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Der nächste Charterflug mit abgelehnten Asylbewerbern nach Afghanistan wird voraussichtlich am 24.4.17 (oder am 25.4.) starten. Offenbar wird der Abflughafen wieder München sein, berichten FlüchtlingsaktivistInnen. Das würde bedeuten, dass auf alle Fälle Bayern sich wieder beteiligt – außerdem wohl auch wieder Hamburg und Hessen. (Und hoffentlich nicht wieder mein Bundesland, Brandenburg.)

Es hatte Gerüchte gegeben, dass diesmal der Flug von Düsseldorf aus gehe könnte. Aber AktivistInnen in Nordrhein-Westfalen denken, dass es bis zu den dortigen Landtagswahlen am 14.5.17 (mehr Info hier) generell keinen Afghanistancharterflug ab Düsseldorf geben wird. NRW wird derzeit von rot-grün regiert, und nach früheren Teilnahmen des Landes an Abschiebungen nach Afghanistan hatte es zwischen den Koalitionspartnern Stress gegeben.

Die AktivistInnen denken aber auch, dass danach wieder „alles offen“ sei, d.h. auch in Bezug auf den möglichen nächsten Abschiebetermin für Afghanistan, den 31.5.17. Dann sei durchaus möglich, dass der Flug dann von Düsseldorf aus stattfinde.

 

[Update 22.4.17:] Leider haben sich die eben zitierten Aktivistinnen geirrt: Am heutigen 22.4. berichtete die Rheinische Post, das Land bereite „die Abschiebung von neun weiteren Flüchtlingen nach Afghanistan vor“. Darüber seien die Obleute des Innenausschusses des Landesparlaments informiert worden, sagte die Spitzenkandidatin der Grünen in NRW, Sylvia Löhrmann, gegenüber der Redaktion.

Der Grünen-Vorstand in NRW beschloss daraufhin gestern: „Vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan fordert der Landesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Landesinnenminister Ralf Jäger auf, einen Abschiebestopp für Afghanistan zu erlassen, um das Leben der Betroffenen zu schützen.“ „Im Umfeld des NRW-Innenministeriums hieß es am Freitag“, so die RP weiter, „Kraft und Jäger sähen keinen Anlass, die Abschiebepraxis von NRW zu ändern.“]

 

Tipps bei bevorstehenden Abschiebungen nach Afghanistan
Für Betroffene und UnterstützerInnen hier

auf Pashto (andere Quelle) hier:

20170100-Against the fear Afghanistan_PASCHTU

und auf Dari (selbe Quelle wie Pashto) hier:

20170100Against the fear-Afghanistan_DARI

 

Unterdessen wurde auf change.org (wo u.a. mehrere Petitionen gegen Abschiebungen nach Afghanistan laufen) mitgeteilt, dass sich – offenbar in der Nähe von Koblenz – erneut ein junger Afghane aus Angst vor Abschiebung „in den Tod gestürzt“ habe. Hier mein Bericht über erste solche Fälle in Deutschland; und hier ein lange Zusammenfassung über eine ganze Reihe ähnlicher Fälle in Schweden.

Auch im sächsischen Rodewisch hatte sich einem Zeitungsbericht zufolge bereits im Januar ein junger Afghane selbst getötet.

Bildschirmfoto des Zeitungsberichtes über den Selbstmord eines jungen Afghanen in Sachsen.

 

Anfang April berichtete die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf eine Grünen-Anfrage im bayerischen Landtag, dass in diesem Bundesland im Vorjahr 162 Flüchtlinge einen Suizidversuch unternommen (darunter 43 Afghanen); vier von ihnen kamen ums Leben. Die Gesamtzahl sei mehr als eine Verdreifachung gegenüber den Vorjahren.

In der polizeilichen Statistik werden als Gründe für die Suizidversuche in 64 Fällen „Krankheit, Schwermut, Nervenleiden“ genannt. In acht Fällen seien „Familienzwistigkeiten“ der Auslöser gewesen, in neun Fällen „Liebeskummer“, in dreien „wirtschaftliche Notlage“ sowie in zwei Fällen „Drogenabhängigkeit“. Beim Gros der Fälle blieb das Motiv für die Ermittler im Dunkeln. Hier vermerkten die Beamten: „Sonstiger oder nicht erkennbarer Grund.“

Die Zeitung zitiert eine Münchner Ärztin, die sich speziell um psychisch kranke Menschen mit Migrationshintergrund kümmert:

„Ich merke schon, dass unter den Afghanen eine große Unruhe herrscht, auch aufgrund der Abschiebungsandrohungen.“ Aus ihrer Sicht sind es zwei Faktoren, die mit in die Krise führen: die Kriegs- und Fluchterlebnisse im Heimatland sowie belastende Umstände im Aufnahmeland. Man müsse bedenken, dass in Afghanistan seit Jahrzehnten Krieg herrsche, viel länger als etwa in Syrien. Und das hinterlasse Spuren.

 

Thomas Nowotny, Initiator einer der Petitionen auf change.org, regt zudem an, der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Bärbel Kofler in Berlin „mit vielen Anrufen [zum Thema zu] überrollen“. Sie hat sich gegen Abschiebungen nach Afghanistan ausgesprochen und soll nun dringend aufgefordert werden, diesen Worten Taten folgen zu lassen und sich auch öffentlich nochmals deutlich zu äußern.

Telefon: 030/22775304. Es wird sich Frau Stumpp melden.

 

 

 

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