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„Sehe ich wie eine Kriminal aus, oder was ist los?“ fragt einer der Protagonisten eines neuen Dokumentarfilm, auf den ich vor den Feiertagen noch hinweisen wollte. Er heißt „Wir sind jetzt hier“, und es geht um „Geschichten vom Ankommen“, um Afghanen, die sich (wie die meisten!) in unsere Gesellschaft hineingefunden und was sie dabei erlebt haben – also die „Angstgegner aller Integrationsskeptiker“. Gedreht wurde der Film von Niklas Schenck und Ronja von Wurmb Seibel, die bereits mit dem Afghanistan-Film „True Warriors“ (kostenloses Streaming während Corona hier) für Furore sorgten (meine Besprechung hier), im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auf deren Webseite heißt es zu dem Film:

Sieben junge Männer erzählen in die Kamera vom Ankommen in Deutschland – von lustigen und beglückenden Momenten und von Momenten tiefster Verzweiflung, von ihren Ängsten und wie sie mit ihnen umgegangen sind, von Rassismus und von der Liebe. (…) und sie erzählen viel darüber, was es auch in den nächsten Jahren noch braucht, damit Integration gelingt.

Im übrigen hat auch meine Organisation – das Afghanistan Analysts Network (AAN) – im August 2016 bei Eberts eine der ersten Studien zu Migrationsfragen in Afghanistan veröffentlicht, unter dem Titel „Wir wussten, dass sie in Kabul keine Zukunft hatten: Fluchtentscheidungen afghanischer Familien“. Sie ist immer noch lesenswert.

„Sehe ich wie eine Kriminal aus, oder was ist los?“ Screenshot aus dem Trailer von „Wir sind jetzt hier“ von Niklas Schenck und Ronja von Wurmb Seibel.

Zurück zum Film. Die Autor:innnen schreiben dazu:

Es gibt mal wieder etwas Neues von uns – und zwar einen Film. Viele von euch haben es damals mitbekommen: 2015 haben wir einen 16 Jahre alten Bekannten aus Kabul von Ungarn nach Deutschland geschmuggelt und kurz darauf wurden wir eine Pflegeeltern. (Hier könnt ihr nochmal die Geschichte dazu im SZ-Magazin lesen.) Nach fünf Jahren Familienleben ist Hasib diesen Sommer in seine erste eigene Wohnung gezogen, für uns ein Anlass, zurück zu blicken darauf, was seit seiner Ankunft passiert ist – in Hasibs Leben, und in Deutschland. So entstand die Idee für unseren neuen Film: WIR SIND JETZT HIER. Ich freue mich sehr, euch heute unseren Trailer zeigen zu können.

Der Film entstand im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Seit seiner Premiere Anfang September zeigen wir ihn in zahlreichen Online-Vorführungen: bei Gewerkschaften, im Konfirmationsunterricht, Schulen, Theatern, Kirchen, der Ausländerbehörde und im Bundesamt für Migration. Jedes Mal wird gelacht und geweint –  und eine Menge Fragen gestellt. Wenn ihr Lust habt, auch eine Vorführung zu organisieren, meldet euch gern! Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt: Schule, Universitäten, Integrationsgruppen, Arbeitskreise, Gottesdienste, Redaktionen, Sprachkurse, oder auch einfach: mit einer Gruppe FreundInnen. Unser Eindruck ist, dass die Filmgespräche online fast noch schöner sind als im echten Leben, weil wir nicht von einer Bühne runtersprechen, sondern uns gegenseitig direkt in die Augen schauen können. Bisher war es jedenfalls immer eine tolle Atmosphäre. Interesse bekommen? Dann schickt einfach eine kurze Mail an schenck.niklas@gmail.com und ihr bekommt einen Link, um euch den Film in voller Länge anzuschauen.

Mehr Infos zum Film: Seit 2015 sind sie die Angstgegner aller Integrationsskeptiker: Junge Männer, die allein aus Syrien oder Afghanistan, aus Somalia, Eritrea oder dem Irak nach Deutschland flohen. Sie wurden zur Projektionsfläche für Zweifel und Sorgen sowie für plumpen Rassismus. Zugleich wurde viel häufiger über sie gesprochen als mit ihnen – und da setzt dieser Film an. Sieben junge Männer erzählen in die Kamera vom Ankommen in Deutschland – von lustigen und beglückenden Momenten und von Momenten tiefster Verzweiflung, von ihren tiefsten Ängsten und wie sie mit ihnen umgegangen sind, von Rassismus und von der Liebe. Ihre Geschichten lassen die Zuschauer teilhaben an den emotionalen Turbulenzen, die eine Flucht fast immer nach sich zieht und sie erzählen viel darüber, was es auch in den nächsten Jahren noch braucht, damit Integration gelingt.

Ganz lieben Gruß, eine schöne Weihnachtszeit und gutes Durchhalten im Corona-Chaos,

Ronja & Nik 

Übrigens fand ich unter dem gleichen Titel einen Dokfilm von 2017, von Black Dog Films, auf den ich auch gern hinweisen möchte: „Junge deutsche Frauen zeigen den Alltag von jungen Afghaninnen, Syrerinnen und einer Exil-Chilenin.“