben anzuwenden, gibt es schon garnicht.  

(…) Abschließend sei noch auf das Alleinstellungsmerkmal von OFARINs Tun hingewiesen! OFARINs Unterricht findet größtenteils in Moscheen statt. Unser Partnerministerium ist das für Religiöse Angelegenheiten. Dieses Ministerium und die Imame „unserer“ Moscheen verantworten einen Religionsunterricht, der zusammen mit dem anderen Unterricht von OFARIN gegeben wird. Die Zusammenarbeit mit dem Ministerium und dem Personal der Moscheen ist konstruktiv und freundschaftlich. Die afghanische Geschichte der letzten hundert Jahre hat in drastischer Weise gezeigt, dass in Afghanistan nur in Zusammenarbeit mit den Mullahs Fortschritt erzielt werden kann. OFARIN handelt nach dieser Einsicht und trägt so zum friedlichen Ausgleich innerhalb der afghanischen Gesellschaft bei.

Herzliche Grüße aus Kabul,

Peter Schwittek.

 

(*) Sparkasse Mainfranken Würzburg, IBAN: DE85 7905 0000 0360 1044 18, BIC: BYLADEM1SWU

 

 

 

 

 

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