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8.10.17 (Berlin): Buchvorstellung

Der Autor, Übersetzer und bildende Künstler Jürgen Schneider (http://juergen-schneider.org/JS/) stellt am 8.10. um 21 Uhr in der Luxus-Bar (Prenzlauer Allee 197) seinen Theatertext “KUNDUS” und einen Cut-up dazu vor. Das Werk erscheint in zwei Versionen:

Berlin: Hybriden Verlag, 2017 (Vorzugsausgabe mit vier Siebdrucken und einem Foto); Volksausgabe: Distillery Press, Berlin, 2017.

Mehr zu Kundus hier auf Afghanistan Zhaghdablai.

 

ab 13.10.17 (Ludwigshafen, Chur, Bochum, Weimar, Berlin): Theater

Am 25.8.17 hatte am Deutschen Nationaltheater in Weimar das Stück „Malalai – Die afghanische Jungfrau von Orléans“ Premiere, nach Friedrich Schiller und in Zusammenarbeit mit dem Azhdar Theatre aus Afghanistan. Von einer „Sternstunde transnationaler Theaterarbeit“ sprach die Thüringer Allgemeine. Die Süddeutsche schreibt:

Allein diese verblüffend passgenaue Überblendung, Durchdringung und gegenseitige Beleuchtung von literarischem Stoff und aktueller Realpolitik, das Ineinander dreier Zeitebenen, der Handlungszeit des Stückes 1430, seiner Entstehungszeit um 1800 und der Gegenwart, lohnen die Inszenierung.

Und nochmal die Thüringer Allgemeine:

Gesprochen wird in vier Sprachen, mitunter so schnell, dass der Zuschauer Mühe hat, der Übersetzung zu folgen. Zumal Schiller immer wieder ironisiert wird. Lords und Warlords, die Vogesen und der Hindukusch, die Bauerstochter und die Sanitäterin.

Hier der Text des DNT zu dem Stück (unter diesem Link auch Fotos):

Die Legende der Jeanne d´Arc, auch heilige Johanna oder Jungfrau von Orléans genannt, ist in Frankreich ein Nationalmythos. Friedrich Schiller hat dieser jungen Frau, die in einer von Männern dominierten Welt unter Einsatz ihres Lebens für ihre Überzeugung, ihren Glauben und ihr Land kämpft, eines seiner bekanntesten Dramen gewidmet.
In Afghanistan erzählt man sich eine ganz ähnliche Geschichte: Malalai von Maiwand, auch die »afghanische Jungfrau von Orléans« genannt, war eine Sanitäterin im Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialmacht 1880. Als die Afghanen die letzte Hoffnung auf den Sieg verloren hatten und flohen, löste Malalai ihren Schleier, machte eine Flagge daraus und rannte auf den Feind zu. Die Soldaten kehrten um, folgten ihr und gewannen die Schlacht.
Sowohl der afghanische Mythos als auch die französische Legende hatten und haben eine nationenbildende, aber auch eine emanzipatorische Funktion, und beide werden – gerade in jüngerer Zeit – von nationalistischen und religiösfundamentalistischen Kräften instrumentalisiert.
Die mythische und politische Aufladung dieser weiblichen Freiheitsikonen und Gotteskriegerinnen bildet den Ausgangspunkt von »MALALAI – die afghanische Jungfrau von Orléans«. Das gemeinsam mit französischen, afghanischen, deutschen und israelischen Schauspieler*innen mit muslimischem, jüdischem, christlichem oder atheistischem Hintergrund entwickelte Theaterprojekt setzt dort an, wo die Produktion »KULA – nach Europa« im Jahr 2016 zwangsläufig innehalten musste, da den afghanischen Schauspielern die Einreise nach Deutschland verwehrt geblieben war.

Herzlichen Dank den Menschen, die die Einreise des afghanischen Ensembles möglich gemacht haben.

Was dieser letzte Satz bedeutet, meldete dpa im am 29.3.2017:

Die afghanische Theatergruppe Azdar hat nach monatelanger Ungewissheit ein Visa für das Weimarer Kunstfest-Projekt „Malalai“ erhalten.

„Die beharrlichen Bemühungen haben nun endlich zu einer positiven Antwort geführt“, teilte das Deutsche Nationaltheater am Mittwoch mit. Davor war eine Einreise nur über persönliche Verpflichtungen von deutscher Seite für die Schauspielerkollegen möglich gewesen. Im Vorjahr war die Teilnahme der Gruppe an der Produktion „KULA – nach Europa“ am Einreiseverbot gescheitert. „Malalai – die afghanische Jungefrau von Orléans“ von Robert Schuster und Julie Paucker hat am 25. August im Rahmen des Kunstfestes Premiere. Es ist eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum und dem Theater Chur in der Schweiz. Sie wird durch die Kulturstiftung des Bundes und dem Goethe-Institut gefördert. Gastspiele sind in Ludwigshafen, Chur und Bochum geplant.

dpa schrieb in einer Rezension:

Auf der Bühne stehen Schauspieler aus Deutschland, Frankreich, Afghanistan und Israel. Es geht um Traum und Wirklichkeit, Geschichte und Gegenwart, es gibt ständige Sprach- und Perspektivwechsel.

Die Uraufführung von „Malalai – die afghanische Jungfrau von Orléans“ nach Friedrich Schiller verlangt von den Akteuren und dem Premierenpublikum über zweieinhalb Stunden lang höchste Konzentration.

Das Deutsche Nationaltheater und das Kunstfest Weimar haben am Freitagabend ein brisantes Thema angepackt: die nationalistische und religiöse Instrumentalisierung von Frauen als Freiheitsikonen, Nationalheldinnen und Gotteskriegerinnen – in Vergangenheit und Gegenwart.

Die Zuschauer im ausverkauften E-Werk sahen ein hochspannendes Theaterprojekt von Robert Schuster und Julie Pauker. Vom Publikum gab es langen und herzlichen Beifall.

Ferner Kanonendonner zu Beginn auf der lediglich mit verschiebbaren großen Stahlplatten ausgestatteten Bühne: Mitglieder der afghanischen Theatergruppe Az[h]dar [siehe Film unten] erinnern sich an jene Vorstellung, bei der sie 2014 Ziel eines Anschlags der Taliban wurden. Seither können sie nicht mehr in ihrer Heimat auftreten. „Der Krieg wird auch zu Euch kommen. Schiller ist aktuell“, sagen sie auf persisch, zu lesen in deutschen Übertiteln. (…)

Immer wieder verweben sich im Stück Fiktion und Realität. Die Schauspieler spielen ihre Rollen und sind zugleich sie selbst. Mit ihren christlichen, muslimischen, jüdischen oder atheistischen Hintergründen hinterfragen sie jüngere Geschichte und Politik: Flüchtlinge in Deutschland etwa und die scheinheilige Verweigerung von Hilfe.

Nächste Vorstellungen: 13.10. (Ludwigshafen), 21.10. (Weimar); 16.11. (Chur/Schweiz); 7. u. 8.12. (Bochum); 15. u. 16.12. (Weimar); 19. u. 21.1.18 (Berlin, Akademie der Künste)

 

15.10.17 (Berlin): Puppentheater

Der afghanische Schauspieler und Puppenspieler Ahmad Nasir Formuli, der an dem Weimeraner Stück beteiligt war, ist auch ein Hauptakteur beim Puppentheater-Stück der afghanisch-deutschen Rumi-Balkhi Company, “THE MERCHANT AND THE PARROT/ DER KAUFMANN UND DER PAPAGEI” nach Maulana Rumi Balkhi, das am 15.10. um 20 Uhr in der Schaubude Berlin aufgeführt wird (in Englisch). Ahmad Nasir Formuli war in Kabul künstlerischer Leiter des mit dem Azhdar-Theater verbundenen Puppentheaters Parwaz, bevor er 2015 vor den Taleban fliehen musste. 2014 trat er schon bei den Berliner Festspielen auf.

Ein Kaufmann besaß einen wunderschönen Papagei, den er im Käfig hielt. Vor einer Geschäftsreise nach Indien fragte der Mann, was er dem Vogel mitbringen solle. Der antwortete: »Ich habe eine Nachricht an die freien indischen Papageien …« (Video-Teaser hier)

Die Rumi-Balkhi Company liest das Märchen des persischsprachigen Dichters Rumi vor dem Hintergrund der heutigen politischen Situation in Afghanistan.

A fairy tale about a merchant and his parrot, who sends a greeting to the free parrots of India. The Rumi-Balkhi Company reads the fairy tale written by Persian-speaking poet Rumi against the backdrop of the current political situation in Afghanistan. / In English 

Diplomarbeit an der HfS »Ernst Busch« Berlin, Zeitgenössische Puppenspielkunst
Konzeption, Regie, Musik, Klang: Ahmad Nasir Formuli
Spiel: Ahmad Nasir Formuli, Karoline Hoffmann, Sarah Zastrau
Dramaturgie: Sarah Zastrau
Kostüm: Karoline Hoffmann
Puppenbau: Ahmad Nasir Formuli, Karin Tiefensee
Bühnenbau: Ahmad Nasir Formuli, Ingo Mewes
Künstlerische Begleitung: Markus Joss
Dauer: 50 Minuten
10,50 € / ermäßigt 7 €

Hier ein Video von einem Auftritt Formulis und des Parwaz Puppet Theatre vor Kindern in Kabul; ein weiteres über die Arbeit der Theatergruppe in Afghanistan hier.

 

6.11.17 (Hamburg): Filmpremiere

Am 6.11. um 20 Uhr hat im Hamburger Kino der deutsche Dokfilm „True Warriors“ von Ronja von Wurmb-Seibel, Niklas Schenck und Lukas Augustin Premiere, eine Ko-Produktion mit dem ZDF, Pantaleon Films und ARTE. Es geht um den Anschlag auf eine Theater-Aufführung in der französischen Esteqlal-Schule in Kabul im Dezember 2014, bei der auch ein Deutscher ums Leben gekommen war (siehe hier). Das Stück hieß „„Herzschläge – Die Stille nach der Explosion“, behandelte die Folgen von Selbstmordanschlägen; es wurde von derselben afghanischen Theatergruppe aufgeführt, die 2016 nicht und 2017 dann doch nach Weimar gelassen wurde (hier ein sog. Storyboard-Trailer zu dem Film auf Vimeo).

Von Regisseurin von Wurmb-Seibel stammt das äußerst empfehlenswerte Buch „Ausgerechnet Kabul: 13 Geschichten vom Leben im Krieg”, Deutsche Verlags-Anstalt, 2015 – meine Rezension hier.

Filmplakat „True Warriors“. (c) Brot + Zwiebel Gbr

 

 

 

 

 

 

 

 

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