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Bevor voraussichtlich heute abend von Düsseldorf der 35. deutsche Sammelabschiebeflieger seit Dezember 2016 nach Kabul abfliegt (mein Vorbericht hier; dpa/taz-Beitrag mit Stimmen hier), hier ein kurzer Blick auf die Sicherheitslage. Ich stelle nur einige Kernaussagen aus verschiedenen Quellen der letzten Tage und Wochen sowie Überschriften aus den afghanischen Medien zusammen.

Nach einem Autobombenanschlag auf eine Armeebasis im Distrikt Balch, 20km von Masar-e Scharif, im August 2020. Foto: Tolonews.

Neue Muster der Unsicherheit: Kleiner und mehr

Laut aktuellem „Afghan War Casualty Report“ der New York Times , über die erste Januarwoche 2021, sind zwischen dem 1. und 7. Januar „mindestens 49 Angehörige der Regierungstruppen und 15 Zivilisten“ getötet worden. In dieser Aufstellung sind 21 Zwischenfälle in 14 Provinzen enthalten, bei denen fast allen Fällen „nur“ eine Person getötet wurde. Betroffen waren die Provinzen Khost, Uruzgan, Helmand, Faryab, Kunar, Kabul, Nangrahar, Kandahar, Herat, Kapisa, Ghazni, Kunduz, Balch und Ghor. Unabhängige Sicherheitsbeobachter in Kabul registrierten darüber hinaus Zwischenfälle in vier weiteren Provinzen, Badghis, Paktia, Maidan Wardak, 

Das war aber eine „vergleichsweise ruhige“ Woche. Am 6. Dezember etwa meldeten afghanische Medien unter Berufung auf das Kabuler Verteidigungsministerium, dass in den zurückliegenden 24 Stunden in 21 von 34 Provinzen des Landes gekämpft worden sei, nämlich in Laghman, Kunar, Nuristan, Nangrahar, Ghasni, Maidan Wardak, Logar, Sabul, Kandahar, Badghis, Farah, Farjab, Balch, Helmand, Nimrus, Badachschan, Baghlan, Tachar und Kundus. Über die devorliegende Woche hätten die Taleban laut dem Bericht täglich in 20-25 Provinzen des Landes Angriffe auf Regierungsstellungen ausgeführt. Die Taleban erklärten, sie reagierten nur auf Angriffe der Regierungstruppen.

Am 20. Dezember 2020 wurden bei Sprengstoffanschlägen in den Provincen Kabul, Nangrahar, Helmand, Logar und Badakhshan insgesamt 11 Menschen getötet und etwa 25 verletzt. In Kabul allein wurden bei einem schweren Anschlag mindestens 9 Personen getötet und 20 weitere verletzt, darunter Frauen und Kinder. Er richtete sich gegen den Parlamentsabgeordneten Khan Muhammad Wardak, einen reichen Geschäftsmann, der verletzt wurde. Auch Wohnhäuser nahe des Anschlagsortes wurden schwer beschädigt. Am 18. Dezember waren bei der Explosion einer Motorradbombe bei einer religiösen Zeremonie in der Provinz Ghasni mindestens 15 Zivilisten, davon 11 Kinder, getötet worden.

Am Tag der Wiederaufnahme der innerafghanischen Verhandlungen in Doha am 5.1.2021 sei in mindestens 22 von 34 Provinzen des Landes gekämpft wurden, sagte das Verteidigungsministerium in Kabul.

Die Gesamtzahl der zivilen Opfer 2020 lag nach letzten vorliegenden UN-Angaben bis September bei über 2100 Toten und 3800 Verletzten. Die Taleban, die seit mehreren Jahren ebenfalls Zivilopferberichte veröffentlichen, sprachen in ihrem Jahresbericht für 2020 (bis 16.12.) von insgesamt 1787 Toten und 1916 Verletzten in 1834 Fällen in allen 34 Provinzen. Bei 165 davon habe es sich um US-Luftschläge und –Kommandoaktionen gehandelt, 1307 Zwischenfälle lasteten sie den Regierungskräften an, und 362 weitere seien von Unbekannten zu verantworten. Außerdem seien 424 afghanische Zivilisten „willkürlich festgenommen“ worden, 260 davon durch US-Militär. 319 Tote (197 Männer, 71 Frauen und 61 Kinder) und 332 Verletzte (207 Männer, 64 Frauen und 58 Kinder)  gingen auf das Konto des US-Militärs. 872 Tote (541 Männer, 133 Frauen und 198 Kinder) sowie 1218 Verletzte (691 Männer, 217 Frauen und 310 Kinder) werden den Regierungstruppen angelastet. Es seien 44 Moscheen, 45 Religionsschulen, 789 zivile Wohnhäuser, 15 Kliniken und Schulen, 167 Läden und 84 Fahrzeuge, 35 Dscherib (ca 6 ha) Obstgärten und 120 Dscherib Farmland zerstört, 645 Stück Vieh getötet, 14,7 Millionen Afghani und 152 Solarpanels geraubt worden. Die Taleban geben an, selbst keine zivilen Opfer verursacht zu haben.

Am 9. Januar gab die Regierung bekannt, dass über den letzten Monat (nicht angegeben, ob sich das auf Dezember 2020 oder den letzten afghanischen Monat bezieht) 18.000 Familien in 6 Provinzen (Baghlan, Kundus, Farah, Herat, Ghor und Urusgan) durch Kämpfe vertrieben wurden. Im gesamten Vorjahr seien es landsweit 45.000 Familien gewesen, davon nach Angaben des dortigen Gouverneurs allein 11.000 in Kundus.

Dies spiegelt das neue Muster des Krieges nach dem US-Taleban-Abkommen vom Februar 2020 wider, in den die Taleban sich verpflichteten, keine ausländischen Ziele sowie „große Städte“ des Landes mehr anzugreifen und deshalb nur „kleinere“ Zwischenfälle stattfinden, die es kaum noch in die (ausländischen) Medien schaffen. Dafür nimmt die Zahl der Zwischenfälle zu, wie die UNO in ihrem jüngsten UN-Bericht zu Afghanistan vom 20.12.2020 feststellte. Darin ist zwischen dem 13. Juli und dem 12. November von 10.439 Sicherheitsvorfälle die Rede, einer 18-prozentigen Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019. Davon waren 63% bewaffnete Zusammenstöße (38% Zunahme), von denen regierungsfeindliche Kräfte 95% initiierten. Die am schwersten betroffenen Provinzen waren Kandahar, Helmand, Nangrahar und Balch. Auch die Zahl der sogenannten Hochprofil- (oder komplexe) Angriffe durch unterschiedliche bewaffnete Gruppen (also auch wieder IS, nämlich 11 – davon im Oktober auf ein Kabuler Bildungszentrum und Anfang November die Universität Kabul) sei laut UNO hoch geblieben, mit 42 Selbstmordanschlägen, davon 30 Autobomben. Drei davon sowie 65 IED-Anschläge (improvisierte Sprengsätze) betrafen die Stadt Kabul. Am 29.11.2020 starben bei einem Selbstmordanschlag auf den Provinzratsvorsitzenden von Sabul drei Zivilisten und 23 wurden verletzt, darunter der Politiker. Bei einem Autobombenanschlag am Rand der Stadt Ghasni wurden am 30.11.2020 mindestens 26 Soldaten getötet.

Am 24.11.2020 ereigneten sich erstmals Bombenanschläge in Bamian. Bei einem Doppelanschlag wurden mindestens 17 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Der IS bekannte sich dazu. Am 5.11.2020 waren bei einem weiteren Doppelanschlag in Schulgara in der Nähe der Stadt Masar-e Scharif drei Menschen getötet und 17 verletzt worden.

Die meisten Opfer komplexer Angriffe waren laut UNO Zivilisten, während 82% der IED-Angriffe sich gegen die Sicherheitskräfte richteten. 

Zwischen Mitte Juli und Ende Oktober habe es laut UN-bericht eine „stetige Zunahme“ des Gewaltniveaus gegeben, und Oktober 2020 sei der Monat mit der höchsten Zahl an bewaffneten Zusammenstößen gewesen, seit die UNO dies 2007 systematisch zu registrieren begann. 

Das afghanische Innenministerium sprach im Dezember von 487 zivilen Todesopfern und 1049 zivilen Verletzten durch landesweit 35 Taleban-Selbstmordanschläge und 507 andere Sprengstoffanschläge über die 3 letzten Monate.

Laut dem UN-Bericht erhöhten die Taleban ihren Druck auf Provinzhauptstädte wie Kundus, Laschkargah (Helmand) und Tirinkot (Urusgan). Eine weitere Autobombe zerstörte am 7.1.2021 weitgehend eine Armeebasis am Rande von Tirinkot. Dabei starben mindestens fünf Soldaten.

Angaben des afghanischen Innenministeriums vom Ende November 2020 zufolge griffen die Taleban seit der Unterzeichnung des Abkommens mit den USA im Februar 2020 bis dahin mindestens 50 Distriktzentren in 16 Provinzen (Urusgan, Kandahar, Helmand, Farah, Nimrus, Herat, Badghis, Farjab, Dschausdschan, Sarepul, Balch, Samangan, Baghlan, Kundus, Tachar and Badachschan) an und führten dabei etwa 50 Selbstmordangriffe durch. Die meisten dieser Angriffe seien erfolgt, seit im September 2020 die innerafghanischen Gespräche in Doha begonnen hätten. Dabei nahmen sie den Angaben zufolfe die Distrikt Dahrawud, Gisab und Chas Urusgan (Urusgan), Jamgan und Maimai (Badachschan). Bei ihren Angriffen seien laut Innenministerium 1210 Zivilisten getötet und weitere 2500 verletzt worden.

Im November 2020 nahmen die das Polizeihauptquartier im Distrikt Poschtrud (Provinz Farah) ein und brannten es nieder. Bei dem Angriff kamen auch der örtliche Polizeichef und zwei seiner Männer ums Leben.

Laut weiteren UN-Angaben sei die Zahl der Zivilisten, die im Berichtszeitraum von IEDs getötet wurden, um 60% und die Zahl der Opfer unter Kindern insgesamt um 25% gestiegen. Angriffe auf Schulen hätten sich vervierfacht.

Luftschläge und Zivilopfer

Die UNO konstatiert zwar im Berichtzeitraum einen Rückgang der Luftschläge (afghanischer sowie US-Truppen) von 689 auf 416. Aber trotzdem gab es dabei weiter zahlreiche zivile Opfer. Auch im Januar gab es bereits wieder mehrere solcher Zwischenfälle, wobei die genauen Verursacher bisher nicht ermittelt wurden. Bei einem Vorfall am 9.1.2021 – der zunächst als Luftangriff, dann als Raketenangriff beschrieben wurde (letzteres kann auch aus der Lufterfolgen), wurden im Dorf Munasari im Distrikt Chaschrud (Provinz Nimrus – Foto) nach örtlichen Behördenangaben bis zu 18 Zivilisten getötet, die zu einer Familie gehören (Berichte hier, hier und hier). Aus der örtlichen Bevölkerung hieß es, auch Taleban seien angegriffen worden, aber deren Opferzahl sei nicht bekannt. Regierungsquellen sprachen von „mindestens14 Taliban – einschl. 9 Pakistanis“. Die afghanische Regierung meldete demselben Bericht zufolge auch aus der Nachbarprovinz Farah 29 durch einen Luftangriff getötete Taleban nach einem Angriff auf Regierungsstellungen. Sie macht in der Regel keine Angaben zu zivilen Opfern oder verschleiert diese sogar.

Nach einem Luftschlag mit zivilen Opfern am 22. Oktober 2020 in der Provinz Kabul bestätigte der Sprecher des Gouverneurs den Vorfall – und wurde prompt verhaftet und entlassen, wie die New York Times berichtete. Die Regierung wollte überhaupt die Sprecher der Provinzgouverneure abschaffen, machte dann aber wohl einen Rückzieher.

Am 7.1.2021 wurden zivile Opfer bei zwei Luftschlägen gemeldet, aus dem Distrikt Surchrud (Nangrahar) und bei Laschkargah (Helmand). Bei letzteren seien fünf Zivilisten getötet worden, darunter drei Frauen und ein Kind. Die Unabhängige Afghanische Menschenrechtskommission (AIHRC) bestätigte den Vorfall in Helmand und teilte mit, dieser werde untersucht.

Bereits am 6. Dezeber berichtete ein Einwohner des Distrikts Paschtun Sarghun (Provinz Herat), dass drei seiner Kinder im Alter von 14,13 und 11 Jahren durch einen Luftschlag während Kämpfen mit den Taleban getötet worden seien.

Mordanschläge

Auch die Zahl der gezielten Mordanschläge stieg im viermonatigen Berichtszeitraum laut UNO um 21 Prozent auf 389 Fälle. Die New York Times registrierte für das ganze Jahr 2020 insgesamt 136 zivile und 168 militärische solcher Mordopfer. Das afghanische Innenministerium habe keine Zahl nennen wollen. Unter den Opfern seien laut UNO „Mitglieder der Sicherheitskräfte, Regierungsoffizielle, Zivilisten und religiöse Führer, die den Taleban kritisch gegenüberstehen“. 

Die meisten dieser Anschläge werden den Taleban angelastet, auch wenn der genaue Prozentsatz nicht bekannt ist – und also auch andere Verursacher existieren. Die New York Times sprach von „politischen Fraktionen außerhalb der Taleban, die beginnen, das Chaos zu nutzen, das dadurch entsteht, dass das Land unter dem Druck zerfallen beginnt, um alte Rechnungen zu begleichen.” Im Klartext: das schließt nominell regierungstreue Milizen und mit ihnen sowie politischen Fraktionen verbundene kriminelle Netzwerke, aber möglicherweise auch den afghanischen Geheimdienst sowie von der CIA geführte Milizen ein, die manche Journalisten als “Todesschwadronen” bezeichnen (siehe auch hier).

Die Taleban behaupteten, „zivile Angestellte der Regierung, zivile Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen und -aktivisten sowie unabhängige Leute” seien “niemals” auf ihre “Zielliste” gewesen, und beschuldigen die Regierung, dahinter zu stecken.

Besonders seit Ende 2020 hat es eine Welle von Mordanschlägen auf Medien- und Zivilgesellschaftsaktivisten gegeben, die die Regierung den Taleban anlastet (siehe oben). Insgesamt seien 2020 vier Nachrichtensprecher, drei Reporter, ein Kameramann und ein Fahrer sowie ein ehemaliger Nachrichtensprecher (dann Pressesprecher der Staatsbank) ermordet worden – die gleiche Gesamtzahl wie 2019. Laut Afghanistan Journalists Center seien zwei Sprecher vom IS, ein Reporter und der Kameramann von den Taleban getötet worden. Bei den anderen Fällen seien die Täter unbekannt. Dazu kämen 19 verletzte Journalisten und Medienarbeiter. Insgesamt habe es 112 Fälle von gewaltsamen Übergriffen gegeben, davon 45 Bedrohungen (regierungstreue Kräfte: 12; Taleban: 11, unbekannte Bewaffnete: 6; Polizei: 3), 11 physische Attacken, 6 Verhaftungen, 6 Entführungen und 4 bewaffnete Überfälle.

Afghanische Journalisten, die 2020 getötet wurden. Foto: Tolonews.

Die Liste der Todesopfer 2020:

  • Safar Muhammad Atal, Nachrichtensprecher von Samson Radio in Helmand; 2.1.2020 ermordet in Laschkargah aufgefunden
  • Ahmad Chan Nawid, Nachrichtensprecher von Ghor Radio in Firozkoh; von der Polizei am Rande von Protesten am 9. Mai 2020 erschossen
  • Schafiq Sabih, Kameramann bei Chorschid TV und Mir Wahid Shah Amiri, Reporter bei Khorshid TV in Kabul; beide bei Bombenanschlag auf Fahrzeug des Senders getötet, 30.5.2020

Seit dem 7.11.2020:

  • Elyas Da’i, Reporter für Radio Azadi in Helmand; bei Bombenanschlag (wahrscheinlich Magnetmine) getötet; sein Bruder Mudschtaba wurde verletzt
  • Malala Maiwand, Nachrichtensprecherin bei En’ekas TV in Nangrahar und Tahir Khan, ihr Fahrer, erschossen bei Angriff auf ihr Fahrzeug, 10.12.2020
  • Rahmatullah Nekzad, Reporter in Ghasni und Vorsitzender der dortigen Journalistenunion, von einem vorbeifahrenden Motorrad aus erschossen, 21.12.2020
  • ehemaliger ToloTV-Nachrichtensprecher Jama Siawasch mit zwei Begleitern durch Autobombe in Kabul getötet 7.11.2020
  • Fardin Amini, unter mysteriösen Umständen am 11.11.2020 in Kabul ums Leben gekommen; von Polizei erst als Selbstmord bezeichnet, dann Proteste der Familie
  • Als letzter und weltweit als erster Journalist wurde am 1. Januar 2021 Bismillah Adel Aimaq, Chef der lokalen Radiostation Seda-ye Ghor in Firuskuh, Hauptstadt der Provinz Ghor, erschossen.

Es liegen auch Informationen vor, dass einige der getöteten Journalisten vorher von beiden afghanischen Konfliktparteien bedroht worden waren.

Bereits am 25.10.2020 wurde in Kandahar eine namentlich nicht genannte Polizistin auf offener Straße erschossen. Am 6.12.2020 wurde in Kabul der Militärstaatsanwalt Pamir Faisan erschossen. Das war nur ein Fall von 8 solchen Anschlägen in Kabul allein binnen von 10 Tagen. Landesweit seien bis dahin in einem Monat 28 Militärangehörige gezielt ermordet worden. Am 22.12. starben vier im Zentralgefängnis Pul-e Tscharchi angestellte Ärzte (darunter eine Frau) und ein Passant bei der Explosion einer Magnetmine.

Die New York Times zählte Anfang November 2020 mindestens 24 Opfer in Kabul innerhalb einer Woche, darunter der Vater einer der wenigen Bürgermeisterinnen des Landes.            

Am 15.12.2020 wurden Kabuls Vizegouverneur Mahbubullah Mohebi und sein Sekretär durch eine Haftmine an seinem Auto getötet.

Am 23.12.2020 wurde in Kabul der Chef der Wahlbeobachterorganisation FEFA, Jusuf Raschid, von Unbekannten erschossen. Am 24.12.2020 wurde die Frauenrechtlerin Fereschta Kohistani in Kapisa erschossen, ebenfalls von einem vorbeifahrenden Motorrad aus.

Am 9. Januar folgte der Anschlag auf Muhammad Osman Schersai, Vorsitzender der Vereinigung der Zivilgesellschaft in der Provinz Baghlan, durch eine IED. Er sowie sechs Begleiter wurden verletzt, zwei wurden getötet. Am 10.1. wurden in Kabul Zia Wadan, der Sprecher der u.a. für den Schutz von Botschaften zuständigen Public Protection Force, sowie zwei seiner Begleiter bei einem Anschlag auf ihr Fahrzeug getötet und eine weitere Person verletzt.

Eine Beobachtungsstelle afghanischer Journalisten berichtete am gleichen Tag unter Berufung auf Regierungsquellen, im Distrikt Sosma Qala (Provinz Sarepul) hätten Taleban eine Frau ermordet, weil ihr Mann in der afghanischen Armee gedient habe.

Am 8.1. kam bei einem stundenlangen Taleban-Angriff auf das Distriktzentrum von Ghorian (Provinz Kabul) dessen Polizeichef Naqibullah Sultansai sowie drei weitere Sicherheitskräfte ums Leben. In derselben Provinz wurde am 30.11.2020 der Polizeichef des Distrikts Obe im dortigen Basar zusammen mit einem Leibwächter ermordet.

Unsicherheit auf den Straßen; schiitische Taleban

Im Distrikt Dschalrez (Provinz Maidan Wardak) schloss sich im November 2020 ein örtliche Gruppe schiitischer Kämpfer den Taleban an und entführte an einem Kontrollpunkt mehrere Zivilisten, die erst durch die Vermittlung von lokalen Ältesten wieder freigelassen wurden.