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Umweltgefahren

In Afghanistan sterben weltweit die meisten Menschen pro Kopf der Bevölkerung durch Luftverschmutzung. Das geht aus dem neuesten State of Global Air-Bericht des Health Effect-Instituts in Boston hervor:  406 auf 100.000 Menschen. Den zweitschlechtesten Wert hat das Nachbarland Pakistan mit 207 (Deutschland: 22). Dasselbe Institut stellte bereits Mitte 2018 fest, dass 2016 in Afghanistan mit 51.600 noch mehr Menschen durch Luftverschmutzung umgekommen sind als durch den Krieg.

Laut Greenpeace und dem Institut Air Visual ist Kabul die drittverschmutzteste Hauptstadt der Welt, nach Delhi und Dhaka (Rang 52 unter allen Städten weltweit). Ende 2018 ordnete die WHO Masar-e Scharif unter die weltweit fünf verschmutztesten Städte ein.

Quelle: Health Effect Institute Boston

Dürre und Hunger

Die schlimmste Dürre in einem Jahrzehnt, anhaltender Krieg und Armut haben dafür gesorgt, dass sich die Zahl der „nahrungsmittelunsicheren“ Menschen in Afghanistan 2018 um 6 Millionen auf 13,5 Millionen erhöht hat. Das berichtete der Guardian am 25. März 2019 unter Berufung auf die UNO. Das ist nach Jemen die zweithöchste Zahl weltweit. „Nahrungsmittelunsicheren“ bedeutet, dass einer Person weniger als eine Mahlzeit pro Tag zur Verfügung steht (hier ein Video über Dürrefolgen in West-Afghanistan). Nach UN-Angaben waren die Niederschläge zwischen Herbst 2017 und Frühjahr 2018 im Vergleichszeitraum um 70 Prozent zurückgegangen.

Im Ergebnis der Dürre, so ein afghanisches Forschungsinstitut, sei der Grundwasserspiegel entlang des Harirud – einer der größten Flüsse Afghanistans, der nach Westen in Richtung Herat und Turkmenistan fließt – um 50 Prozent gesunken.

Das afghanische Ministerium für ländliche Entwicklung teilte gestern mit (27.3.19), dass „immer noch“ 47 Prozent aller Landbewohner keinen Zugang zu „gesundem Trinkwasser“ haben. Gleichzeitig berichtete Abdul Schakkur,verantwortlich Schulmonitoring in Baghlan der Nachrichtenagentur Pajhwok, dass „die meisten Schulen“ in dieser Provinz weder über Gebäude noch über Trinkwasser verfügten. Sajed Ismail Mudschahed, der Direktor der Bildungsabteilung für Baghlan, sagte, 214 von 596 Schulen hätten kein Gebäude, 369 kein Trinkwasser.Die Siebtklässlerin Hangama Walizada wurde mit der Aussage zitiert, sie lerne seit Jahren „in einem alten Zelt“.

Laut Deutscher Welthungerhilfe nahm Afghanistan 2017 im Ranking des Human Development Index den 168. Platz von 189 Ländern ein. Mit einem Welthunger-Index (WHI) von 34,3 liegt das Land bei Rang 111 von 119 Ländern. Damit ist die Ernährungslage der Bevölkerung nach der WHI-Kategorisierung „ernst“. Mehr als die Hälfte der auf dem Land lebenden Menschen benötigt dringend Hilfe in den Wintermonaten, da sie sich infolge der Dürre des Jahres 2018 und angesichts der anhaltenden Gewalt nicht selbst versorgen können.

Gesundheitsversorgung für Frauen

In der Provinz Paktika zig sich am 14. März 2019 die einzige dort praktizierende Ärztin aus dem Dienst zurück, meldete ebenfalls Pajhwok. Der Direktor des Krankenhauses in der Provinzhauptstadt Scharana sagte, die Ärztin, deren Name nicht angegeben wurde, habe verlangt, dass in dem Hospital ein Job für ihren Ehemann gefunden werde, der aber nicht zur Verfügung gestanden habe. Viele Männer in Afghanistan erlauben nicht, dass die Frauen ihrer Familie von einem männlichen Arzt untersucht werden. Bereits 2017 hatte die BBC berichtet, dass die einzige Gynäkologin in Paktika, Homa Amiri Kakar, zeitweilig ihren Job wegen „Misswirtschaft“ in dem Krankenhaus quittiert hatte, dann aber aus Reue und Sorge um ihre Patienten zurückgekehrt sei.

Im vergangenen Jahr hatte IWPR unter Berufung auf Beamte des Gesundheitswesens in Paktika berichtet, dass dort monatlich 80 bis 90 Neugeborene stürben. Afghanistan habe nach Angaben der Weltbank immer noch die weltweit eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten, mit 396 von 10.000 Schwangerschaften (2011-15).

Einige Tage vor dem jüngsten Bericht aus Paktika hatte Pajhwok berichtet, dass in zwei unsicheren Distrikten der Hasara-Provinz Daikundi – in Naumesch und Patu –  keine einzige Ärztin zu finden sei. Es gebe zwar Kliniken dort, aber Patientinnen müssten bis in die Provinzhauptstadt Nili reisen.

Hilfsgelder v.a. für den Sicherheitssektor

Gleichzeitig hieß es beim US-Sonderinspekteur für Afghanistan kürzlich, dass 63 Prozent aller Ausgaben für Wiederaufbau in Afghanistan seit 2002 in den Sicherheitsbereich gegangen sind.

Mangel an Arbeitsplätzen

Schließlich musste das afghanische Arbeitsministerium vor einigen Tagen zugeben, dass es anstatt geplanter 74.500 neuer Arbeitsplätze nur 5000 schaffen konnte. Präsident Ghani hatte bei seinem Amtsantritt 2014 bis zu drei Millionen neuer Arbeitsplätze versprochen – Zahlen, wie viele davon verwirklicht wurden, liegen nicht vor.

 

Hier meine vorhergehenden Berichte zur sozialen Lage in Afghanistan: