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Neben der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA), die die direkten zivilen Opfer des Konflikts registriert und vierteljährlich berichtet (letzter Bericht hier; zum Jahresbericht 2017 hier), gibt es einen weiteren Datensatz zu Kriegsopfern in dem Land. Die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok stellt monatlich auf der Grundlage der eigenen Tagesberichterstattung die Zahl aller Kriegsopfer zusammen – allerdings ohne noch einmal in zivile und nichtzivile Opfer zu unterteilen. (Die Zahl der im Kampf getöteten oder verwundeten Angehörigen der afghanischen Streitkräfte lag 2017 in etwa doppelt so hoch wie die der zivilen Opfer.)

Hier eine auszugsweise Übersetzung der Meldung zum Monat April 2018 (Original hier):

 

Opfer im April: Über 2000 Menschen in Afghanistan getötet oder verletzt

Ahmad Shah Erfanyar

  1. Mai 2018

KABUL (Pajhwok): Fast 2100 Menschen sind im April in Afghanistan bei 173 Angriffen getötet oder verletzt worden, was einen Anstieg von 15 Prozent gegenüber März darstellt. Berichte auf verschiedenen Quellen basierend zeigten, dass im April in 27 der insgesamt 34 Provinzen des Landes 1220 Menschen getötet und 866 andere verletzt worden sind.

Den täglichen Berichten von Pajhwok Afghan News zufolge wurden im März in 171 verschiedenen Angriffen in 31 Provinzen 1018 Menschen getötet und 792 andere verletzt.

Die Statistik zeigte, dass im April 8 von 15 Menschen Opfer direkter Kampfhandlungen wurden, zwei von Luftschlägen und je einer von gezielten Anschlägen und Explosionen.

Über die Hälfte der Angriffe im More April ereigneten sich in Farjab, Nangarhar, Ghazni, Dschausdschan und Kunduz, während die übrigen Angriffe in 25 weiteren Provinzen stattfanden. Pajhwok lagen keine Berichte über gewalttätige Zwischenfälle aus Bamian, Nuristan, Panjschir, Paktia, Nimros, Tachar und Nuristan [Wiederholung im Original] vor. (…)

Unter den Toten und Verwundeten waren Rebellen, Angehörige der Sicherheitskräfte und Zivilisten, aber Pajhwok war nicht in der Lage, exakte, separate Zahlen für jede der Kategorien ermitteln, da die unterschiedlichen Quellen sich widersprechen.

Anschläge und Opfer gab es im April täglich, aber der tödlichste Tag war der 22. April. An diesem Tag wurden 97 Menschen getötet und 136 andere verletzt. Der tödlichste Zwischenfall ereignete in einem Wählerregistrierungszentrum in Dascht-e [B]artschi, wobei 69 Menschen getötet und 210 andere verletzt wurden. Daesh [der Islamische Staat] übernahm die Verantwortung für den Anschlag.

Die zehn Provinzen mit der höchsten Zahl an zivilen Opfern waren:

Kabul: 279

Ghasni: 252

Kundus: 223

Farjab: 213

Nangrahar: 195

Dschausdschan: 125

Herat: 114

Farah: 91

Urusgan: 83

Kapisa: 73

Bei zwei separaten Attacken in der Hauptstadt Kabul am 30. April, die von Daesch (dem Islamischen Staat, IS) wurden mindestens 25 Menschen, darunter neun Journalisten, getötet und 45 andere, darunter sieben Journalisten, verletzt. (…)

Die Opferzahlen zeigen, dass das laufende Jahr gewalttätiger ist als das vergangene Jahr. Durchschnittlich wurden täglich 54 Menschen Opfer von Kriegsgewalt in den ersten vier Monaten im vergangenen Jahr, während es in diesem Jahr 61 waren. (…)

Diagramm der Entwicklung der Konfliktopferzahlen nach Pajhwok.

 

In einer anderen Meldung berichtete Pajhwok am 2.5.18 unter Berufung auf die Civilian Protection Advocacy Group (CPAG), dass im April bei Zwischenfällen in 23 Provinzen insgesamt 188 Zivilisten getötet und weitere 306 verletzt worden seien. Die meisten seien bei dem o.g. Angriff in Dascht-e Bartschi umgekommen; die CPAG gibt die Zahl der Opfer dabei allerdings mit 57 getöteten Zivilisten – davon 22 Frauen und acht Kinder – und 119 Verletzten – darunter 52 Frauen und 17 Kinder – an. (Es ist unklar, ob es sich bei der Differenz zu den von Pajhwok gemeldeten 69 Toten um Sicherheitskräfte handelt.)

Die Zahl der Opfer bei einem Luftschlag der afghanischen Armee im April in Kundus auf eine Madrassa (siehe hier) bezifferte die CPAG mit 50 Zivilisten, einschließlich 20 Kindern, und 70 zivilen Verletzten.

Die Zahl der zivilen Opfer habe sich seit Jahresbeginn schrittweise erhöht – von 443 im März auf 494 im April.

 

Diese beiden Zahlensätze – auch wenn schon untereinander nur in Ansätzen vergleichbar – sind insofern interessant, als sie zumindest eine gewisse Gegenüberstellung zu den UNAMA-Zahlen ermöglichen, die im allgemeinen wegen ihrer methodologischen Grundlage für zu niedrig gehalten werden. (Es werden nur Fälle aufgenommen, für die es mindestens drei unterschiedliche Quellen gibt, also z.B. eine Regierungsquelle, Augenzeugen vor Ort, Angaben des US-Militärs; UNAMA gleicht auch mit Taleban-Zahlen ab.)

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