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Im Folgenden mein Text, der in der taz-Ausgabe von gestern (17.5.) unter dem Titel: „Taliban in Afghanistan: Totalitäre Amateure“ (online hier) erschien – hier wie häufig in einer deutlich erweiterten Version.

Zunächst aber eine neue Neuigkeit aus Kabul: Die Taleban haben am 16.5. das weibliche Personal der UNO aufgefordert, ihrem Erlass vom 7.5.2022 zu folgen, dass sich ab sofort alle Frauen in der Öffentlichkeit verschleiern müssen (mein erster Text zum Thema hier). Das geht aus einem UN-Memo vom 16.5. hervor, das am 17.5. in sozialen Medien verbreitet wurde.

Dem Memo zufolge tauchten am Montagmorgen Taleban vom „Moral“-Ministerium vor einem der UN-Büros in Kabul auf und verlangten vom Wachpersonal, das weibliche afghanische UN-Personal aufzufordern, sich auf dem Arbeitsweg zu verschleiern. Zudem wollten sie Zugang zum UN-Gelände für „Ermittler“ des Innenministeriums, um zu überprüfen, ob der „Hidschab“ getragen werde. Offenbar später kündigten die Taleban an, so weiter im UN-Memo, sie würden am folgenden Tag (dem 17.5.) Kontrolleure vor zwei UN-Gelände entsenden, um die Einhaltung des Dekrets zu überprüfen und – im Falle, es werde nicht umgesetzt – „höflich mit den Angestellten sprechen und sie bitten den Hidschab zu tragen“. Es ist bisher nicht klar, ob das auch eingetreten ist.

Taleban-Poster in Kabul: „Die muslimische Frau muss den Hidschab oder schariagemäße Verschleierung (hier: purda) beachten, weil das das Gebot/der Befehl (hukm) der Scharia ist.“ Quelle: Twitter.

Der Möchtegern-Totalitarismus der Taleban

Neun Monate, nachdem die Taleban die US/NATO-geführte Koalition zum zuletzt chaotischen Abzug aus Afghanistan zwangen, versuchen sie mehr und mehr, die afghanische Gesellschaft zu kontrollieren. Sie drehen Ansätze zu einer Öffnung zurück wie die vorher in einigen Bereichen wieder gut verankerte Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben und der Politik. 

Ich sage „wieder“, weil es Ansätze dazu (allerdings geringe, wohl tatsächlich nur auf einige urbane Räum beschränkt) bereits unter der konstitutionellen  Monarchie (1964-73) und unter der sowjetischen Besatzung von 1979 bis 1989 gab. Während der letzteren allerdings auch aus anderen Gründen: Neben Emanzipation unter sozialistischen Vorzeichen durch Koedukation und Frauenalphabetisierung wurden viele Männer einfach im Krieg gebraucht. Frauen rückten notgedrungen an ihren Plätze. Zum Beispiel lag ihr Anteil an der Lehrer:innenschaft damals fast doppelt so hoch als zuletzt unter der Ghani.-Regierung, wo sie gut 30 Prozent betrug.

Dem Erlass des Taleban-“Ministeriums für die Förderung der Tugend und der Verhinderung des Lasters” vom 7.5.2022 zufolge müssen sich ab sofort alle Afghaninnen in der Öffentlichkeit verschleiern, „am besten mit der Burka“. Auch andere Formen des Hidschab, der „Verhüllung“, seien akzeptabel, so lange sie „intransparent und weit“ genug seien, um die „Konturen des Körpers“ zu verbergen. Der Erlass folgt auf die umstrittene Nichtwiedereröffnung der höheren Mädchenschulen und andere Dekrete, die die Bewegungsfreiheit der weiblichen Hälfte der Bevölkerung einschränken sollen. Das zeigt auch der eigentliche Kernsatz des neuen Erlasses: „Nicht ohne Grund das Haus zu verlassen, ist die erste und beste Methode, die schariagemäße Verhüllung zu beachten.“

Diese Gründe möchten selbstredend die Taleban bestimmen. Und wo sie liegen, macht die schon geltende Alltagspraxis klar: Frauen dürfen noch in ausgewählten Bereichen arbeiten, in denen man ohne sie einfach nicht auskommt. Das sind Kliniken, Schulen und Universitätsklassen für Mädchen, aber auch Zoll und Sicherheit am Flughafen sowie die Polizei (Frauen müssen ja kontrolliert werden), zum Teil wohl Banken und Nichtregierungsorganisationen (NRO) sowie Teile der Privatwirtschaft. Nun aber eben vorschriftsmäßig verschleiert, nicht etwa nur mit Kopftuch, und in Begleitung eines mahram, eines männlichen Verwandten, auf dem Arbeitsweg. Am 6. Mai etwas meldete Tolonews, dass die Taleban in der Provinz Nimruz alle Lehrerinnen aufgefordert hätten, wieder an die Schulen zurückzukehren. Allerdings war in dem Bericht ausdrücklich nur von den „Mädchenklassen 1 bis 6“ die Rede.

Mit den Taleban-Versprechungen der letzten Jahre hat das nur noch wenig zu tun, obwohl oft ihre Einschränkung, dass alles „im Rahmen der Scharia“ geschehen solle, bei der Rezeption solcher Aussagen vor allem im Westen entweder nicht wahrgenommen oder zu positiv interpretiert wurde. Zum Beispiel sprach Taleban-Repräsentant Scher Muhammad Abbas Stanaksai bei einer Konferenz im 2019 in Moskau von den Rechten, die ihnen „durch die heilige Religion des Islam gegeben wurden.“ (Die vollständige Passage seiner dortigen Rede zu den Frauenrechten findet sich in der Fußnote 1.)

Die UNO sieht in dem Erlass eine neue Qualität. Erstmals handele es sich um „eine formale Direktive, nicht nur eine Empfehlung”, wie bei früheren Anordnungen der Taleban, hieß es in einem Statement. Die UNO geht davon aus, dass sie “umgesetzt und durchgesetzt” werden wird. Diesem Erlass waren bereits im Februar 2022 Briefe des „Moral“ministeriums an weibliche Angestellte verschiedener Ministerien vorausgegangen, wie verschiedene afghanische Medien berichteten (hier, hier und hier), in denen sie aufgefordert wurden, sich entweder zu verschleiern oder mit Entlassung zu rechnen. 

Nach Polizeistaatsart können bei Verstößen gegen die Verschleierungsanordnung in einer Art von Sippenhaftung auch Familienangehörige bestraft werden. Frauen und ihren männlichen Angehörigen, die für die Regierung arbeiten, drohen die Taleban mit Jobverlust.

Mit dem Erlass beginnt die zweite Taleban-Herrschaft, langsam aber stetig zur bürokratisch-regulierten Diktatur zu gerinnen. So jedenfalls die Intention der Taleban. Wie weit ihr bürokratischer Regulierungsdrang geht, zeigt ein „Plan für den [Wieder-]Beginn der Universitäten“ vom 4.2.1443 (h.q.) (12.9.2021) (siehe Fußnote 2), der in allen Einzelheiten regeln soll, wie genau Fakultäten und Hörsäle an staatlichen Universitäten bei welchem Anteil von Studentinnen nach Gender geteilt werden sollen (siehe Fußnote 3).

Allerdings haben die Taleban während ihrer ersten Herrschaft (1996-2001) schon einmal versucht, einen solchen Möchtegern-Totalitarismus umzusetzen. Sie scheiterten aber an der Vielzahl von Ge- und Verboten, kamen mit dem Kontrollieren einfach nicht mehr hinterher. „Implementierungsermüdung“ nannten wir das damals bei der UNO. 

Solch eine Ermüdung zeigt sich auch jetzt schon wieder, zum Beispiel in der Mädchenbildung: Mindestens drei norwegische und deutsche NRO berichteten in den letzten Tagen (Fußnote 4), dass sie in mehreren Provinzen auch Mädchenschulen über Klasse 6 weiterbetrieben, und zwar mit ausdrücklicher Genehmigung des Taleban-Bildungsministeriums. Das ist besser als gar nichts, stellt aber eben auch nicht mehr dar als ein paar Nischen. 

Berichtet wurde auch, dass ein angebliches Verbot, als Frau allein ab Flughafen Kabul zu reisen, falls es je existierte, schnell wieder fallengelassen wurde oder wird nicht oder nur sporadisch umgesetzt. Andererseits berichtete am 10. Mai die afghanische Journalistin Zahra Yusufi in sozialen Medien unter Berufung auf Augenzeugenberichte, Taleban hätten auf dem Landweg in Richtung Kabul allein in Fahrzeugen reisende Frauen gestoppt, offenbar zwischen Masar-e Scharif und Samangan, und sie aufgefordert, ihr Gesicht zu verschleiern und „Handschuhe zu tragen“. Bereits Ende April hatte Human Rights Watch aus der Provinz Balch darüber berichtet, wie Taleban, Schulvertreter und Schülerinnen über die im Detail – nämlich die Ärmel des Hidschab – stritten, wo bis zu dem Erlass höhere Mädchenschulen offen waren (siehe Fußnote 5).

Ob auch das neue Dekret aber wirklich überall und immer um- und durchgesetzt wird, kann man noch nicht sagen. Klar ist: Um die Positionen der Taleban zu Kleidungsfragen wissend, besorgten sich viele afghanische Frauen, die sich bisher lockerer gekleidet hatten, bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Taleban Burkas. Anfang der Woche hörte die taz aus Kabul, dass sich zumindest in den von schiitischen Hasaras bewohnten Stadtteilen die jungen Frauen noch nicht an den neuen Erlass hielten.

Es gab bereits In-Door-Protest gegen den Erlass sowie einen ersten kleinen – und unverhüllten –  Straßenprotest von Frauen in Kabul und Bilder davon in den Medien (Video hier – siehe auch dieses Video eines Einzelprotests). Taleban verhinderten ihren Versuch, vor das Amr-bi-l-Maruf-Ministerium zu ziehen. Aus Herat wurde berichtet (und auch per Foto belegt), dass dort Frauen weiter Auto fahren.

Das ist allerdings auch das Problem: Niemand in Afghanistan, nicht Frau, nicht Mann, nicht Schülerin oder Schüler, kann sich sicher sein,  kann sich sicher sein, wann und wo die jeweiligen örtlichen Taleban welches Dekret umsetzen. Da die Ordnungshüter bewaffnet sind, sorgt das für ein Klima der Unsicherheit und Angst. Verschärft wird es durch andauernde Übergriffe und Festnahmen früherer Polizei-, Armee- und Regierungsangehöriger, „verschwundene“ Aktivist:innen und regelmäßige unerklärte Leichenfunde, die afghanische Aktivist:innen den Taleban zuschreiben. Medienvertreter wurden etwa festgenommen (und wieder freigelassen), nachdem sie über das Taleban-Sendeverbot für türkische Seifenopern berichteten. Irgendwie scheinen die Taleban doch zu verstehen, wie unpopulär viele ihrer Maßnahmen sind und sich ihrer nicht so sicher zu sein, dass sie ganz souverän Bilder und Berichte davon zulassen.

Mensch fragt sich, warum sie seit Wochen anscheinend alles tun, um die öffentliche Meinung in der Welt und vor allem in den sogenannten Geberländern zu verprellen, obwohl ihnen – und vor allem den von ihnen weniger regierten als beherrschten Afghan:innen – ökonomisch das Wasser bis zu Hals steht. Gerade berichtete das UN-Welternährungsprogramm, der Hunger in Afghanistan habe „beispielloses“ Ausmaß erreicht. Dass die für den vergangenen Winter befürchtete große Hungerkatastrophe ausblieb, ist eben jenen ausländischen Gebern und Hilfsorganisationen zu verdanken, die wenigstens einige der von US-Präsident Biden eingefrorenen afghanischen Auslandsguthaben loseisten. Der für „Moral“ zuständige Vizeministers Chaled Hanafi steuerte kurz nach dem Verhüllungserlass folgende Antwort bei: “Islamische Prinzipien und islamische Ideologie sind für uns wichtiger als alles andere.” Mit anderen Worten: Ihr (der Westen) habt hier verloren, und wir lassen uns von euch nichts sagen.

Der „Burka-Erlass“ wird es für alle, die sich dafür einsetzen, nicht alle Kontakte zu den Taleban abzubrechen, um die prekäre humanitäre Situation in Afghanistan zu lindern, ohne dass das Taleban-Regime direkt davon profitiert, weiter erschweren, dafür zu argumentieren. Das schließt ein, mit den Taleban zu verhandeln, die afghanische Zentralbank so unabhängig von ihrer Regierung zu machen, dass über sie diese Hilfsgelder ins Land geleitet werden können.

Das letzte Wort hier soll die schon länger in Deutschland lebende und lehrende, aus Afghanistan stammende Hochschullehrerin Jasamin Ulfat haben. Sie wies auf Twitter Medienkommentare zurück, der Verhüllungserlass sei “die harscheste Taleban-Maßnahme gegen Frauen bisher”. Sie schrieb: “Die Schulbildung wegzunehmen und die Bewegungsfreiheit der Frauen einzuschränken ist weitaus schlimmer als ein Schleier. Ein Schleier ist nur sichtbarer als die anderen Einschränkungen.”

Thomas Ruttig

Von 2000 bis 2003 bei politischen UN-Missionen in Afghanistan und Teilnehmer von (manchmal erfolgreichen) Verhandlungen mit den Taleban, seitdem als Afghanistan-Analyst auch ständiger Taleban-Watcher.


Fußnote 1:

Übersetzung der Stanaksai-Rede in Moskau, Absatz „Frauenrechte“:

Das Islamische Emirat Afghanistan betrachtet die Frau als Erbauerin einer muslimischen Gesellschaft und bekennt sich zu allen Rechten der Frau, die ihnen von der heiligen Religion des Islam verliehen wurden.

Der Islam hat Frauen alle Grundrechte gegeben, wie Business und Eigentum, Erbschaft, Bildung, Arbeit, die Wahl des Ehemanns, Sicherheit, Gesundheit und das Recht auf ein gutes Leben. Ebenso riet der Heilige Prophet (Friede sei mit ihm) im letzten Moment seines Lebens zu einer guten Haltung gegenüber Frauen. Dies sind all die Fälle, die die Frau aus den schrecklichen Abgründen der Traditionen der Unwissenheit (jahiliya) auf die höchste Ebene des Wissens, der Moral und der Würde geführt haben.

Es besteht kein Zweifel, dass es in Afghanistan aufgrund der Besatzung viele Herausforderungen gegen Frauenrechte gibt. Frauen sind mit vielen Katastrophen konfrontiert. Die sogenannten Frauenrechtlerinnen blieben 17 Jahre in Afghanistan, in dieser Zeit kamen Milliarden von Dollar nach Afghanistan, aber immer noch steht Afghanistan an der Spitze der Länder, in denen viele Frauen aufgrund fehlender Gesundheitseinrichtungen während der Entbindung sterben. Immer noch werden in unserem Land mehr als irgendwo sonst (auf der Welt) durch den Einsatz von Chemiewaffen missgebildete und behinderte Kinder gezeugt. Afghanistan gehört immer noch zu den Top-Ländern der Welt, in denen die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen nur 45 Jahre beträgt. Es gehört zu den Top-Ländern der Welt, in denen es mehr als eine Million Witwen gibt. Aufgrund von Korruption sind die unter dem Titel Frauenrechte eingebrachten und ausgegebenen Ausgaben in die Taschen derer geflossen, die Slogans für Frauenrechte aufstellen.

Im Namen der Frauenrechte wurde für Unmoral, Unanständigkeit und die Verbreitung nicht-islamischer Kultur gearbeitet. Die Verbreitung westlicher und nicht-afghanischer und nicht-islamischer Drama[fernseh]serien, die Wegbereitung unmoralischer Verbrechen und die Ermutigung von Frauen zur Verletzung afghanischer Bräuche sind weitere Fälle, die der afghanischen Gesellschaft unter dem Namen Frauenrechte aufgezwungen wurden.

Das Islamische Emirat Afghanistan hat von Anfang an einen sehr umfassenden und klaren Umgang mit den Rechten der Frau. Da der Islam und dann die afghanische Tradition zwei wichtige Werte der afghanischen Mudschahedin-Nation sind, bekennt sich das Islamische Emirat auch zu allen Rechten der Frauen in diesem Rahmen. Die Politik des Islamischen Emirats besteht darin, die Rechte von Frauen so zu schützen, dass weder ihre legitimen Rechte verletzt noch ihre Menschenwürde und afghanische Werte bedroht werden. Ebenso verpflichtet sich das Islamische Emirat, all jene schlechten Bräuche und Traditionen zu beseitigen, die die Rechte der Frauen verletzen und nicht den islamischen Prinzipien entsprechen, und ihnen ein sicheres Umfeld zu bieten.

Women Rights:

The Islamic Emirate of Afghanistan considers woman as the builders of a Muslim society and is committed to all rights of women that have been given to them by the sacred religion of Islam.

Islam has given women all fundamental rights, such as business and ownership, inheritance, education, work, choosing one’s husband, security, health, and right to good life. Likewise, the Holy prophet (peace be upon him) advised good attitude with women in the last moment of his life. These are all those instances that took the woman out of the horrific pits of traditions of ignorance to the highest levels of knowledge, morality and dignity.

There is no doubt that in Afghanistan, due to occupation, there are many challenges against women rights. Women are faced with a lot of disasters. The so called women rights activists stayed in Afghanistan for 17 years, in this period billions of dollars came to Afghanistan, but still Afghanistan is at the top of the countries where many women die during delivery due to lack of health facilities. Still deformed and disabled children are begotten in our country more than any other place (in the world) due to the use of chemical weapons. Afghanistan is still among the top countries of the world where the average life expectancy rate of women is only 45. It is among the top countries of the world where there are more than one million widows. Due to corruption, the expenses brought and spent under the title of women rights have gone to the pockets of those who raise slogans of women rights.

Under the name of women rights, there has been work for immorality, indecency and circulation of non-Islamic cultures. Dissemination of western and non-Afghan and non-Islamic drama serials, paving way for immoral crimes, and encouraging women for violating Afghan customs are other instances that have been imposed on Afghan society under the name of women rights.

From the beginning, the Islamic Emirate of Afghanistan has a very comprehensive and clear approach towards the rights of women. As Islam and then Afghan tradition is two major values of the Afghan Mujahid nation, so Islamic Emirate is also committed to all rights of women within this framework. The policy of the Islamic Emirate is to protect the rights of women in a way that neither their legitimate rights are violated nor their human dignity and Afghan values are threatened. Similarly, the Islamic Emirate is committed to eliminate all those evil customs and traditions that violate women rights and do not comply with Islamic principles, and provide them safe environment.

(Quelle: https://www.longwarjournal.org/archives/2018/11/at-moscow-conference-taliban-refers-to-itself-as-the-islamic-emirate-61-times.php)

Fußnote 2:

Zur Datierung: Im März ordneten die Taleban an, dass in ihrer öffentlichen Kommunikation fürderhin weder der bisher gebräuchliche islamische („persische“) Sonnenkalender (hidschri schamsi, Abk.: h.sh.) noch der Gregorianische Kalender verwendet werden (beide laufen mit Jahren von 365 Tagen parallel, wenn auch der Jahresbeginn differiert, d.h. 1.1. und 21.3., bzw 20.3. in einem Schaltjahr), sondern nur der islamische Mondkalender (hidschri qamari, Abk.: h.q.).

Fußnote 3:

Dieser Plan wurde nicht offiziell verkündet und findet sich auch nicht auf der Seite der Taleban-Hochschulministeriums, sondern wurde mit Taleban-Briefkopf und –Stempel, allerdings ohne Unterschrift des zuständigen Ministers, in sozialen Medien verbreitet. Es ist unklar, ob er teilweise oder vollständig umgesetzt wurde, zeigt aber nach Ansicht des Autors das Denken von Taleban-Bürokraten, die solche Pläne erarbeiten. Zudem belegen Medienfotos, dass Vorlesungsräume in mehreren Universitäten tatsächlich durch Vorhänge getrennt wurden. Auch dieser Plan sah bereits vor, dass die Studentinnen die Universitäten nur im Hidschab betreten dürfen. 

In dem Plan(entwurf?) heißt es u.a.:

  • in Fakultäten, an denen weniger als 20 Prozent Studentinnen eingeschrieben sind, sollen sie an „andere ähnliche Fakultäten“ versetzt werden oder, „falls nicht vorhanden“, eine andere Fakultät (offenbar mit größerer Studentinnenschaft) wählen dürfen;
  • in Fakultäten mit 50 Prozent Studentinnen sollen „die Klassen“ (Hörsäle und Seminarräume?) mit „abgedunkelten Scheiben“ geteilt werden; dabei sollen die Studentinnen hinten und die Studenten vorn sitzen; die Studentinnen sollen spätestens zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn ihre vorgesehenen Plätz einnehmen, und die Studenten erst den Raum betreten dürfen, wenn der Vorlesende ihn betritt; nach Veranstaltungsschluss müssen erst „alle“ Studenten den Raum verlassen, bevor die Studentinnen folgen;
  • Fakultäten mit 20 bis 50 Prozent Studentinnenanteil müssen getrennte Veranstaltungen für Studenten und Studentinnen durchführen; sollte es nicht ausreichend Räumlichkeiten geben, sollen „Lehrerzimmer“ und freie Räume anderer Fakultäten genutzt werden;
  • an Fakultäten mit 50 bis 70 Prozent Studentinnenanteil müssen die Veranstaltungsräume durch einen Vorhang so getrennt werden, dass die Tafel sichtbar bleibt; auch hier müssen die Studentinnen ihre Plätze bis zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn „auf der türabgewandten Seite“ einnehmen, während die Studenten auf der Türseite sitzen sollen, damit sie den Raum zuletzt betreten und zuerst wieder verlassen;
  • Fakultäten mit über 70 Prozent Studentinnenanteil dürfen „wie in der Vergangenheit“ weitermachen;
  • Generell sollen Studentinnen und Studenten voneinander Abstand halten; sollten eine Studentin und ein Student „zusammen oder im Gespräch“ angetroffen werden, dürfen die verantwortlichen Taleban sie „befragen“ und feststellen, ob eine „illegitime Verbindung“ zwischen ihnen besteht, und sie in einem solchen Fall der Gerichtsbarkeit übergeben.

Fußnote 4:

Das Norwegische Afghanistan-Komitee in einer Email an der Verfasser AAN; der Verein Kinderhilfe (auch kurz in der Süddeutschen Zeitung) und ein weiterer Rundbrief.

Zugleich sank die Zahl der Provinzen, in denen zum Zeitpunkt der Nichtwiedereröffnung der höheren Mädchenschulen Mädchen noch höhere Klassen besuchten, nach dem Schulstopp sofort von 17 auf zehn. Inzwischen sei diese Zahl nach Angaben von UNICEF weiter zurückgegangen, auf acht Provinzen. (Dort aber oft nur in einzelnen Distrikten oder Schulen, die genügend Lehrerinnen und Klassenräume haben, um die von den Taleban geforderte Gender-Segregation umsetzen können.) Einer Studie von Save The Children und UNICEF zufolge besuchten Ende April von etwa 1,1 Mio. Mädchen im Sekundarschulalter 850.000 nicht die Schule.

Fußnote 5:

Dann geschah folgendes:

Die Provinz Balkh im Norden Afghanistans war einzigartig: Seit der Machtübernahme der Taleban sind weiterführende Schulen für Mädchen geöffnet geblieben. Dort und anderswo wurden sie jedoch mit Schließung bedroht, wenn sie sich weigerten, die immer strengeren Kleidervorschriften einzuhalten.

Die Taleban schlossen eine Schule in Balch für mehrere Tage, nachdem einige Schülerinnenn ihre Gesichter nicht bedeckt hatten. Ein Schulbeamter teilte mit, er habe eine Sprachnachricht eines Taleban-Beamten erhalten, dass ein Schulleiter eine Lehrerin wegen ihrer „unanständigen“ Kleidung entlassen solle. Eine Schule hat jetzt einen Lehrer, der „Laster verhindern und Tugend fördern“ soll.

„Die Anforderungen an den Hidschab werden von Tag zu Tag strenger“, sagte eine Lehrerin zur muslimischen Kopftuchpflicht. „Sie haben Spione, die ihnn sie berichten und melden müssen … Wenn Schülerinnen oder Lehrerinnen die strengen Hidschab-Regeln nicht befolgen, feuern sie die Lehrerinnen ohne Diskussion und schließen die Schülerinnen aus.“ Sie teilte ein Foto von einer Versammlung an ihrer Schule: Schüler und Lehrer trugen alle uniforme Kleidung, die nur ihre Augen sehen ließ.

Eine Schülerin einer anderen Schule erklärte: „Wir dürfen keine Gürtel tragen. Unsere Ärmel sollen so weit sein, dass sie unsere Ellbogen und die Form unserer Arme verbergen. Aber dann wurden wir gerügt, dass, wenn wir an die Tafel schreiben, unsere Ärmel zurück rollen und unsere Arme zum Vorschein kommen … An einem Tag werden wir aufgefordert, weite Ärmel zu tragen, und am nächsten Tag werden wir dafür ermahnt.“ Die neueste Anweisung, sagte sie, sei, weite Ärmel zu tragen, sie aber am Handgelenk zu befestigen.

„Alle Mädchen in meiner Schule glauben, dass die Taleban-Behörden es so hart und streng mit uns machen wollen, dass wir unsere Bildung von uns aus aufgeben“, sagte die Schülerin und fügte hinzu, dass sie und ihre Klassenkameradinnen immer noch entschlossen sind, zu lernen. “Die Entscheidung ist, sie hier nicht gewinnen zu lassen.”