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Heute vor 22 Jahren erschien in der taz der unten stehende Artikel von mir – und die Parallelen zur gegenwärtigen Situation sind schlagend: Wieder herrscht ein harter Winter mit Nachttemperaturen in Kabul von fast -20 Grad, Dutzende Menschen sind erfroren (laut Tolonews gestern landesweit etwa 70), die Taleban haben das Land isoliert, die humanitäre Versorgung stockt. Den Taleban-Behörden zufolge sind (wahrscheinlich nur u.a.) die Provinzen Badghis, Ghasni, Nimrus, Ghor, Paktika, Herat, Farjab, Sarepul und Dschausdschan betroffen. Auch zehntausende Stück Vieh seien umgekommen. Wie al-Jazeera berichtete, müssen Menschen sich entscheiden, ob die Heizmaterial oder Nahrungsmittel kaufen – oder von beidem zu wenig.

Immerhin haben drei große NGOs, die nachdem die Taleban afghanischen Frauen verboten hatten, bei Hilfsorganisationen zu arbeiten, ihre Programme einstellen mussten, einige davon wieder aufgenommen – Save The Children, CARE und das International Rescue Committee.

Gleichzeitig bemüht sich Amina Muhammad, als UN-Vizegeneralsekretärin ranghöchste Frau in der Weltorganisation während eines Kabul-Besuches gerade, die Taleban von ihrer frauenfeindlichen und auch darüber hinaus repressiven Politik abzubringen oder sie wenigstens zu mildern.

Der Tagesspiegel berichtete bereits gestern.

Helfer des afghanischen Roten Halbmonds in der Provinz Ghor. Foto: Ariana.


Auszug:

Winter in Afghanistan ist keine erfreuliche Jahreszeit. Zwar tanzten im Dezember die Bewohner Kabuls auf den Straßen, als seit drei Jahren erstmals wieder reichlich Schnee fiel – der in Frühjahr und Sommer die Flüsse und Bewässerungssysteme in dem seit drei Jahren von einer extremen Dürre geplagten Land füllt. Aber wenn es nicht bald mehr schneit, droht laut UN-Welternährungsprogramm einer Million Afghanen der Hungertod. Der Schnee auf den Bergen, die das fast 2.000 Meter hoch gelegene Kabul einschließen, ist vorerst also nur eine Hoffnung auf bessere Zeiten.

Afghanistans winterlicher Alltag wird weiterhin vor allem von Problemen regiert. Gegen acht Uhr früh, die Morgensonne wärmt noch immer nicht richtig, kauern an einer Kabuler Straßenecke ein paar Dutzend Männer, gegen die Kälte so tief in Decken gehüllt, dass nur noch die Nasenspitzen hervorlugen, und warten auf ein Wunder. Die wenigen Arbeitgeber haben schon zwischen fünf und sechs Uhr ihre Tagelöhner geheuert. Und während der Konkurrenzdruck durch Zuwanderer aus den Dürregebieten dafür sorgt, dass auch die Löhne der wenigen, die einen Job ergattern, sinken, steigen gleichzeitig die Preise für Brennstoffe und Grundnahrungsmittel.

In diesem Winter kommen erschwerend die verschärften UN-Sanktionen hinzu, die der Sicherheitsrat am 19. Dezember beschloss und die gestern in Kraft getreten sind. Die regierenden Taliban machen sie für die Verschlechterung der Lebenslage verantwortlich. Selbst humanitäre UN-Organisationen widersprechen Moskaus und Washingtons Ansicht, dass es sich um „smarte Sanktionen“ handele, die der Bevölkerung nicht schadeten. Nach einer Studie des humanitären UN-Koordinationsbüros für Afghanistan (UNOCHA) wirkten sich schon die weitaus schwächeren Sanktionen vom November 1999 „indirekt“ auf die Lebenslage der Bevölkerung aus, vor allem indem sie ihr „Gefühl der Isolation“ und damit die Hoffnungslosigkeit verstärkten.

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