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Die Hauptstadt der Provinz Parwan, Tscharikar, nördlich von Kabul, traf es am frühen Morgen gegen 3.30 Uhr Ortszeit des gestrigen Mittwoch (26.8.2020): von schweren Regenfällen ausgelöst, kam es zu schweren Überflutungen und Erdrutschen. Ganze Häuser – und Familien – wurden weggespült. dpa zitierte Ghulam Bahauddin, Chef der nationalen Katastrophenschutzbehörde, demzufolge in der Provinz über 100 Tote und mehr als 250 Verletzten (hier ein Bericht der afghanischen News-Webseite Tolonews mit einigen Fotos, hier ein Video des staatlichen Fernsehens, beide aber noch niedrigeren Zahlen vom Abend zuvor).

Es handelt sich offenbar um Ausläufer des Monsuns über dem indischen Subkontinent (siehe ein kurzes Video aus Karatschi, Pakistan hier.) Der afghanische Klimaexperte Ahmad Rasooli sagt auf Twitter, die Ursachen der Überflutungen seien „Klimawandel und Dürre“. Aufgrund der Dürre führten starke Niederschläge (die sowieso früher zu dieser Jahreszeit nicht vorkamen – zumindest Zentral-Afghanistan um Kabul hatte zwei kurze „Regenzeiten“, im Frühjahr und Herbst, sonst waren Niederschläge sehr selten) zu starken Abflüssen, da der trockene Boden sie nicht absorbieren könne.

Einer Mitteilung eines anderen afghanischen Experten, Fazli Rahim, handelt es sich wahrscheinlich um Wasser, das die Hänge des Bergkette herunterkam, die sich in Nord-Süd-Richtung westlich der Straße Kabul-Tscharikar (am unteren Bildrand) entlangzieht (siehe Foto).

flooding risk area, Tw fazlirahim

Foto: Fazli Rahim (über Twitter)

 

dpa berichtete:

Durch die gewaltigen Fluten wurden in der Provinzhauptstadt Tscharikar mehr als 500 Häuser zerstört, Straßen weggespült und Hab und Gut mitgerissen. Viele Kinder, die unter den Schlammlawinen begraben wurden, konnten nur leblos geborgen werden.

Die ARD-Tagesschau berichtete gestern abend ebenfalls und zeigte einen kurzen Film (hier ab 00:11:46min).

Andere afghanische Quellen berichten inzwischen auch von mindestens 11 Toten bei Überflutungen in den Provinzen Kapisa und Paktika. Pajhwok berichtete von mindestens 8 getöteten und 14 verletzten Menschen im Distrikt Sarobi, Provinz Kabul, sowie von 15 Toten und 13 Verletzten in Kapisa und Pandschir. Auch die Provinzen Maidan-Wardak, Pandschir, Nangrahar, Laghman, Khost, Logar und Paktia seien betroffen. Das afghanische 1TV nennt auch Logar und Nuristan. Gestern berichteten afghanische Medien über Todesopfer in den Distrikten Dschalres, Tschak, Nerch und Daymirdad, Maidan-Wardak (auch hier). Tolo berichtet, dass in Kapisa besonders die Distrikte Hessa-ye-Awal-e-Kohistan, Hessa-ye-Dowom-e-Kohistan, Nejrab und die Provinzhauptstadt Mahmud Raqi betroffen seien und „tausende Acres Ackerland und Gärten zerstört“ haben. 

Hier ein Video, das zeigt, wie schwer auch Gebiete in den Provinz Maidan-Wardak betroffen sind.

Die Unwetter hatten sich bereits anfangs des Monats angekündigt, als in der Provinz Nangrahar mindestens 16 Menschen – davon 15 Kinder – umkamen.

Schwere Überflutungen hatten bereits in im Frühjahr 2019 mehr als 10.000 Häuser zerstört, rund 180.000 Menschen waren von den Fluten betroffen.

Die Regierung hat inzwischen, nach anfänglicher Kritik an ihrem zu langsamen Reagieren, Rettungsmaßnahmen eingeleitet.

Von den Fluten zerstörte Hauptstraße von Tscharikar. Foto: Bilal Sarwary (via Twitter).

Opfer des Flutkatastrophe in Tscharikar. Fotoquelle: Twitter.

 

Unwetterwarnung Afghanistan für den 25./26.8.2020 20200825