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Die Taleban haben neue Entscheidungen getroffen, um die Kontrolle der Geistlichkeit über die staatlichen Institutionen zu festigen. 

Die Rote Moschee von Kandahar, in die Mullah Omar oft gegangen sein soll – hier allerdings schon nach 2001. Foto: Thomas Ruttig.
Die Rote Moschee von Kandahar, in die Talebangründer Mullah Muhammad Omar oft gegangen sein soll. Foto: Thomas Ruttig (nach 2001).

Taleban-Chef Hebatullah Achundsada hat der afghanischen Nachrichtenagentur Ariana zufolge angeordnet, dass der Taleban-Provinzregierung im nordafghanischen Tachar ein Rat aus 15 Geistlichen und fünf „Ältesten“ übergeordnet wird. Er soll ihrer Arbeit überwachen, sie bei der „Verbesserung der Regierungsführung“ unterstützen und in juristischen Streitfällen schlichten. Der Rat sei direkt Talebanchef Hebatullah unterstellt und habe seine Tätigkeit am 12. Juni aufgenommen.

Solche Räte sollen laut dem Ariana-Bericht in allen Provinzen eingerichtet werden.

In einem Dekret von Mai, das jetzt erst bekannt wurde, ordnete der Taleban-Chef ferner an, dass den Distriktgouverneuren und Distriktpolizeichefs in der Provinz Kandadar jeweils Mullahs aus den örtlichen Madrassas (Koranschulen) als Stellvertreter beigeordnet werden. Neben Verwaltungsaufgaben sollen diese als Vorbeter für die dort tätigen Taleban fungieren und Ausbildungsaufgaben übernehmen.

Die Praxis erinnert an die Politoffiziere in den früheren sozialistischen Staaten. Es blieb offen, ob sie ebenfalls landesweit umgesetzt werden soll.