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Die Professorinnen Neta C. Crawford von der Boston University und Catherine Lutz von der Brown-Universität in Providence, Rhode Island (USA) haben über Jahre das verdienstvolle Costs of War Project am Watson-Institut der Brown-Universität betrieben. Bereits am 1. September vorigen Jahres, also zwei Wochen nach der Übernahme Kabuls (und damit [fast]* ganz Afghanistans) durch die Taleban, legten sie die Gesamtrechnung der menschlichen Kosten – also der direkten Kriegstoten – des Afghanistan-Krieges (inkl. Pakistan, Okt. 2001 – Aug. 2021) sowie der anderen, von ihnen so bezeichneten Post-9/11-Kriege vor, also Irak (März 2003 – Aug. 2021); Syrien (Sept. 2014 – Mai 2021); Jemen (Oct. 2002-Aug. 2021) und andere Post-9/11-Kriegszonen. Die Grundlage dafür bilden öffentlich zugängliche Daten.

Für Afghanistan/Pakistan beläuft sich die Zahl auf über 176.000 Menschen. 

Das ist eine gerundete Zahl, da einige Daten, die in diese Gesamtrechnung eingehen, gerundet sind (siehe Erläuterung unten).

Für alle einbezogenen Kriegsschauplätze beläuft sich die Gesamtzahl auf 897.000 – 929.000 Menschen. Afghanistan/Pakistan ist dabei die zweithöchste Zahl; im Krieg in Irak wurden dieser Gesamtrechnung zufolge beinahe dopplet so viele Menschen getötet (275.000- 306.000).

Die Tabelle (ein Bildschirmfoto davon unten) findet sich unter folgendem Link:


Wie gesagt: Es handelt sich um die direkten Kriegstoten. Nicht einbezogen wurden den Autorinnen zufolge die indirekten Toten, also jene Menschen, die starben, weil sie starben, da sie kriegsbedingt den Zugang zu Nahrung, Wasser und/oder Infrastruktur verloren oder kriegsbedingten Krankheiten u.ä. erlagen.

Die Zahlen für die regulären afghanischen bewaffneten Kräfte (Armee und Polizei) sind unsicher, da seit 2018 keine offiziellen Zahlen mehr veröffentlicht wurden (dazu hier ein Hintergrund von mir von 2018). Wahrscheinlich noch unsicherer sind die Angaben zu getöteten Aufständischen: Hier gab es nie kontinuierliche Abgaben der US-/NATO-Truppen; die afghanische Regierung hingegen veröffentlichte regelmäßig Zahlenangaben, die aber offenbar stark übertrieben waren und oft nicht zwischen Getöteten und Verletzten unterschieden.

Die Kategorie „andere Kriegsschauplätze“ umfasst Menschen, die zwischen dem 7. Oktober 2001 (dem Beginn der NATO-Bombenangriffe auf das damals zum ersten Mal von den Taleban beherrschte Afghanistan) und dem 31. Dezember 2014 (Ende von OEF, dann durch Operation Freedom’s Sentinel abgelöst) im Ergebnis der US-Operation Enduring Freedom in Guantanamo, Djibouti, Eritrea, Äthiopien, Jordanien, Kenia, Kyrgyzstan, Pakistan, den Philippinen, den Seychellen, Sudan, Tadschikistan, der Türkei, Usbekistan und Jemen getötet wurden.

Hier zur Übersicht aller UNAMA-Zivilopferberichte aus Afghanistan.