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Vor 20 Jahren, im März 2001, zerstörten die Taleban in der zentralafghanischen Kleinstadt Bamian die beiden weltgrößten Buddhastatuen. Daran beteiligt sollen auch ausländische Kämpfer bzw „pakistanische und arabische Ingenieure“ gewesen sein; Bamianer Einheimische – die sich als schiitische Hasaras auch unter dem Taleban-Regime struktureller Diskriminierung gegenübersahen – mussten in Zwangsarbeit den Sprengstoff deponieren, der bei der Sprengung verwendet wurde. (Viele Jahre später sprach die BBC mit einem von ihnen, hier.)

Ich dokumentiere hier meine Artikel, die zu dieser Zeit erschienen (unter Pseudonym) sowie einen, der gestern erschien – zu diesem traurigen Jahrestag. Die Artikel von 2000 und 2001 stehen hier z.T. nicht in den veröffentlichten Fassungen, sondern so wie ich sie auf dem Computer speicherte, weil einige nicht online vorliegen. (Deshalb auch die fehlenden Umlaute in manchen Artikeln, die ich auf einer englischen Tastatur in Kabul schrieb.)

Die gegen weiteres Einstürzen gesicherte Nische des kleineren Buddhas von Bamian. Foto: Jelena Bjelica

Zu Größe und Entstehungszeit der beiden großen Buddhastatuen (es gab noch ein dritte kleinere zwischen ihnen und eine weitere kleinere in einem benachbarten Tal – die ebenfalls zerstört wurden – gibt es verschiedene Angaben. Laut Prof Max Klimburg (siehe unten), Wiener Ethnologe und Afghanistan-Spezialist, waren sie 55 bzw 38 Meter hoch. Auch Nancy Hatch Dupree (in ihrem legendären Afghanistan-Reiseführer „An Historical Guide to Afghanistan“, Kabul 1970) und Llewelyn Morgan von der Universität Oxford (in seinem 2012 Buch, bei Profile Books, London, in der Reihe „Wonders of the World“) verwendet diese Angaben. Morgan schreibt auch, die beiden Statuen seien „vor 1400“ Jahren entstanden. Die Encyclopaedia Iranica enthält sich jeglicher Jahresangaben.

Am 14. März 2001 gaben die Taleban bekannt, dass die Statuen zerstört worden seien; am 19. März luden sie ein al-Jazeera-Kameratam ein, vor Ort den Abschluss der Zerstörung zu filmen (https://www.mei.edu/publications/death-buddhas-bamiyan).

Diese kulturelle Barbarei führte zu einem weltweiten Aufschrei und isolierte die Taleban weiter, die schon damals der al-Qaeda-Gruppe Osama ben Ladens Asyl gewährten, die dann von Afghanistan aus die Anschläge des 11. September 2001 organisierten – obwohl Taleban-Führer Mullah Muhammad Omar versucht hatte, sie nach ersten Anschlägen in Ostafrika und Jemen an die politische Kandare zu nehmen (etwas sie unter seine direktere Kontrolle nach Kandahar zu befehlen) und ihre Kommunikation einzuschränken. Nach den Anschlägen war das Schicksal der Taleban besiegelt.

Als Mitarbeiter des UN-Verbindungsbüros bei den Taleban in Kabul, war ich an – sich dann als erfolglos herausstellenden – Verhandlungen beteiligt, die Taleban von der Zerstörung der Buddhastatuen abzuhalten, wie ich es auch eingangs des unten stehenden ND-Artikels vom 13.3.2021 schildere. Am Tag bevor die Taleban die Zerstörung offiziell bekannt gaben, mit einem Nachrichtenclip, den al-Jazeera in Bamian drehen durfte, war ich in Urlaub geflogen. Am 19. März 2001 kurz vor 20 Uhr traf ich zu Hause ein, schaltete nichtsahnend den Fernseher mit der Tagesschau an – und das erste, was ich sah, war die Explosion, die einen der Buddhas zum Einsturz brachte.

Hier ein Link, das die Szene zeigt.

Auch hier (bei 0:41 min):


Als erstes eine Schilderung des „Tals der Buddhas“ von Prof Klimburg aus seinem Nachruf auf die Statuen, der am 7.2.2001 in der Süddeutschen Zeitung erschien („Und der Sonnengott flog davon“), weil er am schönsten und sachkundigsten ist:

Es war ein geradezu überwältigendes Panorama, gebadet in kristallklarem Licht und erfüllt von etwas ungemein friedlich, zeitlos, ätherisch Wirkenden, das sich den vielen Besuchern von Bamian anbot. Von einer natürlichen, etwa 40 m über der Talsohle liegende Terrasse, auf der das Bamian-Hotel und ein großes Zeltlager aus Jurten standen, blickte man nach Norden auf ein breites, W-O verlaufendes Hochtal (Höhe 2500 m). Es ist begrenzt von einer langgestreckten Felswand aus braunrotem Konglomeratgestein, überhöht dahinter durch die auftürmenden Berge einer hohen Gebirgskette. Und man sah, etwa 400 m voneinander entfernt in Nischen stehend, zwei riesige Darstellungen Buddhas, aus jener Felswand geschlagen und mit einer dicken Lehmschicht fertigmodelliert. Zwar gesichts- und armlos, weil längst mutwillig entstellt, aber grandios standen die beiden Buddhas da, der Buddha Dipankara, der Buddha des vorangegangen Weltenalters, zur Linken und der historische Buddha Shakyamuni zur Rechten. Mit ihrer Höhe von 55 m und 38 m übertrafen sie alle weltweit bekannten menschlichen Darstellungen, und sie erstaunten auch durch ihre Präsenz in einem dünn besiedelten Hochtal inmitten der zentralen, menschenleeren afghanischen Gebirgswelt.  (…)

Ursprünglich war es eine große Anlage. Als der berühmte chinesische Pilger Xuanzang (Hiuen-tsang), unterwegs zu den heiligen Stätten des Buddhismus in Indien, um das Jahr 632 durch Bamian kam, war er sehr beeindruckt. „Ihre goldene Oberfläche funkelt auf jeder Seite, und ihr wertvoller Schmuck blendet mit ihrem Glanz die Augen.“ So beschreibt er in seinem Reisebericht den „großen Buddha“. Man erfährt auch, daß zwischen den beiden Buddhas es ein großes Kloster mit einer riesigen Darstellung des liegenden, ins Nirvana eingehenden Buddha (Mahaparinirvana) existiert habe.  Xuanzangs Angaben sind die einzigen in schriftlicher Form erhaltenen, die sich aus jener Zeit auf Bamian beziehen, und weitere Quellen sind so spärlich, daß man über die politische Situation jener Zeit kaum etwas weiß. 

Es handelt sich hier vor allem um das 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. Es war die Zeit der größten Blüte des Handelsverkehrs und der Kultur entlang der „Seidenstraße“, die bekanntlich in erster Linie den Mittelmeerraum mit China, in zweiter Linie auch jene beiden Kulturbereiche mit Indien verband. Über Bamian ging der wichtigste Verbindungweg zwischen Indien und den Handelszentren in Zentralasien (vor allem Samarkand). Es muß große Einnahmen aus Maut und frommen Spenden gegeben haben, um den Bau eines derartigen Klosters zu ermöglichen. Auftraggeber waren lokale Herrscher, die auf einem Hügel inmitten des Tales residierten. Man weiß freilich nur ganz allgemein von einem damals existierenden Königreich Bamian.  

Bamian drückte wie kaum ein anderer Ort den Triumph des Buddhismus aus, nachdem er sich in den ersten Jahrhunderten n.Chr. auch im Nordwesten des indischen Subkontinents, im heutigen Nordpakistan und Ostafghanistan, machtvoll etabliert hatte. Von dort aus fand dann die so erfolgreiche Missionierung Zentralasiens und Chinas statt. Mit den Erfolgen wuchs überall die Größe der Darstellungen ins Riesenhafte, wie etwa in den Klosteranlagen von Yungang und Longmen in China, bis man alles mit den beiden Figuren in Bamian, im äußersten Westen des damaligen buddhistschen Bereichs, noch übertraf. Wollte man etwa mit diesen gigantischen Darstellungen Buddhas als Weltenherrscher, Tschakravartin, nur den Völkern im eigenen Königsreich imponieren, oder auch den Völkern im Westen, vor allem im Iran, wo es einen ausgeprägten Herrscherkult gab? 

Wahrscheinlich war es ein mit buddhistischen Initiationsriten und iranischen Investiturvorstellungen verbundener Herrscherkult, der zur Schaffung vor allem des „kleinen Buddha“ führte. Die schwer verständlichen Wandgemälde über dem Kopf des „kleinen Buddha“ können als einschlägige Hinweise dienen. Im Zenit der Nische flog ein Gott (Sonnengott?) auf einem goldenen Triumphwagen, gezogen von vier geflügelten Pferden, durch die Lüfte. Im Unterschied dazu zeigten die Wandgemälde in der Nische des Buddha Dipankara ein ganz buddhistisches, von Paradiesszenen beherrschtes Bild.  


Der größere Buddha von Bamian, vor und nach der Zerstörung (1963, 2008). Fotos: UNESCO/A Lezine; Carl Montgomery (Creative Commons)
Ehemalige Wohnhöhlen der buddhistischen Mönche in Bamian. Foto: Thomas Ruttig

Als erstes mein Artikel, der am 26.6.2000 im Neuen Deutschland erschien, nachdem ich in jenem Jahr Bamian zum ersten Mal besucht hatte. Er geht auf die Vorgeschichte der Zerstörung der Buddhas von Bamian ein. Warnzeichen für die Sprengung der Statuen knapp ein Jahr später gab es, aber trotzdem erschien ein solcher Schritt noch Mitte 2000 undenkbar.

Damoklesschwerter ueber einem Weltwunder

Von Jan Heller, Bamian

Es gibt sicherlich mehr als die sieben antiken Weltwunder. Aber selbst bei sehr enger Auswahl wäre das afghanische “Tal der Buddhas” eines davon. Seit die Taleban auch dort die Macht übernahmen, schwebt aber das Damoklesschwert der endgültigen Zerstörung über diesem Denkmal der Weltkultur.

Selbst in [ihrer erheblichen Beschädigung] sind sie noch atemberaubend. Weder Dynamit, Feuer noch Schüsse konnten den beiden kolossalen Buddhas im zentralafghanischen Bamian-Tal – den größten aufrechten Statuen, die je erschaffen wurden – völlig ihre Größe nehmen. Besonders aus der Entfernung wirken die Halbreliefs, die wahrscheinlich im 3. und 4. Jahrhundert (nach einigen Quellen 300 Jahre später) aus einer vielleicht kilometerlangen sandsteinartigen Felswand gehauen wurden, überaus majestätisch.

[Die Stadt Bamian, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist ziemlich klein. Im Bazar gibt es ein paar „Restaurants“ (also Teestuben), Läden und Reparaturwerkstätten – letztere sind auch notwendig bei den Straßenverhältnissen – und vor allem zwei Taleban-Posten, einen am Ortsein- und den anderen am Ortsausgang. Aber wenn am Jeep UN steht, fragen sie nicht und machen ihre „Schranke“ auf, ein Seil mit ein paar bunten Lappen, damit man sie überhaupt sieht. Die eigentliche Taleban-Garnison aus Kandaharis, also Paschtunen as dem Süden, ist auf einem Felsplateau über der Stadt nahe der kleinen Flugpiste stationiert. Sie hat die Oberaufsicht über Kämpfer einer Hazara-Fraktion, die zu den Taleban übergelaufen ist. Noch 1974 soll Bamian ganze 1000 Einwohner gezählt haben, jetzt sind es mit „Vororten“ – also umliegenden Dörfern – etwa 120.000. Viele Einwohner aber sind auch geflohen, nachdem die Stadt mehrmals die Besitzer gewechselt haben. Nach einer kurzer Rückeroberung durch eine (andere) Hazara-Fraktion kamen die Taleban zurück und brannten den alten Bazar gleich unterhalb der Buddha-Statuen nieder. Nur verfallene Lehmmauern sind davon noch übrig.]

Doch aus der Nähe wird der unermessliche Schaden sichtbar, denen der schon fast 21 Jahre dauernde Afghanistan-Krieg ihnen zugefügt hat. Besonders der so genannte kleine Buddha, 36 Meter hoch und der ältere von beiden, ist in Folge einer besonders irrsinnigen Auslegung der repressiven Taleban-“Frauenpolitik” arg ramponiert. Da er, ohne dass es dafür einen historischen Beleg gibt, als “weiblich” gilt, haben ihn sich die meist sehr ungebildeten Koranschüler dieser Bewegung als Zielscheibe ausgesucht. Hals und Rumpf sind wie durchlöchert, große Teile der Stuckverkleidung, die das in griechische Falten gelegte Gewand bedeckten, herab gefallen. Kurz nach der Eroberung Bamians durch die Taleban 1997 hatte ein wild gewordener Panzerkommandant mit seinem Geschütz ein Loch in den Bauch der Statue geschossen. Später sprengten andere Taleban mit Dynamit den Kopf der Gestalt weg, deren einst goldverziertes Gesicht im Mittelalter schon eifernde moslemische Eroberern abgeschliffen hatten.

Auch dem 53 Meter hohen, jüngeren, so genannten großen Buddha wurde ähnlich übel mitgespielt. Seit Taleban aus den Höhlen über der Figur an Seilen benzingetränkte Autoreifen herabließen und anzündeten, weist sein abgeschliffenes Gesicht zwei riesige schwarze Flecken auf. Aus der Ferne sieht es auch, als ob der Buddha aus seiner Felsnische aus zwei riesigen Augenhöhlen düster in die Landschaft starrt.

Die etwa 400 Meter von einander entfernten Buddhas ordnen sich in ein größeres Gesamtkunstwerk ein. In drei kleineren Nischen fanden sich einst kleinere, sitzende Buddhas. Nur einer ist noch übrig, die beiden anderen sind wohl schon früher zerstört worden. Die oben flache Felswand ist zudem wie eine Bienenwabe von Dutzenden, wenn nicht hunderten Höhlen durchlöchert, in denen in buddhistischer Zeit die Mönche hausten. Bamian war zu diesem Zeitpunkt ein wichtiger Handelsknoten an den Straßen von Indien nach Zentralasien. Dass Afghanistan an der damaligen Nahtstelle zwischen aus dem Westen expandierenden Griechentum und etablierten buddhistischen Reichen im Osten, in Indien, die einmalige Synthese der graeco-baktrischen Kunst hervor gebracht hat, kann man angesichts der heutigen Intoleranz kaum noch glauben.

Während man trotz des Vandalismus der Taleban die Großartigkeit der Buddhas noch sehen kann, sind die wunderbaren Wandmalereien, die viele der Mönchszellen und die Innenwände der Nischen geschmückt haben, unwiederbringlich zerstört – wieder in einem „islamischen“ Bildersturm gegen menschliche Darstellungen. Systematisch und wie in akribischer Kleinarbeit wurden die Bilder der Buddhas und Boddhisatvas, Reinkarnationen Buddhas, die zu Hunderten oder Tausenden die Gewölbe schmückten, ab- bzw zumindest ihre Gesichter ausgekratzt. Nur noch Farbreste ihrer „Rahmen“ lassen erahnen, wie prächtig es hier einst ausgesehen hat. Und selbst die sind von den Kämpfern mit den auch andern Orts üblichen Kritzeleien beschmiert, einige davon auch in kyrillischen Buchstaben, Hinterlassenschaft der sowjetischen Besatzung des Landes.

Doch Touristen, wie bis zu Anfang der 70er Jahre, kommen hier heute nicht mehr hin. Und die örtliche Bevölkerung hat im Alltag wenig Sinn für die Schönheiten der sie umgebende Kulturlandschaft, für die malerischen Ruinen der im 12. Jahrhundert von Dschingis Khan zerstörten Festungen Qala-ye Sohak (Drachenfort) und Schahr-e Ghulghula [Stadt des Wisperns; eine Anspielung auf die Geister der dort Getöteten], die abwechselnd roten, gelben und schwarzen Felswände der breiten Canyons und die schmalen Schluchten mit ihren wild strudelnden Flüssen. Sie müssen angesichts der derzeitigen Dürre, die ganz Afghanistan bedrückt, schlicht um ihr Überleben kämpfen.

Außer unmittelbar an den Flussufern, an denen Bewässerungssysteme für saftiges, in der Höhe von etwa 3000 Metern alpin wirkendes Grün sorgen, sieht es auf den Äckern dürftig aus. Der Weizen ist kaum aufgegangen und oft nicht höher als zehn Zentimeter. Ähren konnte er so nicht ausbilden. Da vor November nicht mit Niederschlag zu rechnen ist, droht nun erneut eine Hungersnot. (Bis 1997 hatte eine Taleban-Blockade des damals noch von ihren Gegnern beherrschten Gebietes für ständige Nahrungsmittel-Knappheit gesorgt.) Dabei waren die Hazara, die Mehrheit im Bamian-Tal, als Schiiten und mit ihren mongolischen Gesichtszügen im Land insgesamt aber eine doppelte Minderheit, ohnehin schon immer unterdrückt und die ärmste Bevölkerungsgruppe in einem armen Land.

Die Hazara können das oft nur noch kompensieren, indem sie ihr Vieh verkaufen. Immer wieder begegnen einem auf dem Weg ihre Ziegen- und Schafherden, die sie auf den nächsten Viehmarkt treiben, um sie zu verkaufen, bevor sie am Futtermangel eingehen. Viele Hazara-Männer sind gezwungen zu migrieren, um in den afghanischen Städten oder vor allem in Iran Arbeit zu suchen. Das ist im Hazarajat traditionell so, aber in Dürrejahren nimmt das noch zu. In Kabul oder Kandahar ist der Arbeitsmarkt allerdings extrem eng und wird schon von den Einheimischen hart und bei sinkenden Löhnen umkämpft. In Iran machen die Afghanen die schwerste und am schlechtesten bezahlte Arbeit – und wenn man sie nicht mehr braucht, werden sie über die Grenze abgeschoben. So etwas gibt es nicht nur in Europa…

Nach internationalen Protesten sah sich Taleban-Chef Mulla Omar vor einiger Zeit gezwungen zuzusichern, die Buddhas, oder was davon noch übrig ist, zu schützen und Wachen davor aufzustellen. Tatsächlich sitzen vier örtliche Taleban mit Gewehren vor dem großen (“männlichen”) Buddha auf einer mit schäbigen Teppichen ausgelegten Sitzplattform. Überraschend beginnt ein älterer Paschtune aus Bamian voller Stolz von seiner Geschichte zu erzählen, um schließlich zu erklären, dass es eine „gute Sache“ sei, ihn zu bewachen. Schließlich taucht sogar ein früherer Fremdenführer des afghanischen Tourismusbüros auf, der fachkundig seine vor Jahrzehnten einstudierte englische Erläuterung vorträgt. Auf die Frage, wer denn das Gesicht des Buddhas geschwärzt habe, verplappert sich der Chef der Wachmannschaft: “das Islamische Emirat”, die Selbstbezeichnung der Taleban-Staatlichkeit. Auch vorher schon, unter den Mudschahedin, die in den 80er Jahren gegen die sowjetischen Invasionstruppen kämpften, sei schon einiges zerstört worden, ergänzt der Fremdenführer.

Aber trotz ihres zur Schau getragenen Ernstes und des ehrlichen Stolzes des einheimischen Talebs auf die Riesengestalt hinter ihm wirkten die vier Bewacher doch eher wie Operettensoldaten. Wenn es einem besonders eifrigen Kämpfer einfallen sollte, den Statuen den Rest zu geben, werden auch sie das nicht verhindern können.

Reste von Bemalungen in den Wohnhöhlen, mit zerkratzten Gesichtern. Fotos: Thomas Ruttig

Auch der folgende Artikel, der Anfang 2001 in der Zeitschrift Südasien erschien (nicht online), gehört zur Vorgeschichte:

Diplomaten-Voodoo gegen die Taleban

Am Donnerstag treten verschaerfte Sanktionen gegen die in Afghanistan herrschenden Ultraislamisten in Kraft. Doch sie zielen eher auf Symptome denn Ursachen des ueber 20-jaehrigen Konflikts / Jan Heller, Kabul

Winter in Afghanistan ist keine erfreuliche Jahreszeit. Zwar tanzten im Dezember die Bewohner Kabuls auf den Strassen, als seit drei Jahren erstmals wieder reichlich Schnee fiel – der in Fruehjahr und Sommer die Fluesse und Bewaesserungssysteme in dem seit drei Jahren von einer extremen Duerre geplagten Land fuellt. Aber wenn nicht bald mehr schneit, droht laut UN-Welternaehrungsprogramm einer Million Afghanen der Hungertod. Der Schnee auf den Bergen, die das fast 2000 Meter hoch gelegene Kabul malerisch einschliessen, ist vorerst also nur eine Hoffnung auf bessere Zeiten.

Afghanistans winterlicher Alltag wird weiterhin vor allem von Problemen regiert. Noch gegen acht Uhr frueh, die Morgensonne waermt noch immer nicht richtig, kauern an einer Kabuler Strassenecke ein paar Dutzend Maenner, gegen die Kaelte so tief in Decken gehuellt, dass nur noch die Nasenspitzen hervor lugen, und warten auf ein Wunder. Die wenigen Arbeitgeber haben schon zwischen 5 und 6 Uhr ihre Tageloehner geheuert. Und waehrend der steigende Konkurrenzdruck durch Zuwanderer aus den Duerregebietten dafuer sorgt, dass auch die Loehne der wenigen Gluecklichen, die einen Job ergattern, sinken, steigen gleichzeitig die Preise fuer Brennstoffe und Grundnahrungsmittel. 

In diesem Winter kommen erschwerend die verschaerften UN-Sanktionen hinzu, die der Sicherheitsrat am 19. Dezember beschloss und die am Donnerstag nach 30-Tages-Frist in Kraft treten. Die regierenden Taleban machen sie fuer die Verschlechterung der Lebenslage verantwortlich. Selbst humanitaere UN-Agenturen widersprechen Moskaus und Washingtons Ansicht, dass es sich um “smarte Sanktionen” handele, die der Bevoelkerung nicht schadeten. Einer Studie des humanitaeren UN-Koordinationsbueros fuer Afghanistan (UNOCHA) zu Folge wirkten sich schon die weitaus schwaecheren Sanktionen vom November 1999 “indirekt” auf die Lebenslage der Bevoelkerung auf, vor allem indem sie ihr “Gefuehl der Isolation” und damit die Hoffnungslosigkeit verstaerkten. 

Vor 14 Monaten waren die Auslandsguthaben der Taleban eingefroren und alle Auslandsfluege der afghanischen Fluggesellschaft Ariana gestoppt worden. Ab Donnerstag duerfen auch auslaendische Fluglinien Afghanistan nur noch aus humanitaeren Gruenden und fuer Pilger ansteuern und muessen dies vorher beim UN-Sanktionskomitee beantragen. Taleban-Minister und deren Stellvertreter duerfen nur noch aus ebendiesen Gruenden sowie zu Friedensgespraechen ihr Land verlassen. Die Taleban-Bueros im Ausland – darunter eines in Frankfurt (Main) – werden geschlossen, ihre drei Botschaften in Islamabad, Riad und Abu Dhabi personell und im Rang reduziert, die Konten des von den Taleban beherbergten Islamisten-Chefs Usama bin Laden sowie seiner Organisation Al-Qaida (“die Basis”) eingefroren, und schliesslich sollen die Taleban auch deren Ausbildungslager in Afghanistan schliessen (siehe Kasten). Kernstueck der neuen Sanktionen ist jedoch ein einseitiges Waffenembargo gegen die Taleban, das ihre Opponenten von der Vereinigten Front (UF) unter Militaerchef Ahmad Shah Massud ausnimmt. Schliesslich darf auch Essigsaeure-Anhydrid nicht mehr nach Afghanistan exportiert werden, eine fuer die Heroinraffinierung aus Opium unabdingbare Chemikalie. Afghanistan ist der weltgroesste Produzent von Rohopium – allerdings mit deutlich sinkender Tendenz, wie der Chef des UN-Drogenbekaempfungsprogramms Pino Arlacchi noch vor dem Sanktionsbeschluss bekannt gab.

Genau deshalb verstehen die Taleban die Welt nicht mehr. Sie fuehren den von Arlacchi bestaetigten Trend zu Recht auf ein Dekret ihres Grossen Steuermannes Mulla Muhammad Omar zurueck, der landesweit den Anbau von Opiummohn untersagte (siehe Kasten). Besonders verbittert sind sie darueber, dass Arlacchis Report sich nicht im Text der Sicherheitsrats-Resolution vom 19. Dezember widerspiegelt, sondern ein angeblicher weiterer Produktionsanstieg als einer der Gruende fuer die neuen Strafmassnahmen angefuehrt wird.

Beobachter in der Region sind der Auffassung, dass die neuen Sanktionen durchaus einen der Hauptgruende fuer den anhaltenden Krieg in Afghanistan beseitigen koennten: Pakistans umfangreiche militaerische Unterstuetzung fuer die Taleban. Ohne die Waffen, Munition und Berater aus dem Nachbarland waeren sie ihren Gegnern nicht mehr so deutlich ueberlegen und koennten gezwungen werden, so die Kalkulation, sich wieder auf die Option Verhandlungstisch zu besinnen. Aber bisher sind Moskau und Washington den Beweis dafuer schuldig geblieben, dass sie genuegend Geld fuer die kostspielige Ueberwachung der Sanktionen geben wollen. Ein Expertenkomitee, das Vorschlaege fuer das Monitoring ausarbeiten soll, ist noch nicht einmal benannt.

Paula Newberg, die lange fuer eine humanitaere UN-Agentur in Afghanistan arbeitete, kommentierte juengst in der “Los Angeles Times”, dass die USA und Russland Afghanistan in eine “diplomatische Voodoo-Puppe” verwandelt haetten, “in die periodisch Nadeln gestochen werden, anstatt sich der schwierigen Arbeit zu widmen, dauerhaft Frieden herbei zu fuehren”. Diese “Nadeln” sollen in der US-Variante Usama bin Laden treffen, die russischen die tschetschenischen und usbekischen Terroristen, die von Camps in Afghanistan aus agieren (siehe Kasten). UN-Generalsekretaer Kofi Annan sieht das nicht grundsaetzlich anders und erklaerte, die Sanktionen befoerderten weder die UN-Friedensbemuehungen noch ihre humanitaeren Anstrengungen. Im Gegenteil: Die Taleban, und das war voraus zu sehen, nahmen die Sanktionen zum Vorwand, bereits den gerade am Anfang stehenden und von der UNO vermittelten Dialog mit Massuds UF zu boykottieren. Zudem geraet angesichts des Reizthemas islamischer Terrorismus ie tatsaechliche schwarze Seite des Taleban-Regimes mehr und mehr aus dem Blickfeld: die fast voellige Ausschliessung der Frauen aus dem gesamten sozialen Leben, einschliesslich des Bildungssystems und des Arbeitsmarktes. Durch das einseitige Waffenembargo fuehlt sich auch Massud zu neuen militaerischen Taten ermuntert. Afghanistan steht 2001 ein weiteres Kriegsjahr ins Haus.

Kasten 1: Drogen

Vier Jahre benoetigten die ansonsten koran-festen Taleban, bis sie feststellten, dass der Anbau von Opiummohn der “heiligen Religion des Islam” widerspricht. Kurz vor der letzten Herbstaussaat dekretierte ihr Fuehrer Mulla Muhammad Omar dann ein landesweites Verbot und drohte schwere Strafen an. Fuer die Durchsetzung haftbar gemacht wurden die Hakims, die Dorfaeltesten, die von oertlichen Taleban-Kommandos ueberwacht werden. Widerstand, etwa bei den maechtigen Shinwar-Paschtunen am Khyber-Pass, wurde mit einer Mischung aus Drohungen und Versprechungen unterbunden.

Trotzdem gingen die Taleban mit dem Dekret ein grosses Risiko ein. Viele ihrer Unterkommandanten sind in die Geschaefte mit dem “Schwarzen”, wie die Paschtunen das Rohopium wegen seiner Farbe nennen, verwickelt. Ihre wirtschaftliche – und damit militaerische – Ueberlebensbasis wird damit in Frage gestellt. Schon soll eine Delegation einflussreicher Stammesfuehrer aus der Provinz Helmand, eine der Taleban-Hochburgen, Mulla Omar mit ihrem Abfall von der Bewegung gedroht haben.

Zudem fehlt es an Anreizen fuer die Bauern, auf alternative Kulturen umzusteigen. Das wollen die Taleban der UNO ueberlassen, aber die musste aus Geldmangel gerade Substitutionsprojekte ihres Anti-Drogen-Programms in Afghanistan einstellen.

Kasten 2: Terroristen

Als weltweit wichtigsten “Sumpf”, in dem sich Terroristen verbergen und der deshalb trocken gelegt werden muss, hate  Nach Ende des Kalten Krieges haben die USA einen neuen der scheidende Anti-Terrorismus-Koordinator des Washingtoner State Departments, Michael Sheehan, Afghanistan bezeichnet. Russische Politiker haben sich derweil eine neue Dominotheorie mit dem Ausgangspunkt Afghanistan zurecht gelegt: erst faellt Mittelasien, dann der Kaukasus und islamische Gebiete Kernrusslands (wie Tatarstan), schliesslich der Balkan.

Unbestritten beherbergen die Taleban Pakistani und Tschetschenen, Usbeken und Uighuren, Bangladeschi und Filipinos sowie Araber verschiedener Herkunft, die sich an den afghanischen Fronten Kampferfahrung fuer ihre Heimatlaender holen. Unklar ist jedoch ihre wirkliche Zahl, meist wird von mehreren Tausend gesprochen. Aber die Angaben stammen von Geheimdiensten, die sie in der Regel aus “nationalem Interesse” manipulieren. Intern etwa geben russische Offizielle zu, dass hoechsten zwei Dutzend Tschetschenen in Afghanistan seien, und sie eher den Taleban etwas beibringen koennten als umgekehrt. Auch der usbekische Islamistenfuehrer Dschuma Boi Namangani, angeblich in Afghanistan, haelt sich laut “Daily Telegraph” in Tadschikistan auf. Wie er ueber die durch russische Soldaten bewachte Grenze schluepfen konnte, falls er nicht die ganze Zeit auf der anderen Seite war, wird wohl deren Geheimnis bleiben. 

Unter Experten umstritten ist auch, wie weit die Taleban an einem Revolutionsexport interessiert sind oder ob ihre “Agenda” sich auf das eigene Land beschraenkt.


Zwei der wichtigsten Kunstwerke des Kabuler Nationalmuseums, die den Bildersturm der Taleban überlebten: die Inschrift von Surch Kotal und die (kopflose) Statue des Kuschan-Herrschers Kanischka. Fotos: Thomas Ruttig

Die Zerstörungen nichtislamischer Kunstschätze durch sie Taleban begann schon vor der Sprengung des Buddhas in Bamian (bzw. bevor sie bekannt gegeben wurde) im Nationalmuseum von Kabul. Der folgende Artikel schildert diese Ereignisse, die ich noch in Kabul mit verfolgen musste. Z.B. die Zerstörung vieler Kunstschätze des Kabuler Museums.

Taleban als Bilderstürmer

Internationale Proteste gegen Zerstörung des nicht-islamischen Kulturerbes

Neues Deutschland, 02.03.2001

Von Jan Heller, Kabul

Die Afghanistan beherrschenden radikalislamischen Taleban haben gestern begonnen, das Dekret ihres Chefs Muhammad Omar zur Zerstörung nicht-islamischer Kulturgüter umzusetzen. UNO-Generalsekretär Annan, die UNESCO und mehrere Nachbarstaaten protestierten gegen die Barbarei.

Im Foyer des fast völlig zerstörten National-Museums von Kabul sah ich vier Statuen von Buddhas und Boddhisattvas. Das ist der kleine Rest wertvoller Ausstellungsstücke, die im 22-jährigen Krieg in Afghanistan entweder zerstört oder von der einen oder anderen Seite geplündert und ins Ausland verschoben wurden. Besonders wertvoll ist der Boddhisattva – eine Reinkarnation Buddhas – aus Lehm, in Meditationspose mit freiem Oberkörper. An ihm sind noch Rest der einstigen farbigen Bemalung zu sehen.

Überraschend hatten die Taleban das Museum im vergangenen August geöffnet – es aber nach wenigen Tagen wieder geschlossen. Aus Geldmangel, wie es hiess. Doch in jenen Tagen fand in Kabul ein Seminar mit den Provinzverantwortlichen des Ministeriums für Information und Kultur statt, in dessen Zuständigkeitsbereich das Museum fällt. Diese Funktionäre sind in der Mehrzahl Mullahs und alles andere als Kunstspezialisten. Ihnen sollte unter anderem vermittelt werden, dass auch nicht-islamische Kunstgegenstände geschützt werden und illegale Grabungen und Schmuggel ins Ausland unterbunden werden müssten. Bestandteil dieses Programms war ein Besuch im Kabuler Museum. Dabei zeigten sich einige der Provinz-Mullahs so entsetzt über die »unislamische« bildliche Darstellung in Form des Buddhas und Boddhisattvas, dass sie anfingen, eines der Bildnisse sprichwörtlich zu ohrfeigen. Ein mutiger Museumsmitarbeiter sprang dazwischen, stoppte die Prügelorgie und erklärte den verdutzten Mullahs, dass das Standbild sehr zer brechlich sei und außerdem aus vorislamischer Zeit, aus dem 4. Jahrhundert stamme, also aus der Zeit vor dem Islam, als die Menschen noch im Zustand der Jahilia (»Unwissenheit«) lebten und nicht ahnen konnten, dass Bilder anzufertigen und anzubeten unislamisch ist.

Nun aber haben die Provinzmullahs den Kampf um die Museumsstücke für sich entschieden: »Nur Allah, der Allmächtige, verdient es angebetet werden, niemand und nichts anderes.« Deshalb hat Mullah Muhammad Omar, Oberhaupt der Gläubigen und Anführer der afghanischen Taleban, Anfang der Woche in seinem Hauptquartier in Kandahar angeordnet, dass »alle Statuen und nicht-islamischen Schreine, die sich in den verschiedenen Gebieten des Islamischen Emirats Afghanistan befinden, zerstört werden müssen«. Denn sie würden von den Anhängern anderer Religionen angebetet, und das müsse auch für »die Zukunft« verhindert werden. Die Entscheidung sei nach »Konsultationen zwischen den religiösen Führern« des Emirats, »religiösen Einschätzungen« der Islam-Gelehrten und auf der Grundlage der Urteile des Obersten Gerichts des Landes gefallen. Veröffentlicht wurde sie über den Taleban-Sender »Stimme der Scharia«.

Ein Sprecher des Kabuler Außenamts hat den Fakt inzwischen offiziell bestätigt.

Im benachbarten Pakistan, in Indien und in Sri Lanka löste dieser staatlich angeordnete Akt des Vandalismus schieres Entsetzen und hektische Aktivität aus. Die diplomatische Gemeinde versucht, gegen die Zerstörung zu intervenieren. Die Botschafter der buddhistischen und der EU- Länder tagten in Islamabad. UNO-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich »alarmiert«. Zmar[yalai] Tarzi, in den 70er Jahren oberster Archäologe Afghanistans, verlangte in Paris: »Wir müssen dringend die öffentliche Weltmeinung gegen diesen inakzeptablen Beschluss alarmieren.« Die UNESCO rief die Taleban auf, Afghanistans Erbe für künftige Generationen zu bewahren. Ein westlicher Diplomat, der noch am Montag in Kabul war und dem dort entsprechende Gerüchte zu Ohren gekommen waren, bezeichnete das Edikt als »unglaublich und empörend« – besonders da ihm Taleban-Offizielle während seines Besuchs versichert hatten, dies entbehre jeder Grundlage.

Gefährdet sind jetzt besonders die mit [35] und [53] Metern beiden größten stehenden Buddha-Statuen der Welt im zentralafghanischen Bamiyan, das die Taleban gerade von ihren Gegnern zurück eroberten. Nachrichten dringen seither von dort nicht mehr nach außen. Inoffiziell wurde hingegen bekannt, dass vor wenigen Tagen bereits 60 bis 70 buddhistische und hinduistische Statuen im Nationalmuseum von Kabul zerstört worden seien. Darunter sei eine berühmte Statue des Kuschan-Königs Kanischka. Auch das bestritten die Taleban gegenüber Diplomaten, verweigerten ihnen jedoch den Zutritt zu dem geschlossenen Museum.

Offensichtlich haben sich die Hardliner in den Reihen der Taleban gegen die wenigen zaghaften so genannten Moderaten in einem schon länger währenden Kultur kämpf durchgesetzt. Eröffnet wurde er bereits 1998, als in Bamiyan ein Taleban- Kommandant mit Mörsergranaten auf einen der beiden Riesen-Buddhas feuerte. Doch die Taleban stellten das als Einzeltat eines Verrückten hin. Mullah Omar erließ damals noch ein Edikt, dass auch das vorislamische Kulturerbe Afghanistans geschützt werden müsse. Vor den Buddhas zogen Wachen auf. Doch das hinderte örtliche Taleban nicht daran, Teile des Kopfes einer der Statuen wegzusprengenund im Sommer 2000-das bereits im Mittelalter von radikalen Muslimen abgeschliffene Gesicht der größeren Statue mit brennenden Reifen zu schwär zen. Seither sieht der »männliche« Buddha, wie die Einheimischen ihn nennen, aus seinen scheinbaren schwarzen Augenhöhlen wie anklagend in das Bamiyan-Tal, das unter einem liberaleren Regime ein kultureller Anziehungspunkt von Weltgeltung wäre.

Im Kabuler Museum hat das Publikum bei der kurzzeitigen Wiedereröffnung im August vorigen Jahres die Statuen Buddhas wohl zum letzten Mal gesehen. Auch die kostbare und so zerbrechliche Figur des Boddhisattva.

(Davon gibt es auch eine leicht aktualisierte Neufassung am 3.3.2001 in der taz.)


Hier ein Bericht, den ich vor der Sprengung der Buddhas für das ND in Berlin schrieb. Daran drückt sich die – aus heutiger Sicht vielleicht illusorische – Hoffnung aus, die Taleban mochten doch noch Vernunft annehmen.

Buddha-Zerstörung nur Bluff?

Taleban-Kulturminister- Ich weiß nicht, wie viel schon zerstört ist

Von Jan Heller, Kabul

Das Schicksal der einzigartigen Buddhas von Bamian scheint, trotz aller gegenteiligen Äußerungen der afghanischen Taleban, noch nicht besiegelt zu sein. Während besonders Taleban-Kulturminister Mulla Qudratullah Jamal sich mit einer Schreckensmeldung nach der anderen hervortut, gibt es noch keine unabhängige Bestätigung dafür, dass die Zerstörung der beiden Kollossalfiguren tatsächlich in größerem Umfang begonnen hat. Die Agentur Reuters, die über einen gewöhnlich gut unterrichteten einheimischen Korrespondenten in Kabul verfügt, meldete am Sonntag unter Berufung auf eine nicht näher spezifizierte Taleban-Quelle: »Wir haben noch nicht damit begonnen, sie (die Buddhas) zu zerstören, aber wir haben das vorbereitet und es kann jeder zeit stattfinden.« Dies kann man auch als Warnung lesen, noch einmal das gesamte Protestpotenzial zu aktivieren.

Noch unbestätigte Berichte aus Bamian selbst lassen ebenfalls Hoffnung aufkommen. Auch von dort heißt es, bisher habe das Zerstörungswerk noch nicht begonnen. Dagegen stehen zahlreiche detaillierte Äußerungen Jamals vom Sonntag. Er machte noch einmal klar, dass die ultraislamistische Bewegung die Fatwa der Taleban-Islamgelehrten in deren Zentrum Kandahar nicht zurückzunehmen gedenkt. »Die Taleban werden keinerlei Appell akzeptieren, ihre Entscheidung zu revidieren«, sagte er in Kabul.

Köpfe und Füße der beiden Statuen seien bereits zerstört. »Unsere Soldaten arbeiten hart daran, die verbliebenen Teile (der Buddhas) zu zerstören«, fügte Jamal hinzu. Gleichzeitig gab er zu, dass er nicht genau wisse, »wie viel davon bereits getan« sei. Nach anderen Berichten seien bereits Panzer und Granatwerfer gegen die Buddhastatuen im Einsatz gewesen. Sprengstoff in der Nähe der Statuen werde gesammelt.

Am Montag herrschte auf Taleban-Seiten völlige Funkstille. Bereits 1998 waren Panzergeschosse und Granaten auf die aus dem Fels gemeißelten Steinkolosse abgefeuert worden, haben aber weniger Schaden angerichtet, als die Taleban damals beabsichtigten. Gefährlicher ist dagegen Sprengstoff. Bereits zum gleichen Zeitpunkt hätten die Taleban Löcher in den Kopf des großen, etwa 50 Meter messenden Buddhas gebohrt, die jetzt ver wendet werden könnten.

An anderen Orten in Afghanistan könnte das Zerstörungswerk allerdings schon weiter vorangeschritten sein. Jamal zu Folge sind seit Donnerstag in Herat, Ghazni, Kabul und Nangarhar Dutzende »Idole« aus Holz und Lehm zerschlagen worden. »Sie waren leicht zu zerbrechen und es dauerte nicht lange«, so Jamal.

Laut der von ausländischen Botschaftern in Pakistan gegründeten und von der UNESCO finanzierten »Gesellschaft für die Bewahrung des Kulturerbes Afghanistans« (SPACH) beherbergt allein das Nationalmuseum Kabul 6000 buddhistische Relikte. Der Verweis auf Holzstatuen deutet darauf hin, dass auch Schnitzereien der bis Ende des 19 Jahrhundert nichtislamischen Minderheiten im Nordosten des Landes dem Vandalismus der Taleban zum Opfer gefallen sein könnten. Seit Sonntag versucht ein Sonderbotschafter der UNO-Kulturorganisation UNESCO in Kandahar direkt bei Taleban- Chef Mulla Muhammad Omar zu intervenieren. Pierre Lafrance, ein früherer französischer Botschafter in Pakistan, wollte eine Botschaft von UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura überbringen, die Demolierung zu stoppen. Unterdessen lehnte Taleban-Außenminister Mulla Wakil Ahmad Muttawakil ein Angebot Irans ab, die beiden Buddhas zu kaufen und abzutransportieren. Auch Thailand hatte offeriert, die beiden Statuen zu kaufen und damit zu erhalten. Indiens Regierung bot wie Griechenland an, alle bedrohten Kulturgüter zu übernehmen, sie »sicher aufzubewahren und für die ganze Menschheit zu bewahren«. 

Der UNO-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Francesco Vendrell, hatte sich noch am Freitag gegenüber dem Taleban-Botschafter in Pakistan für ein ähnliches Angebot des New Yorker Metropolitan Museum of Art eingesetzt, die Statuen zu kaufen, bevor sie zerschlagen werden. Vendrells Vorgesetzter, UNO- Generalsekretär Kofi Annan, hatte dieses Angebot in einem persönlichen Brief an Pakistans Militärmachthaber General Pervez Musharraf übermittelt. Die »Association of Art Museum Directors«, die 175 wichtige Kunstmuseen in den USA, Kanada und Mexiko vertritt, hat erklärt, sie würde »jeden Versuch« unterstützen, die Kunstschätze zu retten.


Bamian 2016, unten: gesichert Überreste der Buddha-Statuen. Fotos: Thomas Ruttig

Der folgende Artikel – eine Zusammenfassung der Ereignisse sowie ein Blick auf den illegalen Handel mit geplünderten Kunstschätzen aus Afghanistan – erschien am 5. Mai 2001 auf der Webseite von „Entwicklungspolitik online“. Zum Glück stellen sich die Befürchtungen um den Goldschatz von Tela Tepe als unbegründet heraus. Er überlebte die Talebanzeit im Keller des ehemaligen Königs- und jetzigen Präsidentenpalastes, verborgen hinter mehrfach gesicherten Tresortüren, wohin er unter dem von den Taleban ermordeten Präsidenten Nadschibullah in Sicherheit gebracht worden war. Von den Schlüsseln hatten die Verantwortlichen behauptet, sie seien verloren gegangen, und den Taleban war es offensichtlich weder gelungen, sie aufzuspüren noch die Türen anderweitig zu öffnen.

Afghanistan: Der Tod der Buddhas

Kabul (epo). – „Nur Allah der Allmächtige verdient es angebetet zu werden, niemand und nichts anderes“ – und zwar ein für alle Mal. Deshalb müssen alle Statuen lebendiger Wesen in Afghanistan zerstört werden, denn sie seien „Schreine der Ungläubigen geblieben“ und würden von diesen weiterhin „angebetet“. So bestimmt es eine Fatwa des Taleban-Staates Islamisches Emirat Afghanistan vom 26. Februar diesen Jahres, die in ihrem eigentlichen Wortlaut unbekannt und nur in einer kommentierten, von den Taleban-Medien verbreiteten Version bekannt geworden ist.

Ihr bekanntestes Resultat: die Sprengung zweier wohl aus dem 3. bzw. 5. Jahrhundert stammender monumentaler Buddha-Figuren im Tal von Bamian etwa zwei Wochen nach Bekanntgabe der Fatwa. Sie stellten dem Wiener Professor und Afghanistan-Kenner Max Klimburg den Buddha Dipankara, den Buddha des vorangegangenen Weltenalters, und den historischen Buddha Shakyamuni dar und übertrafen mit 55 bzw. 38 Metern Höhe „alle weltweit bekannten menschlichen Darstellungen“ (Süddeutsche Zeitung, 7.3.2001). Ein iranischer Reisender im 11. Jahrhundert sprach vom „Surkh But“ (Roter Buddha) und vom Khing But (Mondweißer Buddha). Noch Jahrhunderte später galten sie in der Region als einer des Weltwunder – auch wenn der „Economist“ am 8. März über die „zwei Steinstatuen“ feststellen müssen zu glaubte, dass „lassen sie und ehrlich sein – fast niemand bis vor zehn Tagen jemals davon gehört hatte“.

Mit mehreren Tonnen Sprengstoff verwandelten Taleban beide unter „Allah ist groß“-Rufen, am 19. März verbreitet durch Bilder des qatarischen Privatfernseh-Kanals „al-Jazeera“, in einen Haufen Geröll und Staub. Die Entscheidung fiel, glaubt man der offiziellen Taleban-Version, nach „Konsultationen zwischen den religiösen Führern“ des Emirats, „religiösen Einschätzungen“ der Islam-Gelehrten (Ulema und Rohaniyun) und auf der Grundlage von Urteilen des Obersten Gerichts des Landes. Bemerkenswert ist, dass sie – entgegen der sonstigen Praxis – nicht direkt Taleban-Führer Mulla Muhammad Omar zugeschrieben wurde. Erst danach habe der seit 1996 mit dem Titel „Amir-ul-Momenin“ (Anführer der Gläubigen) Bezeichnete die Ministerien „für die Förderung der Tugend und zur Bekämpfung des Lasters“ (Amr bi-l-Ma’ruf wa Nahi ani-l-Munkar, die so genannte Religionspolizei) sowie für Information und Kultur beauftragt, alle Statuen „zu zerschlagen“.

Während die Fernsehbilder keinen Zweifel daran lassen, dasss die Buddhas von Bamian sowie der liegende Buddha bei Ghazni tatsächlich den Dynamitstangen und Spitzhacken der afghanischen „Bilderstürmer“ zum Opfer gefallen sind, ist alles andere als sicher, dass auch die „übrigen“ Statuen – darunter aus den Museen von Kabul, Ghazni, Herat sowie dem schon durch Mujahedin-Übergriffe in den 80er Jahren arg in Mitleidenschaft gezogenen Freiluftmuseum von Hadda bei Jalalabad tatsächlich zerstört worden sind. Allein das Kabuler Nationalmuseum besaß 60 bis 70 hinduistische, buddhistische und hellenistische Statuen. Ausländische Journalisten, für die das Haus für eine Stunde geöffnet wurde, fanden nur Scherben von Tongefässen und kopflose Vogelfiguren. Beobachter bezweifeln, dass die Taleban alle Statuen in so kleine Stücke zerschlagen haben können, dass Reste davon nicht mehr erkennbar sind. Einige Buddha-Statuen in dem Museum sowie die ebenfalls verschwundene, kopflose Figur des Kuschan-Königs Kanischka – eine der absoluten Attraktionen des Museums – bestanden aus so hartem Material, dass Zweifel angebracht sind. Immerhin scheint sich die Inschrift von Surkh Kotal, das älteste Schriftzeugnis zur afghanischen Geschichte, noch in der Vorhalle des nun versperrten und versiegelten Museums zu befinden. Ein Blick durch einen Türspalt vor wenigen Wochen schien dort eine gelbliche Steintafel erkennen zu lassen.

Buddha-Statue mit „Bauchschuss“. Foto: SPACH

Internationale Proteste ohne Erfolg

Die Ankündigung der Zerstörung verursachte eine weltweite Protestwelle. Sie reichten von UN-Generalsekretär Kofi Annan, der am 27. Februar in einer Presseerklärung „alarmiert“ reagierte und während eines Pakistan-Besuchs Anfang März persönlich gegenüber dem gastgebenden Militärherrscher General Pervez Musharraf und Taleban-Außenminister Wakil Ahmad Mutawakkil intervenierte, über Regierungen und Organisationen aus Ländern mit buddhistischen Bevölkerungen wie Thailand, Sri Lanka, Vietnam, Südkorea und Japan bis zu einflussreichen Moslemgeistlichen. Die UNESCO beschwor die Taleban in einer eiligen Stellungnahme, das „kulturelle Erbe Afghanistans“ zu bewahren. Dies interpretierten führende Taleban später als Beweis dafür, dass die Buddhas und Statuen „Afghanistan gehören“ und sie deshalb damit nach Belieben verfahren könnten. Schließlich blieben auch pakistanische Versuche wie die von Innenminister Moinuddin Haider, die Taleban von der Zerstörung der Kunstwerke abzuhalten, erfolglos. Afghanische Intellektuelle im Ausland meldeten sich verzweifelt und empört zu Wort. Zmar Tarzi, in den 70er Jahren Chefarchäologe Afghanistans, meldete sich aus Paris und sprach von einem „inakzeptablen Beschluss“. Das Zitat eines anderen prominenten Exilafghanen, der die Sprengung der Buddhas als „Barbarei“ bezeichnete, führte sogar zur Ausweisung der Kabuler BBC-Korrespondentin Kate Clark, der einzigen ständig in der afghanischen Hauptstadt ansässigen Journalistin, durch die Taleban. Der frühere afghanische König Muhammad Zaher Shah verurteilte aus Rom in einer seiner seltenen Presseerklärungen die Fatwa als „gegen die nationalen und historischen Interessen des afghanischen Volkes“ gerichtet.

Ohne nach außen wahrnehmbare Stimme blieben die Afghanen im Lande. Während die Taleban herablassend behaupteten, ihre Entscheidung würde lediglich „von einigen Intellektuellen oder Künstlern“ abgelehnt, ergaben Gespräche in Afghanistan ein völlig anderes Bild. Der Verfasser und alle seine Gesprächspartner haben nicht einen Afghanen getroffen, der die Zerstörung befürwortete oder den sie gleichgültig ließ. Allerdings ist unter ihnen eine weitere Zunahme der Mutlosigkeit zu verzeichnen: Die Zerstörung wichtiger historischer Monumente hat für viele die Hoffnung zunichte gemacht, die Taleban könnten doch zu politischer Mäßigung bereit seien.

Als erste Ausländer befanden sich am Tage des Erlasses der Fatwa – noch ohne dass sie dessen gewahr waren – die Botschafter Italiens und Griechenlands sowie der französische Geschäftsträger für Afghanistan als Gesandte der „Gesellschaft für die Bewahrung des afghanischen Kulturerbes“ (SPACH) in Kabul. Sie wollten Gerüchten nachgehen, dass im Nationalmuseum von Kabul bereits vor der Fatwa die dortigen Statuen zerstört worden seien. Taleban-Außenminister Mutawakkil versicherte ihnen, dies entbehre jeder Grundlage. Bei ihrer Landung in Islamabad erfuhren sie von der Fatwa. Ein Delegationsmitglied bezeichnete den Erlass als „unglaublich und empörend“. Ähnlich düpiert wurde der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Francesc Vendrell. Als er wenige Tage später, am 2. März, versuchte, Mutawakkil zu überreden, bei Mulla Omar zu intervenieren und wenigstens einen Aufschub bei der Vollstreckung der Fatwa zu erwirken, hielt Informations- und Kulturminister Qudratuddin Jamal ein paar Häuser weiter eine Pressekonferenz ab, auf der er mitteilte, die Zerstörung habe bereits begonnen. Vendrell hatte auch den Vorschlag des New Yorker Metropolitan Museum of Art in einem persönlichen Brief Kofi Annans an Pakistans Militärherrscher General Pervez Musharraf überbracht, auf eigene Kosten alle Statuen abzutransportieren, zeitweilig zu übernehmen und auszustellen. Die Buddhas in Bamian sollten durch Mauern oder Folien verdeckt, aber erhalten werden.

Schließlich lief auch die Delegation hochrangiger Moslem-Geistlicher, die auf Initiative des Emirs von Qatar und derzeitigen OIC-Vorsitzenden nach Kandahar entsandt wurde und zu der der Obermufti Ägyptens und Scheich der al-Azhar-Universität Dr Nasr Farid Wasil gehört, ins Leere. Wasil äusserte sich später in der in London erscheinenden, einflussreichen arabischen Zeitung „al-Sharq al-Awsat“ (20.3.) dezidiert kritisch gegenüber dem mangelhaften Islam-Verständnis der Taleban. Er erklärte dort: „Die Zerstörung von Statuen, die anstelle Gottes angebetet werden und den monotheistischen Glauben der Muslime beeinträchtigen könnte, wird von der Scharia vorgeschrieben. Das war jedoch nicht der Fall bei den Buddha-Statuen in Afghanistan, und deshalb ist die Fatwa, sie zu zerstören, ungültig. Die Taleban-Ulema nahmen die Texte des Koran und der Sunna und wollten die anwenden, ohne wirklich deren Substanz und die Bedingungen, unter denen sie gelten, zu verstehen. Wegen dieser Umstände und ihrer unvollständigen Kenntnis der Rechtsprechung waren sie jedoch nicht in der Lage, ein Urteil zu formulieren, dass durch theologische Argumente gedeckt sei. Dieses Thema ist ein kulturelles Thema. Wir haben bemerkt, dass ihr Wissen über Religion und Rechtsprechung mangelhaft ist, denn sie haben keine Kenntnis der arabischen Sprache, Linguistik und Literatur und haben daher nicht den wahren Islam aufgenommen, zusätzlich zu der Tatsache, dass die Blockade, die über ihr Land verhängt wurde, sie in Isolation von der Welt und besonders von der islamischen Welt leben lässt.“

Doch alle die Proteste verebbten angesichts der Halsstarrigkeit der Taleban wirkungslos. Nach tagelangem Hin und Her, in dem ein Dementi die Bestätigung der Zerstörung jagte, meldeten die Taleban aus Bamian: Die Buddhas existieren nicht mehr. SPACH schloss aus Protest sein Büro in Kabul und stellte seine Projekte im Land ein. Pläne, die Bamian-Buddhas, ob in Originalgröße oder verkleinert, in Sri Lanka oder China nachzubauen, zeigen nur die Ohnmacht des Auslands und können den Verlust nicht wettmachen.

Warum die Zerstörung 20 Tage dauerte, ist nicht klar. Einerseits hiess es, die Taleban hätten erst vergeblich mit Panzern und Granaten versucht, die Statuen zu zerschießen. Erst dann habe man tonnenweise wirkungsvolleren Sprengstoff herangekarrt. Andererseits hieß es, örtliche Taleban-Einheiten hätten sich eine Woche lang geweigert, den Zerstörungsbefehl auszuführen. Die Taleban-Hardliner hätten erst Pakistani und Kaschmiri heranführen müssen. Glaubt man allen Gerüchten, die in Afghanistan kursierten, bleibt kaum ein Taleb übrig, der den Erlass unterstützt hat – die Liste reicht vom berüchtigten Geheimdienstchef Qari Ahmadullah bis zum Taleban-Führer Mulla Omar persönlich. Er habe sich nur dem Druck der Islam-Gelehrten gebeugt. Verifizieren lässt sich das kaum, da sich alle offiziell auftretenden Taleban einschließlich der so genannten Gemäßigt(er)en auf die „Parteilinie“ einschwören liessen und gebetsmühlenhaft alle Argumente darlegten, die für die Zerstörung zusammen getragen wurden.

Bamianer Buddha mit geschwärztem Gesicht. Foto: SPACH.

Die Vorgeschichte

Der Angriff der Taleban auf die Buddhas von Bamian war nicht der erste im Namen des Islam. „Doch niemals zuvor hat es einen Versuch gegeben, systematisch die vorislamischen Elemente von Afghanistans Erbe zu zerstören“, schreibt Edward Girardet im „Christian Science Monitor“ (14.3.2001). So waren unter Mahmud von Ghazni (um 1000), der selbst unter Afghanen als islamischer Eiferer gilt, die Gesichter der Buddhas – präziser: Stirn, Augen und Nase, die Lippen waren noch erhalten – als „unislamisch“ abgeschliffen worden, aber ansonsten wurden die Kolosse erhalten und sogar repariert. [Heute gilt dieser Teil der Geschichte als umstritten. Es ist möglich, dass die Buddhastatuen nie Gesichter besessen haben und ihnen zu buddhistischer Zeit zu besonderen Anlässen verschiedene Masken „aufgesetzt“ wurden.]

Edelsteine, die nach einem Bericht des chinesischen Pilgers Hiuan Tsang um das Jahr 632 ursprünglich die Augen Buddhas schmückten, und Goldornamente waren allerdings schon vorher geplündert worden. Vermutlich unter Moghul-Kaiser Aurangzeb im 18. Jahrhundert beschossen Soldaten die Füsse der Buddhas mit Kanonen, offenbar um sie zum Einsturz zu bringen – allerdings vergebens.

In moderner Zeit beschädigten sowjetische Soldaten und Mujahedin-Kämpfer die Höhlen des Klosters neben den Buddhas mit Graffiti. Auch Zielübungen mit leichten Waffen wurden wohl abgehalten, erneut ohne schwereren Schaden. Schaden nahmen die dortigen Fresken auch durch die Herdfeuer von Flüchtlingsfamilien, die dort Unterschlupf suchten. Schließlich sorgte ein undichter Bewässerungskanal auf dem Felsen oberhalb des größeren Buddhas für Schäden an den Fresken, die die Nische des Buddhas zierten. Mit Schweizer Unterstützung konnte das 1998 teilweise behoben werden.

Es blieb den Taleban, die kurz danach Bamian eroberten, vorbehalten, die Zerstörung zu vollenden. 1997, noch bevor sie in Bamian einrückten, kündigte einer ihrer Kommandanten die Sprengung der Buddhas an, sobald man der Gegend habhaft geworden sie. Als es ein Jahr später im September so weit war, beschossen sie mit einem Panzer, nach anderen Berichten mit Granatwerfern, den kleineren der beiden Buddhas. Er gilt in der Bevölkerung fälschlicher Weise als „weiblich“, „man nahm deshalb auch besonders das weibliche ‚Geschlecht‘ aufs Korn“ (Klimberg) und sorgte für ein größeres Loch im Unterleib der Statue. Schon das sorgte damals für einen internationalen Aufschrei. Mulla Omar erliess ein Edikt, die Buddhas zu erhalten, unter Bewachung zu stellen und den Schmuggel archäologische Funde zu unterbinden. Das Loch wurde zuzementiert, die Tat einem „Einzelgänger“ zugeschrieben. Doch die Zerstörung ging in kleinen Schritten weiter. Besonders der weibliche Buddha, der unbewacht blieb, wurde aufs Korn genommen. Weitere Teile des schon gesichtslosen Kopfes wurden abgesprengt und dabei auch wertvolle Fresken in der Nische vernichtet – etwa die Darstellung eines von vier geflügelten Pferden in einem goldenen Triumfwagen gezogenen vermutlichen Sonnengottes. Die zahllosen buddhistischen Wandgemälde in den Klosterhöhlen neben den Statuen waren bereits vorher die Gesichter zerkratzt worden. Trotz der Bewachung ließen Taleban benzingetränkte Reifen auf den Kopf des größeren Buddhas herunter und zündeten sie an, was der Statue scheinbar weit übers Land blickende traurig schwarze Augenhöhlen bescherte. Etwa Mitte vorigen Jahres trat ein Fotoverbot für die Buddhas in Kraft. Foto- und Filmaufnahmen durften seither, nach offizieller Verlautbarung durch die Taleban, nur noch mit Zustimmung der Filmbehörde (so etwas existiert offenbar noch) im Informations- und Kulturministerium gemacht werden – was eine Genehmigung praktisch in den Bereich der Utopie rückte.

Der Prozess, der zum Erlass der Statuen-Fatwa führte, begann wahrscheinlich im vergangenen Sommer. Damals organisierte das Ministerium für Information und Kultur in Kabul ein Seminar mit seinen Provinzvertretern, alles Mullas, um sie unter anderem zum Erhalt archäologischer Funde zu motivieren. Im Rahmen des Seminars besuchten sie auch das Kabul-Museum, das kurz vor der Wiedereröffnung stand. Doch das Gegenteil trat ein: Entsetzt über die „unislamische“ Darstellung einer menschlichen Körpers, dazu noch mit unbekleidetem Oberkörper, begannen sie, eine Buddha-Figur buchstäblich zu ohrfeigen. Nur mutig hinzu springende afghanische Museumsmitarbeiter konnten sie vor der Zerstörung retten. Vorerst. Diese Mullas wandten sich wahrscheinlich mit dem Anliegen an die Kandaharer Ulema, über die Islam-Konformität der Ausstellung solch „heidnischer“ Werke zu befinden.

Bildersturm oder Antiquitäten-Schmuggel?

Zwar besteht seit den auch in Europa gesendeten Fernsehbildern kein Zweifel mehr daran, dass die beiden Bamianer Buddhas zerstört worden. Aber ansonsten, so ist auf den Basaren immer wieder zu hö ren, sei die Fatwa von Taleban-Anführer Mulla Muhammad Omar nur ein gewaltiges propagandistischer Rauchvorhang, der ein weiteres Verbrechen der Taleban – sei es mit oder ohne Genehmigung Omars – verschleiern soll: den Verkauf jener kostbaren archäologischen Funde, die den blutigen afghanischen Machtkampf in der ersten Hälfte der 90er Jahre überlebt haben. Dazu gehören die etwa 50 bis 60 hinduistischen und buddhistischen Statuen, die vier Jahre Beschuss und Plünderung der Kabuler Nationalmuseums überstanden hatten, wie ein mehrfarbig bemalter Boddhisattva – eine Reinkarnation Buddhas – aus Lehm. 

SPACH, die bis zur Zerstörung der Buddhas bei der Katalogisierung der Restbestände des Museums geholfen hatte, datiert die 1933 von französischen Archäologen auf einem Hügel mitten in Kabul gefundene Figur in das 4. Jahrhundert und bezeichnet sie als „unbezahlbar“. Der illegale Handel mit dem afghanischen Kulturerbe begann jedoch schon früher. Westliche Augenzeugen der Jahre 1991/92 berichten, dass bereits damals hohe Vertreter des pro-sowjetischen Regimes unter Präsident Najibullah wertvolle Einzelstücke aus dem Kabuler Museum verkauft hätten. Ob auf private Rechnung oder zugunsten der Staatskasse und des Überleben ihres Regimes, ist unklar.

Eine Blüte erreichte das illegale Geschäft mit den Kunstschätzen aber erst in den darauf folgenden Jahren. Im Wirrwarr der Machtkämpfe zwischen den verschiedenen Mujahedin-Parteien wurde das Kabuler Museums in Schutt und Asche gelegt, seine wichtigsten Ausstellungsstücke wurden verpackt und und unter dem Vorwand, „in Sicherheit“ gebracht zu werden, geplündert. So verschwanden die kostbaren erotischen Elfenbeinschnitzereien aus Bagram, der Schlangenkönig aus Fondukistan und die fast 3000 Jahre umfassende Münzsammlung. Aus alten Büchern wurden die mit Blattgold belegte Miniaturen heraus getrennt.

Diese Objekte sowie unzählige Beutestücke aus Raubgrabungen im ganzen Land werden über Pakistan verkauft. Nach einem Bericht der Tageszeitung „The News“ (30.3.2001) haben die großen Antik-Dealer ihre Agenten in den wichtigsten afghanischen Provinzen deponiert. Die werden gut bezahlt: mit einem Zehntel des Verkaufspreises. Etwa 20 Händlerringe in Peshawar, Taxila, Islamabad, Lahore, Karatschi und Quetta seien in der Islamischen Republik an dem lukrativen Geschäft beteiligt. In Peshawar sei der Shinwari Market ein Zentrum des illegalen Antiquitätenhandels. Diese Syndikate „haben direkte Kontakte zu Ausländern, die sich normaler Weise nicht über die Statuen erkundigen“, schreibt „The News“. Immerhin ist es SPACH mit Hilfe befreundeter Kunsthändler trotzdem gelungen, einige Stücke auf dem Markt aufzukaufen und für bessere Zeiten zu deponieren. Eine ausführliche Reportage in der neuesten Ausgabe des pakistanischen Monatsmagazins „The Herald“ nennt auch Namen von hohen Taleban, die in den Handel verwickelt sein sollen. Genannt werden unter anderen der Kabuler Gouverneur Maulawi Abdul Mannan Niazi, Vizeinnenminister Mulla Khaksar und der Geheimdienstmann Mulla Muhammad Yusuf Mahalli. Der „Herald“ will etwa erfahren haben, dass bereits 1999 einen sieben Fuß hohe Buddha-Statue aus dem Kabuler Museum ins pakistanische Peshawar geschmuggelt worden sei. Eine erst vor kurzem unter Taleban-Kontrolle in Bamian ausgegrabenen zwei Meter große, mit Goldschmuck versehene Frauenstatue könnte schon den selben Weg gegangen sein.

Das Schmuggelgut trifft im Fernen Osten, am Golf und auch im Westen auf ausreichend skrupellose und betuchte Sammler, die es in ihren Safes untertauchen lassen. Oder sogar ausstellen. Der ehemals an der deutschen Amani-Schule in Kabul lehrende Kulturwissenschaftler Rudolf Mathar beschrieb im „Tagesspiegel“ (20.3.2001) das durch einen Privatmann erbaute „spektakuläre“ Miho-Museum in Kyoto: „Dort trifft der Besucher in der Islamischen Abteilung auf einen Saal erlesener Exponate aus Afghanistan, Kunstwerke in Stein, Keramik, Metall, die entzücken – und erschrecken. Denn man möchte nicht wissen, auf welchen Wegen diese Stücke nach Japan gelangt sind.“ Ob das im Falle des Anfang des Jahres nach fünf Jahren Schließung wieder eröffneten Pariser Musee Guimet, mit der umfangreichsten Afghanistan-Sammlung in Europa, anders ist?

Die Rolle der UNESCO

Die UNESCO hat sich unter ihrem neuen japanischen Chef Koichiro Matsuura im Falle Afghanistans zu einer Abkehr von ihrer sonstigen Politik entschlossen, Kunstschätze in ihren Ursprungsländern zu lassen. „Lasst uns wenigstens dafür kämpfen zu retten, was übrig ist“, liess sich UNESCO-Spezialist Osmund Bopearachchi zitieren. Jetzt soll in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen dazu ermutigt werden, im Ausland auftauchende afghanische Kunstschätze aufzukaufen und – vorübergehend – in so genannten „safe havens“ zu deponieren. Die UNESCO-Informationsdirektorin Helene-Marie Gosselin rief am 4. April in Islamabad zu Spenden dafür auf. Als Kooperanten werden neben SPACH die japanische Hirayama-Stiftung und Paul Bucherer-Dietschis Biblioteca Afganica in Liestal bei Zürich mit ihrem Museums-Ableger in Bubendorf genannt. Allerdings sind solche Lösungen, besonders bei vielen Afghanen, umstritten: Sie befürchten, die Kulturgüter niemals wieder zu sehen.

Auch die Rolle der UNESCO in der Buddha-Sache nicht unumstritten. 1983 hatte die damalige pro-sowjetische Regierung Afghanistans den Antrag gestellt, die Buddhas von Bamian in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Dies ist aber nie erfolgt. Die UNESCO beruft sich darauf, dass Kabul auf Nachfragen nicht reagiert habe und die Sache deshalb im Sande verlaufen sei. Einige Beobachter vermuten jedoch politische Motive hinter der schleppenden Bearbeitung. Die Organisation „Kulturerbe ohne Grenzen“ beschuldigt die UNESCO, oft dem Druck mächtiger Staaten nachzugeben. Das sei im Falle Chinas und Tibets so gewesen. Auch Saudi-Arabien, das die Taleban in deren früheren Jahren offen förderte, sei nie kritisiert worden, sagte ihr Generalsekretär und frühere UNESCO-Mitarbeiter Said Zulficar der „Le Monde“ (FZ-Internet-Ausgabe 13.3.2001).

Wo ist das „Gold von Tela-Tepe“?

Ein besonderes Kapitel ist das Schicksal des Goldes von Tela Tepe, des „Goldenen Hügels“. Dort, am Südufer des afghanisch-sowjetischen Grenzflusses Amu-Darja, hatte der sowjetische Professor Viktor Sarianidi im Herbst 1978 den Grabschatz einer Kuschan-Prinzessin entdeckt, bestehend aus 20.000 Einzelstücken im Gesamtgewicht von mehreren Tonnen. Eine archälogische Sensation. Als nach der Machtübernahme eines Linksregimes in Kabul noch im gleichen Jahr bewaffneter Widerstand ausbrach, konnte die Fundstelle mit mehreren noch ungeöffneten Gräbern gerade noch notdürftig gesichert, ein Großteil des schon ausgegrabenen Fundes nach Kabul geschafft und von ihnen Negativabdrücke hergestellt werden. Die Originale wurden in sieben Metalltruhen im Präsidentenpalast sicher gestellt.

Das Gold von Tela Tepe ist nie öffentlich ausgestellt worden. Immerhin erschien mit sowjetischer Hilfe ein prachtvoller Bildband, den die damalige afghanische Regierung gern offiziellen Staatsgästen als Geschenk überreichte. Ende der 80er Jahre sollte der Hort dann doch in Moskau – und danach zur 750-Jahr-Feier Berlins in dessen Ostteil – gezeigt werden. Doch Präsident Najibullah versagte im letzten Moment seine Zustimmung. Er befürchtete wohl, dass in der Sowjetunion heimlich Kopien der Tela-Tepe-Stücke angefertigt und dann den Afghanen untergeschoben werden könnten. Um Gerüchten entgegen zu treten, seine Regierung habe den Goldschatz oder Teile davon heimlich ins Ausland verkauft, organisierte die Najib-Regierung schließlich doch eine Privatvorführung für die letzten in Kabul verbliebenen Diplomaten, darunter auch aus westlichen Staaten.

Doch seither sind die Kostbarkeiten verschwunden. Als die Mujahedin 1992 in Kabul einrückten, kamen neue Verkaufsgerüchte auf. Doch anders als Najibullah gewährten sie niemals einen Blick in die Truhen mit dem Goldschatz. Vier Jahre später, nun hatten die Taleban Kabul erobert, unternahm SPACH einen neuen Anlauf in diese Richtung. Mitarbeiterin Karla Grissman, eine langjährige Afghanistan-Kennerin aus den USA, argumentierte gegenüber hohen Taleban damit, sie könnten mit einer schnellen Reaktion der Welt beweisen, dass – falls der Schatz geplündert worden sei – nicht sie dafür verantwortlich seien. Die Taleban lehnten ab. Damit sind Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Haben die Taleban zum Schatz von Tela-Tepe ein ähnliches „taktisches“ Verhältnis entwickelt wie zu den Buddhas, von denen sie später behaupten, sie hätten sie vier Jahre lang nur um der Außenwelt Willen erhalten und, als diese mit den UN-Sanktionen bewiesen habe, dass sie nicht an „normalen Beziehungen“ zu ihnen interessiert sei, sei auch der Grund dafür entfallen? Haben sie das „heidnische“ Gold, darunter „anti-islamische“ Darstellungen von Göttern und lebenden Wesen, eingeschmolzen oder verkauft?

Dafür wie für die umlaufenden Gerüchte über den Verkauf der Statuen aus dem Kabul-Museum haben bisher allerdings noch keine Fakten gefunden. Trotzdem tauchen auf pakistanischen (und afghanischen) Basaren jetzt massiv „echte“ Statuen aus Kabul und selbst angebliche Bruchstücke der beiden Buddhas aus Bamian auf. Aber dabei dürfte es sich um Werke der schon in normalen Zeiten reichhaltig produzierenden Fälschungsindustrie handeln. Zehn LKW-Ladungen angeblichen Buddha-Schutts sollen Anfang April in Peshawar unterhalb des Khyber-Passes eingetroffen sein, berichtete „The News“ am 2. April.

Auch das Andenken soll getilgt werden

In der heruntergekommenen „Brasserie Bamiyan“ im Kabuler Hotel „Inter-Continental“, bis Anfang der 80er Jahre zur gleichnamigen internationalen Kette gehörend, verhüllt ein riesiges Tuch mit einem Farbbild des deutschen Schlosses Neuschwanstein eine der Wände. Diese merkwürdige Anordnung verbirgt die Reste eines Relief, das einst die beiden berühmten Buddhas von Bamian zeigte – eines von Afghanistans wichtigsten Kulturdenkmälern und nicht zuletzt bis in die 70er Jahre hinein ein Anziehungspunkt für Touristen. Nach den Originalen zerschlugen Taleban auch dieses Relief. Das ist nicht der einzige Fall, da die afghanischen Ultraislamisten versuchen, jede sichtbare Erinnerung an die Buddhas von Bamian auszulöschen. Etwa im Außenministerium in Kabul, wo in einem Empfangszimmer für offizielle Besucher und NGO-Vertreter zwar immer noch in einem goldenen Kitschrahmen ein Gemälde mit der berühmten Felswand von Bamian und einem der Buddhas hängt. Doch dessen Gestalt wurde mittlerweile säuberlich ockerfarben übermalt. Auch die Bilder der Buddhas, die die Tickets der einheimischen Fluggesellschaft „Ariana“ zieren, müssen Schalterbeamte neuerdings in Handarbeit mit Kugelschreibern tilgen. Schliesslich dürfen auch die privaten Fotoläden, die sich in Kabul gehalten haben, keine Fotos davon mehr verkaufen.

Blick ins winterliche Bamian-Tal, Dezember 2005. Foto: Thomas Ruttig

Welche Motive trieben die Taleban?

Über die Motive der Zerstörung kann nur spekuliert werden. Die Taleban selbst beriefen sich zunächst auf das strikte Bilderverbot im Islam, dass die Darstellung jeglicher „Geschöpfe“ Gottes und natürlich Gottes selbst verbietet. Allerdings gibt es in der islamischen – selbst in der talebanischen – Alltagspraxis Ausnahmen davon: etwa die Duldung von Passbildern, die man selbst heute noch bei ambulanten Händlern und in Fotogeschäften, die farbenfrohe Reklame für Weltmarken machen, auf afghanischen Basaren anfertigen lassen kann. Auch Taleban und Bürger ihres Staatswesens brauchen Reisepässe, Identitätskarten für den Erhalt auswärtiger humanitärer Hilfe oder andere Personaldokumente. Die sonstige Kompromisslosigkeit der Taleban – nicht nur in Sachen Bildervebot – deutet auf Einflüsse der zur Mitte des 18. Jahrhunderts auf dem Gebiet des heutigen Saudi-Arabien entstandenen, strikten wahhabitischen Schule im Islam. Wahhabitische Einflüsse nahmen ihre (späteren) Führer in den Madrassas der Flüchtlingslager in Pakistan auf, die während eder sowjetischen Besetzung Afghanistans unter anderem mit saudischen Geldern finanziert wurden. Saudisch-wahhabitischer Einfluss auf die Taleban lässt sich auch anhand anderer Beispiele ablesen: Ihre Religionspolizei etwa trägt den gleichen Namen wie ihr saudisches Vorbild; wie in Saudi-Arabien dürfen ausländische Hilfsorganisationen keine christlichen Symbole wie das Kreuz mehr auf Briefköpfen und Büroschildern verwenden.

Die Taleban begründeten gegenüber der bereits erwähnten OIC-Delegation die Zerstörung auch damit, dass angeblich „einige Touristen, die kommen und diese Statuen besuchen, sie tatsächlich anbeten“. Schließlich vermutete Fred Halliday in einem Kommentar für den Dari-Dienst der BBC, dass die zerstörerische Aktion den Taleban „die Unterstützung radikaler muslimischer Kräfte in Pakistan“ gewinnen sollte. Er zieht eine Parallele zu der „Propaganda-Aktion“ radikaler iranischer Studenten, die 1979 die US-Botschaft in Teheran besetzten. Tatsächlich gelten die Taleban – wie Usama bin Laden – unter vielen Pakistani, aber auch im Nahen Osten, inzwischen als die einzigen „wahren“ Moslems, die zudem den USA erfolgreich die Stirn bieten.

Einen ideologischen Hintergrund für den Bildersturm vermutet etwa Olivier Weber in der „Le Monde“. Er sieht darin eine „mentale Revolution, irgendwie ähnlich der Kulturrevolution Mao Zedongs“ in China, die auf die Schaffung eines „neuen Menschen“ in Afghanistan gerichtet sei. Den Vergleich zu Maos China zieht auch der Kulturgeschichtler Souren Melikian in der „International Herald Tribune“ (7.3.2001).

Professor Lolita Nehru vom National Museum Institute in Neu-Delhi sieht in dem zerstörerischen Akt hingegen einen Schlag gegen die Geschichte Afghanistans als einem Ort der „Intermixtur von Kulturen, die neuen Ideen und Formen zur Geburt verhalf und wiederum nach außen weitergab“ (The Hindu, 16.3.2001). Doch nicht nur viele Afghanen stellen den religiösen bzw. ideologischen Hintergrund des Bildersturms in Abrede und vermuten politische Motive dahinter. Sie fragen sich, warum den Taleban die „Islam-Feindlichkeit“ der Buddha- und anderen Statuen erst viereinhalb Jahre nach ihrer Machtergreifung aufgefallen ist. Noch 1999 hatte Mulla Omar offiziell erklären lassen: „Es gibt keine Buddhisten mehr in Afghanistan, die die Buddha-Darstellungen anbeten könnten. Vom Anfang des Islam bis heute wurden diese Darstellungen nicht zerstört. Die Regierung betrachtet sie mit dem größten Respekt, und sie genießen den selben Schutz wie früher.“

In offiziellen Gesprächen mit ausländischen Politikern sowie in ihren Verlautbarungen in den Medien gaben die Taleban auch Hinweise auf eine zweite (oder die eigentliche?) Motivationsebene: die Frustration über die ihrer Ansicht nach feindliche Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf ihre Politik. Bis zum Herbst 2000 strebten die Taleban mit einigem Aufwand nach internationaler Anerkennung. Beflügelt von militärischen Erfolgen, forderten ihre Medien immer wieder die Anerkennung des Emirats als legitime Regierung Afghanistan durch die UNO, die Organisation Islamische Konferenz (OIC) und andere Institutionen. Die von der UNO weiterhin anerkannte Regierung unter Präsident Burhanuddin Rabbani und dem starken Mann, Kommandant Ahmad Schah Massud, wurde mit nach oben „korrigierten“ Zahlen – sie kontrollierten höchstens fünf Prozent Afghanistans – als „Fantasie-Regierung“ ohne Land oder gar als „airborne government“ (etwa: herumjettende Regierung) verspottet. Auch das durch Mulla Omar im Herbst 2000 dekretierte vollständige Verbot des Opium-Anbaus und das Abkommen mit der Afghanistan-Sondermission der UN (UNSMA) über einen zu beginnenden Dialogprozess mit der gegnerischen Vereinigten Islamischen Front zur Rettung Afghanistans unter Rabbani und Massud im November sollten Zeichen an die internationale Öffentlichkeit senden, dass die Taleban durchaus bereit und in der Lage sind, auf deren Forderungen zu reagieren. Kleinere diplomatische Erfolge, wie der offizielle Empfang von Taleban-Vizeaussenminister Maulawi Abdurrahman Zahed im sonst als Massud-freundlich betrachteten französischen Außenministerium im vergangenen September trugen dazu bei und wurden von den erfolgssuchenden Taleban ebenfalls überinterpretiert. Taleban-Zeitungen bewerteten das vorschnell als Pariser „Kurswechsel“.

Um so größer dann die Erbitterung, als die Anerkennung nicht nur ausblieb, sondern der UN-Sicherheitsrat im Januar auf Betreiben der USA und Russland auch noch die bereits seit Ende 1999 bestehenden einseitigen Sanktionen gegen die Taleban verschärfte. Sie hatten nicht verstanden, dass ihr Asyl für den Islamisten-Chef Usama bin Laden (gegenüber den USA), die „islamisch-solidarisch“ gemeinte symbolische diplomatische Anerkennung Tschetscheniens (gegenüber Russland) sowie ihre erneute militärische Sommeroffensive und neue Massaker an Zivilisten und Gefangenen in den Augen der Welt schwerer wogen. Die Sanktionen „signalisierten das Ende jeglicher Hoffnung, die die Taleban auf eine Normalisierung ihrer Beziehungen mit der Außenwelt hegen konnten“, schrieb der „Economist“ (8.3.2001).

Die Taleban schwenkten auf einen Hardliner-Kurs, auf dem sie meinen, nun keinerlei Rücksichten mehr nehmen zu müssen. Von hohen Taleban war zu hören: Die internationale Öffentlichkeit habe gezeigt, dass sie nicht an „normalen Beziehungen“ mit ihnen interessiert sei. Und da man die Buddhas nur deshalb bisher geschont habe, müsse man das nun nicht mehr tun. „Die Taleban enthüllen nur, wie schwer sie dadurch verletzt wurden“ resümiert der „Economist“ weiter. Und wie wenig die Welt gegen sie tun kann, möchte man hinzu fügen. Zudem kolportieren vor allem taleban-freundliche pakistanische Kommentatoren wie Nasim Zehra immer wieder, Mulla Omar sei äußerst erbost darüber gewesen, dass zahlreiche Länder auf die „Statuen-Fatwa“ sofort mit finanziellen Angeboten zur Rettung der Buddhas reagiert, aber die von Dürre, Hunger und massenhafter Flucht gekennzeichnete humanitäre Situation in Afghanistan „ignoriert“ habe.

„Wenn Ihre Kinder vor Ihnen sterben, dann kümmern Sie sich nicht um Kunst“, sagte der Taleban-Gesandte Rahmatullah Hashemi Ende März in New York. „Wenn Ihr unsere Zukunft mit Wirtschaftssanktionen zerstört, könnt Ihr Euch nicht um unser Erbe kümmern.“ Dieses Argument geht insofern fehl, da gerade die Taleban selbst sehr wenig gegen die Folgen dieser Misere tun und die Versorgung der Bevölkerung sowie infrastrukturelle Maßnahmen wie selbstverständlich den UN-Hilfswerken sowie Nichtregierungsorganisationen überlassen. Allerdings gibt auch Nasim Zehra zu, dass die „Taleban-Aktion gegen die Buddhas (…) keine Beziehung zu irgendeiner islamischen Lehre (hat)“.

Text und Fotos: Jan Heller, Kabul/Karatschi


Hier ein sehr interessanter neuer Artikel zu Raubkunst aus Afghanistan von Matt Aikins im New York Times-Magazin, der auch auf die sogenannten Ghazni Marbles (Marmorplatten) in Museen in Hamburg und Stuttgart eingeht. Dazu gibt es auch diesen Zeit-Artikel von 2019.

2009 veröffentlichten wir bei AAN zum 10. Jahrestag der Buddha-Sprengung einen Gastbeitrag von Michael Semple, eines ehemaligen UN-Kollegen, der 2001 im Alleingang versucht hatte, die Buddhas zu retten, in dem er westliche Regierung vergeblich zu überreden versuchte, eine Hasara-Miliz zu unterstützen, um die Taleban vor der Sprengung aus Bamian zu vertreiben.

Hier die Erinnerungen meiner AAN-Kollegin Kate Clark, 2001 BBC-Korrespondentin in Kabul, die nach ihren Berichten über die Zerstörungen im Kabuler Museum und in Bamian (und dass die meisten von ihre interviewten Afghanen darüber nur entsetzt den Kopf geschüttelt hatte) von den Taleban ausgewiesen wurde.


Überreste des aufgegebenen Besucherzentrums in Bamian (Juni 2016). Foto: Thomas Ruttig

Der folgende Artikel erschien gestern im nd (dem früheren neun Deutschland), enthält Reminiszenzen der Ereignisse von 2001 und, am Ende, eine Schilderung, wie der Jahrestag in Bamian begangen wurde. Ich veröffentliche hier meinen ursprünglichen Text, der vom nd etwas bearbeitet wurde (die nd-version hier) – der Titel ist der des nd:

Eine Nacht mit Buddha

Im afghanischen Bamian-Tal erinnerte zum Jahrestag eine 3-D-Nachbildung an die Zerstörung der Statuen vor 20 Jahren

Als der Autor vor 20 Jahren, Anfang März 2001, mit dem damaligen UN-Beauftragten für Afghanistan Francesc Vendrell, in Kandahar dem Taliban-Außenminister Wakil Ahmad Mutawakil gegenübersaß, sah man deutlich, dass der nicht glaubte, was er gerade selbst sagte. Mutawakil, ein kultivierter Mann, erklärte, während seine Augen hinter der Goldrandbrille hin und her irrten: Ja, das sei richtig, alle „Schreine der Ungläubigen“ in Afghanistan müssten zerstört werden. Er zitierte seinen Chef, den inzwischen verstorbenen Talibangründer Mullah Muhammad Omar, „nur Allah der Allmächtige verdient es angebetet zu werden“. Am 26. Februar jenes Jahres hatte Omar eine entsprechende Fatwa, ein islamisches Rechtsurteil, erlassen. Vendrell, dem schon zuvor Gerüchte über bevorstehende Zerstörungen von Kulturgütern zu Ohren gekommen waren schon zuvor zu dem Minister geeilt, der da noch versichert hatte, diese entbehrten jeder Grundlage.

Mullah Omars Bilderstürmerurteil galt auch für die beiden kolossalen Halbrelief-Buddhastatuen im 3000 Meter hoch gelegenen zentralafghanischen Bamian-Tal. Mit einer Höhe von [55] und [38] Metern waren sie weltweit die größten ihrer Art und in ihrer Bedeutung den sieben antiken Weltwundern ebenbürtig. Wohl im 6. Jahrhundert hauten buddhistische Mönche den „Surkh But“ (Roter Buddha) und den Khing But (Mondweißer Buddha) 400 Meter einander entfernt aus einer kilometerlangen, nach Süden blickenden Sandstein-Felswand. Wenn am Morgen die Sonne aufging, strich ein magischer goldener Schein über die Kolosse, von denen der größere im örtlichen Volksmund als männlich, der kleinere als weiblich galt. Das müssen auch die Mönche erlebt haben, die in hunderten von Höhlen lebten, die wie Bienenwaben die Felswand durchlöchern. Damals war Bamian ein wichtiger Handelsknoten an den Routen von Indien nach Zentralasien. Nach der Sprengung beherbergten die Höhlen lange Flüchtlinge. Der Rauch ihrer Kochfeuer schwärzte die Reste der Bemalungen, die zu Tausenden die Gewölbe geschmückt und bereits dem Vandalismus islamistischer Milizen zum Opfer gefallen waren.

Die örtliche Bevölkerung, zur islamischen Minderheit der Schiiten gehörende Hasaras, war stolz auf die Statuen. Vor dem Krieg hatten sie immer wieder ausländische Touristen angezogen. Als der Autor zwei Jahre vor der Sprengung nach Bamian kam, bewachten auf Geheiß Mulla Omars noch örtliche Milizionäre die Statuen. Der hatte im Februar 1999 zunächst alle Kulturgüter des Landes unter Schutz gestellt. Einer der Kämpfer erklärte zum stolzen Nicken seiner Kameraden, dass es eine „gute Sache“ sei, die Buddhas zu bewachen. Schließlich tauchte sogar ein früherer Fremdenführer des afghanischen Tourismusbüros auf und trug seine vor Jahrzehnten einstudierte englische Erläuterung vor. Fotografieren war aber, wie überall unter den Taliban verboten. Doch durchs Klo-Fenster einer ausländischen Hilfsorganisation konnte man trotzdem noch gute Bilder schießen.

Schon in den Jahren zuvor hatten Talibankämpfer aus den Höhlen über der Figur der großen Buddhas an Seilen benzingetränkte Autoreifen herabgelassen und angezündet, so dass dessen abgeschliffenes Gesicht zwei riesige schwarze Flecken aufwies, dir aus der Ferne aussahen, als ob er aus seiner Felsnische heraus aus zwei riesigen Augenhöhlen düster in die Landschaft starrte. 

Mullah Omar änderte seine Meinung, nachdem die UNO im Dezember 2000 schon früher wegen der Beherbergung Osama bin Ladens gegen sein Regime verhängte Sanktionen verschärfte. Bin Ladens Terrorgruppe hatte 1998 zwei US-Botschaften mit Autobomben angegriffen, dabei aber vor allem einheimische Passanten getroffen. Bis zum Herbst 2000 hatten die Taliban, beflügelt von militärischen Erfolgen, noch nach internationaler Anerkennung gestrebt. Die Weltgemeinschaft habe gezeigt, dass sie nicht an „normalen Beziehungen“ mit den Taliban interessiert sei, erklärte Omar. Und da man die Buddhas nur deshalb bisher geschont habe, müsse man das nun nicht mehr tun. Besonders erzürnte ihn, dass nach Verkündung seines Dekrets führende Museen von New York über Amsterdam und Tokio sowie die Regierungen Irans und Thailands Geldangebote übermittelten, um die Statuen zu retten.

Nach der Zerstörung versuchten die Taliban, auch alle Andenken an die beiden einzigartigen Kulturdenkmäler zu tilgen. In der heruntergekommenen “Brasserie Bamian” im Kabuler Hotel “Inter-Continental“ verhüllte ein riesiges Tuch mit einem Farbbild des Schlosses Neuschwanstein eine der Wände mit den Resten eines ebenfalls zerschlagenen Relief der Buddhas. In einem Empfangszimmer im Kabuler Außenministerium wurde auf einem Gemälde die Gestalt der Kolosse übermalt. Auch die Bilder der Buddhas, die die Tickets der einheimischen Fluggesellschaft Ariana zierten, mussten Schalterbeamte in Handarbeit mit Kugelschreibern tilgen. Schließlich durften auch die privaten Fotoläden, die sich in Kabul gehalten haben, keine Fotos davon mehr verkaufen. Die Zerstörung solch wichtiger historischer Monumente machte bei vielen Afghanen die Hoffnung zunichte, dass die Taliban sich doch noch politisch mäßigen konnten. Der Autor traf damals niemanden, der die Sprengung gutgeheißen hätte.

Von den originalen Buddhastatuen sind heute nur noch Felsbrocken übrig, die ausländische Organisationen mühsam vermessen und katalogisieren, um vielleicht eines Tages die Statuen wieder aufrichten zu können. Der Versuch, das Bamian-Tal nach dem Sturz der Taliban zu einem internationalen Reiseziel zu machen, scheiterte am wieder aufflammenden Krieg zwischen den NATO-Truppen und den wiedererstarkenden Taleban. Als der Autor Bamian 2018 zum letzten Mal besuchte, stand das Touristenzentrum verstaubt und leer. Tickets gab es schon lange nicht mehr.

Zum Jahrestag veranstalteten am Dienstag lokale Organisationen „Eine Nacht mit Buddha“. Auf die leere Nische der großen Statue wurde eine 3D-Nachbildung projiziert. Vor allem junge Leute versammelten sich mit Laternen, in Afghanistan ein Symbol der Aufklärung. Tänzerinnen gaben eine Performance – ein Zeichen des Selbstbewusstseins an die mit US-Hilfe zurück zur Macht strebenden Taliban. Zahra Hussaini, Mitorganisatorin des Events, sagte der BBC: „Wir wollen, dass die Menschen nicht vergessen, was für ein schreckliches Verbrechen hier in Bamian verübt wurde.“ An Kunstschätzen wie an Menschen.

Thomas Ruttig

Hologram eines Buddhas von Bamian bei der Veranstaltung Anfang März 2021. Foto: @zheelaj via Twitter

Hier der Bericht und v.a. weitere sehr schöne Fotos von der Veranstaltung bei der BBC:sowie ein kurzes Video davon auf dem RFE/RL-Blog Gandhara.