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Hier ein Spendenaufruf für ein Projekt des Freundeskreises Afghanistan e.V., bei dem ich selbst (meist nur zahlendes) Mitglied bin, mit einem Augenzeugenbericht von einem Projektpartner in Jaghori (Provinz Ghasni), wie schwer es für die Afghanen in Corona-Zeiten ist, ihr Engagement aufrecht zu erhalten.

Natürlich gelten diese Probleme auch für andere deutsche (oft deutsch-afghanische) Vereine, die in Afghanistan arbeiten.

Zeugnisausgabe in einer Mädchenschule in Jaghori, unterstützt vom Freundeskreis Afghanistan. Foto: FKA 2011.

„Eine bemerkenswerte Schullandschaft“: Zeugnisausgabe in einer vom FKA geförderten Mädchenschule in Jaghori. Foto: FKA 2011.

 

Hilfe für Afghanistan auch in Corona-Zeiten nötig

Der Freundeskreis Afghanistan e.V. (FKA) unterstützt seit über 40 Jahren erfolgreich Selbsthilfeinitiativen im ländlichen Bildungsbereich für Mädchen und Jungen im zentralafghanischen Hazarajat. Zusammen mit der bildungsaufgeschlossenen Bevölkerung und seinen langjährigen Partnern hat der FKA bisher neun solide gebaute Schulgebäude errichtet; ein weiterer Schulbau wird gerade begonnen. So ist in diesen Jahren eine bemerkenswerte Schullandschaft mit engagierten LehrerInnen entstanden, die für Afghanistan beispielhaft und richtungsweisend ist. Vielen SchülerInnen konnte eine anerkannt gute Schulausbildung mit auf den Weg in ein selbstbestimmtes Leben gegeben werden.

Um diese Bildungschancen auch während und nach der Corona-Pandemie weiterhin am Leben erhalten zu können, versuchen wir unseren langjährigen Freunden und Partnern vor Ort in Jaghori finanziell unter die Arme zu greifen, denn die Menschen sind verzweifelt und kämpfen ums Überleben.

Berglandschaft im Distrikt Jaghori, Ghazni. Foto: Thomas Ruttig (2005).

Berglandschaft im Distrikt Jaghori, Ghazni. Foto: Thomas Ruttig (2005).

 

Der Bericht eines Lehrers, der an den von uns unterstützten Schulen in Jaghori unterrichtet, verdeutlicht die Lage vor Ort:

Zur aktuellen Situation in Jaghori, Auswirkung der Corona Krise auf unser Leben

Gegenwärtig ist die Krise in Afghanistan sehr ernst und hat das Leben der Menschen verändert. Das schlimmste ist die Arbeitslosigkeit. Die meisten der Tagelöhner, Angestellten, einschließlich der Lehrer, haben ihre Beschäftigung verloren. Die Krise hat den meisten Armut gebracht. Deswegen sagen auch die meisten: „die Quarantäne kümmert uns nicht, wir sterben an Hunger“.

Die ganze Erziehung wurde gestoppt. Universitäten, Schulen und andere Kulturaktivitäten wurden eingestellt oder pausieren jetzt. Ich glaube, dass die meisten Schüler, insbesondere die jüngeren Jahrgänge, das bisher gelernte vergessen und das Interesse gänzlich verlieren könnten. Hier hat der Bildungsprozess sehr gelitten. Auf der einen Seite habe wir keine Möglichkeiten wie andere Länder, auf der anderen Seite ist der Wissensstand sowohl der Lehrer als auch in den Familien zu gering, um das aufzufangen.

Die Regierung ist mit anderen Themen beschäftigt und kümmert sich wenig um Bildung. Das Bildungsministerium bietet Unterricht über Fernsehen an, aber die meisten Gebiete haben keinen Zugang.

Das war gut gedacht vom Bildungsministerium, aber es tut uns leid, dass das nur Imitieren anderer ist, aber nicht praktikabel. Viele Schüler haben gar kein Fernsehen, Elektrizität oder einen Internetzugang zu Hause.

Gerade wurde die Schließung der Schulen um drei weitere Monate verlängert. Lehrer lehren nicht. Sie bereiten keine Hausaufgaben für Schüler vor, sie sehen ihre Schüler nicht, weil deren Familien die Quarantäneregeln strikt einhalten, und auch dass die Schüler so verstreut leben ist ein nachteiliger Faktor.

Die meisten Lehrer haben ihre Stifte niedergelegt und stattdessen zu Schaufel und Werkzeug gegriffen, um gegen Armut und Hunger zu kämpfen. Sie arbeiten hart auf den Feldern und ich bin einer von ihnen. Die Tage sind hart. Am frühen Morgen verlasse ich das Haus um auf den Feldern zu arbeiten. Ich habe es vorbereitet, dass darauf angebaut werden kann, nachdem wir 34 Jahre Trockenheit hatten. Ich pflüge, pflanze und bewässere, nicht mit Maschinen sondern mit der Hand und mit Werkzeug und ich habe Blasen an den Händen. Dieses Jahr versuchen wir lediglich zu überleben, so wie die anderen Lehrer auch. Das ist eine außergewöhnlich schlechte Situation. Zwischen Haus und Land und Land und Haus kommt man sich vor wie ein Gefangener (Zelle – Toilette und wieder zurück).

Diese Krise hat nicht nur physische, sondern auch mentale Konsequenzen. Die Angst, an Corona zu sterben und sonst keine positiven Aussichten zu haben, beschäftigt die Menschen. Aber das kommt nicht nur von Corona alleine, sondern auch Terrorismus, Taleban, Krieg und weit verbreitete Korruption (die Arme ärmer macht und Reiche reicher) sind die Dinge, die die Menschen beeinflussen.

Siehe auch dieser neue Bericht der renommierten Hilfsorganisation Oxfam, der Afghanistan als drittprekärsten „Hunger-Hotspot“ weltweit einordnet. Demzufolge sahen sich 2019 11,3 Millionen Menschen in Afghanistan (37% der Gesamtbevölkerung) mit „krisenhaftem Hunger oder schlimmerem“ konfrontiert.

In einer der FKA-Schulen Jaghori: Foto: FKA

Unser Bezirk Jaghori ist ein rein ländliches Gebiet. Zum Glück hatten wir genug Schnee und Regen und somit genug Wasser für die Bewässerung der Felder.

Bisher wurden nur wenige Corona-Fälle, bei Leuten, die aus Kabul, Herat oder Iran zurückkamen, festgestellt. In diesen Tagen machen sich viele Menschen aus den Städten auf den Weg nach Jaghori [in der Hoffnung, dass dort das Ansteckungsrisiko geringer ist]. Die Menschen in Jaghori haben nun noch mehr Angst und es entstehen dadurch neue Probleme.

Die Preise sind extrem gestiegen, so kostet ein Kilo Okra statt 25 Afghani jetzt 100 Afghani (ca. 1,15 Euro), dagegen ist Benzin so billig wie lange nicht (35 Afghani/Liter). Der Grund könnte der geringere Verkehr sein.

Jaghori ist bis jetzt einigermaßen corona-sicher, die Wohnungen liegen weit auseinander, es gibt wenig Begegnungen, und wir haben eine saubere Landschaft, blauen Himmel und keine Verschmutzung.

Um den Unterhalt dieser Schulen während der Corona Krise geschuldeten Schließungen sicherzustellen, den LehrerInnen in dieser verzweifelten Situation das Leben etwas erträglicher zu machen und damit bei Öffnung der Bildungseinrichtungen wieder ohne Einschränkungen mit dem Unterricht beginnen zu können, benötigen wir dringend finanzielle Mittel.

Bitte helfen Sie uns dabei!

Spendenkonto:

Sparkasse Mainfranken Würzburg

IBAN: DE 12 7905 0000 0042 0201 31

BIC: BYLADEM 1 SWU

 

Hier geht es zur FKA-Webseite, auf der auch andere Projekte des Vereins vorgestellt werden. Es gibt auch sehr schöne Fotos, bei denen ich mich für den Beitrag oben (den der FKA bereit gestellt hat) bedient habe.

Die FKA-Schullandschaft in Jaghori (oben) und Bibliothek in einer der Schulen (unten). Fotos: FKA.