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Eine amerikanische Studie – das Costs of War-Projekt des Watson Institute for International Studies der Brown University in Providence, Rhode Island – hat neue Zahlen über die humanitären und finanziellen (in diesem Fall nur Kosten der USA) der Kriege in Irak, Afghanistan und Pakistan vorlegt.

Titelblatt des letzten UNAMA-Berichts über zivile Kriegsopfer.

Titelblatt des letzten UNAMA-Berichts über zivile Kriegsopfer.

 

Tote, Verletzte, Vertriebene

Demnach fielen zwischen Oktober 2001 und April 2014 dem Krieg in Afghanistan zwischen 56.000 und 68.000 Menschen zum Opfer. Dazu gehören (nach den Kategorien des Projekts):

Zivilisten:                                                                              21-23.000

Kämpfer der Opposition                                                          15-25.000

Humanitäre/NGO-Mitarbeiter                                                  298

(davon 261 Afghanen und 37 Ausländer)

Journalisten                                                                           28

 

US-Soldaten                                                                          2313

US-Kontraktoren                                                                   3248

verbündete (afgh.) Soldaten und Polizisten                             13.017

andere verbündete Truppen (ISAF usw.)                                 1114

 

29,900 weitere afghanische Zivilisten wurden verwundet. Laut afghanischen Regierungsangaben tragen zwei Drittel der Verwundeten mentale Schäden davon. Vielen Verletzten müssen Gliedmaßen amputiert werden; das ICRC registrierte 2014 1318 neue Patienten mit Amputationen.

Die meisten zivilen Opfer kamen seit 2007 ums Leben, so eine Sprecherin des Projekts, mit über 17.700 Zivilisten, die UNAMA zwischen 2009 und 2014 registrierte. Die meisten Zivilisten wurden von Aufständischen getötet. Eine Analyse und Zusammenfassung des letzten UNAMA-Berichts findet sich hier.

Dazu kamen Mitte 2014 weltweit 2,7 Millionen afghanische Flüchtlinge und 701.900 im Land Vertriebene (IDPs); die letzte Zahl sei zwischen 2013 und 2014 um 20.000 angestiegen.

 

Finanzielle Kosten

Auf der finanziellen Seite betrugen die direkten Kriegskosten für die USA (über Verteidigungs- und Außenministerium) von 2001 bis 2014 719 Milliarden Dollar. Dazu kommen noch viel höhere indirekte Kosten, einschließlich von Zinsen für Kredite, die für die Kriege aufgenommen werden mussten, die jedoch nicht nach den drei Kriegsschauplätzen gesondert betrachtet werden können, weil die US-Regierung diese Summen pauschal budgetiert. Die Gesamtkosten betrugen bis inkl. 2014 4374,5 Milliarden Dollar, die Zinsen werden zusätzlich auf über 7900 Milliarden Dollar geschätzt.

Das Projekt schätzt die anteiligen Kosten für Afghanistan und Pakistan auf 1650 Milliarden Dollar; dazu kämen bis 2054 etwa 2150 Milliarden Dollar für Veteranen.

Zusammenfassungen mit Quellen sowie Erläuterungen der Kategorien hier und noch einmal spezifischer zu Afghanistan hier.

Die Studie wurden von einem Team aus 30 Ökonomen, Anthropologen, Politikwissenschaftlern, Juristen und Medizinern durchgeführt.

 

Und Deutschland?

Für die Bundesrepublik hatte im Mai 2010 das DIW eine „erste Schätzung der wirtschaftlichen Kosten der deutschen Beteiligung am Krieg in Afghanistan“ vorgelegt (hier).

Hier die Zusammenfassung der Studie:

In diesem Beitrag werden die bisherigen sowie die zukünftigen Gesamtkosten der Beteiligung Deutschlands am Krieg in Afghanistan geschätzt. Es handelt sich hierbei um eine äußerst komplexe Berechnung mit zahlreichen Unsicherheitsfaktoren, die auf mehreren wichtigen Annahmen basiert. Es werden verschiedene mögliche Szenarien bezüglich Dauer und Intensität der deutschen Beteiligung am Krieg in Afghanistan berücksichtigt. In einem realistischen Szenario, in dem Deutschland noch einige Jahre in Afghanistan präsent bleibt, schätzen wir den deutschen Anteil am Kapitalwert der Gesamtkosten des Krieges auf zwischen 25 und 46 Milliarden Euro. Sollte sich Deutschland dazu verpflichten, das Engagement in Afghanistan auszuweiten, und mit stärkerem Widerstand konfrontiert werden, steigen die Kosten erheblich an. Falls sich Deutschland hingegen nächstes Jahr [d.h. 2011] aus Afghanistan zurückzieht, belaufen sich die Gesamtkosten der deutschen Beteiligung am Afghanistankrieg auf zwischen 18 und 32 Milliarden Euro. Diese große Kostenspanne ist den Unsicherheitsfaktoren zuzuschreiben, auf deren Grundlage die Kosten geschätzt werden mussten. Unseren Schätzungen zufolge kostet jedes weitere Jahr, in dem Deutschland am Einsatz in Afghanistan teilnimmt, zusätzliche 2,5 bis 3 Milliarden Euro. Dies steht im Widerspruch zum offiziellen Kriegsbudget, das für das Jahr 2010 784,7 Millionen Euro beträgt.

Im März 2013 waren in Afghanistan noch 4350 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Deren Zahl (die Mandatsobergrenze) sollte bis Februar 2014 auf 3300 Soldaten sinken. Nach dem ISAF-Mandatsende behielt die Bundesrepubik bis zu 850 Trainer und Berater in Afghanistan in der NATO-Mission Resolute Support (siehe hier und hier). Das neue Mandat gilt ab Januar 2015 für ein Jahr (siehe hier).

Mit den 850 Soldaten soll die Bundeswehr weiter die Rolle der Führungsnation im Norden Afghanistans übernehmen. Rund 700 Soldaten sollen im Stützpunkt Masar-i-Scharif stationiert bleiben, weitere 150 werden in der Hauptstadt Kabul eingesetzt. Für das eigentliche Training der afghanischen Sicherheitskräfte werden damit lediglich rund 100 Soldaten zur Verfügung stehen, die anderen werden mit Aufgaben wie Lufttransport, Sanität und Aufklärung befasst sein. Man werde aber auch über 2015 hinaus engagiert bleiben, versicherte Steinmeier, so die „Welt“.

Im März dieses Jahres berichtete die Tagesschau unter Berufung auf eine vertrauliche Aufstellung des Verteidigungsministeriums, dass der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan den deutschen Steuerzahler rund 8,8 Milliarden Euro gekostet habe. Allein die Kosten des ISAF-Abzuges der Bundeswehr – 1161 Fahrzeuge und 2465 Container in 257 Flügen – schlugen „bis zum Jahresende 2014 mit rund 66,2 Millionen Euro zu Buche“.

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